Green-Bank-Observatorium

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Green-Bank-Teleskop
Green Bank Telescope.jpg
Betreiber Green Bank Observatory
Standort Green Bank, West Virginia, USA
Inbetriebnahme 22. August 2000
Spektralbereich Radio
Webpage www.greenbankobservatory.org
Eigenschaften
Bauform Parabolische Offsetantenne

mit dynamisch justierbarer Oberfläche

Durchmesser 100–110 m
Reflektorfläche ~ 7.854 m²

Das Green-Bank-Observatorium ist eine zum Teil staatlich geförderte Forschungs- und Entwicklungsorganisation für Radioastronomie mit Sitz in Green Bank im US-Bundesstaat West Virginia.

Das Hauptinstrument des Green-Bank-Observatoriums ist das Robert-C. Byrd-Green-Bank-Teleskop (GBT). Es ist mit 100 × 110 Metern Durchmesser das größte voll bewegliche Radioteleskop der Welt.

Mit der Inbetriebnahme verdrängte es nach 29 Jahren das deutsche Radioteleskop Effelsberg von der Spitze der Liste der größten voll beweglichen Radioteleskope der Welt. Das GBT befindet sich in der National Radio Quiet Zone, in der der Betrieb der meisten Quellen von Radiowellen streng reglementiert bzw. untersagt ist. Im Nahbereich sind nur Dieselfahrzeuge gestattet, da diese keine Zündkerzen haben und somit keine elektromagnetischen Störungen verursachen.

Das Observatorium wurde bis 30. September 2016 vom National Radio Astronomy Observatory, mit Hauptsitz in Charlottesville, Virginia, betrieben. Seit 1. Oktober 2016 ist das Green-Bank-Observatorium nicht mehr Teil von NRAO, sondern ein eigenständiges Observatorium (Green Bank Observatory).[1] Die Finanzierung erfolgt zwar zum größten Teil noch staatlich gefördert, aber nun zum Teil auch durch private Projekte. Das größte private Projekt ist derzeit das nach Signalen möglicherweise existierender technischer Zivilisationen im All suchende Project Breakthrough Listen. Seit Januar 2016 werden 20 Prozent der Beobachtungszeit des GBT für Breakthrough Listen eingesetzt.[2]

Im November 1961 fand im Green-Bank-Observatorium die erste SETI-Konferenz von Wissenschaftlern verschiedener Bereiche statt.[3][4] Dort wurde über mögliches Leben im All und die Suche danach diskutiert. Ein Resultat dieses Treffens ist die sogenannte Drake-Gleichung.

300 foot Radio Telescope[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 300-Fuß-Radioteleskop, 1988
Am Tag nach dem Kollaps, 1988

In den Jahren 1961 und 1962 wurde in Green Bank ein 300 Fuß (90 Meter) großes Radioteleskop errichtet, das damals größte Radioteleskop der Welt. Dieses wurde Anfang der 1970er Jahre mit einer verbesserten Oberfläche und einem abgeschirmten Kontrollraum ausgestattet. Durch das Versagen eines konstruktiven Elements kollabierte dieses Teleskop am 15. November 1988 um 21.43 Uhr. Über die Datenaufzeichnung konnte die Ausbildung eines Risses rekonstruiert werden. Es konnte nur einachsig – nord- bis südwärts – verschwenkt werden. Es arbeitete ähnlich einem Transitinstrument mit 40 Sekunden Transitdauer. Durch eine Verschiebbarkeit des Empfängers im Brennpunkt der Schüssel konnte jedoch die Erddrehung ein Stück weit kompensiert und so ein Punkt am Fixsternhimmel immerhin einige Minuten anvisiert werden.[5]

Als Ersatz wurde das oben genannte Robert-C.-Byrd-Green-Bank-Teleskop errichtet.

Weitere Radioteleskope[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Green-Bank-Teleskop gibt es auf dem Gelände des Observatoriums noch eine Anzahl weiterer älterer Radioteleskope, die zum Teil noch für wissenschaftliche Projekte oder zu Ausbildungszwecken verwendet werden. Außerdem gibt es ein neues Besucherzentrum mit Ausstellungen zum Thema Radioastronomie und zur Geschichte des Standorts Green Bank. Zum Observatorium gehört eine Landebahn für Flugzeuge.

  • 140-Foot-Teleskop[6]
  • 20-Meter-Teleskop[7]
  • 40-Foot-Teleskop[8]
  • 45-Foot-Teleskop[9]
  • Tatel-Teleskop (85 Foot)[10]
  • Reber-Teleskop[11]
  • Green Bank Interferometer, bestehend aus drei 85-Foot-Teleskopen, darunter zwei beweglichen auf Rädern.[12]

Das Reber-Teleskop ist seit November 1972 als Struktur im National Register of Historic Places eingetragen.[13] Im Dezember 1989 erhielt das Teleskop den Status eines National Historic Landmarks.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Green Bank Telescope – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NRAO Structural Changes: Announcing the Separation of the Green Bank Observatory and the Long Baseline Observatory. In: Associated Universities, Inc. 29. März 2016.
  2. Green Bank Telescope Joins 'Breakthrough Listen' to Vastly Accelerate Search for Intelligent Life in the Universe, NRAO, 20. Juli 2015
  3. Sebastian von Hoerner: Sind wir allein? - SETI und das Leben im All. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49431-5, S. 151–152
  4. Green Bank conference (1961) (Memento des Originals vom 18. Mai 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.daviddarling.info daviddarling.info (abgerufen 24. Januar 2010)
  5. 300-foot Telescope public.nrao.edu, abgerufen 12. Juli 2020.
  6. 140 ft - Green Bank Observatory. In: Green Bank Observatory. (greenbankobservatory.org [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  7. 20m - Green Bank Observatory. In: Green Bank Observatory. (greenbankobservatory.org [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  8. 40 ft - Green Bank Observatory. In: Green Bank Observatory. (greenbankobservatory.org [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  9. 45 ft - Green Bank Observatory. In: Green Bank Observatory. (greenbankobservatory.org [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  10. Tatel Telescope - Green Bank Observatory. In: Green Bank Observatory. (greenbankobservatory.org [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  11. Reber Telelescope - Green Bank Observatory. In: Green Bank Observatory. (greenbankobservatory.org [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  12. GBI - Green Bank Observatory. In: Green Bank Observatory. (greenbankobservatory.org [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  13. Reber Radio Telescope im National Register of Historic Places, abgerufen am 12. März 2020.
  14. Listing of National Historic Landmarks by State: West Virginia. National Park Service, abgerufen am 12. März 2020.

Koordinaten: 38° 25′ 59,3″ N, 79° 50′ 23,4″ W