Grafschafter Krautfabrik

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Grafschafter Krautfabrik – Josef Schmitz KG
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1893
Sitz Meckenheim (Rheinland)
Leitung Stefan Franceschini
Mitarbeiter 140
Umsatz 55 Mio.
Branche Nahrungsmittel
Website http://www.grafschafter.de
Firmenlogo an der Einfahrt zum Firmengelände in Meckenheim

Die Grafschafter Krautfabrik Josef Schmitz KG mit Sitz in Meckenheim im Rheinland ist ein mittelständisches Unternehmen, das süße Brotaufstriche und Industriesirupe sowie Flüssigzuckermischungen produziert. Das Hauptprodukt ist Zuckerrübensirup (im Rheinland als Rübenkraut bezeichnet), der unter dem Markennamen Grafschafter Goldsaft in Lebensmittelmärkten vertrieben wird.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zuckerrübensirup wird traditionell in gelbe Becher verpackt und gilt als Markenzeichen der Grafschafter Krautfabrik. Das Logo des Unternehmens, das sich auf allen Verpackungen findet, ist eine Stilisierung der Burgruine der Tomburg bei Wormersdorf, einem Ort in der Nähe von Meckenheim.

Die Flüssigzuckermischungen werden unter anderem für die pharmazeutische Industrie als Zusatz für Hustensäfte und Erkältungsbonbons produziert. Sie dienen ebenso in der Lebensmittelindustrie zum Färben von Lebensmitteln oder zu deren Süßung. Im Einzelhandel finden sich folgende Brotaufstrichvarianten:

Grafschafter Goldsaft und Fenner Harz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Anfang der 1960er Jahre wurde das Fenner Harz als Auftragsproduktion an die Grafschafter Krautfabrik Josef Schmitz KG vergeben. Der Markenname Fenner Harz wurde beibehalten, da sich im Saarland der Grafschafter Goldsaft nicht etablieren konnte.[1] 1975 sicherte sich die Grafschafter Krautfabrik die Markenrechte für Fenner Harz von der August Storck-Gruppe, die nach der Schließung der Fenner Fabrik 1973 die Produktion des übrigen Süßwarensortiments übernommen hatte. Im Jahr 2011 wurden 15 Millionen Becher Grafschafter Goldsaft und 300.000 Becher Fenner Harz umgesetzt.[1]

Produktionsstandorte und Kooperationsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafschafter Krautfabrik in Meckenheim, Luftaufnahme (2016)
Einfahrt zum Firmengelände in Meckenheim

Firmenentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1893 gründete Joseph Schmitz[2] zunächst einen Betrieb zur Herstellung von Feldbrandziegeln und betrieb nebenbei auch noch Landwirtschaft. 1904 nahm er zusätzlich die Produktion von Rübenkraut und Holzfässern zu dessen Abfüllung auf.[3] Sein Sohn, Albert Schmitz, intensivierte ab 1920 die Produktion von Zuckerrübensirup und wandelt den Betrieb in eine GmbH um. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Sirup ausschließlich in Holzfässern vertrieben.[4] Seit 1953 wird der Zuckerrübensirup in die bis heute gelben Becher abgefüllt. Seither wird er auch überregional im Lebensmitteleinzelhandel angeboten. 1968 übernahm Ernst Franceschini (1940–2016) den Posten des Geschäftsführers. Albert Schmitz wandelte das Unternehmen 1972 in eine Kommanditgesellschaft um, sein Schwiegersohn Ernst Franceschini wurde Komplementär. Nach dem Tod von Albert Schmitz 1973 wurde Franceschini alleiniger Geschäftsführer. Es entstanden Kooperationen mit Firmen in Belgien und Hamburg ab 1974. 1976 erfolgte die Übernahme der Firma Land in Herchen. Dadurch wurde das Produktsortiment um Birnenschmaus und Apfelkraut erweitert. 1990 beteiligt sich das Unternehmen an der Siroperie Meurens in Aubel (Belgien) und bietet seitdem die belgische Spezialität Lütticher Delikatesse an. 1993 übernahm die Grafschafter Krautfabrik die niederländische Firma Frumarco mit Werken in Beek und Beesel. Gleichzeitig beteiligte man sich an der HZR (Hanseatischen Zuckerraffinerie) in Hamburg. 2004 übernahm Stefan Franceschini die Nachfolge in der Geschäftsführung. Heute produziert das Unternehmen jährlich ca. 14.000 t Brotaufstriche und über 40.000 t Industriesirupe an den Standorten Meckenheim, Hamburg und Beesel.[5]

Zusammen mit der Apfel- und Rübenkrautfabrik Spelten aus Wegberg und der Wilhelm Koppers Krautfabrik aus Goch gründete die Grafschafter Krautfabrik die „Schutzgemeinschaft Rheinischer Zuckerrübensirup/Rheinisches Apfelkraut“.[6] Rheinischem Apfelkraut und Rheinischem Rübensirup wurde 2012 das EU-Siegel Geschützte Geografische Angabe verliehen.[7] Die vom Unternehmen produzierten Apfel- und Rübensirupe dürfen dieses Qualitätssiegel führen. [8][9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • WDR (Herausgeber): Wunderschönes NRW kulinarisch. Die leckersten Adressen von A-Z, Schlütersche, Köln 2005, ISBN 978-389993-714-5, S. 104-110

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grafschafter Krautfabrik – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Peter Lempert: Saarländisches Kultprodukt im rheinischen Exil. In: Forum – Das Wochenmagazin. 18. Juni 2011, abgerufen am 31. Oktober 2014.
  2. Andreas Fasel: Ein Sirup namens Rübenkraut. In: Welt am Sonntag. 30. Oktober 2005, abgerufen am 31. Oktober 2014.
  3. Grafschafter Goldsaft - Der Sirup aus der Zuckerrübe. (Memento vom 23. April 2013 im Internet Archive) In: Rhein Zeitung
  4. Grafschafter – der Zuckerrübensirup. Marken des Jahrhunderts - Unternehmensporträt. In: Handelsblatt. 18. Dezember 2012, abgerufen am 31. Oktober 2014.
  5. Wir über uns. Grafschafter Krautfabrik, abgerufen am 31. Oktober 2014 (Produktionszahlen).
  6. Mitgliedsbetriebe. Schutzgemeinschaft Rheinischer Zuckerrübensirup und Rheinisches Apfelkraut, abgerufen am 31. Oktober 2014.
  7. Rheinisches Rübenkraut erhält EU-Gütesiegel. Europäische Kommission - Vertretung in Deutschland, 13. Juli 2012, abgerufen am 31. Oktober 2014.
  8. Ernährung-NRW zu Gast am Stand der Schutzgemeinschaft Rheinischer Zuckerrübensirup/Rheinisches Apfelkraut. Internationale Grüne Woche 2013 in Berlin. Ernährung-NRW e. V., abgerufen am 31. Oktober 2014 (Auftritt der Schutzgemeinschaft mit dem 2012 erlangten Siegel „geschützte geografische Angabe“).
  9. Durchführungsverordnung (EU) Nr. 628/2012 der Kommission. In: Amtsblatt der Europäischen Union L182/10. 13. Juli 2012, abgerufen am 31. Oktober 2014 (PDF).