Grenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup

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Grenz-Dokumentationsstätte 2009 mit einem Teil der Installation „Erstarrung“ von Renate U. Schürmeyer
Grenz-Dokumentationsstätte, Eingang

Die Grenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup (eigene Benennung: Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup e. V.)[1] ist eine Erinnerungsstätte an die Zeit der Teilung Deutschlands in der Mecklenburger Straße 12 im Stadtteil Schlutup der Hansestadt Lübeck.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude lag an der ehemaligen, anschließend verlegten Bundesstraße 104. Schlutup und seine Grenz-Dokumentationsstätte ist nur noch über die Ausfahrt von der Umgehungsstraße (neue Trasse der Bundesstraße 104) zu erreichen. Das Gebäude liegt an der Mecklenburger Straße.

Die Dokumentationsstätte befindet sich an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in einem früheren Zollgebäude, das auf westdeutscher Seite zum Grenzübergang Schlutup gehörte. Er war der nördlichste Grenzübergang zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Der Grenzübergang diente dem Transitverkehr über die Häfen von Rostock und Rügen nach Skandinavien, als Zufahrt zur VEB Deponie Schönberg, dem kleinen Grenzverkehr und der allgemeinen Aus- und Einreise in die DDR. Das entsprechende ostdeutsche Grenzgebäude wurde nach 1989 abgerissen.

Heute ist die Dokumentationsstätte auch über den Iron Curtain Trail erreichbar, welcher als Europas längster Fernradweg entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs von Norwegen bis zum Schwarzen Meer verläuft.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Träger der Dokumentationsstätte ist der Förderverein Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup e.V., die Stadt Lübeck stellt das 1999 vom Bund angekaufte Gebäude zur Verfügung und trägt die Nebenkosten. Zunächst war in Lübeck die Einrichtung eines Grenzmuseums Lübeck in kommunaler Trägerschaft diskutiert worden. Davon rückte die Stadt 1999 aus Kostengründen ab.[3] Im selben Jahr schlossen sich Bürger unter dem Namen Förderverein Grenzmuseum zusammen.[4] Zu den Initiatoren gehörte die Lübecker Bürgerschaftsabgeordnete Ingrid Schatz (CDU). Nach jahrelangem Leerstand wurde das Gebäude saniert. Dabei kamen unter den Wandverkleidungen Stahlkonstruktionen zutage, die das Gebäude abhörsicher machen sollten.[5] Die Dokumentationsstätte wurde am 9. November 2004 eröffnet.[6]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdgeschoss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Fotos, Landkarten, Dokumenten, Uniformen von Zoll- und Grenzbeamten des Bundesgrenzschutzes und der DDR sowie weiteren Exponaten wird die Situation Lübecks und insbesondere Schlutups in der Zeit der Teilung dargestellt. Im Verbindungsgang hinter den Dienstzimmern werden Fotos von den Tagen der Grenzöffnung und Bilder von Schlutup und dem benachbarten Selmsdorf gezeigt. Eine Kopie des Schießbefehls dokumentiert auch die Voraussetzungen für die Abgabe von tödlichen Schüssen ohne Warnschuss. Der Grenzverlauf zwischen Priwall, Pötenitzer Wiek, Dassower See, Trave und Schlutuper Wiek ist in einem Relief-Modell festgehalten. DDR-Medaillen, ein Abfertigungsschalter, Schilder „Betreten verboten“ und zusammenklappbare Feldtelefone werden gezeigt. Berichtet wird über Schicksale der Menschen, die ab 1952 in Mecklenburg von der Zwangsumsiedlungen der Aktion Ungeziefer betroffen waren. Ausreiseanträge und Vermerke in Ausweisen machen die Isolierung der ehemaligen DDR-Bürger vorstellbar. Ausgestellt ist etwa ein Schlauchboot, mit dem Ärzte aus Greifswald über die Ostsee nach Westen flohen. Unverändert blieb das ehemalige Arrestzimmer.

Untergeschoss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Untergeschoss wird ein Dokumentarfilm gezeigt, der auch Aufnahmen aus Schlutup und Lübeck nach der Grenzöffnung 1989 enthält. Außerdem befindet sich dort eine Bibliothek.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wird für Sonderausstellungen genutzt, etwa 2006 für eine Wanderausstellung unter dem Titel „Stasi im Ostseeraum“ sowie für Vorträge in Zusammenarbeit mit der Rostocker Außenstelle der BStU.[7] 2009 wurde zum 20. Jahrestag der Grenzöffnung vor dem Dokumentationszentrum die temporäre Installation „Erstarrung“ der Künstlerin Renate U. Schürmeyer aufgestellt.[8]

Umgebung des Gebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup mit Mauerfragment aus Berlin, Trabi und Gedenktafel an die Opfer
Lübeck-Schlutup: Grenz-Dokumentationsstätte in der Mecklenburger Straße 12. Segment der Berliner Mauer.
Lübeck-Schlutup: Grenz-Dokumentationsstätte in der Mecklenburger Straße 12. Nahebei der Gedenkstein an die Trennung durch die DDR-Grenze

Vor dem Abfertigungsgebäude befinden sich ein Originalsegment der Berliner Mauer, das Segment eines Grenzzaunes mit einer Gedenktafel für Harry Weltzin und ein Trabant-Auto, um an die damalige Zeit zu erinnern. In etwa 200 Meter Entfernung an der Mecklenburger Straße erinnert ein Gedenkstein mit dem niederdeutschen Aufruf Slut up an die Teilung. Vor der Grenzöffnung wurden an diesem Stein Mahnwachen für die Wiedervereinigung gehalten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Ausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze befindet sich in Lübeck in der Bundespolizeiakademie.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internetseite der Grenzdokumentations-Stelle Lübeck-Schlutup
  2. Iron Curtain Trail - Durch Deutschland. Abgerufen am 15. April 2017 (deutsch).
  3. Museum hat keine Chance. In: Lübecker Stadtzeitung. 7. März 2000 (Online [abgerufen am 19. Juli 2016]).
  4. Lübecker Chronik In: Lübeckische Blätter, 165. Jahrgang, Heft 15
  5. Die Menschen auf der anderen Seite vom 5. Oktober 2006
  6. Chronik Schlutups
  7. Vortrag und Ausstellung im Grenzmuseum Schlutup In: HL-live vom 28. September 2006
  8. Sabine Spatzek: Da drüben, wo die Welt zu Ende war. In: Kieler Nachrichten. 2. September 2009 (Online [abgerufen am 19. Juli 2016]).
  9. Ausstellung in der Bundesakademie

Koordinaten: 53° 53′ 3″ N, 10° 48′ 19″ O