Kretische Zistrose

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Kretische Zistrose
Cistus creticus LC0069.jpg

Kretische Zistrose (Cistus creticus)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Zistrosengewächse (Cistaceae)
Gattung: Zistrosen (Cistus)
Art: Kretische Zistrose
Wissenschaftlicher Name
Cistus creticus
L.

Die Kretische Zistrose (Cistus creticus), auch Graubehaarte Zistrose genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Zistrosen (Cistus) in der Familie der Zistrosengewächse (Cistaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Kretische Zistrose ist ein Zwergstrauch, der Wuchshöhen von 30 bis 100, selten bis 150 Zentimeter erreicht. Die Äste sind behaart. Die Laubblätter sind eiförmig-lanzettlich bis elliptisch, messen 15 bis 25 (bis 50) × 8 bis 15 (bis 30) Millimeter und sind 3 bis 15 Millimeter lang gestielt, grün bis graugrün und fiedernervig. Die Nerven sind auf der Oberseite eingedrückt und stehen auf der Unterseite heraus.

Die Blüten erreichen einen Durchmesser von 4 bis 6 Zentimeter und stehen einzeln oder bis zu siebt in doldenähnlichen Blütenständen. Die Kelchblätter sind eiförmig-lanzettlich, lang zugespitzt und behaart. Die fünf Kronblätter sind purpurlich-rot oder dunkelrosa gefärbt und zerknittert. Die Griffel sind fadenförmig und haben die gleiche Länge wie die Staubblätter.

Die Blütezeit reicht von Dezember bis Juni.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[1]

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich nahezu über den gesamten Mittelmeerraum mit Ausnahme der Iberischen Halbinsel. Generell tritt diese Art im Westen seltener auf.

Die Kretische Zistrose besiedelt Garigues und Macchien sowohl auf Kalk- als auch auf Silikatgestein. Auf Kreta kommt sie in Höhenlagen von 0 bis 1200 Meter vor.

Systematik[Bearbeiten]

Der Name Cistus creticus wurde 1759 von Carl von Linné erstveröffentlicht.[2] Der schon 1753 aufgestellte, meist im Sinne der Kretischen Zistrose fehlgedeutete Name Cistus incanus L. bezieht sich auf die Hybride Cistus albidus × Cistus crispus.[3][1] Ein weiteres geläufiges Synonym, das erst 1762 veröffentlicht wurde, ist Cistus villosus L.

Die Kretische Zistrose wird in folgende Unterarten untergliedert:[4]

  • Cistus creticus subsp. corsicus (Loisel.) Greuter & Burdet: Die Laubblätter ähneln subsp. eriocephalus. Die Kelchblätter besitzen wenige lange Haare, die die Sternhaare nicht verdecken. Die Stängel und die Blütenstiele sind sternhaarig.[5]
  • Cistus creticus L. subsp. creticus: Die Laubblätter sind nicht länger als 25 Millimeter und am Rand deutlich krauswellig.[5] Die ganze Pflanze ist klebrig-drüsig und aromatisch.[6]
  • Cistus creticus subsp. eriocephalus (Viv.) Greuter & Burdet: Die Laubblätter sind länger als 25 Millimeter und am Rand flach. Die Kelchblätter besitzen zahlreiche lange Haare, die die Sternhaare verdecken. Die Stängel und die Blütenstiele sind dicht weißzottig.[5]

Verwendung[Bearbeiten]

Tee[Bearbeiten]

Cistus creticus getrocknet und geschnitten zur Tee-Zubereitung

Eine Varietät von Cistus creticus wird in Griechenland und hierzulande als Haustee verwendet.[7] Man kann den Tee innerlich und äußerlich anwenden.

Gesundheitsbezogene Verwendung[Bearbeiten]

Die in den Blättern von Cistus creticus enthaltenen Polyphenole (Gerbstoffe wie Ellagitannine und Proanthocyanidine sowie Flavonoide) haben eine adstringierende Wirkung. Auszüge daraus werden daher volksmedizinisch zur Behandlung von Hautkrankheiten und Durchfall verwendet.

Darüber hinaus wird Cistus creticus eine antivirale Wirkung zugesprochen. So zeigte ein standardisierter Zistrosen-Extrakt in vitro (in Zellkulturen) und im Tierversuch eine antivirale Wirkung, darunter auch gegen verschiedene Influenzaerreger,[8][9] wobei der antivirale Effekt durch eine – reversible – physikalische Interaktion des Extrakts mit Proteinen von Virusoberflächen zustande kommen soll. Studien zur therapeutischen Wirksamkeit bei viralen Infekten weisen hingegen abweichende Ergebnisse auf und sind unter Pharmakologen und Medizinern stark umstritten.[10][11]

Bilder[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ralf Jahn, Peter Schönfelder: Exkursionsflora für Kreta. Mit Beiträgen von Alfred Mayer und Martin Scheuerer. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1995, ISBN 3-8001-3478-0, S. 197.
  •  Dankwart Seidel: Blumen am Mittelmeer. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. BLV, München 2002, ISBN 3-405-16294-7, Graubehaarte Zistrose, Cistus creticus, S. 143.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Jean-Pierre Demoly, Pedro Montserrat: Cistus. In: Santiago Castroviejo, Carlos Aedo, Santos Cirujano, Manuel Laínz, Pedro Montserrat, Ramón Morales, Félix Muñoz Garmendia, Carmen Navarro, Jorge Paiva, Carlos Soriano (Hrsg.): Flora Ibérica. Plantas vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares. Vol. III. Plumbaginaceae (partim) – Capparaceae, Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid 1993, ISBN 84-00-07375-4, S. 319–337.
  2. Carl von Linné: Systema naturae per regna tria naturae secundum classes, ordines, genera, species, cum characteribus, differentiis, synonymis, locis. 10. Auflage. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1759, S. 1077, Digitalisat.
  3. Werner Greuter, Karl Heinz Rechinger: Flora der Insel Kythera, gleichzeitig Beginn einer nomenklatorischen Überprüfung der griechischen Gefässpflanzenarten (= Boissiera. Band 13). Genf 1967, S. 53–54.
  4.  Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Guy Long (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 1: Pteridophyta (ed. 2), Gymnospermae, Dicotyledones (Acanthaceae – Cneoraceae), Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1984, ISBN 2-8277-0151-0, S. 315–316 (online).
  5. a b c E. F. Warburg: Cistus. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae, Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 283 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6.  Robert Desmond Meikle: Flora of Cyprus. Volume One (Pinaceae to Theligonaceae). Bentham-Moxon Trust & Royal Botanic Gardens, Kew, London 1977, ISBN 0-9504876-3-5, S. 182–183.
  7. U. P. Hedrick (Hrsg.): Sturtevant's Edible Plants of the World. In: Department of Agriculture's 27th Annual Report. Vol. 2, Part II, J. B. Lyon Company, Albany 1919.
  8. C. Ehrhardt, E. R. Hrincius, V. Korte, I. Mazur, K. Droebner, A. Poetter, S. Dreschers, M. Schmolke, O. Planz, S. Ludwig: A polyphenol rich plant extract, CYSTUS052, exerts anti influenza virus activity in cell culture without toxic side effects or the tendency to induce viral resistance. In: Antiviral Research. Band 76, Nr. 1, 2007, S. 38-47, PMID 17572513.
  9. K. Droebner, C. Ehrhardt, A. Poetter, S. Ludwig, O. Planz: CYSTUS052, a polyphenol-rich plant extract, exerts anti-influenza virus activity in mice. In: Antiviral Research. Band 76, Nr. 1, 2007, S. 1–10, PMID 17573133.
  10. I. Zündorf, T. Dingermann, M. Schubert-Zsilavecz, T. Winckle, D. Uhl: 'Abenteuerliche klinische Studien!'. In: Deutsche Apotheker Zeitung. DAZ 2009, Nr. 28, S. 48, 09. Juli 2009.
  11. Cystus052(r) gegen die Amerikanische Grippe?. In: Deutsche Apotheker Zeitung. DAZ 2009, Nr. 19, S. 78, 7 Mai 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kretische Zistrose (Cistus creticus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien