Green Boots

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Green Boots 2010

Green Boots ist die Bezeichnung für die Leiche eines Bergsteigers am Mount Everest (8848 m), die sich über viele Jahre in einem Felsvorsprung beim Aufstieg über die Nordroute in etwa 8500 Metern Höhe befand. Die Identität des Toten ist nicht abschließend geklärt, es wird aber als fast sicher angenommen, dass es sich um den indischen Bergsteiger Tsewang Paljor handelte.

Tsewang Paljor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tsewang Paljor war ein Mitglied der Expedition des Indo-tibetischen Grenzschutzes, die am 10. Mai 1996 den Aufstieg über die Nordroute antrat. Von den ursprünglich 40 Mitgliedern befanden sich noch sechs im Hochlager 6 und begannen um 5:45 Uhr den Aufstieg. Am Nordostgrat kehrten drei der Bergsteiger aufgrund eines schweren Wetterumschwungs um; Tsewang Paljor, Tsewang Smanla und Dorje Morup stiegen jedoch weiter. Sie meldeten die Gipfelbesteigung per Funk um 15:45 Uhr, allerdings wird angenommen, dass sie einen Nebengipfel mit dem eigentlichen Gipfel des Mount Everest verwechselten, da zum Beispiel ihre Wetterschilderungen nicht mit denen von anderen Bergsteigern, die über die Südroute aufstiegen, übereinstimmten. Beim Abstieg unter extremen Wetterbedingungen kamen alle drei Bergsteiger ums Leben. Die Leiche von Tsewang Paljor wurde am First Step lokalisiert; aufgrund der markanten neongrünen Bergstiefel wurde der Tote als „Green Boots“ bekannt.[1]

Am 11. Mai 1996, einen Tag nach der indischen Expedition, startete eine Gruppe von zwei japanischen Bergsteigern und drei Sherpas auf den Gipfel. Während des Aufstiegs stießen sie auf die drei verunglückten Inder, unternahmen jedoch aufgrund des schlechten Zustands der Verunglückten keinen Rettungsversuch und stiegen weiter. Beim Abstieg waren die Inder tot bzw. verschwunden. Das Verhalten der japanischen Expedition löste weltweit negative Reaktionen aus, wurde aber auch von erfahrenen Bergsteigern akzeptiert, da sich die Verunglückten in zu großer Höhe und zu schlechtem Zustand befanden, zudem war das Wetter extrem schlecht, so dass eine Rettung eher unwahrscheinlich gewesen wäre.[2]

Die Leiche von Tsewang Paljor verblieb über 18 Jahre am First Step. In dieser Zeit wurde der Körper mehrfach umgelagert, da die Aufstiegsroute direkt an ihm vorbeiführte. Im Jahr 2014 berichteten Bergsteiger, dass Green Boots verschwunden sei. Der Verbleib der Leiche ist ungeklärt, es wird angenommen, dass der Körper vom Berg gestoßen wurde.[3][4]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Gipfel des Mount Everest verunglückten (Stand 2021) über 300 Bergsteiger tödlich. Die meisten von ihnen starben aufgrund plötzlicher Wetterumschwünge, an Erschöpfung, an der Höhenkrankheit oder bei Abstürzen. Viele der Toten starben in der sogenannten Todeszone in einer Höhe von über 7000 Metern, in der ein längerer Aufenthalt wegen des geringen Sauerstoffgehalts in der Luft selbst für trainierte und ausreichend akklimatisierte Menschen lebensgefährlich ist.[5]

Viele der Opfer in der Todeszone können nicht geborgen werden, da der Abtransport der Leichen zu gefährlich für die Retter ist, außerdem wären die Kosten für eine Bergung sehr hoch. Da der Permafrost die Toten konserviert, dienen einige der verunglückten Bergsteiger als regelrechte Wegmarken beim Auf- bzw. Abstieg. Sherpas bezeichnen den Aufstieg auf den Gipfel des Mount Everest teilweise als „Leichengasse“. Neben Green Boots galt zum Beispiel die Leiche von Hannelore Schmatz, der ersten deutschen Bergsteigerin auf dem Everest, als Wegmarke, da ihr Körper in sitzender Position an ihren Rucksack gelehnt beim Anstieg über den Südsattel passiert werden musste.[3][6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Green Boots – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Titus Arnu: Der höchste Friedhof der Welt. Süddeutsche Zeitung, 15. April 2019, abgerufen am 14. September 2021.
  2. Richard Cowper: The Climbers left to die in the storms of Everest. The Financial Times Limited, 18. Mai 1996, abgerufen am 14. September 2021 (englisch).
  3. a b Dominique Rais: Die Leichen sind für uns wie Wegweiser zum Gipfel. Blick, 23. September 2017, abgerufen am 13. September 2021.
  4. Matthias Thome: Der Weg auf das Dach der Welt führt über Müllberge und Leichen. GEO Magazin, 22. Februar 2021, abgerufen am 14. September 2021.
  5. Solveig Bach: Am Everest führt der Weg über Leichen. n-tv, 29. Mai 2019, abgerufen am 13. September 2021.
  6. Wolfgang Hauskrecht: Im Zweifel: unten bleiben. Frankfurter Rundschau, 5. Juni 2019, abgerufen am 13. September 2021.