Grafenberg (Landkreis Reutlingen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grafenberg
Grafenberg (Landkreis Reutlingen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grafenberg hervorgehoben

Koordinaten: 48° 34′ N, 9° 18′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 422 m ü. NHN
Fläche: 3,5 km2
Einwohner: 2761 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 789 Einwohner je km2
Postleitzahl: 72661
Vorwahl: 07123
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 029
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bergstraße 30
72661 Grafenberg
Website: www.grafenberg.de
Bürgermeister: Volker Brodbeck
Lage der Gemeinde Grafenberg im Landkreis Reutlingen
Alb-Donau-KreisLandkreis BiberachLandkreis BöblingenLandkreis EsslingenLandkreis EsslingenLandkreis GöppingenLandkreis SigmaringenLandkreis TübingenZollernalbkreisBad UrachDettingen an der ErmsEngstingenEningen unter AchalmGomadingenGrabenstettenGrafenberg (Landkreis Reutlingen)Gutsbezirk MünsingenHayingenHohenstein (Landkreis Reutlingen)HülbenLichtenstein (Württemberg)MehrstettenMetzingenMünsingen (Württemberg)PfronstettenPfullingenPfullingenPliezhausenReutlingenRiederichRömerstein (Gemeinde)SonnenbühlSt. Johann (Württemberg)TrochtelfingenWalddorfhäslachWannweilZwiefaltenKarte
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Grafenberg ist eine Gemeinde etwa 11 Kilometer nordöstlich von Reutlingen im Landkreis Reutlingen. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Zur Gemeinde Grafenberg gehören außer dem gleichnamigen Dorf Grafenberg keine weiteren Ortschaften.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Grafenberg, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Esslingen bzw. zum Landkreis Reutlingen

Großbettlingen, Frickenhausen, Kohlberg (Kreis Esslingen), Metzingen, Riederich (Kreis Reutlingen) und Bempflingen (Kreis Esslingen).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Spuren weisen auf Menschen der Michelsberger Kultur und damit auf eine erste Besiedlung während der Jungsteinzeit um 3.500 v. Chr. hin. Etwa 500 v. Chr. siedelten sich auf der Gemarkung des Ortes die Kelten an. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag das heutige Gemeindegebiet im Herzogtum Schwaben. Grafenberg wurde 1246 erstmals urkundlich in einem Schreiben des Pfarrers an Papst Innozenz IV. erwähnt. Damals hatten die Grafen von Urach die Herrschaftsrechte im Ort, die sie aber schrittweise an die Grafen von Württemberg verkauften.

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort gehörte zunächst zum altwürttembergischen Amt Neuffen. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Grafenberg dem Oberamt Nürtingen zugeordnet. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Nürtingen. 1945 bis 1952 gehörte der Ort zum Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war. 1952 gelangte die Gemeinde zum neuen Bundesland Baden-Württemberg. Nach der Auflösung des Landkreises Nürtingen im Zuge der Kreisreform kam Grafenberg als einzige Gemeinde nicht zum Landkreis Esslingen, sondern zum Landkreis Reutlingen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen (1603+1648), Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Stichtag Einwohner
1603 202
1648 135
1. Dezember 1871 ¹ 660
1. Dezember 1900 ¹ 650
17. Mai 1939 ¹ 847
13. September 1950 ¹ 1172
6. Juni 1961 ¹ 1284
27. Mai 1970 ¹ 1592
Jahr Einwohner
25. Mai 1987 ¹ 2277
31. Dezember 1991 2458
31. Dezember 1995 2479
31. Dezember 2000 2689
31. Dezember 2005 2625
31. Dezember 2010 2614
31. Dezember 2015 2604
31. Dezember 2020 2761

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Einführung der Reformation in Württemberg ist auch Grafenberg evangelisch-lutherisch geprägt. Auch heute noch gibt es im Ort lediglich eine evangelische Kirchengemeinde,[2] die zum Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehört. Die katholischen Christen sind der Kirchengemeinde St. Bonifatius in Metzingen zugeordnet. Etwa 62 Prozent der Einwohner sind evangelisch-lutherisch, 20 Prozent römisch-katholisch und die restlichen 18 Prozent gehören anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Grafenberg hat 12 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem vorläufige Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2019
Sitze
2019
%
2014
Sitze
2014
Kommunalwahl 2019
 %
50
40
30
20
10
0
48,07 %
37,20 %
14,73 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   2
   0
  -2
  -4
+2,00 %p
−2,45 %p
+0,46 %p
FWV Freie Wählervereinigung 48,07 6 46,07 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 37,20 4 39,65 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 14,73 2 14,27 2
gesamt 100,0 12 100,0 12
Wahlbeteiligung 66,35 % 57,41 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt.

  • 1981 bis 2013: Holger Dembek (Freie Wähler)
  • 2013 bis 2019: Annette Bauer
  • seit 2019: Volker Brodbeck

Annette Bauer trat aus gesundheitlichen Gründen im April 2019 von ihrem Amt zurück und wurde zum 30. April 2019 in den Ruhestand versetzt. Am 7. Juli 2019 wurde Volker Brodbeck zum neuen Bürgermeister gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Gold auf rotem Schildfuß drei grüne Rebstöcke an drei grünen Pfählen. Das Wappen wurde vermutlich im 19. Jahrhundert angenommen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinde ist seit 1982 die französische Gemeinde Puiseux-en-France.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michaelskirche Grafenberg
  • Evangelische Michaelskirche: Sie wurde 1246 erstmals erwähnt. Sie ist eine Saalkirche mit Westturm, der im Kern noch romanisch ist. 1726 erfolgte ein grundlegender Umbau mit Erweiterung. Die jüngste Neugestaltung geschah 1956/1957 unter dem Architekt Manfred Wizgall, wobei ein Altarraum und eine Sakristei angebaut wurden. Das Farbfenster im neuen Altarraum schuf der Stuttgarter Glaskünstler Adolf Valentin Saile mit dem Thema der Wiederkunft Christi.
  • Das Rathaus wurde 1816 als Schule erbaut
  • Zehntscheuer, 1811 erbaut
  • Grafenberger Kelter von 1480

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesangverein Liederkranz 1877 e. V.
  • Harmonikaorchester Grafenberg e. V., gegründet 1967
  • Musikverein Grafenberg e. V., gegründet 11. April 1926

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tennisclub Grafenberg e. V. gegründet 1979
  • Turn- und Sportverein Grafenberg 1903 e. V.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitskreis Kelter

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großer Arbeitgeber mit Sitz in Grafenberg ist die Rampf-Gruppe.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße B 313 (PlochingenStockach) verbindet die Gemeinde im Norden mit der Autobahn A 8 und im Süden mit Reutlingen. Der öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 219.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Grafenberg selbst gibt es eine reine Grundschule. Die Hauptschule, Realschule und Gymnasium werden vorwiegend in Metzingen besucht. Grafenberg hat drei Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Volz (1944–1988), Politiker (CDU) und Landtagsabgeordneter
  • Michael Donth (* 1967), Bundestagsabgeordneter (CDU). Er wuchs in Grafenberg auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 244–258.
  • Sönke Lorenz, Andreas Schmauder, Manfred Wassner, Rainer Loose: Grafenberg: Archäologie, Geschichte und Gegenwart. Festschrift zur 750-Jahrfeier. Tübingen 1996, ISBN 3-00-000611-7
  • Grafenberg. In: August Friedrich Pauly (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Nürtingen (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 25). Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart / Tübingen 1848, S. 155–158 (Volltext [Wikisource]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grafenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2020 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Website der Evangelischen Kirchengemeinde Grafenberg