Grafiksoftware

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Grafiksoftware (oder auch Grafikprogramm) ist der Oberbegriff für Software, die im Grafikbereich zur Erstellung oder Bearbeitung von Bildern eingesetzt werden oder für ähnliche Funktionen dienen. Hierzu gehören beispielsweise Bildbearbeitungsprogramme (Bildeditor), Malprogramme und Vektorgrafikprogramme (Zeichnungseditor).[1]

Foto einer Gedenktafel im Original: Rastergrafik
Das Foto nach der Bearbeitung: Rastergrafik

Spezialisierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man unterscheidet zwei Arten von Computergrafiken: Vektor- und Rastergrafiken. Vektorgrafiken beschreiben Figuren als Verbindung unterschiedlicher Primitive, welche mit Hilfe der algebraischen Geometrie deskribiert werden. Aufgrund dessen hat Ihre Vergrößerung keine Qualitätsverluste zur Folge. Mit Hilfe dieses Prinzips werden u. a. Unterschriften und geometrischen Figuren digital gesichert;[2][3] Rastergrafiken setzen sich aus Bildpunkten zusammen. Aufgrund dessen lässt sich die Dateigröße in einer mit einem Qualitätsverlust verbundenen Kompression verringern. Mit Hilfe dieses Prinzips werden u. a. Photographien digital gesichert.[4][5] Aufgrund ihrer sich grundlegend unterscheidenden Ansätze haben sich viele Programme auf eines der beiden Speicherungsverfahren spezialisiert (z. B. GIMP auf Rastergraphik und Inkscape auf Vektorgraphik).[6][7]

Bildbearbeitungsprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildbearbeitungsprogramme spezialisieren sich auf Rastergrafiken (auch Pixel-Grafiken oder Bitmap-Grafiken genannt) und dienen der Erstellung, Verbesserung, Veränderung und Manipulation digitaler Bilder.[8] Bildbearbeitungsprogramme werden hauptsächlich zur Beseitigung von Fehlern, welche bei der Bilderfassung entstanden sind, und zur Bildkomposition eingesetzt. Teilweise dienen sie auch als Malprogramme.[9]

Online-Bildbearbeitungsprogramme sind zum Beispiel NexImage (durch Webhoster zu installieren), Pixlr, Snipshot, Pixenate und Aviary Phoenix.

Malprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Digitales Malen stehen Programme mit spezialisierten Funktionen für genau diesen Zweck zur Verfügung. Sie eignen sich besonders für die maltechnische Umsetzung von Bitmapvorlagen und besitzen eine Vielzahl von künstlerischen Funktionen. Vorwiegend werden die Daten über ein sog. Grafiktablett wie Digital Pen oder Digitizer eingegeben.

Onlinemalprogramme sind zum Beispiel Paint chat und Oekaki.

Vektorgrafikprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vektorgrafikprogramme dienen zur Erstellung von Zeichnungen oder Illustrationen als Vektorgrafik. Hierzu bieten sie einerseits Funktionen zum Erstellen einfacher geometrischer Formen wie Rechtecke, Kreise oder Linien an, aber auch umfangreichere Funktionen zum Erstellen komplexerer Formen sowie von Farbverläufen und Transparenzeffekten. Im Gegensatz zu Bildbearbeitungs- oder Malprogrammen werden die Objekte innerhalb einer Zeichnung nicht in Form von Pixeln gespeichert, sondern als Vektoren. Daher lassen sich Vektorgrafiken auch beliebig vergrößern, verkleinern oder drehen, ohne dabei Qualitätsverluste hinnehmen zu müssen. Bei Rastergrafiken hingegen sieht man bei übermäßiger Skalierung die Pixel; zudem werden teilweise Artefakte und ähnliche Bildfehler sichtbar. Ein typisches Beispiel für eine Vektorzeichnung ist ein Clipart.[10]

Vektorisierungsprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pixelbilder lassen sich durch Vektorisierungsprogramme in Vektoren umwandeln und als solche weiter bearbeiten. Verschiedene Grautonstufen der Bildvorlage werden in Flächen zerlegt.[11][12]

Layoutprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Desktoppublishing-Bereich gibt es DTP-Programme zur Erstellung von Layouts. Diese Programme werden vorwiegend für die Herstellung mehrseitiger, großer Dokumente verwendet. Produkte zum Beispiel Bücher, Zeitungen, Kataloge, Zeitschriften, und Prospekte.[13]

Hilfsmittel und Software für Computergrafiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Grafiksoftware gehören neben den Bildbearbeitungs- und Vektorgrafikprogrammen zahlreiche andere nützliche Programme, die als Hilfsmittel dienen oder in verschiedenen Branchen mit unterschiedlicher Aufgabenstellung verwendet werden. Die Funktionen dieser Hilfs- oder Zusatzprogramme überschneiden sich teilweise mit denen der Bildbearbeitungs- und Vektorgrafikprogramme oder ergänzen diese. Einige der Zusatzprogramme werden sowohl als Plug-in, z. B. für Adobe Photoshop als auch als Stand-Alone-Version angeboten.

Bilder, Bildbetrachter, Bilderverwaltung, Bildersuchmaschine und Bildershows[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder spielen im Grafikbereich eine wichtige Rolle; sie können bearbeitet, verwaltet oder anderweitig verwendet werden. Zahlreiche Bilder finden sich in sogenannten Fotocommunities, wie Fotocommunity.de, Foto-Sharing-Webseiten, Webgalerien und Bilddatenbanken, wie Wikimedia Commons, Flickr, Panoramio, Photobucket.com und fotocommunity.de. Zum schnellen Ansehen von Bildern oder für kleinere Bildmanipulationen gibt es so genannte Bildbetrachter. Weiterhin können Bilder mit einer Bilderverwaltungssoftware verwaltet, beschriftet und sortiert werden.[14] Daneben gibt es noch Bildershow-Programme, mit ihnen lassen sich Bilder mit Effekten, wie zum Beispiel Überblendungen, aber auch mit Musik und Texten versehen und anschließend auf ein Medium (zum Beispiel DVD, USB-Stick) brennen. Das Ergebnis lässt sich dann mit Hilfe eines DVD-Players am Fernseher betrachten.[15] Mit einer Bildersuchmaschine lassen sich Bilder mittels Eingabe eines Stichwortes im Internet suchen. Mit Screenshot-Programmen können Bilder vom PC-Bildschirm oder einem Ausschnitt desselben gemacht werden.[16]

Grafikpakete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafikpakete (englisch: graphics suite) sind Pakete mehrerer Programme, die als Ganzes verkauft werden. Bekannte Grafikpakete sind zum Beispiel Adobe Creative Suite, CorelDRAW Graphics Suite und Microsoft Expression.

Grafikfilter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein wichtiger Aspekt von Bildbearbeitungsprogrammen ist die Erweiterungsmöglichkeit von Funktionalitäten mit sogenannten Plug-ins. So lassen sich zusätzliche Grafikfilter einbauen, die dann im Programmmenü aufgerufen werden können. Mit diesen Filtern lassen sich dann am Bild bestimmte Effekte erzielen, zum Beispiel Verfremdungen.

Icon-Editoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iconerstellungsprogramme (auch Icon-Editoren genannt) dienen zum Erstellen und Bearbeiten von Icons.

  • Axialis IconWorkshop
  • IconCool Studio
  • IcoFX
  • ArtIcons Standard
  • IconForever
  • Perfect Icon
  • IconoMaker

HDR-Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HDR-Aufnahme mit FDRTools

Zu den im Bereich des High Dynamic Range Imaging verwendeten Programmen zählen:

RAW-Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leistungsfähige Kameras wie z. B. digitale Spiegelreflexkameras können Bilder im Rohdatenformat RAW speichern, welches deutlich mehr der ursprünglichen Sensorinformationen enthält als das JPG-Format der üblicherweise bereits von der Kamerasoftware interpretierten und verarbeiteten Bilddateien. Mit einer RAW-Software können diese Bilder verlustlos bearbeitet und korrigiert werden.[17][18]

Stitching-Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Stitching
Panoramabild von Simos auf der griechischen Insel Elafonisos, zusammengesetzt mit kostenloser Stitching-Software aus 10 Einzelaufnahmen.

Stitching-Software (auch Panorama-Software genannt) dient zum Erstellen von Panoramabildern. Mehrere einzelne Bilder werden dabei von der Software zu einem Panoramabild zusammengefügt.

Weitere Hilfs- und Zusatzprogramme zur Bildbearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unschärfe-Reduktionsprogramme
  • Bildschutzprogramme, die ein Wasserzeichen in das Foto oder in die Grafik einfügen
  • Dateiverkleinerungsprogramme, die die Dateigröße auf ein vorher eingestelltes Maß reduzieren
  • Rauschreduktionsprogramme
  • Programme zur Korrektur von geometrischen Verzerrungen, die durch das Kamera-Objektiv oder den Aufnahmestandpunkt („stürzende Linien“) verursacht wurden
  • Programme zur Änderung der Exif-Daten

3D-Programme/CAD-Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 3D-Computergrafik-Bereich dient 3D-Grafiksoftware dazu, Objekte im dreidimensionalen Raum zu modellieren und anschließend zu rendern. Zweck ist die Erzeugung von Computergrafiken bzw. Computeranimationen. Weiterhin gibt es CAD-Programme zur Erstellung und Konstruktion von technischen Zeichnungen, zum Beispiel für die Architektur.

Visualisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Visualisierung von Unternehmensdaten in Form von Diagrammen (zum Beispiel Gantt-Diagramme, Fluss-Diagramme) oder Netzplänen dienen Visualisierungsprogramme.

Webpublishing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Gestaltung und Erstellung von Webseiten können textbasierte HTML-Editoren oder grafische WYSIWYG-Programme eingesetzt werden.

Fraktale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interessant für die Arbeit von Computergrafikern sind Fraktalgeneratoren zur Erzeugung von Fraktalen.[19]

Spezielle Eingabegeräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grafikprogramme können mit Hilfe der Maus und/oder spezieller Eingabegeräte bedient werden:

  • Für genaues Arbeiten ist ein Grafiktablett empfehlenswert, das mit einer Sensoroberfläche genau auf darauf ausgeführte Stiftbewegungen und den ausgeübten Druck reagiert und diese Informationen an das Programm weiterleitet. Dadurch sind fließende Striche und auch feine verlaufende Lasuren möglich.[20]
  • Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Tablet PCs. Diese verfügen über ein Grafiktablett, welches direkt im Display der Rechner integriert ist und erlauben somit ein direktes Malen/Zeichnen auf der Zeichenoberfläche der Grafikprogramme.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden: Grafikprogramm, Graphikprogramm. – Rechtschreibung, Bedeutung, Definition. In: www.duden.de. Abgerufen am 30. April 2016 (deutsch).
  2. Vektorgrafik. In: www.gif-bilder.de. Abgerufen am 28. April 2016 (deutsch).
  3. Vektorgraphik. In: Geoinformatik Lexikon. Universität Rostock, abgerufen am 28. April 2016 (deutsch).
  4. Stefan Koch: JavaScript – Einführung, Programmierung und Referenz – inklusive Ajax. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. dpunkt.verlag, 2009, ISBN 978-3-89864-594-2, Bilder und Animationen, S. 457.
  5. Pixelgraphik. In: Geoinformatik Lexikon. Universität Rostock, abgerufen am 28. April 2016 (deutsch).
  6. Über Inkscape. Inkscape Community, abgerufen am 28. April 2016 (deutsch).
  7. Kapitel 1. Einführung. In: docs.gimp.org. Abgerufen am 28. April 2016.
  8. Duden: Bildbearbeitungsprogramm. – Rechtschreibung, Bedeutung, Definition. In: www.duden.de. Abgerufen am 30. April 2016 (deutsch).
  9. Kapitel 1. Einführung. Kapitel 1. Einführung-1. Willkommen bei GIMP. In: GNU Image Manipulation Program-Benutzerhandbuch. Abgerufen am 30. April 2016 (deutsch).
  10. Inkscape/ Was ist ein SVG – Wikibooks, Sammlung freier Lehr-, Sach- und Fachbücher. In: de.wikibooks.org. Abgerufen am 30. April 2016.
  11. Vektorisierungsprogramm – so erstellen Sie Vektorgrafiken. In: HELPSTER. Abgerufen am 30. April 2016.
  12. Prof. Ralf Bill, Marco L. Zehner: Vektorisierung – Geoinformatik Lexikon. In: www.geoinformatik.uni-rostock.de. Universität Rostock, abgerufen am 30. April 2016.
  13. Wie mein Buch auf die Welt kommt/ Digitaldruck – Wikibooks, Sammlung freier Lehr-, Sach- und Fachbücher. In: de.wikibooks.org. Abgerufen am 30. April 2016 (deutsch).
  14. Vergleichstest: Bildverwaltungs-Software. In: CHIP Online. Abgerufen am 30. April 2016.
  15. Benjamin Schischka: 14 kostenlose Diashow-Programme zum Download. In: PC-WELT Web. Abgerufen am 30. April 2016.
  16. Duden: Screenshot. – Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: www.duden.de. Abgerufen am 30. April 2016.
  17. Learn about RAW, JPEG, and TIFF with the digital photography experts at Photo.net. In: photo.net. Abgerufen am 30. April 2016.
  18. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Software zur Bildverwaltung: Die besten Bild-Veredler im Vergleichstest. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 30. April 2016.
  19. Prof. Ralf Bill, Marco L. Zehner: Fraktale – Geoinformatik Lexikon. In: www.geoinformatik.uni-rostock.de. Universität-Rostock, abgerufen am 30. April 2016.
  20. Duden: Grafiktablett, Graphiktablett. – Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: www.duden.de. Abgerufen am 30. April 2016 (Weitere Ausführung unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/Digitizer).