Graun (Graun im Vinschgau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ansicht von Graun

Graun (italienisch Curon) ist ein Dorf in Südtirol sowie Fraktion und Verwaltungssitz der Gemeinde Graun im Vinschgau. Die Ortschaft befindet sich im Vinschgau bzw. Vinschger Oberland an der Stelle, wo das Langtauferer Tal vom Etschtal abzweigt. Das von der SS 40 durchquerte Dorf liegt auf knapp über 1500 m Höhe auf der orographisch linken, östlichen Talseite, wo der Karlinbach in den Reschensee fließt. Wenige Kilometer nördlich verläuft am Reschenpass die italienisch-österreichische Staatsgrenze.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Anna-Kapelle

Das ursprüngliche Dorf Graun war etwas näher am Talboden entstanden. 1949/50 setzte jedoch der Montecatini-Konzern gegen den Willen der Einwohner die Stauung des Reschensees zur Stromgewinnung durch, der die alte Siedlung nach und nach untergehen ließ. Im Sommer 1950 wurden außer dem denkmalgeschützten Kirchturm von Graun aus dem 14. Jh. alle Gebäude in Graun abgetragen und überflutet. Am 9. Juli 1950 zogen die Ortsbewohner nach dem letzten Sonntagsgottesdienst in einer Prozession aus der Kirche. Am 24. Juli 1950 wurde die Kirche gesprengt, nur der Turm blieb erhalten.[1]

Ersatzweise entstand das heutige Graun etwas höher am Hang. An das alte Dorf erinnert der aus dem See aufragende Turm der alten Pfarrkirche St. Katharina (Standort: ). Abgesehen vom im Reschensee stehenden Turm besteht an alter Bausubstanz noch auf einem kleinen Hügel unweit des neuen Ortszentrums eine 1521 eingeweihte spätgotische Anna-Kapelle.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Ort ist Schauplatz der italienischen Netflix-Serie Curon, welche am 10. Juni 2020 veröffentlicht wurde. Darin rankt sich ein Fluch um den Glockenturm und den Reschensee.
  • Graun ist Mittelpunkt des Romans Ich bleibe hier von Marco Balzano (2020).[2] Darin geschildert ist das Schicksal einer Familie und der letztlich vergebliche Versuch, während der 1920er bis 1950er Jahre im Dorf zu bleiben und sich dem Staudammbau zu widersetzen, der zur Anhebung des Reschensees und zur Überflutung und Zerstörung des Ortes führte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Pattis: Das Dorf Neu-Graun in Südtirol. In: Baumeister, 4/1953, S. 225–229
  • Marco Balzano: Ich bleibe hier. Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Diogenes, Zürich 2020[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Graun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Branahl: Am Ende siegte die Macht. In: KirchenZeitung – Die Woche im Bistum Hildesheim, Ausgabe 41/2020 vom 11. Oktober 2020, S. 16.
  2. Marco Balzano: Ich bleibe hier. Diogenes, Zürich 2020, ISBN 978-3-257-07121-4.
  3. Interview von Günter Keil: "Das Schweigen zum Reden bringen". Marco Balzano über Corona, die Flutung seines Südtiroler Dorfes Graun 1949 und seinen Roman. In: Tageszeitung Der Standard, Wien, 20. Juni 2020, Beilage Album, A 3

Koordinaten: 46° 48′ N, 10° 32′ O