Grasberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Grasberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grasberg
Grasberg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grasberg hervorgehoben
Koordinaten: 53° 11′ N, 8° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Osterholz
Höhe: 5 m ü. NHN
Fläche: 55,55 km2
Einwohner: 7694 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 139 Einwohner je km2
Postleitzahl: 28879
Vorwahl: 04208
Kfz-Kennzeichen: OHZ
Gemeindeschlüssel: 03 3 56 002
Gemeindegliederung: 17 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Speckmannstraße 30
28879 Grasberg
Webpräsenz: www.grasberg.de
Bürgermeisterin: Marion Schorfmann (CDU)
Lage der Gemeinde Grasberg im Landkreis Osterholz
Bremen Bremen Landkreis Cuxhaven Landkreis Oldenburg Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Verden Landkreis Wesermarsch Axstedt Grasberg Hambergen Holste Lilienthal Lübberstedt Osterholz-Scharmbeck Ritterhude Schwanewede Worpswede VollersodeKarte
Über dieses Bild

Grasberg (plattdeutsch Grasbarg) ist eine Gemeinde im Landkreis Osterholz in Niedersachsen. Sie liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich von Bremen im angrenzenden Moor.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den folgenden Ortsteilen (in Klammern das Jahr der Gründung):

  • Wörpedorf (1751)
  • Eickedorf (1753)
  • Rautendorf (1762)
  • Schmalenbeck (1762)
  • Dannenberg (1780)
  • Tüschendorf (1782)
  • Meinershausen (1785)
  • Grasdorf (1784)
  • Huxfeld (1789)
  • Seehausen (1790)
  • Mittelsmoor (1792)
  • Otterstein (1794)
  • Adolphsdorf (1800)
  • Weinkaufsmoor (1826)
  • Grasberg (1831)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis etwa 1750 war das Gebiet der heutigen Gemeinde Grasberg ein unwegsames und völlig unbewohntes Moor. Nur die an beiden Flussufern der Wörpe gelegenen Grünflächen wurden von den Tarmstedter und Wilstedter Bauern landwirtschaftlich genutzt.[2]

Dann wurde Jürgen Christian Findorff vom hannoverschen Kurfürsten mit der Trockenlegung und Besiedlung beauftragt. Er gründete zahlreiche Dörfer, zunächst Wörpedorf (1751) und Eickedorf (1753).

Der Grasberg war ursprünglich ein weithin sichtbarer und wegen seines frischen Grüns auffälliger[2] Sandhügel (5 m über NN), der offenbar trocken genug war, dass dort Gras wachsen konnte.[3] Wahrscheinlich wurde dieses Gelände schon vor der Besiedlung “Grasberg” genannt.[2]

Darauf wurde ab 1785 auf Veranlassung von Findorff eine Kirche gebaut. Am Sonntag, dem 1. November 1789 wurde von Landessuperintendent Johann Hinrich Pratje die Kirchweihe gehalten. Zu diesem Anlass kamen 4.000 Gläubige, die das Gotteshaus bei weitem nicht zu fassen vermochte.[4]

Offiziell besteht die Ortschaft Grasberg erst seit dem 1. Januar 1831, obwohl an dieser Stelle bereits ab 1776 eine kleine Siedlung entstanden war, die jedoch zunächst als Eickedorfer Vorweide betrachtet wurde.[5]

Ort Einwohner
1910
Einwohner
1939
Adolphsdorf 419 409
Dannenberg 244 452
Eickedorf 364 381
Grasberg 159 261
Grasdorf 213 ---
Huxfeld 280 383
Meinershausen 199 ---
Mittelsmoor 142 ---
Otterstein 408 291
Rautendorf 569 521
Schmalenbeck 282 248
Seehausen 249 186
Tüschendorf 284 213
Weinkaufsmoor 105 ---
Wörpedorf 650 879

Einwohnerzahlen und Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1910 waren alle fünfzehn heutigen Ortsteile von Grasberg noch selbstständige Dörfer, Grasberg war davon der zweitkleinste. In den 1920er Jahren wurden vier davon aufgrund ihrer geringen Einwohnerzahl in größere Nachbargemeinden eingegliedert.[6] Die Einwohnerzahlen für 1910[7] und 1939[8] sind in der Tabelle rechts aufgelistet.

Wörpedorf, Grasberg und Eickedorf wuchsen mit zunehmender Besiedlung zusammen. Bereits vor 1974 kam es zum Zusammenschluss unter dem Namen Grasberg.

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Adolphsdorf, Dannenberg, Huxfeld, Otterstein, Rautendorf, Schmalenbeck, Seehausen und Tüschendorf sowie Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Heidberg eingegliedert. Am 1. Juli 1976 kam ein Gebietsteil der Gemeinde Wilstedt mit damals etwas weniger als 50 Einwohnern (Wilstedter Moor) hinzu.[9] Gebietsteile der Nachbargemeinde Tarmstedt (Tarmstedter Moor) folgten 1983.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindewahl 2016[10]
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
63,40 %
20,64 %
15,95 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+5,78 %p
-10,68 %p
+15,95 %p

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat der Gemeinde Grasberg besteht aus 20 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl von 7.001 bis 8.000 Einwohnern.[11] Die 20 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin Marion Schorfmann (CDU).

Die Kommunalwahl vom 11. September 2016 ergab das folgende Ergebnis:

CDU 13 Sitze
SPD 4 Sitze
Grüne 3 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Grasberg ist seit 2006 Marion Schorfmann (CDU).[12] Bei der letzten Bürgermeisterwahl 2014 wurde sie ohne Gegenkandidaten mit 90,8 % der Stimmen wiedergewählt.[13]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf grünem gebogenen Schildfuß, belegt mit einer silbernen Wellenleiste, eine rote Kirche mit vorangestelltem Turm mit roten Fenstern, offenem Tor und geschindeltem Spitzdach, mit goldenem Kreuz besteckt, beidseitig begleitet von je einem auswärts geneigten grünen Eichenblatt.“

Das Wappen bezieht sich in allen Symbolen auf die 1968 zusammengeschlossene Gemeinde Grasberg. Der grüne Berg (Schildfuß) und die rote Kirche (Grasberger Kirche) symbolisieren Grasberg, die Wellenleiste, steht für die Wörpe von Wörpedorf und die Eichenblätter für Eickedorf.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von Grasberg
Die Schnitger-Orgel in der Grasberger Kirche

Museum Findorff-Hof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Findorff-Hof ist eine bäuerliche Hofanlage, wie sie in den Moordörfern der Region im 19. Jahrhundert typisch war. Das Haupthaus als Mittelpunkt der Hofanlage ist als Museum eingerichtet und dient dem Findorff–Heimatverein Grasberg e. V. als Wirkungsstätte.[14]

Grasberger Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Grasberger Kirche wurde 1781–1789 von Jürgen Christian Findorff erbaut. Sie birgt als Besonderheit eine ursprünglich 1694 für ein Hamburger Waisenhaus gebaute Barock-Orgel von Arp Schnitger. Sie ist in ihrer Form die einzige erhaltene kleine Stadtorgel dieses bekannten Orgelbauers.

Hauptartikel: Orgel der Grasberger Kirche

Dorfparade im Juli[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der dritten Juliwoche findet jährlich, anlässlich des Schützenfestes im Ortsteil Huxfeld, die Dorfparade statt. Erstmals startete dieser Umzug, gemäß dem Motto der Loveparade von 1998 mit einem Wagen und 30 Besuchern. Veranstalter sind die Dorfjugend Schmalenbeck und der Schützenverein Huxfeld. 2014 waren 20 Wagen und ca. 2500 Besucher dabei.[15]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grasberg ist Teil der europäischen Metropolregion Bremen/Oldenburg. Von den 1106 Beschäftigten kommen aus den Bereichen Handel, Gastgewerbe und Verkehr 34 %, Produzierendes Gewerbe 32 %, Dienstleistungen 27 %, sowie Land- und Forstwirtschaft 6 %. Grasberg verzeichnet 662 Einpendler und 2300 Auspendler; vornehmlich aus und nach Bremen. (Alle Zahlen aus 2010)

Der Ort verfügt über die Gewerbegebiete Huxfeld-Nord und Wörpedorfer Ring

Zu regional wie überregional bekannten Unternehmen aus Grasberg gehören:

  • der Lebensmittelhersteller Zeisner Feinkost GmbH & Co. KG (Würzsaucen, insbesondere Tomatenketchup)
  • Photovoltaikgroßhandel und Photovoltaikmontagesystemhersteller SEN Solare Energie Nord Vertriebsgesellschaft mbH
  • Michaelis Maschinenbau GmbH
  • Cordes Rindenmulch
  • BMW Autohaus Brinkmann

Die ehemalige Wörpedörfer Mühle war ein am Ortseingang gelegener Mühlen-, Futtermittel- und Landhandelsbetrieb, dessen mehrmals erweiterte Betriebsanlage aus Silos und Mühlengebäuden seit den 1930er Jahren bis zum Abriss von 2011 das Ortsbild prägte und ein Wahrzeichen von Grasberg bildete. Das von mehreren Generationen der Familie Gieschen geführte Unternehmen entstand 1904 aus einem alten Mühlengebäude und erhielt 1925 einen eigenen Gleisanschluss der Kleinbahn Bremen–Tarmstedt. 1936 wurde der erste Getreidesilo mit dem damals „enorm großen Fassungsvermögen“ von 400 Tonnen errichtet. 1962 kam eine große Getreidetrocknungsanlage hinzu, während die Feinmehlproduktion aufgegeben wurde. 1973 trat das Unternehmen dem Hansa-Landhandel-Lahde-Verbund bei. 1992 zerstörte ein Großbrand weite Teile des Mühlenkomplexes in Grasberg. Nach Verlagerung der Unternehmensaktivitäten auf Filialen in Mulmshorn und Wilstedt und dem Bau eines neuen Werks im Bremer Getreidehafen wurde die Wörpedörfer Mühlenanlage aufgegeben und 2011 abgerissen.[16]

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regionalbus-Linie 630 des VBN[17] verbindet Grasberg mit Bremen und Zeven. Im Nachtverkehr vor Sonn- und Feiertagen fährt die Linie als N63 stündlich mit Anschluss von und zur Linie 4 der Bremer Straßenbahn in Falkenberg.

Der Bürgerbus 612 und 616[18] erschließt seit dem 15. November 2010 die westlichen Ortschaften und Teile von Worpswede. Es wird ein Bus eingesetzt, der nur montags-freitags tagsüber im Zweistundentakt verkehrt.

Die Kleinbahn Bremen–Tarmstedt („Jan-Reiners-Bahn“) war von 1900 bis 1956 in Betrieb und hatte auf dem heutigen Gemeindegebiet die drei Bahnhöfe Wörpedorf-Grasberg, Eickedorf und Tüschendorf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Lilienthal: Jürgen Christian Findorffs Erbe. Melloh, Lilienthal 1982. Reprint der 3. Auflage von 1931.
  • Rolf Metzing, Johann Schriefer, Fritz Westphal: Grasberg. Saade, Osterholz-Scharmbeck 1987, ISBN 3-922642-17-9.
  • Schwietering, Volkhard: Dem Schöpfer geweiht – Geschichte und Geschichten der Kirche Grasberg 1789–1989. Saade, Osterholz-Scharmbeck 1989.
  • Die Gemeinden der Region: Ein aufstrebender Ort am Rand des Teufelsmoores, in: Weser-Kurier, 24. Juni 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grasberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. a b c Grasberg: Auf den Spuren des Moorkolonisators Jürgen Christian Findorff Landschaftsverband Stade, abgerufen am 16. Dezember 2016
  3. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  4. Von der Kirchweihe in Grasberg vor 225 Jahren
  5. Vom Moordorf zur modernen Kommune
  6. Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen: Provinz Hannover Verlag des Preußischen Statistischen Landesamts, 1930
  7. http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900/gem1900.htm?hannover/osterholz.htm
  8. http://www.geschichte-on-demand.de/osterholz.html
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 243 und 244.
  10. Gemeindewahl am 11.09.2016
  11. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 21. November 2014
  12. Eine Frau mit schneller Leitung Osterholzer Kreisblatt 4. Februar 2012
  13. Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen, abgerufen am 14. November 2014
  14. Der Findorff-Hof auf der Internet-Präsenz der Gemeinde Grasberg
  15. Dorfparade 2014 Schützenverein Huxfeld, abgerufen am 19. Dezember 2016
  16. Heinrich Bücken: Die Wörpedörfer Mühle. In: Heimat-Rundblick. Geschichte, Kultur, Natur. Nr. 106, 3/2013 (Herbst 2013). Druckerpresse-Verlag, ISSN 2191-4257, S. 13.
  17. Linienfahrpläne Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen
  18. Bürgerbus Grasberg-Worpswede