Grafenrheinfeld

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grafenrheinfeld
Grafenrheinfeld
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grafenrheinfeld hervorgehoben
Koordinaten: 50° 0′ N, 10° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Schweinfurt
Höhe: 208 m ü. NHN
Fläche: 11,35 km²
Einwohner: 3421 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 301 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97506
Vorwahl: 09723
Kfz-Kennzeichen: SW, GEO
Gemeindeschlüssel: 09 6 78 136
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Marktplatz 1
97506 Grafenrheinfeld
Webpräsenz: www.grafenrheinfeld.de
Bürgermeisterin: Sabine Lutz (parteilos)
Lage der Gemeinde Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt
Schweinfurt Würzburg Landkreis Main-Spessart Landkreis Bad Kissingen Landkreis Rhön-Grabfeld Landkreis Haßberge Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Landkreis Bamberg Nonnenkloster (Unterfranken) Stollbergerforst Bürgerwald Vollburg Wustvieler Forst Hundelshausen (Bayern) Geiersberg (Gemeindefreies Gebiet) Bergrheinfeld Dingolshausen Dittelbrunn Donnersdorf Euerbach Frankenwinheim Geldersheim Gerolzhofen Gochsheim Grafenrheinfeld Grettstadt Kolitzheim Lülsfeld Michelau im Steigerwald Niederwerrn Oberschwarzach Poppenhausen (Unterfranken) Röthlein Schonungen Schwanfeld Schwebheim Sennfeld Stadtlauringen Sulzheim (Unterfranken) Üchtelhausen Waigolshausen Wasserlosen Werneck WipfeldKarte
Über dieses Bild

Grafenrheinfeld (fränkisch Rafld) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Sie liegt am östlichen Mainufer südlich der Stadt Schweinfurt. Der Ort ist überregional durch das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld bekannt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang des südwestlichen Ortsrandes von Grafenrheinfeld verläuft der Alte Main, ein unter Naturschutz stehender Altarm des Mains mit Röhrichtbeständen, Hochstaudenfluren, Weidengebüschen und Ufergehölzen (wichtiger Brut- und Rastplatz für Wasservögel).

Im Süden des Gemeindegebietes, am westlichen Ortsrand von Röthlein, befindet sich das Naturschutzgebiet Elmuß, ein vom Unkenbach durchflossener Auwald.

Etwa einen Kilometer westlich davon, direkt am südlichen Ufer des Alten Mains, steht das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld mit Nebengebäuden, Reaktorkuppel, Abklingbecken, Zwischenlager, zwei 143 Meter hohen Kühltürmen und einem Umspannwerk für den Anschluss an das 380-kV-Netz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächsten Nachbarorte sind Bergrheinfeld im Westen (auf der anderen Mainseite), Schwebheim im Osten und Röthlein im Südosten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. April 741 wurde das Königsgut „Roumfeld“ erstmals auf der ersten deutschen Synode im Mainz in einer Schenkungsurkunde König Karlmanns an das Bistum Würzburg erwähnt.[2] 1688 erhielt Grafenrheinfeld das Marktrecht.

780 wurde „Ronefeld“ unter den Ortschaften des „Gozfeldes“ erwähnt. 1094 und 1113 gehörte „Rounvelt“, „Ronefelt“, „Ronfeld“ oder „Ranvfelt“ zum Werngau. Ein weiterer Ortsname war „Raunvelt“ (1304). 1318 ist mit „Ravelt“ erstmals eine Entsprechung der heutigen lokalen mundartlichen Bezeichnung des Ortes „Rafeld“ belegt. 1327 war die Benennung „Rainfelt“ und 1419 „Reinfelt“, aus der der spätere Name Rheinfeld entstand. [2] Alle diese Namen wurden als gemeinschaftliche Bezeichnung für die heutigen Orte Bergrheinfeld, Röthlein, Grafenrheinfeld und Oberndorf (heute Teil von Schweinfurt) verwendet. [2] Später wandelte sich der Name von „Grauenrheinfeld“ (1554) über „Greuenrheinfeld“ (1557), „Gräuenrheinfeld“ (1601) und „Gräfenrheinfeld“ (1627) sowie „Grävenrainfeld“ (1635) zu Grafenrheinfeld. Es gab auch die Bezeichnung „Niederrhanfeld“ oder „Graben reinvelt“. [2] Der Name wird also von Graben, Niederung (althochdeutsch graban) abgeleitet: also das in einer Niederung gelegene Rheinfeld. Der Nachbarort Bergrheinfeld wurde hingegen als „Ranfelt uf dem Berge“ tituliert. Die Namensherkunft von einem Grafen ist unwahrscheinlich, da kein Graf dort seinen Burgsitz hatte.[2]. Die ältesten, noch gebräuchlichen Straßennamen sind Hauptstraße, Brückenstraße, Maingasse, Herrengasse, Schweinfurter Straße, Linsengasse, Schmiedsgässlein (heute Schmiedsgasse), Bühlstraße und Heubühl.

Die Ortsanlage erfolgte ursprünglich als Rundling. 1928 war der den Ort umgebende Wall mit Hecke, Graben und Weg (nach der Hecke „Hag“ genannt) um den Ort noch weitgehend erhalten. Im Wall befanden sich drei Zugänge mit hölzernen Toren und je einem zweistöckigen Turm. Die letzten beiden Türme wurden 1870 abgerissen.[2]

An der Verlängerung der Maingasse befand sich die Fähre, vor dem Bau der Mainbrücke der einzige Weg über den Fluss.[2]

Im Jahre 1927 wurde eine Neunummerierung und Beschilderung der Häuser vorgenommen.[2]

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ort durch Bombenangriffe größtenteils zerstört. Am Nachmittag des 24. Februar sowie in der Nacht zum 25. Februar 1944 wurde Grafenrheinfeld im Rahmen der Big Week von zahlreichen Flüssigkeitsbomben, Sprengbomben, Luftminen und einer Unmenge von Stabbrandbomben getroffen. Bei den beiden Angriffen waren 35 Todesopfer zu beklagen. 71 Wohnhäuser brannten nieder, 65 Wohnhäuser wurden schwer, 106 Wohnhäuser leicht beschädigt, 136 Scheunen und 116 Nebengebäude wurden ein Raub der Flammen.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 31. Dezember 2003: 3.356
  • 30. Juni 2005: 3.345
  • 30. Juni 2010: 3.408
  • 31. Dezember 2013: 3.446

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlbeteiligung: 71,7 %
 %
50
40
30
20
10
0
46,7 %
33,2 %
20,2 %
FBL
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Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeisterin ist Sabine Lutz (parteilos).

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2002, 2008 und 2014 führten zu den folgenden Sitzverteilungen:

2002 2008 2014
CSU 8 8 8
SPD/Freie Wähler 4 3 3
FBL 4 5 5
Gesamt 16 16 16

(FBL = parteilose Wählergruppe "Freie Bürgerliste Grafenrheinfeld")

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doppeltürmige Katholische Pfarrkirche Kreuzauffindung
  • Alte Amtsvogtei von 1626 (heute ein Gasthaus) am Kirchplatz
  • Schatzkammer (neben der Pfarrkirche), dort ist der Kirchenschatz (liturgische Geräte und Textilien) ausgestellt
  • Fachwerk am Rathaus und am gegenüberliegenden Pflegerhaus (ehemals Rathaus)

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Grafenrheinfeld

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld.
  • Am südlichen Ortsrand befindet sich an der Staatsstraße 2277 nach Röthlein ein Gewerbegebiet mit verschiedenen Unternehmen
  • Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld befindet sich etwa zwei Kilometer südwestlich des Ortes in der Nähe des Mains

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Turn- und Sportverein Grafenrheinfeld
  • Musikverein Grafenrheinfeld
  • Spielmanns- und Fanfarenzug Grafenrheinfeld
  • Malteser Hilfsdienst Grafenrheinfeld
  • Anglergemeinschaft Grafenrheinfeld
  • Eigenheimer Grafenrheinfeld
  • Rafelder aktive Familien (RaF)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenrheinfeld ist über die Autobahn A 70/E 48, Ausfahrten Schweinfurt-Hafen/Grafenrheinfeld oder Schweinfurt-Bergrheinfeld, erreichbar. Etwa drei Kilometer östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 286. Seit 1901 verbindet eine Mainbrücke die Gemeinde mit Bergrheinfeld. Die Gemeinde ist an das Busliniennetz der Stadtwerke Schweinfurt angebunden. Durch Grafenrheinfeld führt der Main-Radweg; am jenseitigen Ufer verlaufen Werntal- und Main-Werra-Radweg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der niederländische Komponist Jacob de Haan schrieb das Stück Kraftwerk, das von der Zerstörung des Ortes während des Zweiten Weltkriegs handelt.

Das Buch Die Wolke der Autorin Gudrun Pausewang handelt von einem Super-GAU im AKW Grafenrheinfeld und seinen Folgen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grafenrheinfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c d e f g h J. Freppon: Aus Grafenrheinfeld's alter und neuer Zeit. Verlag Deutsche Gaue, Kaufbeuren 1928
  3. Schweinfurter Tagblatt vom 24. Februar 1984
  4. http://www.wahlen.bayern.de/kommunalwahlen/