Gotthold Schwarz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gotthold Schwarz (2015)

Gotthold Schwarz (* 12. August 1952 in Zwickau) ist ein deutscher Sänger (Bassbariton) und Dirigent.

Leben[Bearbeiten]

Aufgewachsen im sächsischen Zwickau hatte der Sohn des Kantors der Zwickauer Pauluskirche Hans Schwarz schon frühzeitig Kontakt zur Musik. 1964 wurde er Mitglied des Leipziger Thomanerchors, aus dem ihn seine Eltern wegen starkem Heimweh nach einem Dreivierteljahr wieder heraus nahmen. Weil sein Vater Kirchenmusiker war, wurde Gotthold Schwarz zur Erweiterten Oberschule nicht zugelassen. Er begann eine Berufsausbildung als Buchhändler an der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt in Leipzig.

Von 1971 bis 1973 folgte eine kirchenmusikalische Ausbildung an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden. Anschließend studierte er an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig Orgel bei Wolfgang Schetelich und Hannes Kästner sowie Gesang bei Gerda Schriever und Dirigieren bei Jochen Wehner, Max Pommer und Hans-Joachim Rotzsch. Hier legte er 1978 das kirchenmusikalische A-Examen und 1979 das Gesangsexamen ab. Seine Diplomarbeit schrieb er bei Max Pommer über die Rhetorik in Bachs Werken. Sein Hilfsdienstjahr als Kirchenmusiker absolvierte Schwarz an der Zwickauer Katharinenkirche. Später arbeitete er im Rahmen privater Gesangsstudien u. a. mit Peter Schreier, Hermann Christian Polster und Helmuth Rilling.

Nach seinem Studium begann er eine rege Solistentätigkeit, vor allem als Kantaten- und Oratoriensänger. 1979 wurde er von Hans-Joachim Rotzsch als Stimmbildner des Thomanerchors berufen. 1992, 1999, 2002/03 und 2011 war er Stellvertreter des Thomaskantors und schließlich nach Georg Christoph Billers Amtsniederlegung ist er seit Februar 2015 bis Juni 2016 interimistischer Thomaskantor.[1][2] Schwarz trat zusammen mit vielen namhaften Ensembles und Dirigenten auf, so z. B. mit John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Peter Schreier, Martin Haselböck, dem Leipziger Thomanerchor, dem Gewandhausorchester und dem Dresdner Kreuzchor. Er konzertierte bei den Salzburger Festspielen, im Wiener Musikverein sowie in den USA, Finnland und Japan.

Bereits seit den 1980er Jahren tritt Schwarz auch als Chorleiter und Dirigent in Erscheinung. So rief er 1990 die der Förderung Alter Musik verpflichtete Leipziger Musikgesellschaft[3] ins Leben, deren künstlerischer Leiter Gotthold Schwarz ist. Schwarz leitet die Ensembles der Musikgesellschaft Concerto vocale Leipzig (gegründet 1984) und Sächsisches Barockorchester[4] (gegründet 1989/1990), beide sind der Alten Musik, der historischen Aufführungspraxis und ihrer Verbindung von Gesang und instrumentaler Musik verpflichtet. Zusammen mit dem Leipziger Gambisten Siegfried Pank und dem Hamelner Organisten Hans Christoph Becker-Foss gründete Schwarz 1993 das Barocktrio Schwarz/Pank/Becker-Foss,[5] das vor allem Musik der Bachfamilie, aber auch andere Barockmusik aufführt. Außerdem leitet er als Gastdirigent den Thomanerchor und das Gewandhausorchester. Der aus Mitgliedern des MDR Rundfunkchors Leipzig bestehende Kammerchor Leipziger Cantorey[6] und das Ensemble Bach Consort Leipzig[7] – beide wurden 2012 von Schwarz gegründet – widmen sich vorrangig der Barockmusik.

Gotthold Schwarz lebt in Leipzig.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Leipzig: Gotthold Schwarz übernimmt das Interim im Thomaskantorat. 4. Februar 2015.
  2. Stadt Leipzig: Nachfolge im Thomaskantorat – Vier Kandidaten zu Probewochen eingeladen. 25. August 2015.
  3. Website der Leipziger Musikgesellschaft e. V.
  4. Website des Sächsischen Barockorchesters
  5. Website des barocktrios schwarz | pank | becker-foss
  6. Website der Leipziger Cantorey
  7. Website des Bach Consort Leipzig

Literatur[Bearbeiten]

  • „Natürlich ist auch jeder Thomaner ein Solist.“ Interview mit Gotthold Schwarz In: Gewandhaus-Magazin, Nr. 74 (Frühjahr 2012), ISSN 0945-6023, S. 32–36.

Weblinks[Bearbeiten]