Grauer Kapitalmarkt

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Nicht alle Unternehmen, die auf dem Finanzmarkt tätig sind, werden kontrolliert und stehen unter staatlicher Aufsicht: Wenn Anbieter keine Erlaubnis der BaFin benötigen und nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen, spricht man vom Grauen Kapitalmarkt. Die BaFin empfiehlt bei Investitionen in Produkte des Grauen Kapitalmarkts besondere Vorsicht.[1] Andererseits finanzieren sich auch solide mittelständische Industrieunternehmen über den Grauen Kapitalmarkt, Start-ups versorgen sich dort mit Gründungskapital und das Kapital für die Energiewende wird teilweise ebenfalls auf dem Grauen Kapitalmarkt eingeworben.[2]

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einerseits erschließt der Graue Kapitalmarkt auch kapitalschwachen Unternehmen (wie z.B. Start-Ups) den Zugang zu Investorenkapital, andererseits werden die niedrigen (bzw. nicht vorhandenen) regulatorischen Hürden auch von dubiosen Produktanbietern ausgenutzt. Oder wie es in einer Veröffentlichung der BaFin heißt: "Kleine und mittlere Anbieter wollen oft lediglich die Kosten vermeiden, die mit der Beaufsichtigung verbunden sind. Es gibt aber auch missbräuchliche Geschäftsmodelle, bei denen die Anbieter gezielt Gestaltungen und Vertriebsmethoden wählen, um ohne Erlaubnis- oder Prospektpflicht an das Kapital unerfahrener Kleinanleger zu gelangen und zu ihrem Vorteil in hochriskante Geschäfte zu reinvestieren. (...) Die Anbieter von Anlageangeboten bezeichnen die von ihnen konzipierten Modelle häufig als Produkte. Aus Sicht des Vertriebs mag das eine zutreffende und wünschenswerte Umschreibung für ein Konzept zur Kapitaleinwerbung sein. Dem Anleger muss dagegen stets klar sein, dass er mit der Zeichnung einer nicht verbrieften Vermögensanlage kein bestehendes Produkt erwirbt, das bereits einen eigenen Wert hat, sondern sich - im Gegenteil - zunächst nur verpflichtet, Teile seines Vermögens einem Dritten zukommen oder von einem Dritten verwalten zu lassen. Im Gegenzug erhält er ein Renditeversprechen des Anbieters, das dieser später einzulösen hat. Daher ist Vertrauen ein zentraler Pfeiler gerade auch des Grauen Kapitalmarkts."

Zur Abgrenzung werden die einzelnen Marktsegmente oft nach den unbunten Farben weiß, schwarz und grau benannt. Der Weiße Kapitalmarkt umfasst jene Institute, Dienstleister und Versicherungsunternehmen, die für ihre Tätigkeiten über eine Erlaubnis nach den jeweils einschlägigen Aufsichtsgesetzen (Kreditwesengesetz (KWG), Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG)) verfügen. Sie unterstehen einer laufenden Aufsicht. Komplementär hierzu definiert sich der illegale Schwarze Kapitalmarkt: Er zeichnet sich dadurch aus, dass seine Akteure erlaubnispflichtige Geschäfte ohne die erforderliche Erlaubnis der BaFin ausüben oder gar verbotene Geschäfte betreiben. Der Graue Kapitalmarkt dagegen ist die Summe der Marktteilnehmer und Angebote, die keine Erlaubnis der BaFin benötigen und daher auch nicht ihrer Aufsicht unterliegen. Dabei ist eine gewisse Wechselwirkung zum Weißen Kapitalmarkt zu beobachten: Je stärker dieser reguliert ist, desto häufiger weichen Anbieter auf Anlageangebote aus, die ihrer Ansicht nach nicht erlaubnispflichtig sind. Der Graue Kapitalmarkt wird in der Öffentlichkeit oft als unreguliertes Marktsegment dargestellt. Tatsächlich nimmt die Bafin aber auch hier vielfältige Aufgaben wahr. [3]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angebote zeichnen sich häufig dadurch aus, dass

  • Anbieter mit hohen Zinsen oder Renditen über dem allgemeinen Marktniveau locken,
  • mit der vermeintlichen Sicherheit der Kapitalanlage geworben wird,
  • Anbieter vorgeben, in gleicher Weise wie institutionelle Anleger zweistellige Renditen erzielen zu können,
  • Anlageentscheidungen durch positiv besetzte oder ethisch korrekte Investitionsobjekte beeinflusst werden sollen oder
  • Anleger ihre bisherigen Anlagen auflösen und aus vermeintlichen Sicherheits- oder Renditegründen neu investieren sollen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angebote am Grauen Kapitalmarkt sind sehr vielfältig. Immer wieder erfinden Anbieter neue Investitionsmöglichkeiten. Deshalb lassen sie sich auch nicht abschließend aufzählen. Man findet zum Beispiel folgende Angebote:

Unternehmensbeteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genussrechte und andere hybride Anleiheformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesgerichtshof umschreibt Genussrechte als „Dauerschuldverhältnisse eigener Art, die keine gesellschaftsrechtlich geprägten Mitgliedschaftsrechte begründen, sondern sich in einem bestimmten geldwerten Anspruch [des Genussrechtsinhabers] erschöpfen“. Diese Ansprüche können auch in veräußerbaren Wertpapieren, den Genussscheinen, verbrieft werden. Da die rein schuldrechtlichen Genussrechte dem Inhaber nicht die Stellung eines Gesellschafters verleihen, kommen ihm auch nicht automatisch die Informations- und Kontrollrechte eines Gesellschafters nach § 233 Handelsgesetzbuch zu. Die Vertragsparteien vereinbaren üblicherweise jedoch einzelne Beteiligungselemente, die denen von Gesellschaftern ähneln, wie etwa eine Beteiligung am laufenden Verlust, Rangrücktrittsklauseln für den Fall der Insolvenz oder der Liquidation des Genussrechtsemittenten und sonstige Rechte und Pflichten, die typischerweise Gesellschaftern zustehen. [4]

Orderschuldverschreibungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crowdfunding[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darlehen mit Nachrangabrede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direktinvestments, etwa in Holz, Edelmetalle oder Minen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gold- oder Edelmetallsparpläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Risiken / Gefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Keine Produktkontrolle.
  • Keine Kontrolle der Seriosität und Bonität der Anbieter, Initiatoren und Geschäftsleiter.
  • Keine Überprüfung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Geschäftsmodells.
  • Keine laufende Überwachung des Unternehmens.
  • Keine Bilanzkontrolle.
  • Keine Einlagensicherung

Vertriebsform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angebote des Grauen Kapitalmarktes werden über alle in Betracht kommenden üblichen Vertriebswege beworben: postalische Prospektwerbung, Telefon, Anzeigen, E-Mail, Fax, auch Strukturvertrieb. Unaufgeforderte Telefonwerbung ist stark verbreitet. Aus der Vertriebsform allein kann zwar kein Rückschluss auf die Seriosität eines Angebotes gezogen werden, doch bedienen sich problematische Anbieter oft der unaufgeforderten Telefonwerbung.

Seriosität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Graue Kapitalmarkt spielt laut Bundeskriminalamt (BKA) im Zusammenhang mit Anlage- und Finanzierungsdelikten (bspw. Anlage- und Beteiligungsbetrug nach § 263 StGB, Kapitalanlagebetrug nach § 264a StGB; Kreditbetrug nach § 265b StGB) eine bedeutende Rolle.

Beim Grauen Kapitalmarkt ist der Anteil der problematischen bzw. unseriösen Anbieter deutlich höher als im regulierten Kapitalmarkt. So warnt die Stiftung Warentest regelmäßig vor „dubiose[n], unseriöse[n] oder sehr riskante[n] Geldanlageangebote[n]“.[5]

Risiken einzelner Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Beispiele für typische Angebote des grauen Kapitalmarktes sind Unternehmensbeteiligungen, Steuersparangebote aller Art (Steuersparmodell) Immobilienbeteiligungen, aber auch Glücksspielbeteiligungen, Diamantenhandel, Termingeschäfte oder Schiffs- und Immobilienfonds.

Die Seriosität solcher Angebote ist sehr unterschiedlich. Zu jeder Angebotsart gibt es die vollständige Palette von voll korrekt bis zweifelsfrei deliktisch, (konkret Kapitalanlagebetrug).

  • Bei Immobilien-Anlagen ist die Problematik meist die Aufblähung der Preise und eine Vertragsgestaltung mit versteckten Eventualrisiken, oft bedingt durch Absichten der steuerlichen Optimierung. Eine hohe Fremdfinanzierung verdeckt oft die Überteuerung. Die Objekte sind dann allerdings nachhaltig defizitär, bieten also das Gegenteil von der erwarteten Immobiliensicherheit.
  • Der Erwerb von Beteiligungen an Immobilienfonds im Zuge des steuerlich subventionierten Baubooms in Ost- und West-Deutschland nach der Wiedervereinigung war häufig durch Schrottimmobilien gekennzeichnet.
  • Bei Edelsteinen ist es die Problematik der oft weit überhöhten Preise für den Endkäufer und teils auch durchaus Verkauf von völlig wertlosen Steinen. Ein Kapitalanlageeffekt liegt nicht vor, sofern die Preise beispielsweise das Fünffache des möglichen Erlöses bei Wiederveräußerung betragen.
  • Bei Termingeschäften des Grauen Kapitalmarktes ist nicht die bankmäßige institutionelle Vertriebsform gemeint, sondern eine Vermittlertätigkeit, die insbesondere über unaufgeforderte Telefonwerbung arbeitet. Hierbei wird versucht, mit den im Termingeschäft durchaus gelegentlich erreichbaren hohen Gewinnen zu locken. Die erhaltenen Gelder werden im günstigen Fall tatsächlich in der vereinbarten Form angelegt – mehr oder weniger effizient – erfahrungsgemäß meist verlustbringend. Im ungünstigen Fall sind die Anlage- und Erfolgsnachweise möglicherweise gefälscht. Ein Schneeballsystem kann vorliegen.

Darüber hinaus wird gelegentlich dem Grauen Kapitalmarkt auch Betrug bei Geldgeschäften zugerechnet, wie etwa Bankgarantiegeschäfte, Letter of Credit, Nigeria-Connection (Vorschussbetrug) oder

  • Depositendarlehen. Allerdings handelt es sich hier nicht um Geldanlage, auch nicht um Derivate zu institutionellen Kapitalmärkten. Die Zuordnung zum Grauen Kapitalmarkt ist deshalb eher unüblich.

Schaden durch unseriöse Anbieter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Bundeskriminalamt beträgt der jährliche Schaden schätzungsweise 20 bis 25 Milliarden Euro.

Viele Anleger verwenden auf diesem Markt steuerentwidmetes Geld und scheuen die staatliche Aufklärung. In solchen Fällen wird auch im Betrugsfall meist auf eine Anzeige verzichtet. Des Weiteren ist oft die Anlageentscheidung derart irrational gewesen, dass sie aus Scham dem sozialen Umfeld nicht bekannt werden soll. Für den Anleger ist oft absehbar, dass keine Aussicht auf Rückerhalt des Geldes besteht. Auf eine Anzeige wird verzichtet, weil sie den Ärger über die Fehlentscheidung unnötig verlängert.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert, dass jährlich rund 30 Milliarden Euro durch Immobilien- und Aktiengeschäfte, die keiner ausreichenden Kontrolle unterliegen, verloren gehen: Diese Kapitalanlagen in der Grauzone verursachen gesamtwirtschaftlich betrachtet einen hohen Kapitalverlust und vernichten Ersparnisse, die oft für die Altersvorsorge bestimmt waren. Viele Betroffene wurden finanziell ruiniert, da sie bei solchen Anlagegeschäften ihr eingesetztes Kapital überwiegend oder sogar vollständig verloren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Werner, Ralf Burghardt: Der Graue Kapitalmarkt. Chancen und Risiken. Gabler Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8349-0009-5.
  • Michael H. Hagemann: „Grauer Kapitalmarkt“ und Strafrecht (= Osnabrücker Abhandlungen zum gesamten Wirtschaftsstrafrecht. Bd. 3). V&R unipress, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89971-239-1.
  • Martin Klaffke: Anlagebetrug am Grauen Kapitalmarkt. Theoriebasierte empirische Analyse aus ökonomischer Perspektive. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-8244-0662-4 (zugleich: Univ. Bamberg, Diss., 2002).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/GeldanlageWertpapiere/Investieren/GrauerKapitalmarkt/grauer_kapitalmarkt_node.html
  2. https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2014/fa_bj_1403_grauer_kapitalmarkt.html
  3. https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2014/fa_bj_1403_grauer_kapitalmarkt.html
  4. https://www.jurion.de/urteile/bgh/1992-10-05/ii-zr-172_91/
  5. Warnliste Geldanlage: Unseriöse Firmen und Finanzprodukte test.de, 9. Januar 2015, abgerufen am 21. Januar 2015.