Gousse

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Gousse
Gousse (Frankreich)
Gousse
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Dax
Kanton Coteau de Chalosse
Gemeindeverband Terres de Chalosse
Koordinaten 43° 46′ N, 0° 54′ WKoordinaten: 43° 46′ N, 0° 54′ W
Höhe 6–34 m
Fläche 4,09 km2
Einwohner 324 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 79 Einw./km2
Postleitzahl 40465
INSEE-Code

Pfarrkirche Saint-Martin

Gousse ist eine französische Gemeinde mit 324 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Dax und zum Kanton Coteau de Chalosse (bis 2015: Kanton Montfort-en-Chalosse).

Der Name in der gascognischen Sprache lautet Gossa.[1] Er hat seinen Ursprung im aquitanischen Wort gavosse, das einen Ort bezeichnet, der häufig überschwemmt wird oder eine Wasserfläche an einem Ufer eines Flusses.[2]

Die Einwohner werden Goussois und Goussoises genannt.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gousse liegt ca. 15 km nordwestlich von Dax im Landstrich Chalosse der historischen Provinz Gascogne.

Umgeben wird Gousse von den Nachbargemeinden:

Pontonx-sur-l’Adour
Nachbargemeinden Saint-Jean-de-Lier
Préchacq-les-Bains
Louer

Gousse liegt am linken Ufer des Flusses Adour. Einer seiner Nebenflüsse, der Arribon, entspringt auf dem Gebiet der Gemeinde.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedingt durch die geografische Situation am Ufer des Adour war das Gebiet der Gemeinde seit dem Beginn der Zeitrechnung besiedelt, wie auch ein westgotisches Grab bezeugt, das in Gousse gefunden wurde. In der Folgezeit kannten die Bewohner unruhige Zeiten durch verschiedene Invasionen zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert. Mit dem 11. Jahrhundert wurden die Geschicke der Region von der englischen Besetzung bestimmt, die im Jahre 1453 mit dem Ende des Hundertjährigen Kriegs ausklang. Im 15. Jahrhundert ließ sich eine Gemeinschaft von Cagots in Gousse nieder, eine Personengruppe, die seit dem 13. Jahrhundert in ganz Europa, aber besonders zu beiden Seiten der Pyrenäen existierte. Sie wurde mit zahlreichen Verboten belegt, aber für gewöhnlich war ihnen die Verarbeitung von Holz erlaubt, wie im Fall der Gruppe in Gousse. Dies blieb nicht ohne Konflikte, denn die Cagots erhoben Ansprüche auf dem Wald in der Überschwemmungszone, der Grundherr von Pontonx auf der anderen Uferseite aber eine gegenteilige Meinung hatte. Dieser Streit zog sich über drei Jahrhunderte. Im 17. Jahrhundert ließ der Marquis einen Teil des Waldes roden und die Bewohner durften ihr Vieh auf das neu gewonnene Land weiden. Jean-Louis D’Oro wurde im Jahre 1742 Besitzer des Landes von Gousse. Mit der Französischen Revolution wurde der Wald des ehemaligen Grundherrn Nationalgut, später Privatbesitz. Eine Abholzung wurde durchgeführt und aus dem Wald wurde nach und nach Weideland. Im 19. Jahrhundert wurden die beiden Uferbereiche des Adour mit einer Brücke verbunden. Überschwemmungen in den Jahren 1852 und 1879 beschädigten die Verkehrsadern. Das Ende des 19. Jahrhunderts war für Gousse eine dynamische Zeit. Es wurde eine Schule und eine neue Kirche errichtet. Das Rathaus wurde indes erst im Jahre 1965 neu gebaut.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einen ersten Höchststand von rund 270. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1990er Jahren auf rund 135 Einwohner, bevor eine zeitweise starke Wachstumsphase einsetzte, die die Größe auf über 300 Einwohnern hob und heute noch anhält.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 166 163 143 140 137 170 221 305 324
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[5] INSEE ab 2010[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neuromanische, Martin von Tours gewidmete Kirche besitzt einen rechteckigen Grundriss. Das Hauptschiff verlängert sich durch einem halbrunden Chor, der von Nebengebäuden flankiert wird. Die Wände des Langhauses werden durch rundbogenförmige Fenster unterbrochen, die außen mit den abgeschrägten Strebepfeilern alternieren, die das ganze Gebäude umsäumen. Der Glockenturm über der Vorhalle ist erst 1996 hinzugefügt worden. Er ist vollständig in die westliche Fassade integriert und besitzt einen pyramidenförmigen, mit Schiefer gedeckten Helm. An seinem Fuß befindet sich das Eingangsportal in Form eines Spitzbogens, das von zwei dicken Strebepfeilern eingerahmt ist. Darüber geben ein Rundbogenfenster und ein Okulus Licht in den Glockenturm. Die Glasfenster der Kirche sind 2003 erneuert worden. Im Kircheninnern fällt der Blick auf eine Statue der Jeanne d’Arc, die aus dem Jahre 1931 datiert, dem fünfhundertsten Todesjahr der Heiligen. Bemerkenswert ist auch die Kanzel mit Darstellungen der vier Evangelisten.[7][8]

Schloss Pigeon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine ehemalige Caverie, ein Anwesen eines Vasallen zum Schutz der Ländereien und militärischer Dienstleistungen. Im 16. oder 17. Jahrhundert errichtet, gehörte es im 18. Jahrhundert dem Ritter Dantin de Saint-Pé. Er war Leutnant des Königs in Dax und Saint-Sever und erfüllte für die französische Krone Missionen in den Antillen. Der rechteckige Wohntrakt ist zweigeschossig und mit Ziegeln gedeckt. Ein schöner Garten umsäumt das Gebäude, das sich durch große Räume auszeichnet. Die Mauern mit einer Dicke von einem Meter hält die sommerliche Wärme fern. Hervorzuheben ist ein monumentaler Kamin, der als einer der schönsten des Départements bezeichnet wird. Das Schloss ist heute in Privatbesitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das typische Dorf der Chalosse wird heute gern von Touristen besucht.[2]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[10]
Gesamt = 20

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vorschule mit 27 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[11]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gousse ist erreichbar über die Routes départementales 10, 107 und 110.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcel Cassiède, geboren am 1. Januar 1934 in Gousse, war in seiner aktiven Zeit ein französischer Spieler der Rugby Union. Er war mit der Mannschaft von US Dax dreimaliger Finalist der französischen Meisterschaft und wurde dreimal in die französische Nationalmannschaft berufen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gousse (Landes) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gousse (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 28. April 2018.
  2. a b c Gousse (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 9. September 2016. Abgerufen am 28. April 2018.
  3. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 28. April 2018.
  4. Ma commune : Gousse (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 28. April 2018.
  5. Notice Communale Gousse (fr) EHESS. Abgerufen am 28. April 2018.
  6. Populations légales 2015 Commune de Gousse (40115) (fr) INSEE. Abgerufen am 28. April 2018.
  7. Eglise Saint-Martin (fr) Observatoire du patrimoine religieux. Abgerufen am 28. April 2018.
  8. Église Saint Martin de Gousse (fr) landes.catholique.fr. 6. April 2012. Abgerufen am 28. April 2018.
  9. Château Pigeon (fr) chateau-fort-manoir-chateau.eu. Abgerufen am 28. April 2018.
  10. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Gousse (40115) (fr) INSEE. Abgerufen am 28. April 2018.
  11. École maternelle (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 28. April 2018.