Gräbendorf

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Gräbendorf
Gemeinde Heidesee
Koordinaten: 52° 14′ 30″ N, 13° 42′ 27″ O
Höhe: 34 m ü. NN
Fläche: 38,71 km²
Einwohner: 649 (2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 15754
Vorwahl: 033763
Das Gräbendorfer Wappen wurde für die neue Gemeinde Heidesee übernommen.

Gräbendorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Heidesee im Landkreis Dahme-Spreewald im Bundesland Brandenburg.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräbendorf liegt ca. 25 km südöstlich der Stadtgrenze von Berlin. Durch den historischen Ortskern Gräbendorfs verläuft die Bundesstraße 246. Im westlichen Ortsbereich verläuft die Bundesstraße 179. Mit ca. 39 km² hat Gräbendorf den größten Anteil (knapp 30 %) an der Gesamtfläche der Gemeinde Heidesee, die aus insgesamt elf Orten besteht.

Westlich von Gräbendorf befindet sich die Gemeinde Bestensee. Nördlich liegt der Ortsteil Gussow, östlich liegt der Ortsteil Prieros der Gemeinde Heidesee. Im südlichen Teil Gräbendorfs erstreckt sich die Dubrow, ein großes Naturschutz- und Waldgebiet innerhalb des Naturparks Dahme-Heideseen. Zu der Gemarkung gehören die Siedlungsteile Dolgenhorst, Buschgarten/Alte Ziegelei und Uhlenhorst sowie der Frauensee, der Förstersee und der Hölzerne See.

Infolge der letzten Eiszeit entstand in Gräbendorf eine Erhebung, die die ansässigen Bauern nutzten, um dort Wein anzubauen. Diese Erhebung wird im 21. Jahrhundert noch Weinberg genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1662 fertiggestellte Kirche

12. bis 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Siedlungsort wurde vermutlich von Slawen als Angerdorf errichtet. Im Jahr 1186 ist Burghard de Plotzecke als Herrscher überliefert.[2] 1272 wurde die Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1301 gehörte Gräbendorf zur Niederlausitz. Dem folgte der Übergang an das Erzstift Magdeburg. 1303 ging Gräbendorf mit der gesamten Lausitz an Brandenburg.[3] Es wurde Teil des Einflussbereichs der Familie Schenk von Landsberg und somit Teil des Schenkenländchens. In der folgenden wechselvollen Geschichte fiel Gräbendorf beispielsweise mit der gesamten Lausitz 1367 an Böhmen, nachdem Kaiser Karls der IV. von Böhmen vom Auslöserecht für die Lausitz Gebrauch machte, welches bereits vom Markgraf Otto an Luxemburg verpfändet worden war.[3]

Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 wurde Gräbendorf sowohl von kaiserlichen als auch schwedischen Truppen heimgesucht. Es wurde mehrmals vollständig geplündert. Während einer Plünderung durch die Kaiserlichen im Jahre 1632 wurde der Ort fast vollständig niedergebrannt. Dabei wurde auch die hölzerne Kirche bis auf den Grund zerstört.[4] Daraufhin wurde langsam und mit vielen Unterbrechungen begonnen, eine turmlose Feldsteinkirche zu errichten. Der Bau kam erst nach dem Friedensschluss von 1648 wirklich voran. Fertiggestellt wurde die Kirche 1662. Der Wiederaufbau wurde nur durch die Unterstützung und das Mitwirken der Einwohner von Gräbendorf, Gussow, Pätz und Prierosbrück ermöglicht.[4] 1624 wurde Andreas Ideler von den Schenken mit Gräbendorf belehnt. An ihn erinnert ein Epitaph an der Kirche. 1717 erwarb Friedrich Wilhelm I. das Schenkenländchen und damit auch das Dorf.[5] In den Jahren 1867 bis 1868 erbauten Handwerker das erste Schulgebäude. Es wurde in den Jahren um 1900 auf Grund steigender Schülerzahlen um ein zweites Gebäude erweitert.[6] Aus dem Jahr 1874 ist der Besuch Theodor Fontanes überliefert. Anfang des 20. Jahrhunderts gründete sich eine Freiwillige Feuerwehr. 1978 eröffnete mit dem Naturlehrkabinett Frauensee eines der ältesten forstlichen Naturschutzzentren in Deutschland. 1996 gründete sich der Dorfclub Gräbendorf, der die Tradition des Zamperns wieder aufleben ließ.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Oktober 2003 wurde Gräbendorf – im Zuge der Gemeindegebietsreform – in die neu gebildete Gemeinde Heidesee eingegliedert. Insgesamt schlossen sich elf Alt-Gemeinden in der Gemeinde Heidesee zusammen. Das Gräbendorfer Wappen wurde für die neu entstandene Gemeinde übernommen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges
Ehrendenkmal für die Gefallenen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräbendorf ist Sitz der Revierförsterei Dubrow. Im Ort arbeiten mehrere landwirtschaftliche Betriebe, darunter ein Agrarbetrieb und ein Geflügelhof sowie einige Handwerksbetriebe, darunter auch eine Bäckerei. Die OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung) führt durch Gräbendorf.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zampern im Februar
  • Rosenbaumfest jeden Pfingstsonntag
  • Feuer zur Walpurgisnacht
  • Frostfeuernächte (Metalfestival im Februar)
  • Herbstwerk am 1. Samstag im September (Straßenfest mit Handwerk zum Anfassen)
  • Feuer zum Erntedankfest am 3. Oktober
  • Dörfliche Weihnacht im Advent

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Müllers Großes Deutsches Ortsbuch 2012: Vollständiges Ortslexikon. 33. überarb. und erw. Ausg., Walter de Gruyter, Berlin und Boston 2012, ISBN 978-3-11-027420-2, Online bei Google Books, S. 454
  2. Gemeinde Heidesee (Hrsrg.): Gräbendorf – das Tor zur Dubrow, Flyer, März 2016, S. 4.
  3. a b Chronik von Gräbendorf in Mark, S. 13ff
  4. a b Chronik von Gräbendorf in Mark, S. 25ff
  5. Gräbendorf-Wanderung, Webseite der Gemeinde Bestensee, abgerufen am 2. März 2017.
  6. Kindergarten Gräbendorf, Webseite von Gräbendorf, abgerufen am 1. März 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chronik von Gräbendorf in Mark Band 1, Dokumentation Epoche bis 1945
    • diese Chronik wurde ursprünglich 1911 durch Rudolf Müller (Kaufmann in Gräbendorf) erstellt und zwischen 1998 und 2005 überarbeitet bzw. die einzelnen Aufzeichnungen zusammengefasst und unter der ISBN 978-3-8334-9876-3 veröffentlicht

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gräbendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien