Gregor X.

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Elfenbeinmedaillon aus der Kathedrale Notre-Dame de Paris mit einer Darstellung von Papst Gregor X. (18. Jahrhundert)

Gregor X. (* 1210 in Piacenza als Tebaldo Visconti; † 10. Januar 1276 in Arezzo) war Papst von 1271 bis 1276.

Vor seinem Pontifikat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tebaldo Visconti kam um 1236 in Kontakt mit dem Kardinal Jacopo da Pecorara, für den er anschließend arbeitete. Im Jahr 1246 wurde er Archidiakon von Lüttich.

Wahl zum Papst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das Amt des Bischofs von Rom nach dem Tod von Papst Clemens IV. fast drei Jahre lang nicht besetzt gewesen war – es war seit Marcellinus die längste Sedisvakanz – wurde Tebaldo Visconti am 1. September 1271 in Abwesenheit zum Papst gewählt, ohne jemals Priester gewesen zu sein. Schuld an diesen Zuständen war Karl von Anjou, König von Sizilien, der seine von ihm abhängigen Kardinäle gegen die Kardinäle ausspielte, die als Gegengewicht zu ihm einen neuen römisch-deutschen König zum Kaiser krönen wollten. In dieser Zeit festigte Karl sein tyrannisches Regime, verlor aber sein Hauptziel, die Eroberung von Byzanz, nicht aus den Augen.

Zum Zeitpunkt seiner Wahl befand Gregor X. sich noch mit dem Heer Eduards I. von England auf dem Siebten Kreuzzug in Palästina. Dort beauftragte er angeblich als neu gewählter Papst in Akkon die drei schon auf ihrem Weg zum Mongolenherrscher befindlichen Handelsreisenden Niccolò, Maffeo und Marco Polo offiziell, ihre Reise zum Großkhan fortzusetzen, um diesen zum Christentum zu bekehren und als Bündnispartner gegen den Islam zu gewinnen.

Am 13. März 1272 traf Tebaldo Visconti dann in Rom ein, wo er am 19. März zum Priester geweiht und am 27. März als Papst Gregor X. eingesetzt wurde.

Pontifikat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Gregor X., moderne Nachzeichnung

Kirchenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gregor berief das 2. Konzil von Lyon ein, um einen neuen Kreuzzug zu organisieren, konnte jedoch trotz der Zusagen der Könige von England, Frankreich und Sizilien weder genügend Begeisterung entfachen noch ausreichend Geld dafür gewinnen, so dass dieser Kreuzzug nicht zustande kam. Andererseits kam es auf diesem Konzil auf Betreiben Michaels VIII., des Kaisers von Byzanz, zur Wiedervereinigung der Ost- mit der Westkirche. Kaiser Michael wollte sich durch die Union vor den Expansionsgelüsten König Karls, der natürlich gegen diese Union war, schützen. König Karl nannte sich derweil König von Albanien und setzte seine Eroberungspolitik in Griechenland fort. Diese Union kam trotz des Widerstandes des byzantinischen Klerus und des byzantinischen Volkes zustande. Doch der Hass der Byzantiner auf Lateinertum und Westen, besonders wegen der im Vierten Kreuzzug begangenen Verbrechen, war zu groß. Darum konnte sich Kaiser Michael trotz Unterdrückungsmaßnahmen am Ende nicht durchsetzen. Sein Sohn und Nachfolger Andronikos II. Palaeologos widerrief schließlich nach seinem Amtsantritt 1282 die Union. Der Papst konnte am Ende nur einen kurzen Waffenstillstand zwischen Kaiser Michael und König Karl vermitteln.

Das aus heutigem Gesichtspunkt bekannteste Ergebnis der Synode dürfte jedoch das Dekret Ubi periculum gewesen sein, in dem die Papstwahl zehn Tage nach dem Tod des alten Papstes angesetzt und das Konklave eingeführt wurde, um die Zeit bis zur Wahl eines neuen Papstes zu verkürzen. Damit war es den Kardinälen bis zur erfolgreichen Papstwahl nicht mehr erlaubt, die Räumlichkeiten zu verlassen, in denen sie sich für dieses Vorhaben trafen.

Weltliche Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gregor setzte sich für die Beilegung der Streitigkeiten unter den Fürsten in Italien und Deutschland ein. Er verfasste selbst eine Schrift, um Guelfen und Ghibellinen zu versöhnen, und arbeitete auch auf die Beendigung des Interregnums in Deutschland hin. Der neue französische König Philipp III. von Frankreich wollte die Kaiserwürde für sich. Der Papst lehnte jedoch diese Forderung strikt ab. Auch Ottokar II. von Böhmen verweigerte er die Unterstützung für die deutsche Königskrone. Er kündigte stattdessen den Kurfürsten an, dass er einen deutschen König bestimmen würde, sollten sie sich nicht entscheiden können - wobei das ausschlaggebende Motiv für das Drängen Gregors in dessen Suche nach Unterstützung für seinen geplanten Kreuzzug gesehen werden muss. Daraufhin wurde am 1. Oktober 1273 Graf Rudolf von Habsburg in Frankfurt am Main gewählt und am 24. Oktober in Aachen gekrönt. Nach langen Verhandlungen erreichte der Papst den Verzicht Alfons’ X. auf die deutsche Krone. Gregor versuchte vergeblich ein Bündnis zwischen König Rudolf und König Karl zu vermitteln. Er traf sich mit König Rudolf am 20. Oktober 1275 in Lausanne, um ihm für den 2. Februar 1276 die Kaiserkrönung zuzusagen, zu der es aufgrund des Todes Gregors jedoch nicht mehr kam.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gregor X. starb am 10. Januar 1276 in Arezzo und wurde im dortigen Dom begraben.

Er wird in der katholischen Kirche als Seliger verehrt. Sein Gedenktag ist sein Todestag am 10. Januar.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gregorius X – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Clemens IV. Papst
1271–1276
Innozenz V.