Gottlieben

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Gottlieben
Wappen von Gottlieben
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Kreuzlingenw
BFS-Nr.: 4651i1f3f4
Postleitzahl: 8274
Koordinaten: 727324 / 28067147.66439.13381400Koordinaten: 47° 39′ 51″ N, 9° 8′ 2″ O; CH1903: 727324 / 280671
Höhe: 400 m ü. M.
Fläche: 0.4 km²
Einwohner: 306 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 765 Einw. pro km²
Website: www.gottlieben.ch
Karte
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Gottlieben ist eine politische Gemeinde im Bezirk Kreuzlingen des Kantons Thurgau in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Gottlieben liegt am Ufer des Seerheins, der die beiden Teile des Bodensees (Obersee und Untersee) verbindet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte Gottliebens geht auf eine Wasserburg zurück, die der Konstanzer Bischof Eberhard II. von Waldburg 1251 erbauen liess. 1355 wurde Gottlieben durch Konrad von Homburg überfallen und niedergebrannt. Zur Zeit des Konstanzer Konzils sass 1415 der Reformator Johannes Hus auf dem westlichen Burgturm in Gottlieben in einem hölzernen Blockhaus gefesselt, ebenso der abgesetzte Papst Johannes XXIII.

Im Schwabenkrieg nahm Bischof Hugo von Hohenlandenberg eine kaiserliche Besatzung im Schloss Gottlieben auf und duldete trotz seiner Neutralitätserklärung, dass auf die Eidgenossen geschossen wurde, was dazu führte, dass diese die bischöfliche Burg Castell oberhalb Tägerwilen verbrannten. In der Folge verliess der Bischof Gottlieben für immer und hatte von da an seine Residenz in Meersburg. Im Dreissigjährigen Krieg schlug der schwedische Feldmarschall Gustav Horn sein Hauptquartier im Kampf gegen Konstanz in Gottlieben auf.

Am 5. März 1692 versanken bei einem Sturm drei Häuser in den Rhein, ein Unglück, das weitherum zu Reden gab. 1798 wurde auch die Obervogtei Gottlieben aufgehoben, wurde jedoch Hauptort eines Distrikts, bis Kreuzlingen 1874 Bezirkshauptort wurde.

Gottlieber Künstlerkolonie[Bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts/ Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Gottlieben eine Künstlerkolonie, initiiert von dem Schriftsteller Emanuel von Bodman (1874–1946) und dem Schriftsteller, Maler und Bildhauer Heinrich Ernst Kromer (1866–1948). Es gab einen regen Austausch mit Kulturschaffenden der Jahrhundertwende wie Richard Dehmel, René Schickele, Wilhelm von Scholz, Rainer Maria Rilke, Ludwig Finckh, Ludwig Klages und Hermann Hesse, später auch Thomas Mann.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

In Gottlieben ansässig ist eine Bäckerei, deren Gottlieber Hüppen (gefüllte Waffelröllchen) eine international bekannte Dessertspezialität sind. Des Weiteren sind zwei Bootswerften sowie Hotel- und Restaurationsbetriebe ansässig.

Die Lage der Gemeinde an der Schifffahrtslinie und das malerische Ortsbild, das von Fachwerkhäusern geprägt ist, machen die Gemeinde zu einem beliebten Tourismusziel, vor allem in den Sommermonaten. Gottlieben ist Haltestelle der Weißen Flotte (Bodensee).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gottlieben mit Dorfkirche
Gasthof Drachenburg in Gottlieben am Seerhein
Schloss Gottlieben vom Seerhein gesehen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Robert Hallum († 1417), Kanzler der Universität Oxford 1403–05, Bischof von Salisbury 1407–17
  • Johann Conrad Hippenmeyer (1752–1832), Gründer und Direktor der österr. Nationalbank
  • Johannes Hippenmeyer (1779–1854), Offizier, Thurgauer Kantonsrat von 1815–31, Besitzer des Schlosses Gottlieben
  • Moritz Roth (1839–1914), Schweizer Pathologe
  • Wilhelm Hummel (1872–1939), Schweizer Maler
  • Lisa della Casa (1919–2012), Opernsängerin, Besitzerin des Schlosses Gottlieben
  • Robert Holzach (1922–2009), Banker (SBG), Ehrenbürger von Gottlieben (1999)
  • Udo Jürgens (1934–2014), österreichischer Komponist, Pianist und Sänger, starb in Gottlieben beim Spaziergang auf der Seepromenade
  • Joachim Eder (* 1951), Regierungsrat des Kantons Zug, Ständerat für den Kanton Zug
  • Cécile Hummel (* 1962), Schweizer Malerin und Künstlerin
  • Timo Glock (* 1982), deutscher Formel-1-Fahrer

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Strauss: Gottlieben am Rhein und Untersee., in: Beiträge zur Ortsgeschichte des Bezirks Kreuzlingen, Heft 13, 1959
  • Hermann Strauss: Das "Waaghaus" in Gottlieben., in: Beiträge zur Ortsgeschichte von Kreuzlingen, Heft 5, 1952
  • Esther Bächer: Emanuel von Bodman und die Gottlieber Künstlerkolonie 1902-1905, Huber Frauenfeld 2000, ISBN 3-7193-1208-9
  • Esther Bächer: Gottlieben. Informationen zur Geschichte., Bodan AG Kreuzlingen 2001, ISBN 3-9522278-0-3
  • Schlösser und Burgen am Bodensee. Bd III. Süd. Von Risegg bis Gottlieben, Biberacher Verlagsdruckerei 2002, ISBN 3-933614-12-0
  • Esther Bächer, Barbara Stark: Verkannt, vergessen: Der Maler, Schriftsteller und Bildhauer Heinrich Ernst Kromer. Eine grenzüberschreitende Retrospektive, Huber Frauenfeld 2004, ISBN 3-7193-1356-5
  • Heinz Bothien: Napoleons Liebesschwüre und andere Köstlichkeiten aus den Hofbibliotheken der Königin Hortense. Ausstellungskatalog Nummer 4 des Bodman-Hauses in Gottlieben, Huber Frauenfeld 2005, ISBN 3-7193-1313-1
  • Regine Abegg, Peter Erni, Alfons Raimann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band VIII: Rund um Kreuzlingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 125). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2014, ISBN 978-3-03797-116-1, S.&nbsp174–215.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gottlieben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)