Grafen von Spiegelberg

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Stammwappen der Grafen von Spiegelberg

Die Grafen von Spiegelberg schufen sich während des Mittelalters im Weserbergland eine kleine, nur aus fünf Dörfern bestehende Grafschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grafen von Spiegelberg stammen aus dem Schwäbischen. Die Grafen von Poppenburg wurden erstmals im Jahre 890 urkundlich im Schwäbischen erwähnt. Graf Friedrich von Poppenburg wurde erstmals im Jahre 1068 im Weserbergland erwähnt, und zwar als "Graf in den Gauen der Leine und Haller". Damaliger Sitz war die Poppenburg im heutigen Burgstemmen. Sein Sohn Konrad folgte als Oberhaupt der Familie (1068/1069). Nach ihm übernahm sein Sohn Beringer und wurde Graf um 1095. Von ihm stammt sein Sohn Graf Albert von Poppenburg (geb. 1103). Nach ihm führte sein Sohn, Beringer Graf von Poppenburg (geb. 1132) den Familienclan bis zu seinem Tode im Jahre 1180. Er war verheiratet mit der Schwester des Bischofs von Hildesheim. Wiederum folgte sein Sohn Albert Graf von Poppenburg (geb. 1155) in direkter Linie. Sein Sohn Bernhard wurde 1185 geboren. Um 1200 baute Graf Bernhard von Poppenburg im Tal zwischen Ith und Osterwald am Hellweg die Burg Spiegelberg bei Lauenstein. Seitdem nannte er sich Bernhard von Poppenburg und Spiegelberg, ab 1217 Graf Bernhard von Spiegelberg. Von der Burg aus konnte die alte Heer- und Handelsstraße von Aachen nach Königsberg, die heutige B 1, kontrolliert werden. Infolge des Burgbaus kam es 1226 zur Fehde mit Bodo von Homburg. Kaiser Friedrich II. griff schlichtend ein, weil er den in Vorbereitung befindlichen fünften Kreuzzug gefährdet sah. 1229 ging Bernhard von Spiegelberg außer Landes ins Mecklenburgische und beteiligte sich an der Ostkolonisation. 1238 war die Burg Spiegelberg in den Händen des Homburgers, der 1247 die Burg Lauenstein errichtete. Im Jahre 1278 tauschten die Grafen von Spiegelberg sich Besitz vom Stift Wunstorf ein und erhielten somit die Lehnsherrschaft von Burg Coppenbrügge und Brüninghausen.

Im Jahre 1284 erschien in der Grafschaft der Rattenfänger von Hameln. Graf Nikolaus von Spiegelberg aus dem nahen Pyrmont wurde damit in Verbindung gebracht. Bald darauf tritt er zusammen mit seinem Bruder Hermann in Urkunden des 8. Juli 1284 des Herzogs Bugislaus von Stettin als Zeuge auf und wird dabei mehrfach als Blutsverwandter des Herzogshause bezeichnet. (Quelle: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 18, 1941). Die Grafen Hermann und Nikolaus von Spiegelberg sind in Pommern verblieben, ihr Bruder Graf Moritz II. von Spiegelberg führte das Haus in Coppenbrügge bis zu seinem Tode im Jahre 1309.

Wappendarstellung von 1507 an der Burg Coppenbrügge

Johann von Brünnighausen übergab 1260 seinen Besitz dem Bischof von Minden. Mit ihm starben die Edelherren von Brünninghausen aus. 1281 erwarben Graf Moritz I. von Spiegelberg und dessen Söhne vom Stift Wunstorf Sex mansos in villa Cobbenbrukke sitos, woraus die Grafschaft Spiegelberg mit dem Hauptort Coppenbrügge entstand. Von der Existenz eines Hauses Coppenbrügge und einer Burg, die Graf Moritz der I. vom Herzog Albrecht den Langen von Braunschweig zu Manns-Lehen besaß, ist die Rede im 1303 von Herzog Albrecht den Feisten von Braunschweig für Graf Moritz II. von Spiegelberg ausgestellten Lehnsbrief. Über die damals vorhandene Burganlage geben die spärlich überlieferten Quellen keine Auskunft; aus dem heutigen Baubestand kann lediglich geschlossen werden, dass deren ältesten Bauteile wohl aus der Zeit des Grafen Moritz des II. stammen. Es könnte sich um die Burg Hallermund gehandelt haben. Um 1300 stifteten die Spiegelberger den Karmeliten zum Bau ihres Klosters in Marienau Grund und Boden. 1303 war die Burg Coppenbrügge neu errichtet. Von diesem Stützpunkt aus gelang ihnen im 14. Jahrhundert der Neuaufbau eines kleinen Territoriums unter Einbeziehung ihres weit verstreut liegenden, noch vorhandenen Lehens- und Allodialbesitzes. Mit einzelnen Gütern reichte er bis an das Steinhuder Meer und bis vor die Städte Hannover, Goslar, Einbeck und Peine.

Agnes von Spiegelberg (1302) heiratete Bodo von Homburg (1256–1316). Zwischen 1329 und 1370 festigte Johann von Spiegelberg die Territorialherrschaft und vergrößerte den Streubesitzes der Grafschaft. Im Juni 1338 verpfändeten die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg ihm Schloss Hachmühlen.[1]

Der Kampf 1409–1435 mit den welfischen Herzögen um neue Gebiete an der Weser und im Tal der Hamel endet mit einer völligen Niederlage der Spiegelberger. Am 8. Juni 1432 begann die Spiegelberger Fehde (oder 1433/34 oder 1434/35). Am 4. November wurde Wallensen, heute ein Ortsteil von Salzhemmendorf, durch die spiegelbergischen und bischöflichen Belagerer erobert und durch Brandschatzung vernichtet. Auch die Burg wurde stark beschädigt. Die Grafschaft Spiegelberg aber blieb erhalten. Im Jahre 1434 zerstörte Wilhelm der Siegreiche das Spiegelbergsche Schloss in Hachmühlen.[2] Auch die im Pfandbesitz der Grafen befindliche Burg Hallermund wurde in diesem Zuge 1435 erobert und geschleift.[3]

Die verarmten Grafen von Spiegelberg wichen auf ihre Pfandburg Burg Ohsen an der Weser aus. 1417–1435 war ein Moritz von Spiegelberg Abt von Corvey (siehe Liste der Äbte von Corvey).

Im Jahre 1494 kam die Grafschaft Pyrmont durch Erbgang an die Spiegelberger. Im Jahre 1512 erfolgte ein tiefgreifender Umbau der alten Wasserburg zu einer für die damalige Zeit modernen Festung. Bauherr war Graf Friedrich VI. von Spiegelberg, der 1525 zugleich Eigentümer der Grafschaft Pyrmont wurde. 1557 fiel Graf Philipp von Spiegelberg und Pyrmont in der Schlacht bei Saint-Quentin. Damit erlosch das Geschlecht in männlicher Linie.

Das Lehen fiel an Braunschweig-Calenberg heim. Es wurde unter Vorbehalt der Landeshoheit in weiblicher Linie an eine Nebenlinie Lippes, an Graf Simon von der Lippe, vererbt. Nach dessen Tode 1583 wurde das Lehen an den Grafen Georg von Gleichen-Tonna und 1631 an Nassau-Diez vererbt. Erst 1819 verkaufte Nassau-Oranien die Grafschaft Spiegelberg an das Königreich Hannover, und mit diesem wurde sie 1866 preußisch.

Heute deutet nur noch der Name der Domäne Hof Spiegelberg bei Salzhemmendorf auf das Geschlecht hin.

Auch geht eine Vielzahl an Nachfahren in Vorpommern, Stettin und Pommern auf die Grafen Nikolaus und Hermann von Spiegelberg zurück. Dies geht aus den Sippenkundlichen Untersuchungen über die Familie Spiegelberg des Herrn Dr. med. Rudolf Spiegelberg, hervor. Nikolaus wird 1328 als Ratsherr der Stadt Strasburg i. d. Uckermark erwähnt. Die Spiegelberger passten sich in Pommern den neuen ständischen Herausforderungen an und wechselten über die Jahrhunderte ins Großbürgertum. Somit besteht ein lückenloser Stammbaum der Spiegelberger bis in die heutige Zeit. Quelle: Rudolf Spiegelberg Über die Familie Spiegelberg : Sippenkundliche Untersuchungen In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 88 (1924), S. 1–46

Bemerkenswert ist eine zwar illegitime, aber gleichwohl hochangesehene „Bastard“-Linie der Grafen von Spiegelberg, zu welcher der Braunschweig-Wolfenbüttelsche Rat und vormalige Dechant zu St. Blasius in Braunschweig, der Dr. Johann Spiegelberg (* Northeim, gest. 1612 zu Herzberg), zählt.

Sein Vater Andreas Spiegelberg (1512–1587) war Braunschweig-Grubenhagenscher Kanzler zu Herzberg.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Friedrich Mooyer: Zur Genealogie der Grafen von Spiegelberg. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen, 1856
  • Georg Schnath: Die Herrschaften Everstein, Homburg und Spiegelberg. Grundlegung zur historischen Geographie der Kreise Hameln und Holzminden. Göttingen, 1922

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seidensticker, August: Rechts- und Wirtschaftsgeschichte norddeutscher Forsten besonders im Lande Hannover, Bd. 1, 1896, S. 352.
  2. Google Books.
  3. Neue Jahrbücher der Forstkunde, S. 340.
  4. * Joachim Lehrmann: Helmstedter und Räbker Buch- und Papiergeschichte, Lehrte 1994, ISBN 978-3-9803642-0-1 (S. 77–80).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Coats of arms of Spiegelberg family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien