Grünliche Waldhyazinthe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grünliche Waldhyazinthe
Platanthera chlorantha LC0278.jpg

Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha)

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae (Platantherinae)
Gattung: Waldhyazinthen (Platanthera)
Art: Grünliche Waldhyazinthe
Wissenschaftlicher Name
Platanthera chlorantha
(Custer) Rchb.

Die Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha), auch Grünlich-Waldhyazinthe oder Berg-Waldhyazinthe[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Sie kommt in Europa sowie in Nord- und Ostasien vor. Das Artepitheton chlorantha leitet sich in der Bedeutung grün, ergrünend aus dem Griechischen ab und bezieht sich auf die grünliche Färbung der Blüten. Die volkstümliche Bezeichnung Berg-Kuckucksblume nimmt auf die gehäuften Vorkommen in montanen Höhenlagen Bezug.[2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Blüte

Die Grünliche Waldhyazinthe wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimeter erreichen kann. Die zwei rübenförmigen, ei- bis spindelförmig geformten Knollen, deren Enden zu wurzelartigen Fortsätzen verlängert sind, haben eine Länge von 2 bis 4 Zentimeter und einer Dicke von 0,8 bis 1,5 Zentimeter. Die aufrechten Stängel haben an der Basis eine röhrenförmige Blattscheide. Die zwei bis fünf Blätter zweigen fast gegenständig von der Stängelbasis ab und sind elliptisch-spatelförmig bis verkehrt-lanzettlich mit einer Länge von 10 bis 20 Zentimeter und einer Breite von 3 bis 8 Zentimeter. Sie sind an der Basis schmal und ihre Spitze ist stumpf oder spitz zulaufend.[3]

Die Blütezeit, etwa zwei Wochen früher als Platanthera bifolia, erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis August, in China von Juni bis August. Die Samen reifen von Juli bis September. Die Blütenstände, pyramidiale Ähren, weisen ein bis vier Tragblätter auf und sie werden zwischen 7 und 23 Zentimeter lang. Sie bestehen aus 9 bis 32 weißen bis grünlich-weißen, duftenden Einzelblüten. Die Tragblätter der Blüten sind lanzettlich mit einer Länge von 10 bis 22 Millimeter und haben eine zugespitzte Spitze. Der Blütenstiel sowie der Fruchtknoten sind gebogen und erreichen eine Länge von 12 bis 18 Millimeter, wobei sie zylindrisch geformt sind. Die unteren, fünfnervigen Kelchblätter sind kugelig-herzförmig bis bootförmig geformt mit einer Länge von 5 bis 7 Millimeter und einer Breite von 5 bis 6 Millimeter und bilden mit den Kronblättern eine Art Haube. Die seitlichen, schräg abgehenden, drei- bis fünfnervigen Kelchblätter sind eiförmig mit einer Länge von 7,5 bis 8 Millimeter und einer Breite von 4 bis 4,5 Millimeter. Die ein- bis dreinervigen Kronblätter gehen schräg ab und sind annähernd lanzett-eiförmig mit einer Länge von 5 bis 6 Millimeter und einer Breite von 2,5 bis 3 Millimeter. Die abstehende bis hängende, zungenförmige Blütenlippe verjüngt sich zur Spitze hin und wird 8 bis 13 Millimeter lang und rund 2 Millimeter breit. Der 16 bis 36 Millimeter lange, keulig-zylindrische Sporn ist hängend oder steht gerade ab, manchmal ist er auch aufwärts gebogen und verdickt sich zur grünlichen Spitze hin. Er überragt den Fruchtknoten. Die Griffelsäule ist kräftig und die Staubblätter sind auffallend. Die elliptischen Pollinien stehen deutlich weiter auseinander als es bei der Zweiblättrigen Waldhyazinthe der Fall ist und spreizen sich nach unten auseinander. Sie sind meist leicht gekrümmt und lassen den Sporneingang frei.[3][2]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 42.[3]

Ökologie[Bearbeiten]

Hauptbestäuber sind Nachtfalter, denen sich die Pollinien auf die Augen setzen.[4] Angelockt werden sie von einem wachsähnlichen Duft, den die Blüten in der Dämmerung verstärkt bilden. Über ihren langen Rüssel können die Falter den am Spornende befindlichen Nektar erreichen.[2]

Verbreitung und Standort[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Grünlichen Waldhyazinthe umfasst Europa, Russland, China, die Koreanische Halbinsel sowie Japan. In China findet man sie in den Provinzen Gansu, Hebei, Heilongjiang, Henan, Jilin, Liaoning, Nei Mongol, Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Xizang und Yunnan.[3]

Die Grünliche Waldhyazinthe gedeiht in Europa, bevorzugt auf kalkhaltigem Boden, in lichten Laub- und Nadelwäldern, oft in Gebüschzonen und an Waldrändern, sowie auf Mager- und Feuchtwiesen. An Standorten im Waldinneren bleibt sie meist steril. In den Allgäuer Alpen steigt sie zwischen Siplinger Nadel und Siplinger Kopf in Bayern bis zu 1610 m Meereshöhe auf.[5]

In China werden Höhenlagen von 400 bis 3300 Metern besiedelt. Sie wächst dort, hauptsächlich in Hanglagen, auf Wiesen und in Wäldern.[3]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung als Orchis chlorantha erfolgte 1827 durch Jakob Laurenz Custer in Neue Alp. 2, S. 400. Im Jahr 1828 überführte Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach die Art in Handbuch des Naturlichen Pflanzensystems 2, S. 1565 in die Gattung Platanthera. Weitere Synonyme für Platanthera chlorantha (Custer) Rchb. sind Gymnadenia chlorantha (Custer) Ambrosi und Habenaria chlorantha (Custer) Bab.[6]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Die Grünliche Waldhyazinthe wird in der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland als "gefährdet" gelistet und ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.[1] Als Gefährdungsursachen gelten Düngereintrag in die Böden und Verbuschung von Standorten wie Magerrasen. Schutzmaßnahmen zur Erhaltung wie Entbuschung der Wuchsorte oder Pflege lichter Waldränder können einen Beitrag zur Bestandssicherung leisten.[2]

Quellen[Bearbeiten]

  • Xinqi Chen, Stephan W. Gale, Phillip J. Cribb: Platanthera. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 25: Orchidaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2009, ISBN 978-1-930723-90-0, Platanthera chlorantha, S. 107 (online).
  • Helmut Baumann, Siegfried Künkele: Die wildwachsenden Orchideen Europas. Franckh, Stuttgart 1982, ISBN 3-440-05068-8.
  • Karl-Peter Buttler: Orchideen. Die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas (= Steinbachs Naturführer. 15). Mosaik, München 1986, ISBN 3-570-04403-3.
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. 2. Auflage. Brücke, Hildesheim 1975, ISBN 3-87105-010-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPlatanthera chlorantha. In: Floraweb. www.floraweb.de, abgerufen am 10. Juni 2012 (deutsch).
  2. a b c d Adolf Riechelmann: Die Orchideen der Fränkischen Schweiz. Palm & Enke, Erlangen 2011, ISBN 978-3-7896-1701-0, S. 264 ff.
  3. a b c d e Xinqi Chen, Stephan W. Gale, Phillip J. Cribb: Platanthera. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 25: Orchidaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2009, ISBN 978-1-930723-90-0, Platanthera chlorantha, S. 107 (online).
  4.  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  5. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  6. Platanthera chlorantha bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 10. Juni 2012.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Ronny Steen: Pollination of Platanthera chlorantha (Orchidaceae): new video registration of a hawkmoth (Sphingidae). In: Nordic Journal of Botany. Band 30, Nr. 5, 2012, S. 623–626 doi:10.1111/j.1756-1051.2012.01574.x.

Weblinks[Bearbeiten]