Grauer Kapitalmarkt

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Als Grauer Kapitalmarkt (mitunter grauer Kapitalmarkt, auch Nebenkapitalmarkt oder freier Kapitalmarkt) wird in Deutschland der Teil des Kapitalmarkts bezeichnet, der nicht oder nicht vollständig der staatlichen Finanzaufsicht unterliegt. Der Sammelbegriff umfasst den Teil des deutschen Kapitalmarkts, der aus einer Vielzahl einzelner, nicht organisierter Primär- sowie teils Sekundärmärkte besteht, die weitgehend unbeaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bestehen. Es werden besonders Finanzprodukte angeboten und teils gehandelt, die nicht auf einem organisierten Markt wie dem Börsenhandel zu finden sind, beispielsweise Genussscheine, geschlossene Fonds, Inhaberschuldverschreibungen und Unternehmensbeteiligungen.

Der Graue Kapitalmarkt ist geprägt durch Produkte mit hohen Risiken und durch eine große Anzahl von Missbräuchen. Der Teil des deutschen Kapitalmarkts, der der Finanzaufsicht unterliegt, wird entsprechend auch Weißer Kapitalmarkt genannt. Unerlaubte Finanzgeschäfte werden dem sogenannten Schwarzen Kapitalmarkt zugeordnet.

Rechtslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansätze zur Regulierung und Anlegerschutz sind bzw. waren in folgenden Rechtsvorschriften gegeben:

Vertriebsform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angebote des Grauen Kapitalmarktes werden über alle in Betracht kommenden üblichen Vertriebswege beworben: postalische Prospektwerbung, Telefon, Anzeigen, E-Mail, Fax, auch Strukturvertrieb. Unaufgeforderte Telefonwerbung ist stark verbreitet. Aus der Vertriebsform allein kann zwar kein Rückschluss auf die Seriosität eines Angebotes gezogen werden, doch bedienen sich problematische Anbieter oft der unaufgeforderten Telefonwerbung.

Seriosität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Graue Kapitalmarkt spielt laut Bundeskriminalamt (BKA) im Zusammenhang mit Anlage- und Finanzierungsdelikten (bspw. Anlage- und Beteiligungsbetrug nach § 263 StGB, Kapitalanlagebetrug nach § 264a StGB; Kreditbetrug nach § 265b StGB) eine bedeutende Rolle.

Beim Grauen Kapitalmarkt ist der Anteil der problematischen bzw. unseriösen Anbieter deutlich höher als im regulierten Kapitalmarkt. So warnt die Stiftung Warentest regelmäßig vor „dubiose[n], unseriöse[n] oder sehr riskante[n] Geldanlageangebote[n]“.[1]

Risiken einzelner Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Beispiele für typische Angebote des grauen Kapitalmarktes sind Unternehmensbeteiligungen, Steuersparangebote aller Art (Steuersparmodell) Immobilienbeteiligungen, aber auch Glücksspielbeteiligungen, Diamantenhandel, Termingeschäfte oder Schiffs- und Immobilienfonds.

Die Seriosität solcher Angebote ist sehr unterschiedlich. Zu jeder Angebotsart gibt es die vollständige Palette von voll korrekt bis zweifelsfrei deliktisch, (konkret Kapitalanlagebetrug).

  • Bei Immobilien-Anlagen ist die Problematik meist die Aufblähung der Preise und eine Vertragsgestaltung mit versteckten Eventualrisiken, oft bedingt durch Absichten der steuerlichen Optimierung. Eine hohe Fremdfinanzierung verdeckt oft die Überteuerung. Die Objekte sind dann allerdings nachhaltig defizitär, bieten also das Gegenteil von der erwarteten Immobiliensicherheit.
  • Der Erwerb von Beteiligungen an Immobilienfonds im Zuge des steuerlich subventionierten Baubooms in Ost- und West-Deutschland nach der Wiedervereinigung war häufig durch Schrottimmobilien gekennzeichnet.
  • Bei Edelsteinen ist es die Problematik der oft weit überhöhten Preise für den Endkäufer und teils auch durchaus Verkauf von völlig wertlosen Steinen. Ein Kapitalanlageeffekt liegt nicht vor, sofern die Preise beispielsweise das Fünffache des möglichen Erlöses bei Wiederveräußerung betragen.
  • Bei Termingeschäften des Grauen Kapitalmarktes ist nicht die bankmäßige institutionelle Vertriebsform gemeint, sondern eine Vermittlertätigkeit, die insbesondere über unaufgeforderte Telefonwerbung arbeitet. Hierbei wird versucht, mit den im Termingeschäft durchaus gelegentlich erreichbaren hohen Gewinnen zu locken. Die erhaltenen Gelder werden im günstigen Fall tatsächlich in der vereinbarten Form angelegt – mehr oder weniger effizient – erfahrungsgemäß meist verlustbringend. Im ungünstigen Fall sind die Anlage- und Erfolgsnachweise möglicherweise gefälscht. Ein Schneeballsystem kann vorliegen.

Darüber hinaus wird gelegentlich dem Grauen Kapitalmarkt auch Betrug bei Geldgeschäften zugerechnet, wie etwa Bankgarantiegeschäfte, Letter of Credit, Nigeria-Connection (Vorschussbetrug) oder

  • Depositendarlehen. Allerdings handelt es sich hier nicht um Geldanlage, auch nicht um Derivate zu institutionellen Kapitalmärkten. Die Zuordnung zum Grauen Kapitalmarkt ist deshalb eher unüblich.

Schaden durch unseriöse Anbieter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Bundeskriminalamt beträgt der jährliche Schaden schätzungsweise 20 bis 25 Milliarden Euro.

Viele Anleger verwenden auf diesem Markt steuerentwidmetes Geld und scheuen die staatliche Aufklärung. In solchen Fällen wird auch im Betrugsfall meist auf eine Anzeige verzichtet. Des Weiteren ist oft die Anlageentscheidung derart irrational gewesen, dass sie aus Scham dem sozialen Umfeld nicht bekannt werden soll. Für den Anleger ist oft absehbar, dass keine Aussicht auf Rückerhalt des Geldes besteht. Auf eine Anzeige wird verzichtet, weil sie den Ärger über die Fehlentscheidung unnötig verlängert.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert, dass jährlich rund 30 Milliarden Euro durch Immobilien- und Aktiengeschäfte, die keiner ausreichenden Kontrolle unterliegen, verloren gehen: Diese Kapitalanlagen in der Grauzone verursachen gesamtwirtschaftlich betrachtet einen hohen Kapitalverlust und vernichten Ersparnisse, die oft für die Altersvorsorge bestimmt waren. Viele Betroffene wurden finanziell ruiniert, da sie bei solchen Anlagegeschäften ihr eingesetztes Kapital überwiegend oder sogar vollständig verloren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Werner, Ralf Burghardt: Der Graue Kapitalmarkt. Chancen und Risiken. Gabler Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8349-0009-5.
  • Michael H. Hagemann: „Grauer Kapitalmarkt“ und Strafrecht (= Osnabrücker Abhandlungen zum gesamten Wirtschaftsstrafrecht. Bd. 3). V&R unipress, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89971-239-1.
  • Martin Klaffke: Anlagebetrug am Grauen Kapitalmarkt. Theoriebasierte empirische Analyse aus ökonomischer Perspektive. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-8244-0662-4 (zugleich: Univ. Bamberg, Diss., 2002).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Warnliste Geldanlage: Unseriöse Firmen und Finanzprodukte test.de, 9. Januar 2015, abgerufen am 21. Januar 2015.