Grassänger

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Grassänger
Strichelkopf-Schilfsteiger (Megalurus palustris)

Strichelkopf-Schilfsteiger (Megalurus palustris)

Systematik
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
ohne Rang: Passerida
Überfamilie: Sylvioidea
Familie: Grassänger
Wissenschaftlicher Name
Locustellidae
Bonaparte, 1854

Die Grassänger (Locustellidae, Syn.: Megaluridae) sind eine Familie von Sperlingsvögeln (Passeriformes), die überwiegend aus ehemaligen Vertretern der Grasmückenartigen (Sylviidae) und der Timalien (Timaliidae) besteht. Zu ihnen zählen unter anderen die Schwirle (Locustella) der Alten Welt (Europa, Afrika und Asien), die Gestrüppsänger (Bradypterus) aus Afrika und Madagaskar und die Schilfsteiger (Megalurus) aus Australasien und Neuseeland. Die Familie umfasst je nach systematischer Betrachtung 10 bis 13 Gattungen mit 62 Arten, wovon die Gattung Locustella mit 25 Arten den größten Anteil ausmacht.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gefieder der Grassänger ist allgemein braun und bei vielen Gattungen gestrichelt. Die Flügel sind mittellang und gerundet. Der lange Schwanz ist gerundet und gestuft. Bei den Arten der Gattung Locustella sind die Unterschwanzdecken sehr lang. Der Körper ist schmal bis mittelgroß, zylindrisch-eiförmig und länglich. Der mittelgroße Schnabel ist dünn und gerade, jedoch stärker bei den australischen Grassängern. Der Kopf ist mittelgroß. Der Hals ist von mittlerer Stärke und Länge. Beine und Füße sind allgemein mittellang. Die Geschlechter ähneln sich.

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grassänger leben in einer großen Vielfalt von Lebensräumen, darunter Wälder mit dichten Unterholz, Marschland und Sumpfland sowie jahreszeitlich trockenes Grasland.

Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Grassängerarten ernähren sich von Insekten und anderen Wirbellosen, insbesondere von Spinnen, kleinen Schnecken, Würmern und Flohkrebsen. Bei manchen Arten bereichern Samen das Nahrungsangebot. Die Nahrung wird durch Picken im dichten Gestrüpp oder auf dem Boden aufgespürt.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Locustellidae ist eine Klade in der Überfamilie Sylvioidea. Bevor die Familie in den Jahren 2006[1] und 2011[2] weitgehend genetisch analysiert wurde, wurde der Großteil deren Vertreter im weiteren Sinne (sensu lato) den Grasmückenartigen (Sylviidae) zugeordnet. Locustellidae gilt als Schwestergruppe der Familien Bernieridae aus Madagaskar und Donacobiidae aus Südamerika, die aus nur einer Art, dem Rohrspotter (Donacobius atricapilla), besteht.[3]

Vereinfachtes Kladogramm nach Fregin et al., 2012:[3]




Bernieridae


   

Donacobiidae



   

Locustellidae



In älteren Systematiken[1][4] findet sich häufig die Familie Megaluridae, die 1875 von Edward Blyth aufgestellt wurde. Hierzu zählten unter anderem die Gattungen Megalurus, Cincloramphus und Eremiornis. Locustellidae wurde jedoch bereits 1854 von Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte beschrieben und die namensgebende Gattung Locustella von Johann Jakob Kaup im Jahr 1829. Daher wird die Bezeichnung Locustellidae gemäß der Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur (Vorrangsprinzip) bevorzugt.[2]

Der International Ornithological Congress unterscheidet folgende zehn Gattungen:[5]

Feldschwirl (Locustella naevia)
Kapbuschsänger (Bradypterus sylvaticus)
Ceylonbuschsänger (Elaphrornis palliseri)
Fächerschwanzsänger (Schoenicola brevirostris)
Neukaledonien-Buschsänger (Megalurulus mariei)
  • Amphilais (eine Art)

Das Werk Bird Families of the World von David W. Winkler, Shawn M. Billerman und Irby J. Lovette aus dem Jahr 2015 zeigt hingegen eine veränderte Systematik.[8] Megalurus gilt in dieser Darstellung als monotypisch mit nur einer Art Megaluris palustris. Für die anderen Vertreter dieser Gattung werden die zwei Gattungen Cincloramphus und Poodytes verwendet:

  • Megalurus (eine Art)
    • Megalurus palustris
  • Cincloramphus (vier Arten)
    • Cincloramphus cruralis (Syn: Megalurus cruralis)
    • Cincloramphus mathewsi (Syn: Megalurus mathewsi)
    • Cincloramphus timoriensis (Syn: Megalurus timoriensis)
    • Cincloramphus macrurus (Syn: Megalurus macrurus)
  • Poodytes (vier Arten)
    • Poodytes gramineus (Syn: Megalurus gramineus)
    • Poodytes punctatus (Syn: Megalurus punctatus, enthält Megalurus rufescens als Unterart)
    • Poodytes carteri (Syn: Megalurus carteri)
    • Poodytes albolimbatus (Syn: Megalurus albolimbatus)

Die Gattung Bowdleria, die man noch in älteren Systematiken finden kann, wurde mit Megalurus beziehungsweise Poodytes synonymisiert.

Die monotypische Gattung Malia, die ursprünglich wahlweise zu den Familien der Timalien (Timaliidae) beziehungsweise der Bülbüls (Pycnonotidae) zählte, wurde, basierend auf einer phylogenetischen Studie von 2012,[9] die Malia grata als Schwestertaxon von Megalurus timoriensis sieht, von Winkler et al. ebenfalls in die Familie Locustellidae gestellt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Alström, P.; Ericson, P.G.P.; Olsson, U. & Sundberg, P. (2006): Phylogeny and classification of the avian superfamily Sylvioidea. Mol. Phylogenet. Evol. 38(2): 381–397. doi:10.1016/j.ympev.2005.05.015 PMID 16054402 PDF Volltext
  2. a b Alström, P., S. Fregin, J.A. Norman, P.G.P. Ericson, L. Christidis, & U. Olsson: Multilocus analysis of a taxonomically densely sampled dataset reveal extensive nonmonophyly in the avian family Locustellidae. Mol Phylogenet Evol. 2011 Mar;58(3):513–26. doi:10.1016/j.ympev.2010.12.012
  3. a b Silke Fregin, Martin Haase, Urban Olsson, Per Alström: New insights into family relationships within the avian superfamily Sylvioidea (Passeriformes) based on seven molecular markers. BMC Evolutionary Biology 12(1), 157, 2012. S. 1–12
  4. Sibley, C.G., Monroe Jr., B.L., 1990. Distribution and Taxonomy of Birds of the World. Yale University Press, New Haven.
  5. IOC World Bird List Grassbirds, Donacobius, Malagasy warblers, cisticolas & allies
  6. Per Alström, Canwei Xia, Pamela C. Rasmussen, Urban Olsson, Bo Dai, Jian Zhao, Paul J. Leader, Geoff J. Carey, Lu Dong, Tianlong Cai, Paul I. Holt, Hung Le Manh, Gang Song, Yang Liu, Yanyun Zhang and Fumin Lei: Integrative taxonomy of the Russet Bush Warbler Locustella mandelli complex reveals a new species from central China. Avian Research 6: 9; 2015. doi:10.1186/s40657-015-0016-z
  7. Alström, P., Rasmussen, P. C., Olsson, U. & Sundberg, P.: Species delimitation based on multiple criteria: the Spotted Bush Warbler Bradypterus thoracicus complex (Aves: Megaluridae). Zoological Journal of the Linnean Society, 154, 2008: 291–307. doi:10.1111/j.1096-3642.2008.00418.x
  8. a b David W. Winkler, Shawn M. Billerman & Irby J. Lovette: Bird Families of the World, The CornellLab of Ornithology & Lynx Edicions, Barcelona, 2015, ISBN 978-84-941892-0-3, S. 427–429
  9. Oliveros, C. H., Reddy, S. & Moyle, R. G.: The phylogenetic position of some Philippine “babblers” spans the muscicapoid and sylvioid bird radiations. Molecular Phylogenetics and Evolution 65, 2012, S. 799–804