Great Moon Hoax

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Illustration des 4. Artikels
Vespertilio homo (Fledermausmensch), aus der italienischen Ausgabe der Mond-Ente: Delle Scoperte Fatte Nella Luna del Dottor Giovanni Herschel (Neapel, 1836)

The Great Moon Hoax (deutsch Der große Mond-Schwindel) war eine Serie von sechs Zeitungsartikeln, die ab dem 25. August 1835 in der New York Sun erschienen und über die angebliche Entdeckung von Leben auf dem Mond berichteten.

Der große Mondschwindel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Artikelserie, die unter dem Titel „Great astronomical discoveries lately made by Sir John Herschel, L.L.D. F.R.S. &c. At the Cape of Good Hope [From Supplement to the Edinburgh Journal of Science]“ begann, schilderte zunächst die angeblichen astronomischen Entdeckungen Sir John Herschels in seinem ab 1834 errichteten Observatorium am Kap der Guten Hoffnung, die er „mit Hilfe eines Teleskops mit gewaltigen Abmessungen und eines völlig neuen Prinzips“ gemacht haben sollte. Herschel habe, so hieß es, eine „neue Theorie von Kometenphänomenen“ aufgestellt, er habe Planeten in anderen Sonnensystemen entdeckt, und er habe „nahezu jedes herausragende Problem der mathematischen Astronomie gelöst oder korrigiert“. Außerdem hieß es, der berühmte Wissenschaftler habe Leben auf dem Mond entdeckt.

Am Montag, dem 31. August 1835 schwärmte Richard Adams Locke, dem gewöhnlich die Autorenschaft an der legendären Zeitungsente zugeschrieben wird: „Von dort aus durchquerten wir das Land südostwärts, bis wir am Atlas (Nr. 6) ankamen, und es war in einem der erhabenen Täler am Fuße dieses Berges, wo wir die höchst überlegene Spezies des Fledermausmenschen (Vespertilio homo) fanden. Von der Statur her übertrafen sie nicht jene zuletzt beschriebenen, aber sie waren von unendlich größerer persönlicher Schönheit, und sie erschienen in unseren Augen kaum weniger lieblich als die üblichen Darstellungen von Engeln durch die phantasievolleren Malerschulen.“[1]

Als die vermeintliche Existenz von Menschen auf dem Mond sensationsheischend und öffentlichkeitswirksam enthüllt war, verkündete der Herausgeber der Sun Benjamin Day, dass sein Blatt mit 19.360 Exemplaren die höchste Auflage aller Zeitungen weltweit habe. Viele der konkurrierenden Verleger druckten die Serie eilig nach. Die Geschichte sorgte drei Wochen lang für so erheblichen Aufruhr, dass eine Missionsvereinigung in Springfield, Massachusetts ernsthaft erwogen haben soll, Missionare zum Erdtrabanten zu entsenden, um die Fledermausmenschen zu bekehren.

In den Vereinigten Staaten gilt die „große Mondente“ in dem New Yorker Blatt als das erste Beispiel einer großangelegten und bewussten Fälschung im Zeitungsjournalismus. Erst am 16. September 1835 räumte die Sun die Fälschung ein, die Öffentlichkeit reagierte größtenteils amüsiert. Nicht zuletzt wegen dieses Umstands ist der skurrile Schwindel einer der bekanntesten der gesamten Mediengeschichte.

Carl Friedrich Gauß und der Mondschwindel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der große Mathematiker Carl Friedrich Gauß hielt seinen französischen Berufskollegen Joseph Nicolas Nicollet, der 1832 nach Amerika ausgewandert war, noch 1844 für den Urheber des Mondschwindels, der auch in Europa Furore gemacht hatte. Einige Jahre nach dem Skandal schrieb Gauß in einem Brief an seinen Sohn Eugen Gauß, der seit Ende 1830 in Amerika lebte und dort Nicollet getroffen hatte:[2]

„In einem Deiner früheren Briefe erwähntest Du einmal eines jungen Franzosen namens Nicollet, mit dem Du in Bekanntschaft gekommen seist. Derselbe war vor Zeiten Gehilfe an der Pariser Sternwarte und hat einige nicht verdienstlose Arbeiten geliefert. Aus welchem Grunde er Frankreich hat verlassen müssen, habe ich nicht erfahren. Später (etwa vor 7 oder 8 Jahren) hat er (ich weiß nicht mehr, ob anonym oder mit Nennung des Namens) in einer amerikanischen Zeitung oder Journal einen possenreißerischen Artikel über angebliche wahrhaft unsinnige Entdeckungen, die Herschel auf dem Vorgebirge der Guten Hoffnung gemacht haben sollte, geliefert. Dieser Artikel wurde sogar seinerzeit ins Deutsche übersetzt und gab einen merkwürdigen Beweis, wie sehr plump eine Mystifikation sein kann, ohne die Kraft zu verlieren, viele Leute zum Narren zu haben.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Great Moon Hoax – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Wenzlhuemer: Globalgeschichte schreiben. Eine Einführung in 6 Episoden. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz/München 2017, ISBN 978-3-8252-4765-2, S. 43–78.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. New Inhabitants of the Moon (Museum of Hoaxes)
  2. Brief von Carl Friedrich Gauß an Eugen Gauß, Göttingen, 15. Februar 1844. Abdruck: Florian Cajori: Carl Friedrich Gauss and his children. In: Science, New Series, Jahrgang 9, 1899, Seite 697-704, hier: 700.