Graufuchs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Graufuchs
Graufuchs

Graufuchs

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Füchse (Vulpini)
Gattung: Graufüchse (Urocyon)
Art: Graufuchs
Wissenschaftlicher Name
Urocyon cinereoargenteus
(Schreber, 1775)

Der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) ist neben dem Rotfuchs und dem Kitfuchs die dritte wichtige Fuchsart Nordamerikas. Zur Unterscheidung vom Insel-Graufuchs wird er manchmal auch Festland-Graufuchs genannt.

Merkmale[Bearbeiten]

Graufüchse haben eine charakteristische Fellzeichnung: Ihr Rücken ist grau, Flanken, Hals und Beine sind gelbbraun, und die Unterseite ist weiß. Ein schwarzer Streifen zieht sich über Rücken und Schwanz; auch die Schwanzspitze ist schwarz. Die Kopfrumpflänge beträgt 65 cm, hinzu kommen 35 cm Schwanz; der Graufuchs wiegt etwa 5 kg. Im Schnitt sind Männchen etwas größer als Weibchen. Zahnformel: 3/3 · 1/1 · 4/4 · 2/3 = 42[1]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitungskarte des Graufuchs

Verbreitet ist der Graufuchs vom südlichen Kanada über die USA und Mittelamerika bis nach Kolumbien und Venezuela. Er ist ein Bewohner von Laubwäldern, der das offene Gelände meidet. Aus diesem Grunde ist er im mittleren Westen der USA nur sehr lückenhaft verbreitet.

Lebensweise[Bearbeiten]

Graufuchs

Als einzige Hunde können Graufüchse (und ihre Verwandten, die Insel-Graufüchse) auf Bäume klettern. Sie werden deshalb in Nordamerika auch tree foxes genannt. Sie steigen auf Bäume, wenn sie von Feinden gejagt werden, aber auch aus eigenem Antrieb, zum Beispiel auf der Nahrungssuche. Graufüchse sind hauptsächlich nachtaktiv. In Gegenden , in denen sie wenig bejagt werden, sind sie auch tagsüber zu sehen. In der Regel beginnen sie schon vor Sonnenuntergang mit der Nahrungssuche.[1] Hauptnahrung sind wohl baumbewohnende Hörnchen, aber auch Mäuse, Kaninchen, Vögel und Insekten und nebenher Beeren, Früchte und andere Pflanzenkost.

Der Graufuchs gräbt keinen eigenen Bau, sondern sucht sich für den Tag Unterschlupf in hohlen Bäumen, Felsspalten oder Murmeltierbauen. Bei Nacht werden sie aktiv. Graufüchse sind wahrscheinlich monogam und bleiben ein Leben lang paarweise zusammen. Im Wurf befinden sich im Schnitt vier Welpen.

Systematik und Evolution[Bearbeiten]

Phylogenetische Systematik der Hunde[2]
 Hunde 
 Graufuchs-Klade 

 Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus)


     

 Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis)



     
 Rotfuchs-Klade 


 Vulpes


     

 Marderhund (Nyctereutes procyonoides)



     

 Löffelhund (Otocyon megalotis)



     

 Südamerika-Klade (Atelocynus, Cerdocyon, Lycalopex, Chrysocyon, Speothos)


     

 Wolfs-Klade (Canis, Cuon, Lycaon)





Der Insel-Graufuchs hat sich als eigenständige Art aus dem Graufuchs entwickelt

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Insel-Graufuchs stammt von Johann Christian von Schreber aus dem Jahr 1775.[3] Schreber beschrieb die Art als zwei Arten, die er Canis cinereo argenteus und Canis virginianus nannte und ordnete sie damit als Hunde in die Gattung Canis ein.[4]

Der Graufuchs bildet heute gemeinsam mit dem Insel-Graufuchs die Gattung Urocyon.[3] Auf der Basis von morphologischen und molekularbiologischen Daten wurden beide gemeinsam als Schwestergruppe der gesamten rezenten Hunde eingeordnet, während sie in klassischen Systematiken in der Regel den Echten Füchsen (Vulpini) zugeordnet werden.[2] Diese Position als Schwestergruppe aller Hunde wurde 2012 bestätigt, wobei eine Abspaltung der Vorfahren der Graufüchse von denen aller anderen Hunde wahrscheinlich vor etwa 16,5 Millionen Jahren stattfand, die Auftrennung in die beiden heute bekannten Arten jedoch erst vor etwa einer Million Jahren.[5]

Zusammen mit der Nominatform werden aktuell 16 Unterarten des Graufuchses unterschieden:[3]

Unterart Verbreitung
Urocyon cinereoargenteus borealis Nordwesten der USA
U. c. californicus Südliches Kalifornien
U. c. cinereoargenteus Osten der USA
U. c. costaricensis Costa Rica
U. c. floridanus US-Staaten am Golf von Mexiko
U. c. fraterculus Halbinsel Yucatán
U. c. furvus Panama
U. c. guatemalae Chiapas (Mexiko) bis Nicaragua
U. c. madrensis Süd-Sonora, Südwest-Chihuahua, Nordwest-Durango (Mexiko)
U. c. nigrirostris Südwestliches Mexiko
U. c. ocythous Central Plains, USA
U. c. orinomus Südmexiko, Isthmus von Tehuantepec
U. c. peninsularis Baja California (Mexiko)
U. c. scottii Südwesten der USA, Nordmexiko
U. c. townsendi Pazifikküste der USA
U. c. venezuelae Nördliches Südamerika

Evolutionsgeschichte[Bearbeiten]

Vom Graufuchs stammt der auf den Kanalinseln von Kalifornien beheimatete Insel-Graufuchs ab. Während der letzten Eiszeit gelangten Graufüchse auf die nördlichen drei Kanalinseln und entwickelten sich dort evolutionär weiter. Insel-Graufüchse sind ein typisches Beispiel für Inselverzwergung – diese Füchse sind nicht wesentlich größer als eine Hauskatze.

Belege[Bearbeiten]

  1. a b  Rurik List, Natali Garcia-Penas, Udo Gansloßer, Claudio Silleo-Zubiri (Hrsg.): Wilde Hunde. Bd., Filander Verlag, 2006, ISBN 3-930831-63-5, Endemische Füchse Nordamerikas, Graufuchs, S. 105ff.
  2. a b Kerstin Lindblad-Toh et al.: Genome sequence, comparative analysis and haplotype structure of the domestic dog. Nature 438, Dezember 2005; Seite 803–819. (Abstract).
  3. a b c Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg): Urocyon cinereoargenteus in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).
  4.  Erik K. Fritzell, Kurt J. Haroldson: Urocyon cinereoargenteus (Carnivora: Canidae). In: Mammalian Species. 189, 1982, S. 1–8 (Volltext (PDF; 981 kB)).
  5. Katrin Nyakatura, Olaf RP Bininda-Emonds: Updating the evolutionary history of Carnivora (Mammalia): a new species-level supertree complete with divergence time estimates. BMC Biology 10, 2012. doi:10.1186/1741-7007-10-12

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien