Gregor Ritzsch

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Gregor Ritzsch (* 1584 in Skytal, Böhmen; † 15. April 1643 in Leipzig) war ein Buchdrucker und evangelischer Kirchenliederdichter der Barockzeit.

Leben[Bearbeiten]

Ritzsch kam 1600 als 16-jährige Vollwaise zu seinem Onkel, dem Leipziger Buchdruckereibesitzer Michael Lantzenberger in die Lehre, ging dann auf die Wanderschaft, kehrte 1610 zurück, um eine Leipzigerin zu heiraten und 1612 die Druckerei zu übernehmen. Unter seiner Leitung entwickelte sie sich zu einer der größten Leipzigs, und brachte ihn zu Vermögen und Ansehen. Haupteinkommensquelle war die Produktion einer riesigen Zahl der damals modischen Leichenpredigten, die jeweils mit einem Anhang von Trauergedichten, den sogenannten Epicedien versehen wurden.

Gregor Ritzsch war der Verfasser zahlreicher Kirchenlieder von tiefer Frömmigkeit, auch Herausgeber ganzer Gesangbücher. Seine Lyrik zeugt von den Ereignissen des Dreißigjährigen Kriegs, in die Leipzig durch die Schlacht bei Breitenfeld (1631) und nochmals durch die Schlacht bei Lützen (1632) unmittelbar verwickelt wurde. Während der Kampfhandlungen, bei denen der Schwedenkönig Gustav Adolf sein Leben einbüßte, wurde auch Ritzschs vor den Stadtmauern gelegene Druckerei in Mitleidenschaft gezogen. Sein Lied „Ich hab' den Schweden mit Augen geseh[e]n, er tut mir wohl gefallen“ wurde von Clemens Brentano in Des Knaben Wunderhorn aufgenommen. Zur Wiedereröffnung der Druckerei 1633 präsentierte Paul Fleming eine umfangreiche Alexandrinerdichtung.

Die hohe Wertschätzung des Nestors der deutschen Buchdrucker zeigte sich, als Ritzsch 1640 zur zweihundertsten Wiederkehr der Erfindung der Buchdruckerkunst eine Festschrift veröffentlichte, weltweit die erste ihrer Art. Aus allen Teilen Deutschlands beteiligten sich die Dichter mit poetischen Beiträgen, darunter Christian Brehme, Christian Gueintz, Johannes Heermann, Martin Rinckart, und Wolfhart Spangenberg.

Nach Ritzschs Tod 1643 wurde die Druckerei von seinem ebenfalls dichterisch begabten Sohn Timotheus Ritzsch übernommen, der die erste Tageszeitung der Welt herausgab. Sein Enkel war der Dichter David Elias Heidenreich.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Ein güldener Zeiger oder Hertzkleinod. Leipzig 1625
  • (Hrsg.) Geistliche Lieder ... von ... Martino Luthero und andern geistreichen Männern. Leipzig 1627
  • Passion Spiegel vom Leyden Jesu Christi. Leipzig 1628
  • Jubilaeum Typographorum oder zweyhundertjähriges Buchdrucker-Jubelfest. Leipzig 1640

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Ernst Kroker: Leipzig in Liedern und Gedichten des 30jährigen Krieges, in: Schriften des Vereins für Geschichte Leipzigs, 5 (1896), 31-99
  • Stephen Rose: Music Printing in Leipzig during the Thirty Years War, in: Notes, 61.2 (2004), 323-349
  • Georg Witkowski: Geschichte des literarischen Lebens in Leipzig. Leipzig 1909
  • J. Braun: Ritzsch, Gregorius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 705.

Werk- und Literaturverzeichnis[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]