Greta Thunberg

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Greta Thunberg

Greta Thunberg (* 3. Januar 2003) ist eine schwedische Schülerin und Klimaschutzaktivistin. Weltweit erlangte sie Beachtung und fand Nachahmung in ihrem Einsatz für eine radikale Klimapolitik.[1][2][3] Thunberg wurde wiederholt für ihr Engagement ausgezeichnet. Sie gilt laut Süddeutscher Zeitung als „Galionsfigur der Klimaschutzbewegung“.[4] Unter anderem nahm das Time Magazine Thunberg wegen ihres Klimaschutz-Engagements in seine Liste der einflussreichsten Teenager des Jahres 2018 auf.[5]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Greta Thunberg ist die Tochter der Opernsängerin Malena Ernman und des Schauspielers Svante Thunberg.[1] Nach eigenen Angaben beschäftigte sie sich im Alter von acht Jahren erstmals mit dem menschengemachten Klimawandel und begann ihr Klimaschutzengagement zunächst damit, zur Energieeinsparung im Haus die Beleuchtung auszuschalten, später beschloss sie, nicht mehr zu fliegen.[4] Im Alter von 11 Jahren wurde sie durch die Beschäftigung mit dem menschengemachten Klimawandel depressiv und hörte auf zu sprechen und zu essen. Anschließend wurden bei ihr das Asperger-Syndrom, Zwangsstörungen sowie selektiver Mutismus diagnostiziert.[6][7] Später begann sie sich aktiv öffentlich für Klimaschutz einzusetzen.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thunbergs Klimaaktivismus begann inmitten der Dürre- und Hitzewelle 2018, die weite Teile Europas erfasst hatte, und drei Wochen vor der Wahl zum Schwedischen Reichstag, als sie am ersten Schultag, dem 20. August 2018, mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm ihren Protest begann.[1] Zunächst agierte sie alleine, nachdem sowohl ihre Eltern als auch ihre Lehrer den Streik kritisiert hatten. Später fand sie Nachahmung, zunächst in Schweden, wo sich bald Schülerinnen und Schüler vor den Rathäusern hunderter schwedischer Kommunen ihrem Protest anschlossen, später in anderen Staaten, darunter unter anderem Belgien, Frankreich, Finnland und Dänemark.[1] Auch in Deutschland bestreikten Schüler in verschiedenen Städten den Unterricht.[8] Die Jugendlichen, bei denen offenbar das Statement Thunbergs, sich die Zukunft nicht klauen zu lassen, Anklang findet, organisieren sich unter dem Hashtag #FridaysForFuture.[9]

Bis Anfang Dezember 2018 hatten sich ihr mehr als 20.000 Schüler weltweit in rund 270 Städten angeschlossen.[10] Nachdem sich die Proteste auch auf Australien ausgeweitet hatten, beschwerte sich Premierminister Scott Morrison: „Wir wollen mehr Lernen und weniger Aktivismus in der Schule.“[1] Die Kinder sollten zur Schule gehen. Thunberg erwiderte jedoch via Twitter: „Sorry Mr Morrison. Können wir nicht erfüllen.“[1]

Im Dezember 2018 reiste sie zusammen mit ihrem Vater mit einem Elektroauto zur UN-Klimakonferenz in Katowice.[4] Dort traf sie sich mit dem UN-Generalsekretär António Guterres. Sie richtete einen Appell an ihn[11][10] und hielt später eine Rede im Plenarsaal des Gipfels. Diese Rede wurde anschließend im Internet viral geteilt.[6] Infolgedessen wurde sie von Klimaleugnern und rechten Politikern angefeindet und unter anderem als „ideologisch verblendet“ diffamiert.[12][13]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Greta Thunberg in Brüssel (schwedisch)

Kernposition Thunbergs ist, dass die Politik viel zu wenig für Klimaschutz tue und damit unverantwortlich handele, insbesondere gegenüber jungen Menschen. Sie fordert eine massive Beschleunigung des Klimaschutzes weltweit und will so lange weiterstreiken, bis ihr Heimatland Schweden die Treibhausgasemissionen um 15 % pro Jahr reduziert. Hierbei argumentiert sie, Schweden als reiches Land habe die Verpflichtung, die Emissionen schneller zu senken als andere Staaten.[10]

Mit Verweis auf die seit 1995 jährlich stattfindenden Klimakonferenzen und die trotzdem steigenden Treibhausgasemissionen unterstellt sie Politikversagen. Unter anderem sprach sie auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 und betonte die Schwere der Klimakrise, die noch nicht verstanden sei: Politiker verhielten sich unverantwortlich und wie kleine Kinder, daher sei es nun an der jungen Generation, ihre Zukunft selbst in die eigenen Hände zu nehmen und das zu tun, was die Politik schon lange hätte tun müssen. Es sei nun die Aufgabe der Jugend zu verstehen, was ihr die ältere Generation mit dem Klimawandel angetan habe, und das Chaos aufzuräumen, mit dem ihre Generation leben müsse. Daher müssten junge Menschen nun selbst dafür sorgen, dass ihre Stimmen gehört würden. Hingegen werde sie die Spitzenpolitiker nicht weiter anflehen, sich um die Zukunft der jungen Generation zu kümmern. Vielmehr werde sie ihnen klarmachen, dass es nun zu Änderungen komme, ob sie wollten oder nicht. Ihr eigener Protest, der rasch Nachahmung in aller Welt gefunden habe, zeige, dass niemand zu unbedeutend sei, um etwas zu bewegen.[10]

“What I hope we achieve at this conference is that we realise that we are facing an existential threat. This is the biggest crisis humanity has ever faced. First we have to realise this and then as fast as possible do something to stop the emissions and try to save what we can save.”

„Was ich auf dieser Konferenz zu erreichen hoffe ist die Erkenntnis, dass wir einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind. Dies ist die größte Krise, in der sich die Menschheit je befunden hat. Zuerst müssen wir dies erkennen und dann so schnell wie möglich etwas tun, um die Emissionen aufzuhalten und versuchen, das zu retten, was wir noch können.“

Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018[10]

Ihre Klimaschutzaktionen sieht sie als wichtiger an als in die Schule zu gehen. An andere Schüler gerichtet sagte sie, sie müssten nicht zwingend streiken, jeder solle selbst für sich entscheiden. Allerdings frage sie sich, welchen Sinn es habe, in der Schule für eine Zukunft zu lernen, wenn diese Zukunft schon bald nicht mehr existiere. Daher sei der Streik für sie wichtiger als die Schule.[10]

“Some people say that I should study to become a climate scientist so that I can “solve the climate crisis”. But the climate crisis has already been solved. We already have all the facts and solutions. All we have to do is to wake up and change.”

„Einige Leute sagen, dass ich studieren sollte, um Klimawissenschaftlerin zu werden, damit ich die Klimakrise „lösen kann“. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst. Wir haben bereits alle Fakten und Lösungen. Alles, was wir tun müssen, ist aufzuwachen und uns zu verändern.“

Greta Thunberg bei der Declaration of Rebellion in London.[14]

Als Begründung für ihren Schulstreik, bei dem sie die Schulpflicht bricht, nannte sie die Zukunftsvergessenheit der Erwachsenen:

„Wir Kinder tun oft nicht das, was ihr Erwachsenen von uns verlangt. Aber wir ahmen euch nach. Und weil ihr Erwachsenen euch nicht für meine Zukunft interessiert, werde ich eure Regeln nicht beachten.“

Greta Thunberg[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Greta Thunberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Claus Hecking: Globale Klimakrise: Gretas Aufstand.. In: Spiegel-Online, 30. November 2018. Zuletzt abgerufen am 5. Dezember 2018.
  2. The Fifteen-Year-Old Climate Activist Who Is Demanding a New Kind of Politics. In: The New Yorker, 2. Oktober 2018. Abgerufen am 30. November 2018.
  3. The Swedish 15-year-old who's cutting class to fight the climate crisis . In: The Guardian, 1. September 2018. Abgerufen am 30. November 2018.
  4. a b c "Es müsste höchste Priorität haben!". In: Süddeutsche Zeitung, 2. Dezember 2018. Abgerufen am 3. Dezember 2018.
  5. TIME's 25 Most Influential Teens of 2018. In: TIME, 10. Dezember 2018. Abgerufen am 1. Januar 2019
  6. a b „Ihr seid nicht erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Dezember 2018. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  7. School strike for climate - save the world by changing the rules. TED-Talk von Greta Thunberg. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  8. Aufstand vor den Parlamenten. Schüler streiken fürs Klima . In: Spiegel-Online, 14. Dezember 2018. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  9. Susanne Ehlerding: Graswurzelbewegung für mehr Klimaschutz in der Tagesspiegel vom 7. Januar 2019, aufgerufen am 7. Januar 2019
  10. a b c d e f "Our leaders are like children," school strike founder tells climate summit. In: The Guardian, 4. Dezember 2018. Abgerufen am 4. Dezember 2018.
  11. Greta Thunberg speaks in Katowice: “Our leaders behave like children”, in Dagens Nyheter, 3. Dezember 2018 (in englischer Sprache), abgerufen am 1. Januar 2019
  12. Sie bringt Klimaleugner zum Schäumen. In: Tages-Anzeiger, 18. Dezember 2018. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  13. Rechte Politiker greifen 15-jährige Klimaaktivistin an – Shitstorm in 3 … 2 … 1 …. In: Watson, 18. Dezember 2018. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  14. The rebellion has begun. Rede von Greta Thunberg. In: www.medium.com, 31. Oktober 2018. Abgerufen am 5. Dezember 2018.
  15. Die Jungen kämpfen für ihre Zukunft. In: Tagesspiegel, 3. Dezember 2018. Abgerufen am 4. Dezember 2018.