Grazer Schloßberg

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Grazer Schloßberg
Schloßberg von der Spitze des Rathausturmes gesehenLinks die Stallbastei, rechts der Uhrturm

Schloßberg von der Spitze des Rathausturmes gesehen
Links die Stallbastei, rechts der Uhrturm

Höhe 474 m ü. A.
Lage Steiermark, Österreich
Gebirge Grazer Bergland, Randgebirge östlich der Mur
Dominanz 1,9 km → Reinerkogel
Schartenhöhe 104 m ↓ Geidorf
Koordinaten 47° 4′ 36″ N, 15° 26′ 14″ OKoordinaten: 47° 4′ 36″ N, 15° 26′ 14″ O
Grazer Schloßberg (Steiermark)
Grazer Schloßberg
Gestein Dolomit
Alter des Gesteins Unterdevon-Mitteldevon
Erschließung Kriegssteig (Treppe mit ~260 Stufen), Zufahrtsstraße (nur genehmigter Verkehr), Grazer Schloßbergbahn, Schloßberglift
Besonderheiten Grazer Uhrturm, Glockenturm (Liesl), Kasematten, Türkenbrunnen, Teil des Weltkulturerbes Grazer Altstadt
Uhrturm
Schloßbergbahn

Der Grazer Schloßberg[Anm. 1] ist ein wuchtiger Fels aus Dolomitgestein und bildet den Kern der historischen Altstadt von Graz, der Landeshauptstadt der Steiermark in Österreich. Er liegt direkt am Ufer der Mur und ragt 123 m über den Grazer Hauptplatz. Neben dem Uhrturm, dem Wahrzeichen von Graz, stehen auf dem Schloßberg auch der Glockenturm, Liesl genannt, die Schloßberg-Kasematten, der 98 m tiefe Türkenbrunnen, alle Reste der Burg und eine Reihe kleinerer Kunstobjekte. Als Kern der Altstadt von Graz ist er ein Teil des UNESCO-Welterbes Stadt Graz – Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Burg am Grazer Schloßberg

Funde belegen eine Besiedlung bereits im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Um 1125 wurde auf dem damals nackten Felsen eine romanische Burg errichtet, die Graz ihren Namen gab („gradec“ bedeutet auf Slowenisch „kleine Burg“). Später wurde sie gotisch erweitert und ab 1544 nach Plänen von Domenico dell’Allio zu einer Renaissancefestung ausgebaut.

Die Burg ist im Guinness-Buch der Rekorde als stärkste Festung aller Zeiten verzeichnet.

Auch Napoleon konnte sie Anfang des 19. Jahrhunderts nicht erobern. Erst als er 1809 Wien besetzte und mit der Zerstörung der Hauptstadt drohte, ergab sich das erpresste Graz, und es wurden fast alle Festungsanlagen geschleift. Lediglich der Glockenturm und der Uhrturm blieben erhalten,[Anm. 2] da sie von den Grazer Bürgern freigekauft und somit vor der Zerstörung bewahrt werden konnten.

1839 begann Ludwig Freiherr von Welden (1780–1853) mit der Umgestaltung[1] des einstigen Festungsberges in einen romantischen Garten mit zahlreichen Spazierwegen und teils südländischen Pflanzen, die hier dank des vergleichsweise milden Grazer Klimas gedeihen. Welden sah den Schloßberg in der geografischen Mitte dreier mächtigerer, bereits jeweils mit einer Aussichtwarte versehener Bergrücken (Buchkogel, Hochplatte sowie Plabutsch), denen er mit seiner Gestaltung des Schloßbergs großräumig nicht in Konkurrenz treten wollte.[2]

Anfang 1925 wurde von der RAVAG auf dem Schloßberg eine 500-Watt-Sendestation errichtet (als erste außerhalb Wiens). Neben einer 35 Meter hohen Gitterkonstrution wurde der Glockenturm mit einer Antenne versehen.[3] Die (drei Tage pro Woche sendende) Anlage vermochte jedoch bald in Stärke und Empfang nicht mehr zu genügen, und es wurde daher 1929 zeitgemäßer Ersatz in Graz-St. Peter geschaffen.[4]

Im Zweiten Weltkrieg wurde durch Zwangsarbeiter im Inneren des Berges ein umfangreiches Stollensystem mit 6,3 km Länge, 20 Eingängen und etwa 12.000 m² Nutzfläche angelegt, welches während der schweren Bombenangriffe auf Graz als Kommandozentrale, Luftschutzbunker für bis zu 50.000 Personen und Lazarett diente.[5] Das Stollensystem ist mit Naturhöhlen verbunden, von denen bis 1944 wenige bekannt waren; eine in jenem Jahr erschlossene Tropfsteinhöhle erregte daher entsprechende Aufmerksamkeit.[6]

Diese Stollen sind auch heute zum Teil in Verwendung; sie beherbergen:

  • den Schloßberglift
  • den „Dom im Berg“ (einen Veranstaltungsraum)
  • einen Fußweg durch den Berg vom Schloßbergplatz zum Karmeliterplatz
  • „Die Grazer Märchenbahn“
  • ein Grubenbahnmuseum, welches von einem privaten Verein betrieben wird (nicht frei zugänglich)

Diese und weitere Teile der Stollen werden gelegentlich für Ausstellungen (z. B. „Berg der Erinnerungen“[7] im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres) verwendet.

1999 wurde der Grazer Schloßberg gemeinsam mit dem historischen Stadtkern als fünfter Komplex in Österreich in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

Entstehungssage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sage nach ist für die Entstehung des Schloßberges der Teufel verantwortlich: Dieser hatte den Grazern versprochen, den Schöckl noch höher zu machen. Als Gegenleistung verlangte er die Seele des ersten Menschen, der den erhöhten Hausberg besteigt. Die Grazer willigten ein und so flog der Teufel davon um einen gewaltigen Felsen zu holen. Als er zurückkehrte, bemerkte er jedoch eine Prozession in der Stadt und erkannte da erst, dass Ostersonntag war – an diesem Tag hatte er keine Macht über die Menschen und konnte daher auch keine Seelen für sich gewinnen. Voller Zorn schleuderte er den Felsen auf die Stadt. Dieser zerbrach in zwei Teile, von denen der größere zum Schloßberg wurde. Der kleinere bildete den Austein, auf dem sich heute der Kalvarienberg befindet.

Eigenname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Widerspruch zur neuen deutschen Rechtschreibung wird der Name des Schloßberges nicht mit „ss“ geschrieben. Dies ist darin begründet, dass die Stadt Graz die Bezeichnung als Eigennamen im alten Schreibstil führt. Dementsprechend wird auch die Grazer Schloßbergbahn nicht mit „ss“ geschrieben.

Bastionsanlagen unterhalb des Uhrturms

Erschließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besucher können mit der Schloßbergbahn, mit dem Schloßberglift oder über 260 Stufen auf den Berg gelangen. Alternativ führt eine Vielzahl von Wegen auf den Schloßberg, die wesentlich zur Bedeutung des Schloßbergs als Erholungsort für Grazer und Touristen beitragen.

Schloßbergbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Grazer Schloßbergbahn

Seit 1894 besteht die zuletzt 2004 renovierte und mit neuen Wagen ausgestattete Schloßbergbahn. Diese Standseilbahn erschließt den Berg im Westen vom Kaiser-Franz-Josef-Kai hinauf zu den Kasematten und dem Schloßbergrestaurant. Mit der Neueröffnung des (von Architekt Christian Andexer umgebauten) Schloßbergrestaurants wurden die Betriebszeiten der Schloßbergbahn von Freitag bis Samstag bis 02:00 Uhr,am Sonntag bis 22:00 Uhr und von Montag bis Donnerstag bis 00:00 ausgeweitet.

Schloßberglift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2000 wurde mit dem Bau des Schloßbergliftes auch eine behindertengerechte Möglichkeit geschaffen, um den Schloßberg ohne körperliche Anstrengung besuchen zu können.

Unter Ausnutzung der bereits vorhandenen Stollen wurde für 4,1 Mio. Euro im Fels ein vertikaler Schacht von etwa sieben Meter Durchmesser gebohrt, der vom Niveau des Schloßbergplatzes über 77 m hoch bis zu einer Öffnung nicht weit vom Uhrturm führt. Im Schacht befindet sich die Liftanlage mit zwei separat geführte Kabinen für jeweils maximal 15 Personen. Die Steiggeschwindigkeit der Kabinen beträgt 2,5 m/s, die Fahrt dauert ca. 30 Sekunden.

Während die Nutzung der Schlossbergbahn seit einigen Jahren mit dem städtischen ÖV-Ticket quasi im Verkehrsverbund mit abgegolten ist, wird für den Lift, der wie ÖV samt Bergbahn von den Holding Graz Linien betrieben wird, dennoch ein unabhängiger Fahrpreis von 1,30 Euro (Stand Juli 2015) über Fahrscheinautomaten an den 2 Ein-ausstiegstellen eingehoben. Es gibt aber seit einigen Jahren die sogenannte Kombikarte mit der die Schloßbergbahn und der Schloßberglift in jeweils einer Fahrtrichtung benutzt werden darf.

Bauwerke auf dem Schloßberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bauwerke werden im Folgenden in grober Reihenfolge vom höchsten Punkt des Berges an abwärts aufgeführt.

Brunnenkranz mit Laube
Major-Hackher-Denkmal
Schloßbergbühne in den Kasematten (2006)
Grundmauern der Thomaskapelle
Stallbastei mit Kanonenhütte
Chinesischer Pavillon
Bischofsstuhl
Türkenbrunnen und Starcke-Häuschen (im Hintergrund)
Bürgerbastei mit dem Rathaus im Hintergrund

Die große Zisterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nach Plänen von Lazarus von Schwendi durch Domenico dell’Allio in den Jahren 1544–1547 erbaute Zisterne ist eines der größten Bauwerke dieser Art. In einem 16 Meter tiefen Kessel sind kreisförmig fünf Brunnenschächte mit einem Durchmesser von 3,6 Metern angeordnet, deren Fassungsvermögen 900.000 Liter beträgt. Das von den Dächern der umliegenden Burggebäude abgeleitete Regenwasser wurde gefiltert und in den miteinander verbundenen Schächten gesammelt. Die Zisterne dient heute als Löschwasserreserve. Der steinerne Brunnenkranz aus dem Jahre 1739 wurde 1897 durch eine schmiedeeiserne Brunnenlaube ergänzt.

Major-Hackher-Denkmal (Hackher-Löwe)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bronzeplastik eines Löwen ehrt Major Franz Hackher, der 1809 mit „einer Handvoll Soldaten“ (17 Offiziere und 896 Soldaten)[8] den Schloßberg gegen die anstürmenden Franzosen (etwa 3000 Soldaten) verteidigte. Da es kein Bild von Major Hackher gab, wurde ihm zu Ehren ein Löwe errichtet. Das Original von Otto Jarl entstand 1909, wurde aber 1941 im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. 1965 stellte Wilhelm Gösser im Auftrag der Stadt Graz eine Replik her.

Die Schloßbergbühne in den Kasematten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den ehemaligen Burggraben wurde um 1578 das Schloßhauptmannshaus gebaut, dessen riesige Kellergewölbe zur Aufnahme von Vorräten bestimmt waren, aber auch als Gefängnis verwendet wurden. Die Gewölbe konnten sogar mit Wagen befahren werden. Eine Einfahrt an der Westseite ist noch sichtbar.

Im April 1913 sowie im Februar 1914 wurde kommissionell unter anderem die Möglichkeit geprüft, die Ruinen des 1809 von den Franzosen gesprengten Gebäudes als Sehenswürdigkeit zu erschließen.[9]

Dem Traum vom Naturtheater folgend,[10] wurde 1937 die heutige Freilichtbühne errichtet und am 19. Juni selben Jahres im Rahmen von Grazer Festspielen mit BeethovensFidelio“ (Dirigat: Karl Rankl) eröffnet.[11]

Der Ausbau der (als mietbare Eventlocation gedachten) Kasematten war 1937 verbunden mit der Fertigstellung der befestigten, staubfreien Straßenzufahrt samt Parkplätzen. An- und Abfahrt waren vor und nach Veranstaltungen möglich, sonst bestand generelles Fahrverbot.[11]

1987 wurde eine von den Architekten Gilly und Jörg Maier geplante mobile Überdachung angebracht.[Anm. 3] Die Kasematten wurden 2009 neuerlich umgebaut. Dabei wurde die Bühne von Westen nach Osten verlegt und verkleinert.

Glockenturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 34 Meter hohe, achteckige Glockenturm wurde 1588 im Auftrag von Erzherzog Karl II. erbaut. In seinem Inneren befindet sich die drittgrößte Glocke der Steiermark, die 1587 in Graz von Martin „Mert“ Hilger (1538–1601) gegossene „Liesl“ (von Elisabeth). Sie hat einen Durchmesser von 197 cm und wiegt 4633 kg. Die Glocke wird täglich um 7, 12 und 19 Uhr mit 101 Schlägen geläutet. Sie ist auf den Hauptschlagton gis0 gestimmt. Als Grund für diesen Brauch wird berichtet, dass die Glocke aus 101 geborgenen Kanonenkugeln der Türken gegossen worden sei. Diese Überlieferung entspricht vermutlich nicht der Realität, denn die „Liesl“ besteht wie die meisten Glocken aus Bronze, Kanonenkugeln aber nicht. Jedenfalls wurde Material aus dem Zeughaus für den Glockenguss bereitgestellt.[12] Im Jahre 1809 blieb der Glockenturm durch Interventionen der Grazer Bürger von der Sprengung durch die Franzosen verschont. Unter dem Glockenturm befindet sich ein Verlies, bekannt unter dem Namen „Bassgeige“.

Am 21. September 1921 wurde in einem kleinem Gemache des zweiten Stockwerks das Schloßbergmuseum eröffnet,[13] das bis in die 1990er Jahre Bestand hatte.[Anm. 4]

Die Thomaskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1810 stand neben dem Glockenturm die dem Apostel Thomas geweihte Burgkapelle. Es handelte sich um einen romanischen Rundbau, der vermutlich im 12. Jahrhundert errichtet worden war. Von den Sprengungen der Franzosen wurde das Bauwerk verschont, es wurde aber seines kupfernen Daches beraubt. Bedingt durch Witterungseinflüsse verfiel die Kapelle und wurde schließlich teilweise abgetragen. Heute sind nur mehr die Fundamente sichtbar und über einen Stahlsteg neben dem Glockenturm einzusehen. Unmittelbar verwandt mit St. Thomas ist die Kapelle der Kaiserpfalz in Goslar. Die romanischen Löwen vom Kapelleneingang stehen in der Landesberufschule Hatzendorf, Kopien im Landesmuseum Joanneum. Auch Teile der Fresken sind in ein Schloss übertragen worden. (Die Bürger ‚bedienten‘ sich)

Kanonenhütte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kanonenhütte wurde ab 1544 wie auch die restliche Festung nach Plänen von Domenico dell’Allio errichtet. Sie diente zunächst der Verteidigung, später als Staatsgefängnis und Standort der Feuermeldung. Gemeinsam mit den restlichen Anlagen fiel sie der Schleifung durch die Franzosen zum Opfer. 1978/79 wurde sie mit Spenden der Handelskammer Steiermark zur Feier des 850-Jahre-Jubiläums der Stadt Graz wieder aufgebaut. Bis 1797 waren in der Kanonenhütte die „Vier Evangelisten“, vier Kanonen zur Warnung der Bevölkerung vor Feindannäherung und bei Bränden, stationiert. Diese wurden 1809 von den Franzosen als Beute abtransportiert. Heute sind stattdessen zwei kleinere und zwei größere, in Paris gegossene Kanonen ausgestellt. Im Glockenstuhl hängt eine Alarmglocke (datiert 1796). In dem zur Stallbastei gehörenden Gebäude befand sich von 1981/82[14] bis 2012 das Garnisonsmuseum Graz.[Anm. 4]

Die Stallbastei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau dieser gewaltigen Bastei mit über 20 Meter hohen und bis zu sechs Meter starken Stützmauern begann 1544 und ersetzte ein an derselben Stelle stehendes Vorwerk der mittelalterlichen Burg. Auf ihr standen Stallungen, die der Bastei ihren Namen gaben. Die hölzernen Türflügel an der Südseite stammen aus dem 19. Jahrhundert. Das vorgeblendete „Ägyptische Tor“ wurde von Bonaventura Hödl um 1820 errichtet, die Pergola um 1900. In der östlichen Basteiecke findet sich der einzige erhaltene Festungswachturm, der sogenannte Luntenturm.

Der Chinesische Pavillon und der Bischofsstuhl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Chinesische Pavillon wurde um 1890 errichtet und ersetzte eine ältere, romanische Weinlaube.
Als Bischofsstuhl wird die steinerne Bank mit verwitterten Schriftzeichen und gotischem Blendmaßwerk auf der Rückseite bezeichnet. Sie ist ein Fundstück aus der spätgotischen Epoche der Burg auf dem Schloßberg. Der Legende nach verstarb hier 1796 bei einer Rast der nach 40-jähriger Haft aus den Kerkern des Schloßberges entlassene Bischof Graf Nádasdy.

Der Türkenbrunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1554–1558 wurde dieser „Tiefe Brunnen“ 94 Meter bis zum Grundwasser der Mur gegraben, um die Festung auch bei längerer Belagerung ausreichend mit Wasser versorgen zu können. Der Bauplan stammt vom italienischen Baumeister Domenico dell’Allio. Seinen heutigen Namen erhielt der Brunnen erst im 19. Jahrhundert, weil angeblich gefangene Türken an seiner Grabung beteiligt waren. In Wahrheit waren es aber Martolosen von der windischen Grenze. Noch bis 1934 stand über dem Brunnen eine seitlich offene Halle mit einem Schöpfwerk, einer Seilwinde und zwei großen Holzeimern.

Um 2005/2010 wurde der Schacht mit tief abgehängten Strahlern bis zum Grund beleuchtet, ein Gitter erlaubt die Sicht ganz nach unten und die auf einer Wandstufe liegenden Münzen.

Das Starcke-Häuschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1575 errichtete der Festungsbaumeister Dionisio Tadei am Fuße der Stallbastei einen Pulverturm, der 1809 von den Franzosen zerstört wurde. Auf dessen Ruinen erbaute Bonaventura Hödl 1820 ein Winzerhaus mit neugotischem Krabbenturm und pflanzte auf den darunter liegenden Terrassen Wein. Seit der Jahrhundertwende bewohnte der Dresdner Hofschauspieler Gustav Starcke (1848–1921) das Haus und verfasste hier einige Gedichte, die dem Schloßberg gewidmet sind. Heute befindet sich in dem Bau ein Restaurant, auf dessen Terrassen man den Ausblick über das westliche Graz genießen kann.

Der Uhrturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Grazer Uhrturm

Der Uhrturm ist das Wahrzeichen und eines der ältesten Gebäude der Stadt Graz. Der Turm wurde schon 1265 erwähnt und birgt in seinem Inneren drei Glocken: die Stundenglocke (älteste Glocke von Graz: 1382), die Armensünderglocke von ca. 1450 und die Feuerglocke (1645).

Die Bürgerbastei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heute noch gut erhaltene Bastei wurde 1551/1552 vom italienischen Festungsbaumeister Domenico dell’Allio errichtet, jedoch erst 1556 fertiggestellt. Ihren Namen erhielt sie, weil sie in Kriegszeiten wie der Uhrturm von Grazer Bürgern verteidigt werden musste, während die übrige Festung dem Landesfürsten unterstand. Sie wurde 1930 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist heute der blumenreichste Teil des Schloßberges.

Das Cerrini-Schlössl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Freiherr von Cerrini (1777–1840) verteidigte die exponierte Bürgerbastei im Jahr 1809 heldenhaft gegen die französischen Truppen. 1820 erhielt er als Dank für seine Verdienste die Erlaubnis, sich in die von den Franzosen nach dem Friedensschluss an der südöstlichen Basteiecke gesprengte Bresche unter dem Uhrturm ein Haus zu bauen. 1995–1997 wurde das Haus von der Stadt Graz renoviert. Heute ist es als Internationales Haus der Autoren Graz der Begegnung unterschiedlicher Kulturen gewidmet und offeriert drei Wohnungen (jeweils für ein Jahr im Titel: Grazer StadtschreiberIn, Writer in Exil, Kurzstipendien).[15]

Der Herbersteingarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Südhang des Schloßberges wurde von jeher Wein angebaut. Besonders verdient um dessen Kultivierung hat sich die Grafenfamilie Herberstein gemacht, die von ihrem Palais in der Sackstraße einen (heute nicht mehr begehbaren) Felsensteig in den nach ihr benannten Weingarten auf dem Berg angelegt hatte. Im Jahr 1930 wurde der Herbersteingarten vom „Kriegssteig“ aus zugänglich gemacht, und somit wurden „die Hängenden Gärten von Graz“ dem Publikum erschlossen. Die Terrassenanlage mit ihrer mediterranen Bepflanzung zählt zu den schönsten Beispielen der Gartenarchitektur der Zwischenkriegszeit.

Kriegssteig

Kriegssteig (Friedenssteig) und Felsensteig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

260 Stufen führen als Zick-Zack-Weg vom Schloßbergplatz den Felshang hinauf zum Uhrturm. Am Bau des Steigs von 1914 bis 1918 waren österreichische Pioniere und russische Gefangene beteiligt, weshalb ihm der Name „Russensteig“ gegeben wurde. Bekannter ist jedoch die Bezeichnung „Kriegssteig“, da die Stufen während des Ersten Weltkrieges angelegt worden waren.

Die Umbenennung des Kriegssteigs in Friedenssteig forderte schon 1984 die Friedensbewegung und 2003 (einstimmig) der Bezirksrat Innere Stadt, was amtlich abgelehnt wurde. Zuletzt beantragte die KPÖ 2008 im Gemeinderat diese Namensänderung. Der amtliche Stadtplan weist den Kriegssteig aus, populär ist daneben auch Friedenssteig.[16]

Über ihn und die Terrasse des Herbersteingartens führt seit 2007 der Grazer Schlossberglauf über 421 Stufen und 80 m Höhenmeter zum Uhrturm.[17] Die Steige, die auch steile asphaltierte Stücke aufweisen, werden an mehreren Toren für eine Wintersperre amtlich geschlossen.

Bereits 1913 bestand über die Liegenschaft Sackstraße 32 ein (seilgesicherter) Zugang zur felsigen Westflanke des Bergs.[18] In den Jahren 1924–1928 wurde (aus Anlass der 800-Jahr-Feier der Stadt Graz) in ausgebauter Form dieser durch die westlichen Felsabhänge nordwärts auf halber Höhe entlangführende Steig als „Jubiläums-Felsensteig“ (heute offiziell kurz Felsensteig) fertiggestellt. Die schwierigen Bauarbeiten für die 280 Meter lange Anlage wurden unter anderem von Pionieren ausgeführt.[19]

Schloßbergauffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auffahrt ab Am Fuße des Schloßbergs/Karmeliterplatz ist durchschnittlich über 10 % steil, weist hinauf bis zum Uhrturm mehrere Gas-Strassenlampen auf, ist für das Befahren mit Fahrrädern und Kfz mit Ausnahmen für Liefern und Mitarbeiter am Berg gesperrt und wird seit etwa 2005 mit einer Kamera (nahe Schloßbergstollen) überwacht. Historisch wurden vor mehr als 50 Jahren[20] und bis vor etwa 26 Jahren am Schloßberg Bergsprints gefahren, um 2005 ein paarweise gestartetes Rennen unter Teilnahme zahlreicher Fahrradboten.[21]

Am 3. Juni 2015 wurde das (ÖRV-)Rennen Schlossbergman erstmals gestartet, organisiert von Extremradsportler Jacob Zurl, Robert Hoiss sowie Eduard Hamedl. Das Berg-Einzelzeitfahren in mehreren Alters- und Leistungsklassen läuft von der Mitte des Karmeliterplatzes vorbei am Uhrturm bis kurz vor den Glockenturm Liesl (und damit fast bis auf das Schloßbergplateau) über 800 m Strecke mit drei Pflasterpassagen und 95 Höhenmetern bei durchschnittlich rund 12 % und maximal 21 % Steigung. Über 200 Starter werden in 30 Sekunden Abstand gestartet. Verbunden wird es mit einem Prolog zum Glocknerman.[22]

Naturkundliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Schloßberg bedeckt vorwiegend ein artenreicher Laubmischwald aus Rotbuchen, Hainbuchen, Eschen, Ulmen und mehreren Ahornarten, denen an sonnigen Standorten auch eingeschleppte Arten wie Robinien und Götterbäume beigemischt sind. Die ungewöhnlich üppige Entwicklung des Efeus, der sich an zahlreichen Baumstämmen emporrankt, aber auch Felspartien besiedelt, verleiht den Schloßbergwäldern weithin einen naturnah-urwüchsigen Eindruck. Für die gärtnerisch gestalteten Partien des Schloßbergs seien die Karl-Böhm-Allee mit ihren japanischen Zierkirschen und die nahegelegene Hainbuchenallee erwähnt, ferner ein Feigenbaum unter dem Uhrturm, prächtig blühende Ginsterbüsche an der Herbersteinbastei sowie ein imposanter Blauglockenbaum an der Kanonenbastei.

Es konnten etwa 50 Vogelarten, darunter ein Dutzend Brutvogelarten wie Waldkauz, Turmfalke und Halsbandschnäpper, beobachtet werden. Bis zum 16. Jahrhundert brütete der Waldrapp im Bereich des heutigen Schloßbergsteigs. Außerdem bewohnen unter anderem Dachse und vereinzelt auch Füchse den Grazer Schloßberg.[23]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Zbiral: Geschichte und Perspektiven der Gartenanlagen. Landschaftsplanung & Gartenkunst DI Andreas Zbiral, Kritzendorf (2003), 20 Blatt, unpaginiert, Volltext online (PDF; 107 KB). – Aus: Karl Adlbauer (Hrsg.): Lebensraum mit Geschichte. Der Grazer Schloßberg. Austria-Medien-Service, Graz 1998, ISBN 3-85333-033-9, s.p.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Graz/Innere Stadt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Freiherr von Welden: Neue Anlagen zur Verschönerung des Schloßberges in Grätz. In: Allgemeine Bauzeitung, Jahrgang 1840, V. Jahrgang, S. 157–162. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/abz.
  2. Ludwig Freiherr von Welden: Über die schönsten Punkte in der Umgebung von Grätz, und die Maßregeln, welche getroffen sind, dieselben dem Naturfreunde zugängig und genußreich zu machen. In: Allgemeine Bauzeitung, Jahrgang 1840, V. Jahrgang, S. 32–36. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/abz.
  3. Vom Grazer Radiosender. In: Arbeiterwille, Nr. 52/1925 (XXXLI. Jahrgang), 22. Februar 1925, S. 5, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/awi.
  4. Der neue Großsender bei Graz. In: Arbeiter-Zeitung, Nr. 168/1929 (XLII. Jahrgang), 19. Juni 1929, S. 6, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/aze;
    Oskar CzeijaRadio-Graz zum Geleit. In: Radio Wien, Nr. 15/1938 (XIV. Jahrgang), 7. Jänner 1938, S. 1 (unpaginiert). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/raw.
  5. Stefan Karner: Die Steiermark im Dritten Reich 1938–1945. 3. Auflage. Leykam, Graz 1986, ISBN 3-7011-7302-8, S. 394.
  6. Aus der Heimat. (…) Eine Tropfsteinhöhle im Grazer Schloßberg. In: Agrarische Post. Wochenblatt für die Landbevölkerung der Donau- und Alpengaue, Nr. 14/1944 (XX. Jahrgang), 1. April 1944, S. 5, Mitte oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/agp.
  7. Heimo Hofgartner, Katia Schurl, Karl Stocker: Berg der Erinnerungen. Die Geschichte der Stadt ist die Geschichte ihrer Menschen. Katalog zur Ausstellung im Stollensystem des Grazer Schloßberges, 22. März bis 28. September 2003. Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas Organisations GmbH, Graz 2003, ISBN 3-9501666-6-1.
  8. "Alte" Löwen in Graz
  9. Grazer Lokalnachrichten. (…) Der Grazer Schloßberg. In: Arbeiterwille, Nr. 91/1913 (XXIV. Jahrgang), 4. April 1913, S. 7, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/awi;
    Kleine Chronik. (…) Vom Grazer Schloßberg. In: Wiener Zeitung, Nr. 42/1914 (XLIV. Jahrgang), 21. Februar 1914, S. 6 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  10. Viktor Pruscha (1888–1966): Das Kasemattentheater auf dem Grazer Schloßberg. In: Reichspost, Nr. 151/1937 (XLIV. Jahrgang), 3. Juni 1937, S. 7. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/rpt.
  11. a b Hans SchmidDie Grazer Festspiele auf dem Schloßberg. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 26116 F/1937, 27. Mai 1937, S. 2, Mitte rechts, f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  12. Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich. Journal-Verlag, Lienz 2007, ISBN 3-902128-10-0.
  13. Eröffnung des Schloßbergmuseums. In: Neues Grazer Tagblatt, Erste Morgenausgabe, Nr. 643/1921 (XXXI. Jahrgang), 22. September 1921, S. 4, Mitte oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gtb.
  14. Garnisonsmuseum. In: verwaltung.steiermark.at, 3. Oktober 2014, abgerufen am 15. Juli 2016.
  15. Internationales Haus der Autorinnen und Autoren Graz. In: ihag.org, abgerufen am 14, Juli 2016.
  16. http://www.graz.at/cms/dokumente/10089687_410977/bf4afbe9/080410_antraege2.pdf Sitzung des Gemeinderates vom 10. April 2008, Protokoll, Antrag der KPÖ: Umbenennung des Kriegssteiges am Grazer Schloßberg in Friedenssteig. Abgerufen am 11. Mai 2015.
  17. http://sportnet.at/home/aktivsport/events/675008/Fabelzeit-beim-Stiegenlauf Fabelzeit beim Grazer Stiegenlauf!, 4. Juli 2011. Abgerufen am 11. Mai 2015
  18. Grazer Lokalnachrichten. (…) Der Grazer Schloßberg. In: Arbeiterwille, Nr. 91/1913 (XXIV. Jahrgang), 4. April 1913, S. 7, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/awi.
  19. Aus Oberösterreich und den Nachbarländern. (…) Ein neuer Steig auf den Grazer Schloßberg. In: Tages-Post, Nr. 150/1927 (LXIII. Jahrgang), 5. Juli 1927, S. 4 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/tpt.
  20. Das 50jährige Jubiläum des L(andes)-V(erbandes) für Steiermark. (…) Schloßbergrennen in Graz. In: Sport-Tagblatt. Sport-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes, Nr. 181/1936, Nr. 25278 (LXX. Jahrgang), 3. Juli 1936, S. 4, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wst.
  21. http://www.radland.steiermark.at/cms/dokumente/12249460_20321016/ec5e73c1/Schlossbergman_Presseunterlagen.pdf radland.steiermark.at: Jacob Zurl, Robert Hoiss, Eduard Hamedl: Schlossbergman Pressemappe. Abgerufen 3. Juni 2015.
  22. Schlossbergman. In: schlossbergman.at, abgerufen am 15. Juli 2016.
  23. Karl Adlbauer (Hrsg.), Thomas Ster (Hrsg.): Lebensraum mit Geschichte. Der Grazer Schloßberg. Austria-Medien-Service, Graz 1998, ISBN 3-85333-033-9.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Schreibung des Grazer Schloßbergs mit ß statt ss hat, gestützt auf den Grazer Magistrat, als Eigenname die Rechtschreibreform überdauert.
  2. Neben dem Glockenturm befand sich das aus dem Frühchristentum stammende Kirchlein St. Thomas im Walde. Die Franzosen dürften den geschichtlichen Wert des Bauwerks (wahrscheinlich das älteste der Stadt) erkannt haben, beraubten es nur der Fenster, Türen sowie des Dachs und verschonten das Mauerwerk. Den Restbau verfiel jedoch bald und wurde in der Folge abgetragen. – Siehe: Fred Stark: 800 Jahre Stadt Graz (1128–1928). Historischer Rückblick auf ihre Entstehung und Weiterentwicklung. In: Oesterreichische Gebirgs- und Volks-Trachten-Zeitung. Offizielles Organ des 1. Oesterr(eichischen) Reichsverbandes für Alpine, Volks- und Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Vereine, Nr. 1/1928 (XI. Jahrgang), 1. Jänner 1929, S. 1–5. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vgt.
  3. Die Dachhaut musste jedoch nach kurzer Zeit durch eine Neuentwicklung ersetzt werden, da auf den ursprünglichen Schiebeplanen aufkommender stärkerer Regen eine Veranstaltung akustisch zu sehr beeinträchtigte.
  4. a b Eine bauliche Neugestaltung (der Stallbastei) und Wiedereröffnung als SchloßbergMuseum wäre gemäß einem Projekt des dafür zuständigen Direktors des GrazMuseum für 2015 möglich gewesen. – Robert Preis: So wird der Berg zum Spektakel. In Kleine Zeitung, Graz, 2. Februar 2014.