Grafenhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Gemeinde Grafenhausen im Landkreis Waldshut. Zu einer weiteren Gemeinde mit diesem Namen siehe Kappel-Grafenhausen.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grafenhausen
Grafenhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grafenhausen hervorgehoben
Koordinaten: 47° 46′ N, 8° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Waldshut
Höhe: 868 m ü. NHN
Fläche: 48,55 km²
Einwohner: 2222 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79865
Vorwahl: 07748
Kfz-Kennzeichen: WT
Gemeindeschlüssel: 08 3 37 039
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
79865 Grafenhausen
Webpräsenz: www.grafenhausen.de

www.rothauserland.de

Bürgermeister: Christian Behringer
Lage der Gemeinde Grafenhausen im Landkreis Waldshut
Aare Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Lörrach Landkreis Konstanz Landkreis Tuttlingen Schwarzwald-Baar-Kreis Albbruck Bad Säckingen Bernau im Schwarzwald Bonndorf im Schwarzwald Dachsberg (Südschwarzwald) Dettighofen Dogern Eggingen Görwihl Grafenhausen Häusern Herrischried Höchenschwand Hohentengen am Hochrhein Ibach (Schwarzwald) Jestetten Klettgau (Gemeinde) Küssaberg Lauchringen Laufenburg (Baden) Lottstetten Murg (Hochrhein) Rickenbach (Hotzenwald) St. Blasien Stühlingen Todtmoos Ühlingen-Birkendorf Waldshut-Tiengen Wehr (Baden) Weilheim (Baden) Wutach (Gemeinde) Wutöschingen Schweiz RheinKarte
Über dieses Bild

Grafenhausen ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg und staatlich anerkannter Luftkurort.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenhausen liegt auf einem Hochplateau des südlichen Hochschwarzwald südlich des Schluchsees zwischen 800 und 1100 Meter Höhe. Etwa 62 % des Gemeindegebietes sind bewaldet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenhausen grenzt im Norden und Westen an die Gemeinde Schluchsee im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, im Osten an die Stadt Bonndorf im Schwarzwald und im Süden an Ühlingen-Birkendorf.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Grafenhausen in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehörten die Dörfer Grafenhausen, Geroldshofstetten und Rippoldsried, die Weiler Amertsfeld, Balzhausen, Dürrenbühl, Ebersbach, Rötenberg und Schaffhauser Säge, die Zinken Brünlisbach, Rothaus mit dem Hüsli und Signau, die Höfe Schlüchtseehof vorm. Bleiche und Tannenmühle und die Häuser Holzhäusle und Schlüchtmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Mettenberg gehörten die Dörfer Mettenberg, Buggenried und Seewangen und die Häuser Kaßlett. Zur ehemaligen Gemeinde Staufen gehörten das Dorf Staufen, der Weiler Bulgenbach und die Häuser Heidenmühle und Klausenmühle.

In der damaligen Gemeinde Grafenhausen lagen die Wüstungen Glashütte, Hettistal, Lanzenfurt, Lantzenhoven und Scheuerhof. Im Gebiet der Gemeinde Staufen lag die Wüstung Bürgle.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung Grafenhausen wurde im Jahre 1078 von den Grafen von Nellenburg gegründet. Um 1082 wurde vom Kloster Allerheiligen in Schaffhausen eine Klosterzelle in Grafenhausen errichtet. 1285 gelangte der Ort in den Besitz des Klosters und erhielt das Stadtrecht. Da Grafenhausen Gerichtssitz war, wurde das Haus des rechtsprechenden Grafen vermutlich zum Namensgeber des Ortes, der so erstmals 1095 bezeichnet wurde. An die Vergangenheit als Gerichtsplatz erinnert noch heute die Justitia im Wappen der Stadt.[3]

Nach der Reformation gelangte Grafenhausen in den Besitz der Stadt Schaffhausen. Durch einen Landtausch gegen die Ortschaften Schleitheim und Beggingen kam das Dorf 1530 zusammen mit Birkendorf an die Landgrafschaft Stühlingen.[4] Beim Landtausch blieben etwa 360 ha Wald auf Grafenhausener Gemarkung im Besitz von Schaffhausen. So ist es bis heute; der Wald wird durch einen vom Kanton Schaffhausen besoldeten Förster bewirtschaftet.

Nach weiteren Besitzerwechseln ging Grafenhausen im Jahre 1609 an die Reichsherrschaft Bonndorf des Klosters St. Blasien und mit ihr im Zuge der Säkularisation an die Herrschaft Heitersheim, die vom Großpriorats des Malteserordens regiert wurde.

Im Jahre 1791 gründete Martin Gerbert, der Fürstabt von St. Blasien, die Brauerei in Rothaus. 1806 kam Grafenhausen nach einjähriger Zugehörigkeit zum Königreich Württemberg über die Rheinbundakte zum neu geschaffenen Großherzogtum Baden.[3] 1934 wurden die bis dahin selbständigen Orte Geroldshofstetten, Rippoldsried und Rötenberg eingemeindet, im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform wurden zudem am 1. Mai 1972 Mettenberg und am 1. April 1974 Staufen eingemeindet.

Blick auf Grafenhausen

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenhausen gehört dem Gemeindeverwaltungsverband „Oberes Schlüchttal“ mit Sitz in Ühlingen-Birkendorf an.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Grafenhausen führte die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
49,1 %
38,4 %
12,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   2
   0
  -2
  -4
+1,8 %p
-2,2 %p
+0,4 %p
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 49,1 6 47,3 6
FW Freie Wähler Grafenhausen 38,4 5 40,6 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 12,5 1 12,1 1
gesamt 100,0 12 100,0 12
Wahlbeteiligung 64,8 % 64,1 %

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenhausen unterhält seit 1973 partnerschaftliche Beziehungen zu Combrit-Sainte Marine in der Bretagne in Frankreich. Am 21. Mai 2004 wurde zudem eine Freundschaftsurkunde zwischen der Gemeinde Grafenhausen und der Gemeinde Dörnthal im Freistaat Sachsen unterzeichnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatmuseum Hüsli in Grafenhausen

Im Heimatmuseum Hüsli zwischen Grafenhausen und dem Ortsteil Rothaus werden verschiedene Alltagsgegenstände des Lebens im Schwarzwald gezeigt. Hier wurden auch Außenaufnahmen für die Fernsehserie "Schwarzwaldklinik" gedreht.

In der Ortsmitte Grafenhausens wurde der Skulpturenpark eingerichtet, welcher Schauplatz des Künstlersymposiums ist, das in einem Turnus von drei Jahren stattfindet und internationale Beteiligung erfährt.

Im 1987 eingeweihten, ehemaligen Haus des Gastes findet sich seit 2014 ein Mitmachmuseum mit dem Titel Schwarzwaldhaus der Sinne mit Barfußpfad, Blindtour im Dunkelgang und Geschmacksirritationen an einer Dunkelbar.[5] Bereits vor Eröffnung des Museums zog die ehemals im Haus befindliche Tourist-Information nach Rothaus.[6]

In einer Drei-Täler-Ecke im Schlüchttal befindet sich die Tannenmühle mit nachgebauten Mühlenmuseum, Streichelzoo und einer Spielanlage für Kinder.

Am 14. Mai 1763 bestimmte Abt Meinrad Troger persönlich den Bauplatz für den Pfarrhof Grafenhausen, die Pläne stammten wohl von Franz Anton Bagnato, der zuvor zusammen mit dem Polier und Baumeister Ferdinand Weizenegger unter weiteren auch das ähnliche Schloss Bürgeln erbaute hatte. Einheimische Handwerker und Künstler, darunter der Hafnermeister Johann Baptist Nüßle, führten den Bau aus. Nach einem einstigen Brand im Jahr 1928 zeigt sich das Gebäude heute wieder vorbildlich renoviert.


Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurzelfigur im Schlühüwanapark

Ebenfalls in direkter Nähe befindet sich der 1,7 Kilometer lange Rundweg des Schlühüwana-Parks (Schüchtsee-Hüsli-Wald-Naturpark), welcher ausgehend vom Heimatmuseum Hüsli zum Schlüchtsee führt und zahlreiche Wurzelfiguren enthält. Die Figuren wurden aus den umgefallenen Baumstümpfen und herausragenden Wurzeln nach dem Orkan Lothar geschaffen.[7]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Naturdenkmälern in Grafenhausen zählen zahlreiche alte Bäume, welche über die komplette Gemarkung Grafenhausen verstreut sind. Darunter befindet sich die Danieltanne, welche ungefähr 400 Jahre alt sein soll und mit fünf Metern Stammumfang als dickste Tanne des Süd-Schwarzwaldes gilt.[8] Sie steht im Naturschutzgebiet Schlüchtsee. Alljährlich gehen die Kinder des Grafenhausener Kindergartens zu dieser Tanne, um sie zu "vermessen".

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus des Gastes mit Hallenbad

Das Haus des Gastes beherbergt die Schwarzwaldhalle (Mehrzweckhalle für Sport und Veranstaltungen) und das Hallenbad Blubb mit Saunabereich. Das Hallenbad verfügt über einen Hubboden, weshalb es während der Öffnungszeiten unterschiedliche Wassertiefen gibt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen in Grafenhausen zählt das inzwischen über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Heavy Xmas Festival, welches meist eine Woche vor Weihnachten stattfindet. Zu den auftretenden Bandes gehörten in der Vergangenheit Korpiklaani, Powerwolf, Haggard, Eluveitie, Knorkator, Die Apokalyptischen Reiter, Emil Bulls, Disillusion, Van Canto, The Ocean und Superbutt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fremdenverkehr ist die Haupteinnahmequelle der örtlichen Wirtschaft. Nach eigenen Angaben verbucht die Gemeinde mit ihren 2040 Gästebetten jährlich ungefähr 145.000 Übernachtungen. Größter der 136 Gewerbebetriebe in der Gemeinde ist die Badische Staatsbrauerei Rothaus.[9]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Grafenhausen sorgt seit ihrer Gründung im Jahr 1869 für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort befinden sich ein Kindergarten, eine Grundschule und eine Werkrealschule. Weitere Schulen des sekundären Bildungsbereiches finden sich in den umliegenden Orten, wie z.B. in St. Blasien, Wutöschingen, Bonndorf und Waldshut-Tiengen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenhausen wird durch zwei Buslinien im Verkehrsverbund Waldshut an die Bahnhöfe in Waldshut, Tiengen(Hochrhein) und Seebrugg angeschlossen, von denen aus man direkt Freiburg im Breisgau, Basel, Singen (Hohentwiel) und weitere Ziele im Landkreis Waldshut erreicht. Die Linie 7342 verkehrt dabei als Nord-Süd-Verbindung von Seebrugg über Grafenhausen, Ühlingen-Birkendorf und Gurtweil nach Waldshut oder Tiengen, während die Linie 7343 Grafenhausen mit Bonndorf (Schwarzwald) verbindet. Beide Linien verkehren an Schultagen am Vormittag unregelmäßig, spätestens am Nachmittag aber stündlich. In den Ferien ist das Angebot etwas ausgedünnter und am Wochenende, sowie an Feiertagen fahren nur 3-4 Busse pro Tag und Richtung.[10]

An das Straßennetz ist Grafenhausen über die L 157 angeschlossen. Diese verläuft ebenfalls in Nord-Süd-Richtung vom Ortsteil Rothaus, wo sie an die L 170 anschließt, die nach Seebrugg zu B500 führt, über Ühlingen-Birkendorf nach Gurtweil. Von Gurtweil aus kommt man über die L 161 nach Waldshut-Tiengen und B34 bzw. zur A98. Über diverse andere Landesstraßen und Kreisstraßen ist Grafenhausen auch an die B314 und B27 angeschlossen.

Die nächsten Verkehrsflughäfen befinden sich in Zürich (63km), Basel (85km), Lahr (106km), Friedrichshafen (133km), Karlsruhe/Baden-Baden (163km) und Stuttgart (163km).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grafenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 1004–1007
  3. a b kath-schluechttal.de: St. Fides, Grafenhausen - Geschichte. Abgerufen am 21. Juli 2012
  4. Chronik von Grafenhausen. grafenhausen.de, abgerufen am 9. Januar 2016.
  5. Wilfried Dieckmann: Grafenhausen: Die Macher im Mitmachmuseum, Badische Zeitung, 27. August 2014, abgerufen am 9. Januar 2016
  6. Wilfried Dieckmann: Grafenhausen: Schwarzwaldhaus der Sinne, Badische Zeitung, 24. Dezember 2013, abgerufen am 9. Januar 2016
  7. Naturerlebnis Schlüchtsee-Hüsli. grafenhausen.de, abgerufen am 9. Januar 2016.
  8. wald2011.de: Danieltanne ist die dickste Tanne im Schwarzwald. 28. April 2011, abgerufen am 21. Juli 2012
  9. Infos zum Ort. grafenhausen.de, abgerufen am 9. Januar 2016.
  10. Startseite | Waldshuter Tarifverbund. In: www.wtv-online.de. Abgerufen am 24. März 2016.