Gravenbruch

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Gravenbruch
Koordinaten: 50° 3′ 35″ N, 8° 45′ 6″ O
Höhe: 128 m ü. NHN
Einwohner: 6225 (31. Dez. 2017)[1]
Postleitzahl: 63263
Vorwahl: 06102

Gravenbruch ist ein Stadtteil von Neu-Isenburg im Landkreis Offenbach in Hessen. Der Stadtteil liegt in der Gemarkung Neu-Isenburg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gravenbruch liegt in einem relativ flachen, geschlossenen Waldgebiet auf einer Rodungsinsel rund vier Kilometer östlich des Stadtkerns von Neu-Isenburg. Der umgebende Wald ist wegen der hohen Bevölkerungsdichte des Rhein-Main-Gebietes als Bannwald ausgeschrieben und darf nicht für weitere Besiedlung gerodet werden.

Gravenbruch grenzt im Norden, Osten und Süden an die Waldungen der kreisfreien Stadt Offenbach am Main, im Südwesten an die Gemarkung Sprendlingen der Stadt Dreieich und im Westen verbinden Waldflächen Gravenbruch mit der Kernstadt Neu-Isenburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forsthaus Gravenbruch
Forsthaus Gravenbruch mit Bestandteilen der ehemaligen Hofanlage (Teil des heutigen Kempinski-Hotels).

Der Junker Sebastian von Heusenstamm, Neffe des gleichnamigen Erzbischof von Mainz, Sebastian von Heusenstamm, legte vermutlich ab 1586 im Grauen Bruch[2] einen befestigten Hof, den späteren Hof Gravenbruch beziehungsweise Forsthaus Gravenbruch an, der Mittelpunkt einer selbstständigen Gemarkung war.[3]

Der Name Gravenbruch leitet sich vom grauen Bruch ab, also einem Trachytvorkommen.[4] Die historische Namensformen unter denen Gravenbruch erwähnt wurde, waren für diesen moorigen Landschaftsteil: 1299 Creyenbruch, dann Krienbruch oder Craenbruche (1401), Creyenbruch (1405), Kreyenbruch (1437), Creyen Bruch (1467), Kreichenbruch (1567), Grauen Bruch (1590), Krauen Bruch (1592), Creenbruch (1595), Cravenbruch (1607), Gräfenbruch (1829) und schließlich Grafenbruch (1946). Die heutige Schreibweise Gravenbruch gilt seit 1965.[2][3]

1661 gelangt der Hof an die Grafen von Schönborn. Er wurde im 18. Jahrhundert umgebaut und 1908 durch einen Anbau erweitert. Die Gemarkung umfasste nach dem Stand von 1854 eine Fläche von 1672 Morgen, davon 122 Morgen Acker, 67 Morgen Wiesen und 1436 Morgen Wald.

Der Hof und die umgebenden Waldflächen waren im Zweiten Weltkrieg Ziel von 14 vermutlich fehlgeleiteten Luftangriffen. Für den zerbombten Wald suchte man in den 1950er Jahren nach einem neuen Nutzungskonzept.

Die erhaltenen gebliebenen Teile des Hofes wurden durch Neubauten zu einem umfangreichen Hotelkomplex erweitert, seit dem Betreiberwechsel von 1976 das Kempinski Hotel Gravenbruch. Die Gemarkung Grafenbruch wurde am 1. April 1957 aufgelöst und den angrenzenden Gemarkungen zugeschlagen. So kam der Wohnplatz Grafenbruch an Neu-Isenburg. Er zählte im Jahr 1957 10 Einwohner.

Mit dem Bau der Wohnstadt Gravenbruch wurde am 5. Dezember 1960 begonnen. Sie wurde als reines Wohngebiet ohne Durchgangsverkehr geplant. Die leicht geschwungene Straße Am Forsthaus Gravenbruch zieht sich von Westen durch das ganze Wohngebiet und führt im Osten in einer großen Schleife zu sich selbst zurück. Die meisten Nebenstraßen sind Stichstraßen, enden in einem Wendekreis und dienen nur dem Anliegerverkehr.

Für den Stadtteil Gravenbruch wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Der Ortsbezirk Gravenbruch umfasst Flur 25 der Gemarkung Neu-Isenburg.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Zahl der Einwohner in Gravenbruch, jeweils zum 31. Dezember

Jahr Einwohner
1957 10
2012 5752
2014 5945

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straße Am Forsthaus Gravenbruch verbindet die Wohnstadt für den überörtlichen Verkehr nach Westen mit der Bundesstraße 459, die die Kreisstadt Dietzenbach im Süden mit der Bundesstraße 3 am Offenbacher Kreuz verbindet. Am Nordrand von Gravenbruch führt die Bundesautobahn 3 in West-Ost-Richtung vorbei. Die südliche Grenze der Bebauung wird von der Landesstraße L 3117 begleitet, die von Heusenstamm im Osten über die Anschlussstelle Neu-Isenburg der Bundesautobahn 661 zur Kernstadt Neu-Isenburg führt. Im Südwesten von Gravenbruch kreuzt sie die B 459. Im Nordosten begrenzt die historische Alte Babenhäuser Straße als Forststraße sowohl die Wohnstadt Gravenbruch als auch das Stadtgebiet von Neu-Isenburg.

Gravenbruch ist Endstation der Buslinien OF-50, OF-51 und 551 sowie der 1× täglich (Mo–Fr) fahrenden 662.

  • OF-50: Verkehrt zwischen Gravenbruch Ost und dem Frankfurter Südbahnhof.
  • OF-51: Verkehrt nach Zeppelinheim Bahnhof quer durch die Kernstadt Neu-Isenburg und dem Industriegebiet Gehespitz.
  • 551: Fährt von Gravenbruch Ost über Offenbach und Frankfurt nach Bad Vilbel Bf.
  • 662: Verbindet nur einmal am Tag Gravenbruch und Dreieich-Sprendlingen, ein sogenannter Schülerverkehr.

Schon am 29. März 1960 wurde an der B 459 gegenüber der Hotelanlage das Autokino Gravenbruch als erstes Autokino in Deutschland eröffnet. Gravenbruch verfügt am zentral gelegenen Dreiherrnsteinplatz über Einkaufszentren, eine evangelische und eine katholische Kirche, Jugendzentrum, Büchereien, einen städtischen, evangelischen und katholischen Kindergarten sowie eine Polizeistation. Die Grundschule in Gravenbruch trägt den Namen Ludwig-Uhland-Schule.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Fischer, 40 Jahre Wohnstadt Gravenbruch : Stadtteil von Neu-Isenburg / Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur Neu-Isenburg (GHK) e. V. Dieter Fischer. Mit Erg. von Christel Passinger. Neu-Isenburg 2002

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kennzahlen Neu Isenburg, abgerufen im Mai 2018.
  2. a b Diverse: Gründlicher Bericht von dem uhralten Reichs- und Königs-Forst zur Drey-Eichen. In: Google Books. Gedruckt bey Gerhardt Groot, Hoch-Gräfflich Ysenburgischen Hoff-Buchdrucker in Offenbach am Mayn, 1736, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  3. a b Gravenbruch, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 29. November 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 6. Januar 2019.
  4. Gravenbruch-Net, Geschichte, Abruf am 30. März 2017
  5. Hauptsatzung der Stadt Neu-Isenburg. Abgerufen am 3. Dezember 2018.