Grafenrheinfeld

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grafenrheinfeld
Grafenrheinfeld
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grafenrheinfeld hervorgehoben
Koordinaten: 50° 0′ N, 10° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Schweinfurt
Höhe: 208 m ü. NHN
Fläche: 11,35 km2
Einwohner: 3382 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 298 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97506
Vorwahl: 09723
Kfz-Kennzeichen: SW, GEO
Gemeindeschlüssel: 09 6 78 136
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Marktplatz 1
97506 Grafenrheinfeld
Webpräsenz: www.grafenrheinfeld.de
Bürgermeisterin: Sabine Lutz (parteilos)
Lage der Gemeinde Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt
SchweinfurtWürzburgLandkreis Main-SpessartLandkreis Bad KissingenLandkreis Rhön-GrabfeldLandkreis HaßbergeLandkreis KitzingenLandkreis WürzburgLandkreis BambergNonnenkloster (Unterfranken)StollbergerforstBürgerwaldVollburgWustvieler ForstHundelshausen (gemeindefreies Gebiet)Geiersberg (gemeindefreies Gebiet)BergrheinfeldDingolshausenDittelbrunnDonnersdorfEuerbachFrankenwinheimGeldersheimGerolzhofenGochsheimGrafenrheinfeldGrettstadtKolitzheimLülsfeldMichelau im SteigerwaldNiederwerrnOberschwarzachPoppenhausen (Unterfranken)RöthleinSchonungenSchwanfeldSchwebheimSennfeldStadtlauringenSulzheim (Unterfranken)ÜchtelhausenWaigolshausenWasserlosenWerneckWipfeldKarte
Über dieses Bild

Grafenrheinfeld (ostfränkisch Rafld) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Sie liegt am östlichen (linken) Mainufer und grenzt direkt an die nördlich gelegene Stadt Schweinfurt an. Die Gemeinde liegt in einer für Unterfranken untypischen, flachen Landschaft, die von Gewässern und Deichen geprägt wird.

Der Ort ist überregional durch das 2015 abgeschaltete Kernkraftwerk Grafenrheinfeld und als ein geplantes Ende der Stromtrasse Suedlink bekannt. Der wichtige deutsche Stromleitungsknoten liegt jedoch weit ab vom Ort und teilweise auf dem gegenüberliegenden Mainufer, auf Bergrheinfelder Gebiet.

Grafenrheinfeld ist das westliche Tor der Interkommunalen Allianz Schweinfurter Mainbogen, ein Naherholungsort mit mehreren Badeseen und ein bevorzugter Schweinfurter Wohnvorort südlich des Mains. Weithin sichtbare Wahrzeichen sind die Doppeltürme der Pfarrkirche Kreuzauffindung und die bis auf über 50 km sichtbaren beiden Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage am Main[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenrheinfeld liegt im Maintal, das sich hier südlich von Schweinfurt kilometerweit als brettflache Ebene ausbreitet. Der Ort wird größtenteils von Altarmen des Mains eingerahmt, der Altmainschleife Nord und der Altmainschleife Süd. Einer Natur- und Naherholungslandschaft mit insgesamt vier Badeseen, teilweise auf Bergrheinfelder Gebiet.

Main und Deichgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stabbogenbrücke zwischen Bergrheinfeld (li.) und Grafenrheinfeld (2008/2009), hinter Vorgängerbrücke

Grafenrheinfeld wurde früher durch den Maindamm geschützt, einem historischen Ringdeich. Auf dem nördlichen Abschnitt soll eine Deich-Promenade angelegt werden.[2] Der Überleiferung nach sollen die Schiffer bei ihrer Passage durch die Mainschleifen, die sich im nördlichen Anschluss auf Schweinfurter Gebiet fortsetzten, einen Tag lang die Kirchtürme des Dorfes gesehen haben.

1823 wurde der Main durch die Mainkorrektion der Bayerischen Staatsregierung mit insgesamt fünf aufeinander folgenden Durchstichen begradigt. Die Gefahr durch ständige Überschwemmungen des Dorfes wurde gebannt, die Fließgeschwindigkeit des Mains erhöht und die selbständige Freispülung des Strombetts sichergestellt.[3] Der Main tangiert seitdem nur noch ein kurzes Stück im Nordwesten den Ort. Seit 1947 sind die Fluren um den historischen Ringdeich bis zum Schwebheimer Wald kein Überschwemmungsgebiet mehr.[4]

Der Main wurde in den 1960er Jahren zur Großschifffahrtsstraße Main-Donau-Kanal ausgebaut. Im Rahmen dieses Großprojekts wurde von 1967 bis 1969 der heutige Maindeich entlang des Mains erstmals erstellt.[5]

2008 war die Sanierung dieser Deiche abgeschlossen. Die Wälle wurden um sechs Meter verbreitert und die Dammkrone um 70 cm auf 3,50 m erhöht. Bei den Berechnungen wurde die Klimaerwärmung berücksichtigt und auf das statistisch einmal in 100 Jahren auftretende größte Hochwasser (zuletzt 1909) 15 % an Wassermassen aufgerechnet. Die Deiche wurden zudem im Kern mit einer 40 cm starken Betonwand versehen, die acht bis zehn Meter tief unterhalb der Wälle verankert wurde, so dass auch bei flussseitiger Abschwemmung des Erdwalls Hochwasserschutz bestehen bleibt. Neue, öffentlich begehbare und mit dem Rad befahrbare Wartungswege auf der Deichkrone und hinter den Wällen wurden angelegt.[6]

Um dem Hochwasser wieder mehr Platz zur Ausbreitung zu ermöglichen laufen seit 2003 bis jetzt (2018) Vorplanungen zum Anlegen eines Flutpolders zwischen dem begradigten Main und der Altmainschleife Süd.[7] Dieses Areal wird Bergrheinfelder Insel genannt, da es aufgrund des historischen Mainverlaufs bis 1823 rechtsmainisch auf der Bergrheinfelder Seite lag und heute noch zur Nachbargemeinde gehört.

Beide Gemeinden werden seit 1901[3] durch die Mainbrücke Bergrheinfeld verbunden. 2008/2009 wurde die neue Stabbogenbrücke errichtet. Ursprünglich verkehrte hier eine Fähre, worauf heute noch das Fährhaus 600 m nördlich (mainaufwärts) hinweist. Nördlich der Mainbrücke ist eine Schiffsanlegestelle geplant.[2]

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kath. Pfarrkirche Kreuzauffindung
NSG Altmainschleife Süd

Die Altmainschleife Süd bildet das Naturschutzgebiet Alter Main bei Bergrheinfeld und Grafenrheinfeld. Mit seinen Röhrichtbeständen, Hochstaudenfluren, Weidengebüschen und Ufergehölzen ist es ein wichtiger Brut- und Rastplatz für Wasservögel. Im Süden des Gemeindegebietes, am westlichen Ortsrand von Röthlein, befindet sich das Naturschutzgebiet Elmuß, ein vom Unkenbach durchflossener Auwald.

Senftenhofsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden des Gemeindegebietes, an der Gemarkungsgrenze zu Schweinfurt, ist der Senftenhofsee zu finden. Er verweist mit seinem Namen auf die Ortswüstung Senftenhof (siehe: Geschichte).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenrheinfeld hat fünf Nachbargemeinden, von denen sich mit Ausnahme der nördlich gelegene kreisfreien Stadt Schweinfurt alle im Landkreis Schweinfurt befinden. Im Nordosten grenzt das Gemeindegebiet von Gochsheim auf einem kurzen, nur 200 m langen Abschnitt an Grafenrheinfeld, im Osten liegt Schwebheim, im Südosten Röthlein und im Westen, auf der anderen Mainseite, Bergrheinfeld.

Die Gemeindegrenzen orientieren sich noch am Lauf des Altmains, so dass nordmainische Gemeinden Anteile südlich des Mains besitzen und auch umgekehrt. Mit Ausnahme des Glöckle Sees, wo Grafenrheinfeld (heute) ein Gebiet nördlich des historischen Mainlaufs besitzt und die Grenze zwischen Berg- und Grafenrheinfeld mitten durch den See verläuft. Eine Orientierung ist äußerst schwierig, da es im Zuge der Gebietsreform in Bayern um die Stadt Schweinfurt wegen ausgebliebener Eingemeindungen, mit einer Ausnahme, keine Neuordnung der Gebiete gab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. April 741 wurde das Königsgut „Roumfeld“ erstmals auf der ersten deutschen Synode im Mainz in einer Schenkungsurkunde König Karlmanns an das Bistum Würzburg erwähnt.[8] 1688 erhielt Grafenrheinfeld das Marktrecht.

Marktplatz zwischen Brückenstraße, Hauptstraße, Schweinfurter Straße und Herrngasse

780 wurde „Ronefeld“ unter den Ortschaften des „Gozfeldes“ erwähnt. 1094 und 1113 gehörte „Rounvelt“, „Ronefelt“, „Ronfeld“ oder „Ranvfelt“ zum Werngau. Ein weiterer Ortsname war „Raunvelt“ (1304). 1318 ist mit „Ravelt“ erstmals eine Entsprechung der heutigen lokalen mundartlichen Bezeichnung des Ortes „Rafeld“ belegt. 1327 war die Benennung „Rainfelt“ und 1419 „Reinfelt“, aus der der spätere Name Rheinfeld entstand.[8] Alle diese Namen wurden als gemeinschaftliche Bezeichnung für die heutigen Orte Bergrheinfeld, Röthlein, Grafenrheinfeld und Oberndorf (heute Teil von Schweinfurt) verwendet.[8] Später wandelte sich der Name von „Grauenrheinfeld“ (1554) über „Greuenrheinfeld“ (1557), „Gräuenrheinfeld“ (1601) und „Gräfenrheinfeld“ (1627) sowie „Grävenrainfeld“ (1635) zu Grafenrheinfeld. Es gab auch die Bezeichnung „Niederrhanfeld“ oder „Graben reinvelt“.[8] Der Name wird also von Graben, Niederung (althochdeutsch graban) abgeleitet: also das in einer Niederung gelegene Rheinfeld. Der Nachbarort Bergrheinfeld wurde hingegen als „Ranfelt uf dem Berge“ tituliert. Die Namensherkunft von einem Grafen ist unwahrscheinlich, da kein Graf dort seinen Burgsitz hatte.[8]

Territorien am Ende des Alten Reichs:
Gelb: Reichsstadt Schweinfurt (evang.).
Beige: Reichsdörfer (evang.).
Braun: Reichsritterschaften (evang.).
Grün: Grafen von Schönborn (kath.).
Rot: Deutscher Orden (Brönnhof).
Rosa: Hochstift Würzburg und div. Mandate

Grafenrheinfeld mit seinem ansehnlichen geistlichen Zentrum am Kirchplatz und Bergrheinfeld waren die katholischen Orte des Hochstiftes Würzburg, die der protestantischen Region um Schweinfurt im Südwesten am nächsten lagen. In der Gegenreformation förderten die Würzburger Fürstbischöfe diese Vorposten aus Sorge vor der lutherischen Lehre auch durch die Aufstellung von Bildstöcken, so mit dem Grafenrheinfelder Kreuzigungsbildstock von 1619. Insbesondere Grafenrheinfeld lag jedoch aus Sicht des Hochstifts strategisch ungünstiger und schwerer erreichbar, als der dritte katholische Vorposten an der westlichen Peripherie der Reichsstadt, Geldersheim. Letzterer lag an der Chaussee Würzburg–Meiningen, die zur Umgehung Schweinfurts auf dem Gebiet des Hochstifts 1796 fertiggestellt wurde (auf nebenstehender Karte die Westtangente).

An der Altmainschleife Nord begann der noch auf Karten des 19. Jahrhunderts eingezeichnete Schmachtenbergspfad, der zur urkundlich erstmals 1425 erwähnten Wüstung Schmachtenberg führte. Sie lag an der einstigen Grenze zur Reichsstadt Schweinfurt und wurde wahrscheinlich im 15. Jahrhundert verlassen. 2 km nordöstlich Grafenrheinfelds, am Schwebheimer Wald, liegt am Senftenhofsee die Wüstung Senftenhof. Sie befindet sich heute im Grenzgebiet der Gemarkungen von Grafenrheinfeld, Gochsheim und Schweinfurt. Das Dorf war wohl die Nachfolgesiedlung von Schmachtenberg und wurde bis ins 17. Jahrhundert bewohnt. Danach wurde der Ort vermutlich ebenfalls verlassen.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde. 1823 wurde der Main durch die Mainkorrektion begradigt und die Gefahr durch ständige Überschwemmungen gebannt (siehe: Main und Deichgeschichte).

Ein Katasterplan aus dem 19. Jahrhundert[9] enthält sechs Straßennamen: Unteres Thor (heute: Hauptstraße), Oberes Thor (heute: Marktplatz und Schweinfurter Straße), Bühl (heute: im Süden Bühlstraße und im Norden Kirchplatz) und die drei bis heute unveränderten Namen Maingasse, Herrngasse und Linsengasse im Norden des alten Dorfkerns.

Feldkapelle, Kapellenweg Neugotisch (1885)

Die Ortsanlage erfolgte ursprünglich als Rundling. 1928 war der den Ort umgebende Ringdeich als Schutz gegen Mainhochwasser, mit Hecken, Graben und Weg (nach der Hecke Hag genannt) um den Ort noch weitgehend erhalten. Im Deich befanden sich drei Zugänge mit hölzernen Toren und je einem zweistöckigen Turm. Die letzten beiden Türme wurden 1870 abgerissen.[8] An der Verlängerung der Maingasse befand sich am heute noch bestehenden Fährhaus die Fähre, vor dem Bau der Mainbrücke der einzige Weg über den Fluss.[8] Im Jahre 1927 wurde eine Neunummerierung und Beschilderung der Häuser vorgenommen.[8]

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ort durch Bombenangriffe größtenteils zerstört. Am Nachmittag des 24. Februar sowie in der Nacht zum 25. Februar 1944 wurde Grafenrheinfeld im Rahmen der Big Week von zahlreichen Flüssigkeitsbomben, Sprengbomben, Luftminen und einer Unmenge von Stabbrandbomben getroffen. Bei den beiden Angriffen waren 35 Todesopfer zu beklagen. 71 Wohnhäuser brannten nieder, 65 Wohnhäuser wurden schwer, 106 Wohnhäuser leicht beschädigt, 136 Scheunen und 116 Nebengebäude wurden ein Raub der Flammen.[10]

In den Angriffen auf die Orte in der Umgebung Schweinfurts, wie auch auf Sennfeld, sollten die Wohnungen von Berufspendlern in die Schweinfurter Großindustrie, dem europäischen Zentrum der Wälzlager-Industrie getroffen werden, einer äußerst kriegswichtigen Schlüsselindustrie. In beiden Angriffen wurde Grafenrheinfeld zu 80 % zerstört, während in 22 Angriffen Schweinfurt, das über die beste Luftverteidigung Deutschland verfügte, lediglich zu 45 % zerstört wurde. Im Gegensatz zu Grafenrheinfeld gelang es den Alliierten hier auch nicht einen Feuersturm zu entfachen, sondern sie erlebten hier ihre schwersten Luftniederlagen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenrheinfeld entwickelte sich insbesondere seit den Nachkriegsjahrzehnten zu einer Wohnvorortgemeinde Schweinfurts. In neuerer Zeit wurde Grafenrheinfeld zunehmend beliebt, weshalb trotz des Demografischen Wandels die Einwohnerzahl, im Gegensatz zu einigen anderen Schweinfurter Vororten, ständig weiter leicht anstieg.

Rathaus mit modernen Anbau
  • 1991: 3096 Einwohner
  • 1995: 3237 Einwohner
  • 2005: 3345 Einwohner
  • 2010: 3361 Einwohner
  • 2015: 3440 Einwohner

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlbeteiligung: 71,7 %
 %
50
40
30
20
10
0
46,7 %
33,2 %
20,2 %

Der Gemeinderat hat 16 Sitze. Die Kommunalwahlen 2002, 2008 und 2014 führten zu den folgenden Sitzverteilungen:

2002 2008 2014
CSU 8 8 8
SPD/Freie Wähler 4 3 3
FBL 4 5 5
Gesamt 16 16 16

(FBL = parteilose Wählergruppe "Freie Bürgerliste Grafenrheinfeld")

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte des historischen Ortskerns befinden sich zwei Plätze. Am Marktplatz laufen die Straßen aus den benachbarten Orten zusammen. Unweit südlich liegt der ruhige Kirchplatz mit vielen Baudenkmälern, unter anderem der Alten Amtsvogtei, heute ein fränkischer Gasthof mit Biergarten.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rokoko-Kirchplatz
  • Katholische Pfarrkirche Kreuzauffindung mit Doppeltürmen
  • Schatzkammer, an Pfarrkirche,
    Kirchenschatz mit liturgischen Geräten und Textilien
  • Alte Amtsvogtei (1626) heute Gasthof, Kirchplatz
Naturbadesee

Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Naturbadesee in der Freizeitanlage Altmainschleife Nord am nordöstlichen Ortsrand an der Gochsheimer Straße. Ferner mit Wanderwegen, Tennisplätzen und Reithalle.
  • Badeseen an der Altmainschleife Süd, unmittelbar am Dorfrand, jedoch auf Bergrheinfelder Gemeindegebiet gelegen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld,
2015 stillgelegt
Kernkraftwerk bei Nacht

Kernkraftwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Kilometer südsüdwestlich des alten Dorfkerns befindet sich das am 27. Juni 2015 stillgelegte Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG). Es liegt direkt am südlichen Ufer der Altmainschleife Süd, mit Nebengebäuden, Reaktorkuppel, Abklingbecken, Zwischenlager, zwei 143 Meter hohen Kühltürmen und einem Umspannwerk für den Anschluss an das 380-kV-Netz.

Die Bauarbeiten, an denen 14.000 Menschen beteiligt waren, begannen 1974 durch die Bayernwerk AG. Es wurden zwei 143 m hohe Kühltürme errichtet, die auf über 50 km Entfernung bis nach Mittelfranken zu sehen sind.[12] Am 9. Dezember 1981 ging das Kraftwerk mit einem Druckwasserreaktor und einer elektrischen Bruttoleistung von 1345 Megawatt in Betrieb, arbeitete nahezu störungsfrei und wurde überregional wenig wahrgenommen. Es gab einen Vorfall der INES-Stufe 1 der siebenstelligen Bewertungsskala, alle anderen Vorfälle lagen unterhalb dieser niedrigsten Stufe.[13] Bereits im ersten vollständigen Betriebsjahr 1983 produzierte das KKG mit 9,96 Milliarden Kilowattstunden Bruttostrom mehr als jede andere Anlage weltweit.[14] Der E.ON-Plan sieht vor, dass der Rückbau 2018 beginnt. Zunächst soll das radioaktive Material aus dem Kontrollbereich ausgebaut werden. Bis 2028Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren soll der Rückbau abgeschlossen sein, so dass nur noch die Gebäude stehen und das Werk formal aus der atomrechtlichen Überwachung fällt. Der Abriss der Gebäude und der Kühltürme soll danach beginnen und laut Plan 2030/31 beendet sein. Die hochradioaktiven Abfälle sollen ins benachbarte Zwischenlager BELLA kommen, so lange es noch kein zentrales Endlager gibt. Die Betriebsgenehmigung für BELLA gilt bis 2046. Die mittel- und schwachradioaktiven Stoffe soll der Schacht Konrad bei Salzgitter aufnehmen. Da er noch nicht zur Verfügung steht wird am KKG eine Bereitstellungshalle BeHa errichtet. Rückbau und Abbruch werden voraussichtlich 1,2  Milliarden Euro kosten.[15][16]

Leitungsknoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leitungsvorhaben aus dem Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG)

Im näheren Umfeld des stillgelegten Kernkraftwerks, das relativ weit südlich des Dorfkerns liegt und sich auch auf Bergrheinfelder Gebiet erstreckt, befindet sich einer der wichtigsten deutschen Leitungsknoten der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, der bestehen bleibt. Mit einem 380-/220-/110-kV-Umspannwerk, welches über vier Stromkreise (zwei 220 kV und zwei 380 kV) mit der Schaltanlage des Kernkraftwerks verbunden ist.

Der Leitungsknoten Grafenrheinfeld wird 2015 bis 2019 durch das neue Umspannwerk Bergrheinfeld West vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet TSO für rund 100 Mio. Euro weiter ausgebaut und soll ein Endpunkt von Suedlink werden.[17][18] Die genaue Stromtrasse steht derzeit (2017) noch nicht fest, aber Erdkabel als Kabeltyp.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am südlichen Ortsrand befindet sich an der Staatsstraße 2277 nach Röthlein ein Gewerbegebiet mit verschiedenen Unternehmen

Der SAP-Dienstleister FIS GmbH ging aus der ehemaligen SAP-Abteilung des Schweinfurter Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer (heute zur Schaeffler-Gruppe gehörend) hervor und wurde 1992 als Tochtergesellschaft gegründet. Am 1. Mai 1993 wurde die FIS GmbH ein unabhängiges Unternehmen und zählte im Jahr 1996 bereits 50 Beschäftigte, sodass ein Standortwechsel von Schweinfurt an den heutigen Firmensitz Grafenrheinfeld notwendig wurde.[19] Heute beschäftigen die FIS GmbH und ihre Tochtergesellschaften insgesamt über 600 Personen, davon rund 500 in Grafenrheinfeld (Stand: Ende 2016).

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altmain Sporthalle
  • Caritas Jugendhilfezentrum Marie Schutz
  • Freiwillige Feuerwehr Grafenrheinfeld
  • Gemeindebibliothek Grafenrheinfeld
  • Kindertagesstätte Am Fröschloch
Veranstaltungshalle und Tagungszentrum
  • Reithalle RV Grafenrheinfeld
  • Theresa-Gerhardinger-Grundschule

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anglergemeinschaft Grafenrheinfeld
  • Eigenheimer Grafenrheinfeld
  • Malteser Hilfsdienst Grafenrheinfeld
  • Musikverein Grafenrheinfeld
  • Rafelder aktive Familien (RaF)
  • Reit- und Fahrverein Grafenrheinfeld
  • Spielmanns- und Fanfarenzug Grafenrheinfeld
  • Turn- und Sportverein Grafenrheinfeld

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1901 verbindet die Mainbrücke Bergrheinfeld Grafenrheinfeld mit Bergrheinfeld, die 2008/2009 als Stabbogenbrücke neu errichtet wurde (Bild siehe: Main und Deiche).

Straße

Berlin ist über zwei gleichlange Autobahnrouten via A 70 und A 71 zu erreichen

Schiene

ÖPNV

OVF-Bus, DB-Tochter mit roten Farben des Bahnbusses

Anschluss an die Busliniennetze von:

Rad

Wasser

  • Lage direkt am Main, Anlegemöglichkeit in Planung

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moritz Schmid (1733–1818), letzter Stiftspropst von Heidenfeld vor der Säkularisation, wuchs wohl in Grafenrheinfeld auf und starb hier 1818
  • Nikolaus II. Scholl (1474–1551), Abt des Klosters in Münsterschwarzach

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der niederländische Komponist Jacob de Haan schrieb das Stück Kraftwerk (2006), das von der Zerstörung des Ortes während des Zweiten Weltkriegs handelt.

Das Buch Die Wolke der Autorin Gudrun Pausewang handelt von einem Super-GAU im AKW Grafenrheinfeld und seinen Folgen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grafenrheinfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Zukunftswerkstatt Grafenrheinfeld 2010. Abgerufen am 29. November 2017 (PDF).
  3. a b Gemeinde Grafenrheinfeld: „Der Main und seine Bedeutung für Grafenrheinfeld“. Abgerufen am 6. Januar 2018.
  4. Revista Verlag Schweinfurt: „Sauerstücksee mit der Hirtenbachaue“. Abgerufen am 7. Januar 2018.
  5. Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen: „Maindeiche bei Schweinfurt“. Abgerufen am 7. Januar 2018.
  6. Landkreis Schweinfurt: „Die Sanierung der Maindeiche im Raum Schweinfurt“. Abgerufen am 7. Januar 2018.
  7. Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen: „Flutpolder Bergrheinfeld“. Abgerufen am 7. Januar 2018.
  8. a b c d e f g h J. Freppon: Aus Grafenrheinfeld’s alter und neuer Zeit. Verlag Deutsche Gaue, Kaufbeuren 1928
  9. BayernAtlas, Katasterplan aus dem 19. Jh.
  10. Schweinfurter Tagblatt vom 24. Februar 1984
  11. http://www.wahlen.bayern.de/kommunalwahlen/
  12. Die Kühltürme sind von der Landstraße aus Uffenheim Richtung Rothenburg o. d. Tauber 3 km nach Querung der A 7 zu sehen.
  13. Bundesamt für Strahlenschutz: Kernkraftwerke in Deutschland – Meldepflichtige Ereignisse, Stand: 13. April 2015.
  14. Pressemeldung vom 14. Februar 2001 bei kernenergie.de.
  15. Schweinfurter Tagblatt: So will E.on das AKW Grafenrheinfeld abreißen. 8. Mai 2016.
  16. tv touring Schweinfurt: Video zum Rückbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfelds. Abgerufen am 26. Februar 2017.
  17. Der Spiegel: Hier soll die neue Energieautobahn verlaufen. 5. Februar 2014.
  18. Tennet errichtet Umspannwerk Bergrheinfeld West. Abgerufen am 28. November 2017.
  19. Historie. In: www.fis-gmbh.de. Abgerufen am 31. Oktober 2016.