Grebenau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Grebenau
Grebenau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Grebenau hervorgehoben
Koordinaten: 50° 45′ N, 9° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Vogelsbergkreis
Höhe: 286 m ü. NHN
Fläche: 55,37 km2
Einwohner: 2401 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner je km2
Postleitzahl: 36323
Vorwahl: 06646
Kfz-Kennzeichen: VB
Gemeindeschlüssel: 06 5 35 006
Stadtgliederung: 7 Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Amthof 2
36323 Grebenau
Webpräsenz: www.grebenau.de
Bürgermeister: Lars Wicke (seit 02.02.2014) (Freie Wähler)
Lage der Stadt Grebenau im Vogelsbergkreis
AntrifttalAlsfeldGrebenauSchlitz (Vogelsbergkreis)KirtorfHomberg (Ohm)Mücke (Hessen)Gemünden (Felda)RomrodSchwalmtal (Hessen)Lauterbach (Hessen)Wartenberg (Hessen)FeldatalLautertal (Vogelsberg)UlrichsteinHerbsteinSchotten (Stadt)GrebenhainFreiensteinauLandkreis Marburg-BiedenkopfSchwalm-Eder-KreisLandkreis Hersfeld-RotenburgLandkreis FuldaWetteraukreisMain-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild

Grebenau ist eine Stadt im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grebenau liegt in 248 bis 501 Meter Höhe nordöstlich des Vogelsbergs etwa 26 km nordwestlich von Fulda im sogenannten Gründchen, an der Einmündung der Schwarza in die Jossa.

Seit 1972, als mit der hessischen Gebietsreform die Landkreise Alsfeld und Lauterbach im Vogelsbergkreis aufgingen, lässt sich der Begriff Gründchen als Synonym für die durch Eingemeindungen erweiterte Stadt Grebenau mit ihren nunmehr acht Stadtteilen räumlich exakt zuordnen.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grebenau grenzt im Norden an die Stadt Alsfeld und die Gemeinde Breitenbach am Herzberg (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), im Osten an die Stadt Schlitz, im Süden an die Stadt Lauterbach, sowie im Westen an die Gemeinde Schwalmtal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großes Wappen Grebenau

Die ältesten Spuren der Besiedlung des Gebietes um Grebenau liefern Bodenfunde aus der Hügelgräberzeit des 2. Jahrtausends vor Christus (Hügelgräber). Die Geschichte von Grebenau ist eng mit der "Straße durch die kurzen Hessen" verbunden. Grebenau war wahrscheinlich um 800 eine karolingische Straßenfeste. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Grebenau unter dem Namen Greuenhowa 1265.[2] Mit der politischen Gliederung wurde auch die Gegend von Hersfeld und Fulda aus um diese Zeit missioniert. Um 1270 wurde von Nidda aus eine Niederlassung der Johanniter gegründet. Im Jahre 1372 kam Grebenau unter landgräflich-hessischen Einfluss, als der Johanniterorden sein Haus in Grebenau für 3000 Schillinge an den Landgrafen verkaufte. Der Orden erhielt es als Pfand aber wieder zurück, und erst nach der Reformation wurde es im Jahre 1571 endgültig hessisch. Mit der Zusammenlegung der beiden Gerichte des sogenannten "hainischen Dorfs" (Wallersdorf, Hof Merlos und Bieben) mit dem Gericht Grebenau zum "Amt Grebenau" erhielt Grebenau am 10. Juni 1605 die Stadtrechte.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung von 1935 verlor Grebenau seine Stadt- und Marktrechte. Erst am 1. September 1958 erhielt sie diese zurück, gemeinsam mit Romrod und Kirtorf.

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Jüdische Gemeinde Grebenau

Im 19. Jahrhundert war Grebenau die Stadt mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil in Hessen.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Eulersdorf, Reimenrod, Schwarz, Udenhausen und Wallersdorf in die Stadt Grebenau eingegliedert. Am 1. August 1972 kam auch Bieben mit Merlos hinzu.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Grebenau unterstand im Überblick:[4][2]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Grebenau durch das Amt Grebenau. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Grebenau zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[11] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1961: 743 evangelische (= 80,24 %), 143 katholische (= 15.44 %)Einwohner
Grebenau: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
  
602
1834
  
818
1840
  
802
1846
  
795
1852
  
816
1858
  
650
1864
  
674
1871
  
651
1875
  
659
1885
  
639
1895
  
652
1905
  
656
1910
  
640
1925
  
679
1939
  
676
1946
  
1.034
1950
  
1.056
1956
  
909
1961
  
926
1967
  
885
1970
  
931
1972
  
3.017
1976
  
2.889
1984
  
2.937
1992
  
3.166
2000
  
3.000
2010
  
2.571
2015
  
2.400
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; 1791:[6]; 1972:[12]; 1976:[13]; 1984:[14]; 1992:[15]; 2000, 2015:[16]; 2010:[17]
Ab 1972 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[18] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[19][20]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
    
Insgesamt 15 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 24,7 4 32,0 5 41,6 6 45,1 10
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 18,8 3 25,2 4 36,5 6 31,5 7
Freie Wähler Freie Wähler Gründchen 39,1 6 17,5 2 21,8 3 23,4 6
GL Gründchen-Liste 17,4 2 25,3 4
Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 66,8 68,2 63,6 67,3

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2016 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c d Grebenau, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 5. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 346 und 347.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Die Zugehörigkeit des Amtes Grebenau anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567-1604, Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604-1638 und Hessen-Darmstadt 1567-1866
  6. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 194 ff., 267 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  8. Eva Haberkorn, Friedrich Boss: Kreis Alsfeld 1821 - 1945 (= Repertorien Hessisches Staatsarchiv Darmstadt) Abt. G15 Alsfeld. S. 4 [PDF; 172 KB]. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 1985, abgerufen am 21. Dezember 2017.
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 414 (online bei Google Books).
  10. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 6 ff. (online bei Google Books).
  11. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze  vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. Nr. 1879/15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  12. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. Nr. 1972/33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  13. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. Nr. 1976/52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  14. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. Nr. 1984/46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  15. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. Nr. 1992/44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  16. Gemeindedatenblatt: Grebenau. In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH; (PDF; 222 kB).
  17. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 30. Juni 2010. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 11, archiviert vom Original am 7. Februar 2018; abgerufen am 20. März 2018 (PDF; 552 kB).
  18. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  19. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  20. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grebenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien