Grander Mühle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Grander Mühle

Die Grander Mühle ist eine Wassermühle im Kreis Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein) am Ufer des Flüsschens Bille im Ortsteil Rotenbek der Gemeinde Kuddewörde. Ihren Namen hat die Mühle dem Ort Grande im Kreis Stormarn am anderen Ufer der Bille zu verdanken. Sie gilt heute als die älteste Korn-Wassermühle Norddeutschlands.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grander Mühle wurde im Jahr 1345 erstmals urkundlich erwähnt. Nach dieser Urkunde stand schon 1303 eine alte Mühle bei Grande. Wann und von wem die Mühle erbaut wurde, ist nicht bekannt.

Im 14. Jahrhundert werden die Ritter von Scarpenbergh als Besitzer urkundlich erwähnt. Diese Raubritter wurden durch ein Aufgebot der Hansestädte Lübeck und Hamburg 1349 vertrieben, so dass der Besitz 1351 an das Kloster Reinbek ging. Der nächste urkundliche Nachweis von 1497 belegt, dass die Mühle seit 1485 mit Kuddewörde den Rittern von der Lieth zu Lehen gegeben wurde. Mit dem Erlöschen der Linie von der Lieth 1585 ging die Mühle in den Besitz der Sachsen-Lauenburgischen Regierung über.

Die Besitzverhältnisse änderten sich erst wieder 1871, als Kaiser Wilhelm I. dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck den Sachsenwald einschließlich der Grander Mühle schenkte. Der Verkauf der Mühle an die damalige Mühlenpächterin Caroline Sophie Schröder erfolgte 1890/91.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühle wurde bis zu ihrer Stilllegung als Kornmühle betrieben. Zu den Mühlengerechtsamen gehörten auch das Stau-, Fisch- und Schankrecht. Die Pächter und späteren Besitzer der Mühle sind seit 1675 nachweisbar.

Von 1760 bis 1969 wurde die Mühle von der Familie Schröder/Harders/Holdeigel als Pächter, später als Besitzer betrieben.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde zusätzlich ein Graupengang in Betrieb genommen.

1897/98 wurde zusätzlich zum Mahlbetrieb die Erzeugung von Strom aufgenommen. Außer der Mühle wurden die umliegenden Bauernhöfe in Grande und Rotenbek und das Zollhaus mit 110 Volt Gleichstrom versorgt. Nachdem das Dorf mit einer Überlandleitung an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wurde, diente der Generator in der Mühle ab 1928 nur noch der Eigenversorgung. Der Mahlgang wurde auf elektrischen Antrieb umgestellt.

Nach Begradigung der Bille wurde der Mahlbetrieb eingestellt und der Besitzer widmete sich ganz dem schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts vorhandenen Gaststättenbetrieb. Der Wirt verkaufte das zur Mühle gehörige Staurecht an die Dorfgemeinschaft, was dazu führte, dass Wiesen und Felder jetzt nicht mehr im Frühjahr überflutet werden.

Nachdem die Mühle 1969 verkauft wurde, ging der Gastronomiebetrieb zurück und die Mühle verfiel zusehends. 1979 wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt und 1980 durch den Verein „Freunde der Grander Mühle“ restauriert.

Später wurde die Mühle wieder an einen Gastronomen verkauft, der in der Mühle ein Restaurant betreibt. Das Nebengebäude wird als Hotel genutzt. Bis 2009 wurde die Mehldiele mit dem neuen Mahlgang als Vorratsraum genutzt. Nach einem umfangreichen Umbau des Gastronomiebereichs in 2009 und Anpassungen der Gasträume kann ein Großteil des Mechanikbereichs der Mühle nunmehr wieder besichtigt werden. Der Eingang des seit Ende 2009 neu betriebenen Restaurants führt durch diesen Bereich.

Im Herbst 2012 kam es zu einem Brand in einem Anbau und zu einer Explosion im Küchenbereich, wodurch der Ostgiebel einsturzgefährdet ist und der Restaurantbetrieb ruht.

In der Nacht zum 17. November 2015 wurde die Mühle nach tagelangen Regenfällen durch die Feuerwehr mit Sandsäcken vorsorglich gesichert. Der Fluss Bille in Kuddewörde war über die Ufer getreten. Die Wassermassen drohten, das historische Gebäude in Mitleidenschaft zu ziehen.[1] Bereits drei Monate später wiederholte sich das Bild: Am 22. Februar 2016 trat die Bille erneut über die Ufer und bedrohte die Mühle. Die Feuerwehr hat die Mühle mit Sandsäcken gesichert und durch Pumpen den Wasserstand gesenkt.[2]

Zwangs-Mahlgäste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grander Mühle war eine Zwangsmühle bis zur Einführung der Gewerbefreiheit im Herzogtum Lauenburg. Dem Mühlenzwang dieser Mühle unterlagen nach einem Pachtvertrag der Königlich hohen Rentekammer ausgeführt durch das Amt Schwarzenbek aus dem Jahre 1827 die Dörfer Kasseburg, Fuhlenhagen, Grabau, Grove, Havekost, Köthel, Kuddewörde, Möhnsen, Mühlenrade, Rotenbek, Grande, Schönberg und Schwarzenbek.

Die Einwohner des Dorfes Talkau hatten Mahlfreiheit.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grander Mühle hat als Puzzle-Motiv auch international Bekanntheit erlangt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Schlüter: Die Grander Mühle. pro-info-verlag Doll-Hegedo, Aumühle b. Hamburg 1986, ISBN 3-925751-00-9.
  • Maria Salzmann: Die Grander Mühle. Atona 1927, Manuskript.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pachtvertrag zwischen dem "Königlichen Amte Schwarzenbeck und dem Müller Friedrich Ernst Schröder und dessen Ehefrau ..." 1827

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stormarner Tageblatt: Grander Mühle: Hochwasser in Teilen von SH, 17. November 2015
  2. Wassermühle von Wasser bedroht. In: Schleswig-Holstein Magazin. NDR, 23. Februar 2016, abgerufen am 23. Februar 2016.

Koordinaten: 53° 34′ 43″ N, 10° 23′ 25″ O