Gottlieb Jacob Weizsäcker

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Gottlieb Jacob Weizsäcker (* 15. Februar 1736 in Eckartsweiler; † 25. Oktober 1798 in Öhringen) war ein deutscher Koch und Stammvater des Öhringer Zweiges der Weizsäcker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weizsäcker war Sohn des Müllers in Eckartsweiler Wolfgang Friedrich Weizsäcker (1687–1747) und der Marie Catharina, geb. Schlösser (1696–1765), Tochter des gräflich hohenlohe-pfedelbachschen Hofschuhmachermeisters zu Pfedelbach Johann Georg Schlösser. Weizsäcker hatte zunächst das Müllerhandwerk gelernt, war dann aber im nahen Öhringer Schloss bei dem Küchenchef Georg Ludwig Scheuermann in die Lehre gegangen. 1768 trat er die Nachfolge seines Lehrherrn an und wurde Hofmundkoch zu Öhringen. Wenige Monate später heiratete er die Tochter seines Vorgängers, Elisabeth Christina Margarethe Scheuermann (1739–1779).

Weizsäckers Bedeutung lag nicht in seiner Kochkunst. Vielmehr bahnte er durch seine Anstellung bei Hofe den gesellschaftlichen Aufstieg des Öhringer Zweiges der Familie Weizsäcker an, die bis dahin als belehnte Müller in dem unbedeutenden Flecken Eckartsweiler tätig waren. „Je höher die Herrschaft, … desto bessere Chancen, es trotz Dienstbarkeit zu einer angesehenen Stellung in der Welt zu bringen.“[1] Dies belegt die zweite Ehe des verwitweten Weizsäcker mit Catharina Dorothea Greiss (* 1758; † nach 1816), Tochter des M. Carl Ferdinand Greiss, Pfarrer zu Buchenbach, mit welcher der Anschluss an bildungsbürgerliche Kreise gelang.

Weizsäckers Frau fiel nach seinem Tod 1798 in Armut und wurde dem Hof als Bittstellerin lästig. Sie führte ihre missliche Lage zurück auf ihres Mannes „Abneigung zu einem ordentlichen und eingezogenen Leben und sparsamer Haushaltung“.[2] Der Hof hatte jedoch, wie bei Söhnen von Hofbedienten nicht unüblich, die Ausbildung des Sohnes zweiter Ehe, Christian Ludwig Friedrich Weizsäcker (1785–1831), gefördert und setzte dies auch nach dem Tode Weizsäckers fort. Der Sohn brachte es bereits zum Magister, Stadtpfarrer, Stiftsprediger und fürstlich hohenlohischen Schulkonferenzdirektor zu Öhringen, verstarb jedoch – von schwächlicher Gesundheit – mit 46 Jahren und ließ seine 34-jährige Witwe unversorgt zurück. Sein Sohn, der Theologe Karl Heinrich Weizsäcker, der beim Tode seines Vaters acht Jahre alt war, konnte deswegen nur über das Landexamen und die damit verbundene kostenlose Aufnahme in das Seminar studieren und den von Gottlieb Jacob Weizsäcker begonnenen gesellschaftlichen Aufstieg fortsetzen.

Weizsäckers Sohn aus erster Ehe, Carl Friedrich Gottlob Weizsäcker (1774–1835), wurde Stadtschultheiß zu Öhringen. Seine Nachkommen blieben den handwerklichen Wurzeln treu und wandten sich vornehmlich dem Optikerberuf zu.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Euler: Ahnentafel v. Weisäcker–v. Graevenitz. Verlag Herold zu Berlin, 1992.
  • Martin Wein: Die Weizsäckers. Geschichte einer deutschen Familie. Droemer Knaur, München 1991, ISBN 3-426-02417-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesinde im 18. Jahrhundert. Meiner, Hamburg 1995, ISBN 3-7873-0915-2 (Studien zum achtzehnten Jahrhundert. Band 12), S. 179.
  2. Martin Wein, Die Weizsäckers. Geschichte einer deutschen Familie, S. 23.
  3. Martin Wein, Die Weizsäckers. Geschichte einer deutschen Familie, Stammtafel, hinteres Vorsatzblatt