Grenzbahnhof

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Bahnhof Bayerisch Eisenstein. Die Grenze zwischen Tschechien und Deutschland verläuft mittig durch das Empfangsgebäude.
Bahnhof Tschop, Ukraine. Am Hausbahnsteig liegt ein Vierschienengleis mit den Spurweiten 1435 und 1520 mm. Der Zug der ungarischen MÁV steht auf dem Normalspurgleis.

Grenzbahnhöfe (auch Grenzstationen) sind Bahnhöfe, auf denen die für den Übergang des Verkehrs über die Staatsgrenze nötigen Dienstvorrichtungen, insbesondere die zollamtliche Überwachung, vorgenommen werden.

Sie sind häufig mit Anlagen zum Wechseln von Lokomotiven ausgestattet, insbesondere, wenn es sich um elektrifizierte Bahnlinien handelt, die verschiedenen Stromsystemen (Systemtrennstelle) angehören. In einigen Bahnhöfen wie Aachen Hbf kann an den Bahnsteiggleisen das Stromsystem umgeschaltet werden. Mehrsystemzüge wie ICE International oder Thalys können dann nach kurzem Halt ohne Triebfahrzeugwechsel weiterfahren. Gegebenenfalls wechselt in Grenzbahnhöfen auch die Fahrordnung, zum Beispiel in Basel SBB oder Roosendaal. Da in einigen Ländern unterschiedliche Spurweiten der jeweiligen Eisenbahnen existieren, gibt es in einigen Grenzbahnhöfen gemischtspurige Gleise sowie Umspuranlagen. Beispiele dafür sind Bahnhof Brest Zentralny in Weißrussland und Tschop in der Ukraine.

An Grenzbahnhöfen befinden sich außerdem meistens Zoll- und Grenzschutzeinrichtungen. Einige wenige Grenzbahnhöfe sind auch Rangierbahnhöfe, zum Beispiel Chiasso an der schweizerisch-italienischen Grenze.

Eine Besonderheit ist der Bahnhof Bayerisch Eisenstein, dessen Anlagen hälftig in zwei Ländern liegen. Die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft mittig durch das Empfangsgebäude.

Der ehemalige Rangierbahnhof Basel Bad. Rbf in Haltingen/Weil am Rhein liegt zu einem kleinen Teil auf Schweizer Boden. Die Zollgrenzen im Bahnhof verlaufen aber nicht den Staatsgrenzen entlang, sondern entlang der dem Betrieb angepassten verschiedenen Gleisfelder. Dadurch war es möglich, dass ein Güterzug Richtung Lörrach und Umgehungskurve zolltechnisch nie Deutschland verließ und sich damit die ganze Fahrtzeit innerhalb des Zollgebietes der Gemeinschaft befand. Der Bahnhof hat durch den Bau des Rangierbahnhofes in Muttenz (CH) seine Bedeutung verloren.

Beispiele für Grenzbahnhöfe an deutschen Grenzen sind: Aachen Hbf, Bad Schandau, Flensburg, Frankfurt (Oder) Pbf, Görlitz, Horka Gbf, Kehl, Konstanz, Lindau Hbf, Puttgarden und Saarbrücken Hbf. Auch der Salzburger Hauptbahnhof hatte lange Zeit die Funktion eines Grenzbahnhofes zwischen Österreich und Deutschland. Der Grenzbahnhof Thörl-Maglern in Arnoldstein war ein wichtiger Grenzbahnhof nach Italien. Eine Besonderheit stellt der mitten in der DDR gelegene Bahnhof Seddin-Süd dar, der für den schnellen Transitverkehr mit den Trans-Europ-Express-Marchandises (TEEM) zum DDR-typischen Grenzbahnhof mit Betonmauern, Metallgitterzäunen, Kontrolltürmen und Flutlicht ausgebaut wurde.[1]

Bedeutung in der Geschichte der deutschen Teilung haben unter anderem die Bahnhöfe Friedrichstraße (Berlin), Griebnitzsee (Potsdam) und die ehemaligen innerdeutschen Grenzbahnhöfe, etwa am Grenzübergang Helmstedt-Marienborn und der Grenzbahnhof Probstzella.

Ein besonderer Grenzbahnhof war auch der Bahnhof Canfranc zwischen Spanien und Frankreich, der aus Gründen des Strukturwandels und wegen eines Zugunglücks auf französischer Seite nie seiner Funktion nachkam, obwohl er als großer Kreuzungsbahnhof für den Fernverkehr konstruiert war und sogar über zwei Spurweiten verfügt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Hassel: Zügig durch die DDR. In Eisenbahn Geschichte 76 (Juni/Juli 2016), S. 4–13.
  • Gerhard Greß: 1989: Grenzenlos auf deutschen Schienen. Eisenbahn-Kurier Special 54, Freiburg 1999

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grenzbahnhöfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien