Greene (Einbeck)

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Greene
Stadt Einbeck
Wappen von Greene
Koordinaten: 51° 51′ 32″ N, 9° 56′ 35″ O
Höhe: 104 m ü. NHN
Einwohner: 1487 (1. Jan. 2017)
Eingemeindung: 1. März 1974
Eingemeindet nach: Kreiensen
Postleitzahl: 37574
Vorwahl: 05563
Greene (Niedersachsen)
Greene

Lage von Greene in Niedersachsen

Blick auf den östlichen Ortsrand
Blick auf den östlichen Ortsrand

Der Flecken Greene ist eine Ortschaft der Stadt Einbeck.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Greene liegt direkt an der Leine im Norden des Höhenzugs Hube. Den Ort durchqueren die Landesstraße 487, die Bundesstraße 64 und die Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merian-Stich von Greene mit Burg (1654)

Erste urkundliche Erwähnung durch Otto II. fand der Ort im Jahr 980. Eine Wallburg auf einer Anhöhe zwischen Greene und Ippensen, die Hüburg, deutet allerdings auf eine frühere Ansiedlung hin. Der Ort wurde an einem Handelsweg angelegt. Die Leine wurde anfangs per Furt überquert, für 1062 ist aber bereits eine Brücke dokumentiert. Die Burg Greene, 1308 errichtet, wurde im Jahr 1495 Sitz des Herzoglichen Amtes Greene im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Jahr 1732 erhielt Greene das Marktrecht durch Herzog Ludwig Rudolf. Von 1807 bis 1813 war Greene Hauptort im Kanton Greene. Ein Postreiter zwischen Braunschweig und Holzminden wurde 1743 von einer fahrenden Post auf gleicher Strecke abgelöst. Man kann davon ausgehen, dass es damals bereits eine Postwärterei in Greene gab. Zu weiteren Details bezüglich der Entwicklung des Postwesens in Greene siehe: Postroute Braunschweig-Göttingen.

Im 20. Jahrhundert wurde direkt im Leinetal, am Nordrand von Greene, mit Blick auf den Eisenbahnviadukt und die Greener Burg das Baugebiet „Löberfeld“ ausgewiesen.[1]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die niedersächsische Verwaltungs- und Gebietsreform wurde Greene am 1. März 1974 mit 15 weiteren ehemaligen Gemeinden ein Ortsteil der Gemeinde Kreiensen,[2] die zum 1. Januar 2013 mit Einbeck fusionierte.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat von Greene setzt sich aus sieben Ratsherren der folgenden Partei zusammen:[3]

  • WG „Greener Liste“: 7 Sitze

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbürgermeister ist Frank-Dieter Pfefferkorn.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Greene stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften entworfen hat.[4] Das Wappen wurde am 14. Februar 1962 vom Gemeinderat beschlossen und die Genehmigung wurde am 29. August desselben Jahres durch den braunschweigischen Verwaltungspräsidenten erteilt.[5]

Wappen von Greene (Einbeck)
Blasonierung: „In Blau, über grünem Schildfuß eine silberne Zinnenmauer überragt von einem silbernen gezinnten Turm, auf dem Schildfuß ein senkrecht gestellter Dreieckschild mit von Blau und Silber gestücktem Bord, darin in Rot ein steigender, rechtsgerichteter goldener Löwe.“[5]
Wappenbegründung: Die symbolisierte Burg deutet auf die Burg Greene hin, die einst Mittelpunkt eines größeren Gebietes war. Sie wurde im Jahre 1308 von den Edelherren von Homburg zur Sicherung ihres umfangreichen Besitzes errichtet. Der abgebildete Dreiecksschild ist dem Wappenschild dieser Edelherren entlehnt. Die Burg wurde 1553 und im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1694 schließlich abgebrochen. Am 1. März 1974 wurde Greene in die Ortschaft Kreiensen eingegliedert, die ihrerseits einen Platz für den Homburger Löwen in ihrem aktuellen Wappen eingeräumt hat. So wird Kreiensen das geschichtliche Erbe von Greene in die Zukunft weitertragen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ev. St. Martinskirche
Heimatmuseum Greene
Eisenbahnviadukt
  • Die St.-Martins-Kirche wurde 1439 an Stelle einer romanischen Kirche erbaut, deren Zerstörung im Jahr 1424 mit Ansprüchen Hildesheims auf das von den Welfen reklamierte Homburger Erbgut zusammenhängt.[6][7] Die Herren von Rauschenplatt stifteten diese Kirche gemäß einer Inschrift an der Südwand. 1575 wurde der Bau um einen achteckigen Turmaufsatz erweitert. 1690 wurden Chorraum und Fenster vergrößert. 1935 bekam der Turm eine neue Schieferdeckung. 1977 fand eine weitere Renovierung statt.
  • Das evangelisch-lutherische Pfarrhaus am Kirchplatz ist ein historisches Fachwerkhaus mit sehenswerten ornamentalen Schnitzereien.[8]
  • Die Villa des königlich preußischen Generalleutnants a. D. Wilhelm von Dehn-Rotfelser (1850–1932), Sohn des Architekten der Gemäldegalerie Kassel von 1870 Heinrich von Dehn-Rotfelser.[9]
  • Die Burg Greene wurde im Jahr 1308 von den Edlen von Homburg errichtet und 1694 mit der Dezember-Anordnung der Braunschweiger Herzöge Rudolf August und Anton Ulrich aufgegeben. Der Turm beherbergt heute ein Denkmal für die Heimkehrer aus russischen Kriegsgefangenenlagern und die, die dort umgekommen sind.
  • Das Heimatmuseum im ehemaligen herzoglich braunschweiglichem Domänenhof, Steinweg 24. Eine historische Vierflügelanlage aus der Zeit um 1700 mit Freiflächen, ehemaliges Amtshaus 1875/76, von Johann Caspar von Völcker entworfen, später zeitweise Nutzung als Gefängnis, und ein ehemaliges Scheunengebäude, tiefgreifend umgebaut. Im nördlichen Flügel des Domänengebäudes wurde von 1820 bis 1963 Greener Kornbranntwein hergestellt.
  • Das 34 Meter hohe Luhetal-Viadukt wurde 1865 aus Dolomit vom Höhenzug Selter nach Franz von Rzihas Plänen gebaut.
  • Der Hirschsprung im Greener Wald zwischen Greene und Holtershausen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zum 285. Mal wurde vom 6. bis 8. Oktober 2017 der Greener Jahrmarkt auf dem Domänengelände (Amtshof) in Greene abgehalten. Auch dieser wurde wieder eröffnet mit dem obligatorischen Ruf „Prost Jahrmarkt“.[10]
  • Alljährlich findet unter Mithilfe und Aufsicht der Feuerwehr Greene ein Osterfeuer an der alten Apotheke in Greene statt. Traditionell erfolgt der Aufbau des dafür notwendigen Gerüstes am Gründonnerstag.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fischaufstiegsanlage von 2010/11 am ca. 50 m langen Streichwehr der Leine (sog. Leinewehr, bzw. Überfall). Dieses Querbauwerk ermöglicht hier den wandernden Fischen und Wirbellosen einen durchgängigen Aufstieg im Fischpass. Auch war dieser Bau eine der Voraussetzungen für die wasserrechtliche Betriebserlaubnis für die Turbine der Wasserkraftanlage Greene im unmittelbar nahen, ca. 100 m langen vormaligen Mühlengraben, der mit Stahlspundwänden und Stahlbeton erneuert wurde. Dieser historische Mühlengraben ermöglichte früher den Betrieb einer Mühle und treibt seitdem eine Turbine zur Stromerzeugung an.[11][12][13]
  • Ein alter Aussiedlerhof in Greene, Unter dem Hirschsprung 3, wurde 2011 zu einer modernen Reitanlage mit Schwerpunkt Westernreiten umgebaut. Bereits von 1829 bis 1960 war in Greene eine der ältesten Deckstationen des Herzoglich Braunschweigischen Gestüts untergebracht.
  • Das historische Elektrizitätswerk von Greene war das erste Überlandwerk im Herzogtum Braunschweig. Es wurde von Christian Strote im Jahre 1902 in der Marktstraße 18 an der Leine gebaut und versorgte damals dank der Wasserkraft der Leine 30 Ortschaften der Umgebung mit Strom und Licht. Vordem stand dort ein sehr altes Mühlengebäude. Um 1880 wurde zunächst die Ölmühle und dann 1901 die dortige Sägemühle stillgelegt, sowie 1923 auch noch eine dortige Mahlmühle. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Hannover-Braunschweigische Stromversorgungs-AG (Hastra), 1999 in Avacon aufgegangen, die Stromversorgung dieses Überlandwerkes. In der historischen Halle in Greene wurde danach ein Zweigbetrieb der Werkzeugfabrik Carl Bruns Kreiensen eingerichtet, der bis Kriegsende Tragflächen für die Focke-Wulf Ta 154 herstellte.[14]
  • Das 1972 erbaute, mit 29 °C Wassertemperatur beheizte Hallenbad Greene mit einer Wasserfläche von 10 × 25 m wurde bis 1993 von der Gemeinde Kreiensen betrieben. Als das Bad geschlossen werden sollte, übernahm die Bürgerinitiative des Fördervereins Hallenbad Greene e. V. den Badebetrieb.
  • Seit 1839 wird der Wasserstand der Leine an der Pegelstation in Greene zwecks Erkennung von Hochwassergefahren aufgezeichnet. Aktuell besteht ein Pegelhaus in einer massiven Einfriedung.[15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Caspar von Völcker (1655–1730), Ingenieur, Architekt, Braunschweiger Festungsbaudirektor und Generalmajor, er plante einen von 1696 bis 1704 errichteten Domänenbau in Greene
  • Friedrich Stegen (1815 oder 1818–1875), Arbeiterfunktionär, Buchdrucker und 1849 Mitbegründer der Norddeutschen Arbeitervereinigung, brachte u. a. den Allgemeinen Anzeiger für das Amt Greene heraus
  • Franz von Rziha (1831–1897), Eisenbahn- und Tunnelbauer und Erfinder, er entwarf die Pläne für den 1865 errichteten Luhetal-Viadukt bei Greene

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ehlers: Greene im Wandel der Zeiten. Heimat- und Verkehrsverein Greene, 1967.
  • St.-Martins-Kirche Greene (Hrsg.): Festschrift zur Wiedereinweihung am 12. Oktober 1980. Greene 1980, 24 Seiten, Stadtbibliothek Braunschweig, Brosch. II 5025.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Greene (Einbeck) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das neue Bauplatzgebiet „Löberfeld“ in Greene. In: Internetseite der Stadt Einbeck. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 269.
  3. a b Der Ortsrat von Greene. In: Internetseite der Stadt Einbeck. Abgerufen am 20. Juli 2018 (PDF; 33 kB).
  4. Landkreis Hannover: Wappenbuch Landkreis Hannover. Im Selbstverlag des Autors veröffentlicht, Hannover 1985.
  5. a b Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch – Mit Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Eckensberger & Co, Braunschweig 1977, S. 27.
  6. Franziskus Lubecus, Reinhard Vogelsang (Bearb.): Göttinger Annalen: Von den Anfängen bis zum Jahr 1588. Hrsg.: Stadt Göttingen (= Quellen zur Geschichte der Stadt Göttingen. Band 1). Wallstein Verlag, 1994, ISBN 3-89244-088-3, S. 148 (google.de – In: Google Books).
  7. Friedrich Wilhelm Ebeling: Die deutschen Bischöfe bis zum Ende des sechszehnten Jahrhunderts. Band 1. Otto Wigand Verlag, Leipzig 1858, S. 520 (google.de – In: Google Books).
  8. Historisches evangelisch-lutherisches Pfarrhaus in Greene. In: Internetseite evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig. S. 8–10, abgerufen am 20. Juli 2018 (PDF; 10,3 MB).
  9. Villenbauherr Wilhelm von Dehn-Rotfelser (1850-1932). Sohn des Heinrich von Dehn-Rotfelser. In: Internetseite Geneanet. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  10. 285. Greener Jahrmarkt. In: Internetseite der Stadt Einbeck. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  11. Fischaufstiegsanlage (FAL) am Leine-Wehr in Greene. In: Internetseite Limna. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  12. Bilder zur Fischaufstiegsanlage (FAL) am Leine-Wehr in Greene. In: Internetseite Limna. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  13. Historische Aufnahme von 1941 der Alten Mühle und des E-Werkes von Greene. In: Internetseite Bildindex. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  14. Frank Baranowski: Bad Gandersheim, Außenkommando der Heinkel-Werke. In: Internetseite NS-Zwangsarbeit. Archiviert vom Original am 31. Oktober 2009; abgerufen am 20. Juli 2018.
  15. Greener Pegel. In: Internetseite Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Abgerufen am 20. Juli 2018.