Grüne Jugend

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Dieser Artikel behandelt die Grüne Jugend in Deutschland. Für die österreichische Grünalternative Jugend siehe Grünalternative Jugend.
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Sprecherin und Sprecher
Jamila Schäfer[1] und Moritz Heuberger[1]
Basisdaten
Gründungsdatum: 16. Januar 1994

in Hannover[2]

Politischer
Geschäftsführer:
Armin Bernsee[1]
Schatzmeisterin: Freia Then[1]
Beisitzerinnen und Beisitzer: Korbinian Gall[1]

Chiara Tummeley[1]

Alexandra Pater[1]

Ricarda Lang[1]

Anton Jaekel[1]

Richard Krüger[1]

Frauen-, Inter-, Transpersonen-
und Genderpolitische Sprecher_in:
Alexandra Pater[1]
Mitglieder: 7.800
(Stand Mai 2014)
Verbandsgliederung: 16 Landesverbände
Website: www.gruene-jugend.de

Die Grüne Jugend (inoffizielle Abkürzung: GJ, Eigenschreibweise: GRÜNE JUGEND) ist die Jugendorganisation der deutschen politischen Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Inhaltlich ist die Jugendorganisation unabhängig von der Partei Bündnis 90/Die Grünen und hat daher in einigen Bereichen andere Forderungen als die Partei. Einige wichtige Themen in der Grünen Jugend sind die Drogenpolitik – hier setzt sich die Grüne Jugend für einen kontrollierten Verkauf von Cannabis in Fachgeschäften mit umfangreichen Informationsangeboten ein –, die Bildungspolitik, etwa in Bezug auf die Frage der Studiengebühren, die abgelehnt werden, die Frauenpolitik, die Umweltpolitik, die Europapolitik, die Gleichberechtigung von Homosexuellen und anderen Formen des Zusammenlebens im Rahmen eines Familienvertrages sowie die Politik gegen Rassismus und Antisemitismus. Die Grüne Jugend tritt für eine Aufhebung des Inzest-Verbotes ein, da dieses eugenischem Denken mit NS-Nähe entspräche und die Menschenwürde von Menschen mit Behinderung verletze.[3]

Im Rahmen ihrer Anti-Atom-Politik beteiligt sich die Grüne Jugend aktiv an den Protesten gegen den Castortransport und in der Bürgerrechtsbewegung. Hier setzt sie sich im Bereich der neuen Medien für Bürgerrechte in der Informationsgesellschaft und die Unterstützung von freier Software ein ("copy 4 freedom"). Die Grüne Jugend vertritt in vielen Bereichen radikalere Positionen als Bündnis 90/Die Grünen und kritisiert diese auch oft.

Am 1. April 2013 starteten die Grüne Jugend und die linksjugend ['solid] die Kampagne Ich-bin-linksextrem.[4] Hintergrund sei es, das Extremismusmodell und die damit verbundene Kriminalisierung anzugreifen.[5][6]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte (bis 1988)[Bearbeiten]

Noch vor Mitte der 1980er Jahre bildeten sich erste grünnahe "politische Schülergruppen" an einzelnen Schulen. Vor der Gründung des GAJB unterhielt die Bundespartei eine Bundesjugendkontaktstelle, die als Koordinationsstelle für eine lose Vernetzung junger Mitglieder und Sympathisanten der Partei Die Grünen diente. Relativ unabhängig von den Grünen formierte sich dann Ende der 1980er Jahre ein Netzwerk grüner, alternativer, bunter und autonomer Jugendgruppen, das sich GA-BA-Spektrum nannte. Grüne Kreise kommentierten den Zusammenschluss damals kritisch. Zu nennenswerten politischen Initiativen des Netzwerks kam es nach zwei Bundeskongressen 1987 nicht.[7]

Erste Gründungen auf Landesebene (1988–1991)[Bearbeiten]

1988 gründete sich mit der Grün-Alternativen Jugend Schleswig-Holstein (GAJ SH) der erste explizit parteinahe Jugendverband auf Landesebene.[8] Die Landespartei erkannte die GAJ im Juni 1989 offiziell als Jugendverband an.[7]

Zur Gründung mehrerer Landesverbände kam es 1991.[8] Die Grüne Jugend Hessen gründete sich als hessischer Landesverband im Frühjahr 1991 aus dem Frankfurter Jugendstammtisch der Grünen heraus. Die Grüne Jugend Hessen nutzte damals und auch noch heute einen Frosch als Logo. Die damalige Grün-Alternative Jugend Baden-Württemberg gründete sich ebenfalls im Frühjahr 1991.

Gründung des Grün-Alternativen Jugendbündnisses (Bundesebene, ab 1994)[Bearbeiten]

Die Grüne Jugend wurde 1994 in Hannover gegründet. Zunächst war sie ein eigenständiger Verband und trug den Namen Grün-Alternatives Jugendbündnis (GAJB).[9]

Nach Jahren heftiger Debatten um die Art und Weise, grüne Jugendarbeit zu institutionalisieren, setzte sich die Grüne Jugend als Verband durch, das System der Jugendkontaktstellen löste sich nach und nach auf. 2001 beschloss der Bundesverband der GJ die Umwandlung von einem strukturell eigenständigen Verband zu einer Teilorganisation der Partei.

2003 wurde ein Konzept zur Einführung von Mitgliedsbeiträgen auf dem Bundeskongress in Leipzig von der Bundesmitgliederversammlung angenommen. Es sah zunächst danach aus, als würde die geforderte Ratifizierung durch zwölf Landesverbände nicht erreicht. Im Oktober 2004 stimmte jedoch mit Brandenburg der zwölfte Landesverband zu. Im Jahr 2010 wurden alle Satzungen und Ordnungen grundlegend überarbeitet, so wurde die Doppelmitgliedschaft in anderen parteinahen Jugendorganisationen ausgeschlossen.

Struktur und Organisation[Bearbeiten]

Die Jugendorganisation ist in Basisgruppen bzw. Kreis- und Ortsverbände sowie 16 Landesverbände untergliedert. Nach Verbandsangaben sind 2011 mehr als 9.000 Menschen Mitglied der Grünen Jugend.[10] In Bayern, Hamburg, Hessen, NRW und Thüringen sind junge Mitglieder der Partei automatisch Mitglieder der Grünen Jugend, sofern sie dem nicht widersprechen. In allen Ländern sind Mitglieder der Partei von den Mitgliedsbeiträgen der Grünen Jugend befreit. Eine Mitgliedschaft in einer mit Bündnis 90/Die Grünen konkurrierenden Partei oder deren Jugendverband ist untersagt. Die Mitgliedschaft in der Grünen Jugend endet in der Regel am 28. Geburtstag, wobei allerdings einige Landesverbände abweichende Regelungen haben (Berlin: 29. Geburtstag; Hessen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen: 30. Geburtstag). Damit hat der Grünen-Jugendverband das niedrigste Höchstalter der Parteijugendverbände (28. Geburtstag), nachdem die Jungen Pirat*innen ihr Höchstalter bei ihrer Bundesmitgliederversammlung 2015.Q1 von 27 auf 29 Jahre angehoben haben [11]

Höchstes beschlussfassendes Gremium ist die Bundesmitgliederversammlung, „Bundeskongress“ (BuKo) genannt, zu der alle Mitglieder eingeladen werden und auch stimmberechtigt sind. Sie wählt den frauenquotierten zehnköpfigen Vorstand mit zwei Sprechern (laut Satzung als „SprecherInnen“ bezeichnet), die Redaktion der Mitgliederzeitung SPUNK und das Schiedsgericht. Zudem besitzt die Grüne Jugend ein weiteres Gremium, das sich mit innerverbandlichen Strukturfragen in Genderthemen auseinandersetzt, den 'Frauen- und Genderrat'.

Inhaltliche Arbeit findet überregional vor allem in den "Fachforen" zu bestimmten Themengebieten statt. Aktuell 2011 existieren folgende Fachforen: Ökologie, Globales&Europa, Demokratie&Antirassismus, Bildung, Drogen, Netzpolitik&Kultur, Gleichberechtigung, Nahost, Queer, Wirtschaft&Soziales sowie Mensch&Tier.

Daten der Landesverbände[Bearbeiten]

Landesverband Sprecherinnen und Sprecher bzw.
Vorsitzende und Vorsitzender
Gründung
Baden-Württemberg Leonie Wolf, Lena Christin Schwelling[12] 1991
Bayern Eva Lettenbauer, Matthias Ernst[13] 1992
Berlin Emma Sammet, Christoph Husemann[14] 1992
Brandenburg Marlene Matzies, Stefanie Pfeiffer[15] 2000
Bremen Alexandra Werwath, Manuel Warrlich[16]
Hamburg Emma Hansen, Johannes Müller[17] 1994
Hessen Ginan Osman, Thorben Sämann[18] 1991
Mecklenburg-Vorpommern Ronja Thiede, Richard Bigge,[19] 2005
Niedersachsen Imke Byl, Marcel Duda[20] 1994
Nordrhein-Westfalen Julia Wenzel, Max Lucks[21] 1999
Rheinland-Pfalz Jennifer Werthwein, Milan Sühnhold [22] 1994
Saar Anna Dorfner, Nico Wettmann[23] 1993[24]
Sachsen Susanne Martin, Anne Kämmerer[25] 1992
Sachsen-Anhalt Miriam Matz, Sam Pairavi[26] 2003[27]
Schleswig-Holstein Denise Loop, Lasse Petersdotter[28] 1988
Thüringen Katharina Bautz, Sebastian Weise[29] 1997

Mitgliedschaften in anderen Verbänden[Bearbeiten]

Die Jugendorganisation ist Mitglied bei:

Presse[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Toni Schuberl: 20 Jahre jung – Die Geschichte der Grünen Jugend Bayern. Winzer 2009, ISBN 978-3-937438-26-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

 Commons: Grüne Jugend – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. a b c d e f g h i j k 45. Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND: Umfassende Kritik an Grüner Asylpolitik. In: GRUENE JUGEND. Abgerufen am 4. November 2015.
  2. http://www.gruene-jugend.de/node/16081 abgerufen am 10. Oktober 2014
  3. A-19 Liebe legalisieren! Gegen Strafandrohung bei Inzest. In: GRUENE JUGEND.
  4. Linksextreme starten Outing Aktion. Pressemitteilung der Grünen Jugend, 1. April 2013.
  5. Wieso diese Kampagne?. In: linksextremistin.
  6. Zeit: Gröhe empört sich über Aufruf zu linksextremem Outing vom 5. April 2013, abgerufen am 28. August 2013.
  7. a b Der Spiegel 31/1989: Grüne: Auf die Palme – Den Grünen geht, zehn Jahre nach ihrer Gründung, der Nachwuchs aus. Jetzt sucht die Partei nach Mitteln gegen die "Vergreisung". [Online] verfügbar, abgerufen: 12. Juni 2013
  8. a b Der Spiegel 23/1991: "Grüne: Aus dem letzten Loch – Mit dem Aufbau einer Jugendorganisation wollen die leicht ergrauten Grünen ihre Nachwuchsprobleme lösen. Online verfügbar, abgerufen: 12. Juni 2013
  9. 35 grüne Jahre (17): Grüne Jugend. In: gruene.de.
  10. Arbeitsprogramm des Bundesvorstandes 2012. In: GRUENE JUGEND.
  11. Satzung der Jungen Piraten vom 12. Februar 2011 – Abschnitt 1.3
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGrüne Jugend wählt neue Landesspitze. 10.05.2015, abgerufen am 15. Januar 2016.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format36. Landesjugendkongress der GRÜNEN JUGEND Bayern: Ländlichen Raum nachhaltig stärken! GJ BY, 08.05.2015, abgerufen am 15. Januar 2016.
  14. Landesvorstand. In: GRÜNE JUGEND Berlin.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGrüne Jugend Brandenburg unterstützt Nonnemacher im Wahlkampf / Havelländer Erntekönigin Michalke spricht sich gegen Massentierhaltung aus / neuer Vorstand gewählt. GJ BB, 13.09.2015, abgerufen am 15. Januar 2016.
  16. Grüne Jugend Bremen. Abgerufen am 13. April 2015.
  17. Die GRÜNE JUGEND Hamburg hat einen neuen Landesvorstand. GJ HH. 27. Oktober 2015. Abgerufen am 15. Januar 2016.
  18. GJH wählt neuen Landesvorstand. Pressemitteilung. Grüne Jugend Hessen, 19. April 2015, abgerufen am 25. April 2015.
  19. Grüne Jugend Mecklenburg-Vorpommern: Landesvorstand. In: gj-mv.de.
  20. Bericht vom Frühjahrskongress und der Landesmitgliederversammlung (LMV) in Oldenburg. 15. April 2015. Abgerufen am 15. Januar 2016.
  21. Grüne Jugend NRW: Personalwechsel bei der GRÜNEN JUGEND NRW – Neuer Vorstand macht sich bereit für die Vorbereitungen der Landtagswahlen 2017. GJ NRW, 9. November 2015, abgerufen am 24. November 2015.
  22. Neuer Landesvorstand//Kritik an Asylkompromiss//Jugendwahlprogramm. 4. Oktober 2015. Abgerufen am 15. Januar 2016.
  23. http://www.gruenejugendsaar.de/ueber-uns/vorstand/
  24. http://www.gruenejugendsaar.de/ueber-uns/
  25. GRÜNE JUGEND mit neuem Landesvorstand - GRÜNE JUGEND Sachsen. In: gj-sachsen.de.
  26. Landesvorstand. In: gruenejugend-lsa.de.
  27. http://gruenejugend-lsa.de/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=46&Itemid=187
  28. Landesvorstand - GRÜNE JUGEND SH - jung.grün.stachelig.. In: gruene-jugend-sh.de.
  29. Vorstand. Abgerufen am 20. April 2015.