Grafschaft Stade

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Die Grafschaft Stade war eine mittelalterliche Grafschaft am Unterlauf der Elbe mit dem Hauptort Stade.

Quellen und Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmold von Bosau berichtet zu 1145, dass zur Burg Stade die Grafschaft an beiden Elbufern gehörte. Sie befand sich – mit Unterbrechungen – vermutlich seit 944 bis 1144 im Besitz der Udonen, die vielfach mit den Widukinde, Immedingern, Liudolfingern und Billungern verschwägert waren. Es handelte sich nicht um ein geschlossenes Gebiet. Adam von Bremen berichtet im 11. Jahrhundert, dass die Grafschaft der Udonen über das ganze Gebiet des Erzstifts Hamburg-Bremen verteilt sei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich I. der Kahle von Stade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Graf Wichmann der Ältere, der ältere Bruder des für das Slawengebiet zuständigen Markgrafen und späteren dux Hermann Billung, seinen Söhnen am linken Elbufer und insbesondere in und um Harsefeld in der Nähe von Stade – wohl dem alten Hauptort des Heilangau – mehrere hundert Hufen Grundbesitz hinterließ, dürften die frühen Billunger bis zum Tode von Graf Wichmann dem Älteren (wohl 944) mit der Elbverteidigung beauftragt und mit der dortigen Grafschaft belehnt gewesen sein. Während der Minderjährigkeit seiner beiden Söhne Wichmann des Jüngeren und Ekbert des Einäugigen wurde die Grafschaft einem engen Verwandten des Kaisers namens Heinrich anvertraut, der in den Quellen als Graf und Legat bzw. auch Markgraf bezeichnet wird und in den späteren Chroniken und in der Literatur Graf Heinrich I. der Kahle von Stade genannt wird. Da Graf Wichmann der Jüngere die Lehen seines Vaters erhielt, wird er auch die Grafschaft Stade besessen haben. In der Folgezeit kam es zu heftigen Fehden zwischen Wichmann dem Jüngeren und seinem Bruder Ekbert einerseits und ihrem Onkel Hermann Billung andererseits, welcher durch Heinrich I. und dessen Bruder Siegfried – vermutlich seine Schwager – unterstützt wurde.

Vielleicht schon während der gegen Wichmann den Jüngeren verhängten Reichsacht, spätestens aber mit dessen Tod 967 erhielt Heinrich der Kahle endgültig die Grafschaft Stade. 969 baute er in Harsefeld seine Burg, die 1001/10 von seinem Sohn Graf Heinrich dem Guten in eine Propstei und 99 Jahre später in ein Mönchskloster umgewandelt wurde. Harsefeld wurde um 1000 die Grablege der Udonen, während sie jetzt in Stade ihre Hauptburg hatten.

Lehen des Bischofs von Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Udonen ab 1056 auch Markgrafen der Nordmark waren, gelangt es 1063 Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen, ihnen ihre Reichsunmittelbarkeit bezüglich der Grafschaft Stade gegen eine hohe Summe abzukaufen. Die Grafschaft Stade wurde ein Lehen des Erzstifts, mit dem weiter die Udonen belehnt wurden.

Sie überließen seit Ende des 11. Jahrhunderts die Verwaltung ihrer Grafschaft Stade als Vizegrafen ihrem Ministerialen Friedrich. Friedrichs Mutter stammte vermutlich aus angelsächsischem Hochadel und war nur durch einen Schiffbruch unfrei geworden. Sein Vater könnte Graf Reinhold, ein vermutlich edelfreier Vasall der Udonen, gewesen sein. Deshalb versuchte Graf Friedrich ab 1106 mit Hilfe Kaiser Heinrichs V. die Udonen als Lehnsinhaber der Grafschaft Stade zu verdrängen, was ihm nach seiner Freilassung durch den Kaiser und die eigene Belehnung mit der Grafschaft Stade auch gelang.

Erst 1135 nach dem Tode Graf Friedrichs von Stade wurde mit Rudolf II. wieder ein Udone aus der Frecklebener Seitenlinie mit der Grafschaft Stade belehnt. Sein Bruder Hartwig war bei seinem Tod Domherr in Magdeburg. Durch die Verteilung seines ererbten umfangreichen Grundbesitzes an die Erzstifte Magdeburg und Hamburg-Bremen erreichte er die Wahl zum Dompropst und später zum Erzbischof in Bremen. Er ließ sich 1144 als Geistlicher mit der Grafschaft Stade belehnen, die nach seinem Tod an die Kirche heimfallen sollte. Die Blutgerichtsbarkeit in der Grafschaft übte für ihn sein früherer Schwager Pfalzgraf Friedrich aus, der mit dem Blutbann belehnt wurde.

Herzog Heinrich der Löwe machte indessen erb- und lehnsrechtliche Anwartsansprüche an der Grafschaft Stade geltend und nahm sie 1145 in Besitz. Er überließ die Verteidigung Stades mehrfach seinen Vasallen. Auch seine Söhne konnten die Grafschaft Stade halten, bis 1219 vertraglich vereinbart wurde, dass die Grafschaft Stade mit dem Tode des Welfen an das Erzstift Hamburg-Bremen zurückfallen werde, was 1236 der Fall war.

Grafen von Stade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammbaum der Grafen von Stade.
(Kupferstich von 1659)
  • Wichmann d. Ä. (Billunger), † wohl 944, ? Graf an der Unterelbe
  • Wichmann d. J. (Billunger), † 967, ? Graf an der Unterelbe, Sohn von Wichmann d.Ä.
  • Heinrich I. der Kahle, † nach 975 (? 1001), (Mark)graf und Legat, Sohn von Graf Lothar (X 929)
  • Heinrich II. der Gute, † 1016, Gründer des Stifts Harsefeld, Sohn von Heinrich I.
  • Siegfried, 1016 – † 1037 (?) Graf von Stade, Bruder von Heinrich dem Guten
  • Lothar Udo I., † 1057 Graf von Stade, ab 1056 auch Markgraf der Nordmark, Sohn von Siegfried
  • Lothar Udo II., † 1082, Graf von Stade und Markgraf der Nordmark, Sohn von Lothar Udo I.
  • Heinrich III. der Lange, † 1087, Graf von Stade und Markgraf der Nordmark, Sohn von Udo II.
  • Lothar Udo III., † 1106, Graf von Stade und Markgraf der Nordmark, Bruder von Heinrich III.
  • Rudolf I., Bruder von Lothar-Udo III., † 1124, 1106 – ca. 1115 Vormund seines Neffen Heinrich IV.
  • Friedrich von Stade, ca. 1095 – 1112 Ministeriale und Vizegraf, entweder ca. 1115 durch Heinrich V. oder 1124 durch Lothar III. freigelassen, zunächst faktisch und 1128 bis † 1135 belehnter Graf von Stade
  • Heinrich IV., Sohn von Lothar-Udo III., nominal ca. 1114 – † 1128 Graf von Stade, Markgraf der Nordmark
  • Rudolf II. von Freckleben, Sohn von Rudolf I., 1135 – † 1144 Graf von Stade
  • Hartwig, Bruder von Rudolf II., 1144/45 Dompropst in Bremen und Graf von Stade, 1148 Erzbischof von Bremen, † 1168
  • Herzog Heinrich der Löwe, ab 1145 Graf von Stade
  • Pfalzgraf Heinrich, Sohn Heinrichs des Löwen,

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard G. Hucke: Die Grafen von Stade 900–1144. Genealogie, politische Stellung, Comitat und Allodialbesitz der sächsischen Udonen. Diss. Kiel, Stade 1956 mit umfassenden Nachweisen der Quellen und älteren Literatur.
  • Michael Hohmann: Das Erzstift Bremen und die Grafschaft Stade im 12. und frühen 13. Jahrhundert. In: Stader Jahrbuch 1969 (Stader Archiv Neue Folge 59) S. 49–118
  • Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. München 1984, H 33, G 19, G 28, G 45, G 63, G 68, G 84, G 88, G 112, G 131, G 140, G 145, G 155, G 175,
  • Klaus Frerichs, Diether Ziermann, Diethard Meyer (Hrsg.): Ein Platz im Brennpunkt der Geschichte – Burg, Stift, Kapellen und Kloster zu Harsefeld. Stade 1989
  • Winfried Glocker: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Diss. München, Köln/Wien 1989, S. 356 f
  • Friedrich Adolf Schröder: STADE – RINKHORST – WIGMODI. Karolinger und Ottonen zwischen Weser und Elbe. Hildesheim 1990
  • Torsten Lüdecke: Befunde der Stadtarchäologie zur frühen Stadtentwicklung. In: Jürgen Bohmbach (Hrsg.): Stade. Von den Siedlungsanfängen bis zur Gegenwart. Stade 1994, S. 51–83
  • Heinz-Joachim Schulze: Der Kampf um Grafschaft und Stadt: Stade vom Ausgang des 10. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Jürgen Bohmbach (Hrsg.) Stade. Von den Siedlungsanfängen bis zur Gegenwart. Stade 1994, S. 51–83
  • Chronicon Monasterii Rosenfeldensis seu Hassefeldensis. In: Johann Vogt: Monumenta Inedita rerum germanicarum praecipue Bremensium. 1. Band, 2. Stück, Bremen 1741, S. 106–292; Nachdruck Harsefeld 2002 mit Übersetzung des Pastors Seebo
  • Diether Ziermann, Dietrich Alsdorf, Hans Drescher: Ein Platz im Wandel – Burg, Stift und Kloster Harsefeld. Stade 2002
  • Dieter Riemer: Harsefeld im Mittelalter. (Harsefelder Regesten), in: Geschichte und Gegenwart 2005, S. 38–55
  • Hartmut Rüß: Eupraxia-Adelheid, Eine biographische Annäherung. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Neue Folge Bd. 54 (2006) S. 481–518

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]