Greta Thunberg

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Greta Thunberg vor dem schwedischen Parlamentsgebäude in Stockholm, August 2018

Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg[1] [ˈgreːta ˈtʉːnˌbærj] (* 3. Januar 2003) ist eine schwedische Klimaschutzaktivistin. Ihr Einsatz für eine konsequente Klimapolitik findet international Beachtung. Die von ihr ausgelösten „Schulstreiks für das Klima“ sind inzwischen zur globalen BewegungFridays For Future“ gewachsen. Mit Schulstreiks möchte sie erreichen, dass Schweden das Übereinkommen von Paris einhält.[2][3][4][5]

Thunberg ist eine bekannte Repräsentantin der internationalen Klimaschutzbewegung. Sie wurde vom amerikanischen Magazin Time in die Liste der 25 einflussreichsten Teenager des Jahres 2018 aufgenommen.

Leben

Greta Thunberg ist die ältere von zwei Töchtern der Opernsängerin Malena Ernman und des Schauspielers Svante Thunberg.[3] Nach eigenen Angaben erfuhr Greta in der Schule im Alter von acht Jahren erstmals von der menschengemachten Erderwärmung. Nach einer depressiven Phase wurde bei ihr ein Asperger-Syndrom diagnostiziert.[3] Ihr Engagement für den Klimaschutz begann zunächst damit, zur Energieeinsparung im Haus die Beleuchtung auszuschalten. Später beschloss sie, nicht mehr zu fliegen und sich vegan zu ernähren, und überzeugte auch ihre Familie davon.[6][7]

Im Mai 2018 wurde die 15-jährige Thunberg Preisträgerin eines Schreibwettbewerbs zur Umweltpolitik, der vom Svenska Dagbladet initiiert worden war. Durch die Veröffentlichung ihres Beitrags entstanden gemäß Angaben Thunbergs Kontakte zu verschiedenen Personen, die sie zu ihrem Engagement inspirierten.[8][9] Kurz darauf begann sie sich aktiv in der Öffentlichkeit für den Klimaschutz einzusetzen. Gegenüber The New Yorker erklärte sie: „Ich sehe die Welt etwas anders, aus einer anderen Perspektive. Ich habe ein besonderes Interesse. Es ist sehr üblich, dass Menschen im Autismus-Spektrum ein besonderes Interesse haben.“[10] Gegenüber dem ZDF ergänzte sie: „Und ich mag es nicht, wenn Menschen das eine sagen und das andere machen.“[11] Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester wirkte sie am 2018 erschienenen Buch Scener ur hjärtat ihrer Mutter Malena Ernman mit.[12] Thunberg ist im Schuljahr 2018/2019 Schülerin der 9. Klasse.[13]

Positionen

Greta Thunberg in Brüssel (6. Oktober 2018) (schwedisch)

Kernposition Thunbergs ist, dass die Politik viel zu wenig für Klimaschutz tue und damit unverantwortlich handle, insbesondere gegenüber jungen Menschen. Sie fordert eine erhebliche Intensivierung der Klimaschutzbemühungen weltweit und will so lange weiterstreiken, bis ihr Heimatland Schweden die Treibhausgasemissionen um 15 % pro Jahr reduziert. Hierbei argumentiert sie, Schweden als reiches Land habe die Verpflichtung, die Emissionen schneller zu senken als andere Staaten.[14]

Thunberg argumentiert, dass die Biosphäre geopfert werde, damit reiche Menschen in Ländern wie Schweden in Luxus leben können. Sie verweist auf globale Ungerechtigkeit und das durch den Menschen verursachte Artensterben. Sie fordert, dass Staaten wie Schweden und das Vereinigte Königreich anfangen, ihre Emissionen aus Verbrennung fossiler Energieträger um jährlich 15 % zu senken. Um globale Gerechtigkeit gemäß dem Pariser Klimaabkommen anzustreben, sollten reiche Länder ihre Emissionen innerhalb von sechs bis zwölf Jahren auf null reduzieren und so Ländern wie Indien und Nigeria den Aufbau von Infrastruktur ermöglichen. Die Menschen sollten durch zivilen Ungehorsam einen Systemwechsel erwirken, so dass kein Öl mehr gefördert werde.

Mit Verweis auf die seit 1995 jährlich stattfindenden Klimakonferenzen und die trotzdem steigenden Treibhausgasemissionen sieht sie Politikversagen. Unter anderem sprach sie auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 und betonte die Schwere der Klimakrise, die noch nicht verstanden sei: Politiker verhielten sich unverantwortlich und wie kleine Kinder, daher sei es nun an der jungen Generation, ihre Zukunft selbst in die eigenen Hände zu nehmen und das zu tun, was die Politik schon lange hätte tun müssen. Es sei die Aufgabe der Jugend zu verstehen, was ihr die ältere Generation mit dem Klimawandel angetan habe, und das Chaos aufzuräumen, mit dem ihre Generation leben müsse. Daher müssten junge Menschen nun selbst dafür sorgen, dass ihre Stimmen gehört würden. Hingegen werde sie die Spitzenpolitiker nicht weiter anflehen, sich um die Zukunft der jungen Generation zu kümmern. Vielmehr werde sie ihnen klarmachen, dass es zu Änderungen komme, ob sie wollten oder nicht. Ihr eigener Protest, der rasch Nachahmung in aller Welt gefunden habe, zeige, dass niemand zu unbedeutend sei, um etwas zu bewegen.[14]

“What I hope we achieve at this conference is that we realise that we are facing an existential threat. This is the biggest crisis humanity has ever faced. First we have to realise this and then as fast as possible do something to stop the emissions and try to save what we can save.”

„Was ich auf dieser Konferenz zu erreichen hoffe, ist die Erkenntnis, dass wir einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind. Dies ist die größte Krise, in der sich die Menschheit je befunden hat. Zuerst müssen wir dies erkennen und dann so schnell wie möglich etwas tun, um die Emissionen aufzuhalten, und versuchen, das zu retten, was wir noch können.“

Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018: Zitiert in: The Guardian, 4. Dezember 2018[14]

Ihre Klimaschutzaktionen sieht sie als wichtiger an, als in die Schule zu gehen. An andere Schüler gerichtet sagte sie, sie müssten nicht zwingend streiken, jeder solle selbst für sich entscheiden. Allerdings frage sie sich, welchen Sinn es habe, in der Schule für eine Zukunft zu lernen, wenn diese Zukunft schon bald nicht mehr existiere. Daher sei der Streik für sie wichtiger als die Schule.[14] Den versäumten Lernstoff hole sie außerhalb des Unterrichts nach.[15]

“Some people say that I should study to become a climate scientist so that I can ‘solve the climate crisis’. But the climate crisis has already been solved. We already have all the facts and solutions. All we have to do is to wake up and change.”

„Einige Leute sagen, dass ich studieren sollte, um Klimawissenschaftlerin zu werden, damit ich die Klimakrise ‚lösen kann‘. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst. Wir haben bereits alle Fakten und Lösungen. Alles, was wir tun müssen, ist aufzuwachen und uns zu verändern.“

Greta Thunberg: Rede bei der “Declaration of Rebellion” in London 31. Oktober 2018[16]

Als Begründung für ihren Schulstreik, bei dem sie die Schulpflicht vernachlässigt, nannte sie die Zukunftsvergessenheit der Erwachsenen:

„Wir Kinder tun oft nicht das, was ihr Erwachsenen von uns verlangt. Aber wir ahmen euch nach. Und weil ihr Erwachsenen euch nicht für meine Zukunft interessiert, werde ich eure Regeln nicht beachten.“

Greta Thunberg: Zitiert in: Der Tagesspiegel, 3. Dezember 2018[17]

Greta Thunberg lehnt wegen des verglichen mit anderen Verkehrsmitteln hohen klimaschädlichen CO2-Ausstoßes von Verkehrsflugzeugen Flugreisen persönlich ab, deswegen reist sie auch zu weit entfernten Veranstaltungen mit dem Zug oder als Mitfahrerin im Elektroauto.[18][19][20] Sie zog 2018 ihre Teilnahme als Finalistin für den Kinder- und Jugendklimapreis des Energieversorgungsunternehmens Telge Energi zurück, da die anderen Finalisten und ihre Begleiter mit dem Flugzeug nach Stockholm fliegen sollten, aber die Generation der Erwachsenen bereits das Kohlenstoffbudget aufgebraucht habe.[21]

Nachdem am 15. März 2019 in verschiedenen Städten laut Veranstaltern weltweit über 1,4 Millionen Schüler demonstriert hatten, appellierte Thunberg, zur Lösung der Klimakrise das Gesamtbild zu betrachten und sich von der besten verfügbaren Wissenschaft leiten zu lassen.[22]

Thunberg postete im März 2019 auf Facebook, dass Kernenergie gemäß IPCC ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung sein könne, dass sie Kernenergie jedoch für „viel zu gefährlich, zu teuer sowie zu zeitaufwendig“ halte. Nach zahlreichen Reaktionen und von ihr empfundener „Rosinenpickerei“ ihrer Aussage durch Medien und Bürger präzisierte sie, dass sie persönlich gegen Atomkraft sei.[23][24]

Wirken

Schulstreik für das Klima

Thunbergs Klimaaktivismus begann während der Dürre- und Hitzewelle 2018, die weite Teile Europas erfasst hatte, und drei Wochen vor der Wahl zum Schwedischen Reichstag. Am 20. August 2018, dem ersten Schultag nach den Ferien, platzierte sie sich mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm.[3] Zunächst agierte sie alleine. Sowohl ihre Eltern als auch ihre Lehrer kritisierten ihren Streik, unterbanden ihn aber nicht. Sie führte diesen Schulstreik bis zur Wahl zum Schwedischen Reichstag am 9. September 2018 täglich durch und nach der Reichstagswahl nur noch einmal pro Woche am Freitag. Später fand sie Nachahmer, zunächst in Schweden, wo sich bald Schülerinnen und Schüler vor den Rathäusern von rund hundert schwedischen Kommunen ihrem Protest anschlossen, später in anderen Staaten, unter anderem in Belgien, Frankreich, Finnland und Dänemark.[3][25]

Greta Thunberg (rechts) mit Luisa Neubauer (links) im März 2019 bei einer Fridays-for-Future-Demonstration in Hamburg.

Auch in Deutschland bestreikten Schüler in verschiedenen Städten den Unterricht.[26] Die Jugendlichen, bei denen das Statement Thunbergs, „sich die Zukunft nicht stehlen zu lassen“, Anklang fand und findet, organisieren sich unter dem Hashtag #FridaysForFuture.[27]

Bis Anfang Dezember 2018 hatten sich dem Aufruf mehr als 20.000 Schüler weltweit in rund 270 Städten angeschlossen.[14] Nachdem sich die Proteste auch auf Australien ausgeweitet hatten, beschwerte sich Premierminister Scott Morrison: „Wir wollen mehr Lernen und weniger Aktivismus in der Schule.“[3] Die Kinder sollten zur Schule gehen. Thunberg erwiderte via Twitter: „Sorry, Mr Morrison. Können wir nicht erfüllen.“[3] Ähnlich wie ihr australischer Amtskollege argumentierte auch die britische Premierministerin Theresa May.

Thunberg, mittlerweile zu einem Idol der Klimaschutzbewegung geworden,[20][28] trat in der Folgezeit weltweit bei Protestveranstaltungen auf, etwa denen von Extinction Rebellion.[29] Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf äußerte, „Thunberg habe klarer als die meisten erkannt, was die globale Erwärmung für die Zukunft ihrer Generation bedeute“.[30]

Am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz deutete die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel an, dass es einen Zusammenhang zwischen den anschwellenden Schülerprotesten in Deutschland und der „hybride[n] Kriegsführung“ [Russlands] gebe. Einen Anlass dafür, „dass plötzlich alle deutschen Kinder – nach Jahren ohne sozusagen jeden äußeren Einfluss – auf die Idee kommen, dass man diesen Protest machen muss“, könne sie nicht erkennen.[31] Diese Lesart dementierte Regierungssprecher Steffen Seibert kurz darauf auf Twitter. Greta Thunberg interpretierte Merkels Äußerung als unglückliche Formulierung. Problematisch sei allerdings das Muster, dass nämlich im Zusammenhang mit den Schulstreiks alle möglichen Themen erörtert werden, jedoch nicht der Klimawandel, der schließlich der Anlass dafür sei. Der These, dass es für die Schülerstreiks keinen „äußeren Einfluss“ gegeben habe, widersprach Thunberg und verwies darauf, dass die Führungselite der Welt seit Jahrzehnten über die existenzielle Bedeutung der Klimakrise informiert gewesen und im Grunde untätig geblieben sei.[32]

UN-Klimakonferenz in Katowice 2018

Im Dezember 2018 reiste sie zusammen mit ihrem Vater in einem Elektroauto zur UN-Klimakonferenz in Katowice, Polen.[6] Dort traf sie sich mit dem UN-Generalsekretär António Guterres. Sie richtete einen Appell an ihn[14][33] und hielt später eine Rede im Plenarsaal des Gipfels. Diese Rede wurde anschließend im Internet viral geteilt.[7] Infolgedessen wurde sie unter anderem von Leugnern des Klimawandels und rechten Politikern kritisiert, angefeindet oder als „ideologisch verblendet“ diffamiert.[34][35]

Weltwirtschaftsforum Davos 2019

Vom 23. bis 25. Januar 2019 nahm Greta Thunberg am 49. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums teil. Sie brach einen Tag vorher von Schweden aus in Richtung Davos auf. Um die hohe CO2-Emission einer Flugreise zu vermeiden, fuhr sie mit der Bahn.[36]

In Davos traf sie sich mit prominenten Forumsteilnehmern wie Christine Lagarde (Internationaler Währungsfonds (IWF))[37], Bono (Musiker) und Jane Goodall (Verhaltensforscherin).[38][39] Die Session Preparing for Climate Disruption, an der Greta Thunberg teilnehmen konnte, fand am Freitagvormittag statt, als schon viele einflussreiche Teilnehmer abgereist waren, zudem wurde nur hinter verschlossenen Türen in einem Saal mit 58 Plätzen diskutiert. Thunberg brachte ihr Anliegen mit Worten wie „Ich will, dass ihr in Panik geratet“ und „Unser Haus brennt“ vor. Ngozi Okonjo-Iweala, Chefin der Impfallianz Gavi, sprach der Rede Thunbergs ihre Anerkennung aus.[40] In der anschließenden Fragerunde stellte Greta Thunberg fest, dass sie die Vertreter der Öl- und Gasindustrie, denen sie gerne persönlich ihre „Verbrechen gegen die Menschheit“ erklärt hätte, nicht mehr auf der Tagung vorgefunden habe.[39]

Thunberg glaubt nicht, dass die Konferenz ein Erfolg für das Klima war. „Die Leute reden nur und tun nicht, was sie sagen.“ Wichtig waren ihr die Gespräche mit dem Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab. Sie habe ihm unter anderem gesagt, dass sich das Forum im nächsten Jahr ihrer Meinung nach ausschließlich mit Klima- und Umweltfragen befassen sollte. 2020 sei das Jahr, in dem die Emissionskurve drastisch nach unten gehen müsse.[41]

Dieser Auftritt hatte insbesondere auf Twitter diskreditierende Kommentare hauptsächlich von Männern aus dem rechten Spektrum zur Folge. Diese zielten auf ihr Alter, ihr Geschlecht und das Asperger-Syndrom ab. Damit wird laut ze.tt-Redakteur Till Eckert versucht, Thunberg als „Person und Individuum abzuwerten“, um eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe mit ihren Argumenten zu verhindern. Eine inhaltliche Kritik an Thunbergs Positionen fand nicht statt.[42][43][44] Für Melanie Groß, die zur Bedeutung von Gender in der Jugendkultur forscht, zeigt sich hierin die Feindlichkeit, der all diejenigen ausgesetzt werden, die von dem eigenen, meist maskulinistischen und rechtspopulistischen Weltbild abweichen.[45] Michael Blume bewertete deutschsprachige Online-Diskussionen wie folgt: „Greta Thunberg macht gerade das rechtspopulistische Geschäft kaputt, indem sie über das Einfordern von ‚Panik‘ nicht nur Konkurrenz darstellt, sondern auch das Nachdenken über Populismus fördert.“[46]

Kongress des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses 2019 in Brüssel

Am 21. Februar 2019 sprach Thunberg vor dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss. Sie forderte, dass die EU den CO2-Ausstoß bis 2030 um mindestens 80 Prozent senkt. Dabei dürften auch die Bereiche Luftfahrt und Schifffahrt nicht ausgespart werden. Sie bezog sich auf die Warnungen des Weltklimarates, nach dessen jetzigen Erkenntnissen die Temperaturen um drei bis vier Grad ansteigen könnten.[47]

Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, begrüßte Greta Thunberg in Brüssel. Ohne Thunberg namentlich zu nennen, sagte er, er habe selbst als junger Mensch immer nur in seiner Freizeit demonstriert.[48]

Verhältnis zu Ingmar Rentzhog

Vom 20. August 2018 an berichtete die von Ingmar Rentzhog 2017 gegründete schwedische Aktiengesellschaft We Don’t Have Time über Facebook, Twitter und YouTube über Thunbergs Schulstreiks.[49][50] In einem Interview mit dem Svenska Dagbladet erklärte Rentzhog: „Ich habe dann guten Kontakt mit Greta und ihrer Familie bekommen. Ich habe Greta dann auch mit einer Menge geholfen und dazu auch mein Kontaktnetzwerk verwendet.“ Laut Prospekt generiert We Don’t Have Time virale Umweltinhalte und will damit Geld verdienen. Die Gesellschaft möchte 10 Prozent ihrer Gewinne in einen gemeinnützigen Fonds weiterleiten. Im Oktober 2018 wurde Greta Thunberg Ratgeberin des Stiftungsvorstands der Gesellschaft. Am 27. November 2018 kündigte We Don’t Have Time eine Aktienemission an und nutzte Greta Thunberg elfmal im Werbeprospekt für den Börsengang,[49] wie der deutsche Journalist Hecking zuerst im Spiegel vom 6. Februar thematisierte. Im Dezember wurden bei der Aktienemission 10 Millionen SEK erzielt.[51] Ende Januar 2019 teilte We Don’t Have Time in einer Pressemeldung mit, dass Greta Thunberg ihren Platz als Ratgeberin des Stiftungsvorstands verlassen habe. Greta Thunbergs Vater kommentierte: „Sie hat keine Verbindung mehr dazu. Sie will nicht mit irgendeiner Organisation in Verbindung gebracht werden. Ob ideell oder nicht. Sie will ganz frei sein.“[52][53][54][49]

Rezeption

Thunbergs Handeln ruft überwiegend ein positives Echo hervor.

Albrecht von Lucke sieht die Stärke der Auftritte Greta Thunbergs vor allem in der „existenziellen Ernsthaftigkeit“ ihrer Sprache begründet. Ihr Ton stimme mit dem Ernst der aktuellen Lage überein und stehe in Kontrast zur Ironie, mit der eine „pubertäre Spaßgesellschaft“ Zukunftsangst begegnet. Thunbergs Forderung, die Situation zu erkennen und danach zu handeln, analysiert von Lucke als „das einzig Vernünftige“.[55]

Felix Finkbeiner hebt hervor, dass es Greta Thunberg gelungen ist, das Thema Klimakrise in die Mitte des gesellschaftlichen Diskurses gebracht zu haben. „Jetzt sprechen wir zum ersten Mal über Wochen jeden Tag über die Klimakrise. Und das ist ein unglaublicher Verdienst.“[56]

Bezüglich ihres Kernanliegens habe es Thunberg als junger Mensch erreicht, ältere Menschen zu einer Verhaltensänderung zu motivieren. Damit wird gemäß Claus Hecking das traditionelle Subjekt-Objekt-Verhältnis in der Pädagogik umgekehrt. Gleiches gelte auch für Felix Finkbeiner, Malala Yousafzai, Genesis Butler und Xiuhtezcatl Martinez.[57]

Die Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum, drei norwegische Parlaments­abgeordnete der Sosialistisk Venstreparti sowie zwei schwedische Politiker nominierten sie für den Friedensnobelpreis 2019. Ihr Protest sei freundlich, friedlich und authentisch.[58][59] Der Vorschlag wurde fristgerecht vor dem 1. Februar 2019 beim norwegischen Nobelkomitee eingereicht. Die Abgeordneten der linken Sosialistisk Venstreparti argumentierten, der Klimawandel verursache weltweit Krieg und Konflikte. Thunbergs „Fridays for Future“-Bewegung sei ein sehr wichtiger Beitrag zum Frieden.[60][61][62]

Bettina Gaus empfahl, auch im Hinblick auf die Nominierungen zum Nobelpreis, die Sechzehnjährige als solche wahrzunehmen und den „beunruhigenden“ medialen Hype zu hinterfragen, auch wenn sie ein Anliegen habe, mit dem es ihr bitter ernst sei, und sie den richtigen Ton treffe, um andere zu überzeugen und mitzureißen. Die derzeit Thunberg entgegengebrachte Verehrung erinnere an religiöse Erweckungserlebnisse, jedoch liege das Problem nicht bei ihr, „sondern bei vielen Leuten, die auf sie reagieren“.[63]

Auf Thunbergs Kritik zum Ergebnis der Arbeit der Kohlekommission „Deutschland will bis 2038 Kohle verbrennen. Das ist absolut absurd“[64] tweetete Paul Ziemiak: „Oh, man… kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie. Arme Greta!“, worauf er einen Shitstorm erntete.[65]

Auszeichnungen

Im Mai 2018 war Thunberg Preisträgerin eines Schreibwettbewerbs zur Umweltpolitik, initiiert vom Svenska Dagbladet.[8] Im November 2018 erhielt sie das Fryshuset-Stipendium als junges Vorbild des Jahres.[66] 2018 nahm das amerikanische Nachrichtenmagazin Time sie in die Liste der 25 einflussreichsten Teenager des Jahres auf.[67] Anlässlich des Internationalen Frauentages wurde sie in Schweden 2019 zur wichtigsten Frau des Jahres ausgerufen. Die Auszeichnung beruht auf einer Umfrage des Instituts Inizio im Auftrag der Boulevardzeitung Aftonbladet.[68] Im März 2019 wurde sie für ihr Engagement mit dem Sonderpreis Klimaschutz der Goldenen Kamera ausgezeichnet.[69]

Literatur

  • Dieses Mädchen fordert die Welt heraus. (Titelgeschichte) In: Die Zeit vom 31. Januar 2019, S. 53, 59–60.
  • Wir verändern die Welt! Warum Jugendliche rund um die Erde für eine bessere Zukunft kämpfen (Titelgeschichte) In: Stern vom 31. Januar 2019, S. 24–35.
  • Malena Ernman, Svante Thunberg (Eltern): Scener ur hjärtat (Szenen aus dem Herzen). Bokförlaget Polaris, 2018, ISBN 978-91-7795-133-9.

Weblinks

 Commons: Greta Thunberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. www.ratsit.se (schwedisch)
  2. Interview mit Greta Thunberg, Spiegel online, 2. Februar 2019
  3. a b c d e f g Claus Hecking: Globale Klimakrise: Gretas Aufstand.. In: Spiegel Online, 30. November 2018. Zuletzt abgerufen 5. Dezember 2018.
  4. The Fifteen-Year-Old Climate Activist Who Is Demanding a New Kind of Politics. In: The New Yorker, 2. Oktober 2018, abgerufen 30. November 2018.
  5. The Swedish 15-year-old who’s cutting class to fight the climate crisis. In: The Guardian, 1. September 2018, abgerufen 30. November 2018.
  6. a b „Es müsste höchste Priorität haben!“. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Dezember 2018, abgerufen 3. Dezember 2018.
  7. a b „Ihr seid nicht erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Dezember 2018. Abgerufen 19. Dezember 2018.
  8. a b Greta Thunberg: ”Vi vet – och vi kan göra något nu” in Svenska Dagbladet vom 30. Mai 2018, aufgerufen am 13. Februar 2019
  9. Matthias Wyssuwa: Greta Thunberg – Die Welt, wie sie ihr gefällt In FAZ vom 12. Februar 2019, abgerufen am 13. Februar 2019
  10. Masha Gessen: The Fifteen-Year-Old Climate Activist Who Is Demanding a New Kind of Politics. In: The New Yorker, 2. Oktober 2018
  11. Anne Brühl: 16-Jährige kämpft fürs Klima: „Es ist absurd, dass Kinder das hier tun müssen“. In: heute. ZDF, 6. Februar 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  12. Das Manifest von Greta Thunbergs Mutter: Verzweiflung angesichts des Untergangs, Der Standard, 11. Februar 2019
  13. This 15-year-old Girl Breaks Swedish Law for the Climate, medium.com, 23. August 2018
  14. a b c d e f “Our leaders are like children”, school strike founder tells climate summit. In: The Guardian, 4. Dezember 2018, abgerufen 4. Dezember 2018.
  15. 15-jährige Aktivistin aus Schweden: Greta schwänzt die Schule – fürs Klima. taz.de. 27. August 2018, abgerufen am 18. Februar 2019
  16. The rebellion has begun. Rede von Greta Thunberg. In: www.medium.com, 31. Oktober 2018, abgerufen 5. Dezember 2018.
  17. Die Jungen kämpfen für ihre Zukunft. In: Der Tagesspiegel, 3. Dezember 2018, abgerufen 4. Dezember 2018.
  18. Klimawandel: Schweden leiden an „flygskam“ und „klimatångest“. In: Salzburger Nachrichten. 15. Dezember 2018, abgerufen am 29. Januar 2019.
  19. Von Schweden nach Davos nimmt Greta den Zug, in: welt.de, 23. Januar 2019
  20. a b Simonetta Dibbern: Schulstreik Fridays for Future - Umstrittene Klimaaktivistin. In: Deutschlandfunk Online. 1. März 2019, abgerufen am 2. März 2019.
  21. Telge energi: Statement: Regarding Greta Thunberg’s decision not to attend the Children’s Climate Prize 2018 vom 5. November 2018, aufgerufen am 8. März 2019
  22. Damian Carrington: School climate strikes: 1.4 million people took part, say campaigners, Guardian, 19. März 2019
  23. Warum Greta Thunberg jetzt „Atomlobbyismus“ vorgeworfen wird. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. März 2019. Abgerufen am 24. März 2019.
  24. Finn Holitzka: "Greta Thunberg und Atomkraft. Wie viel CO2 macht eine Nebelkerze?" vom 22. März 2019
  25. Milan Schreuer, Elian Peltier, Christopher F. Schuetze: Teenagers Emerge as a Force in Climate Protests Across Europe. In: The New York Times, 31. Januar 2019
  26. Aufstand vor den Parlamenten. Schüler streiken fürs Klima. In: Spiegel Online, 14. Dezember 2018. Abgerufen 19. Dezember 2018.
  27. Susanne Ehlerding: Graswurzelbewegung für mehr Klimaschutz tagesspiegel.de, 7. Januar 2019, abgerufen 7. Januar 2019.
  28. Auf die Straße gehen für bessere Luft: Schüler treten wieder in den Klimastreik. In: Merkur.de. 24. Januar 2019, abgerufen am 2. März 2019.
  29. Andrea Germanos: ‘This Is Our Darkest Hour’: With Declaration of Rebellion, New Group Vows Mass Civil Disobedience to Save Planet. In: commondreams.org. 31. Oktober 2018 (englisch).
  30. Seite an Seite mit Greta: Warum immer mehr Kinder für Demonstrationen die Schule schwänzen. In: Südkurier, 1. März 2019. Abgerufen am 1. März 2019.
  31. Wolfgang Pomrehn: Schulstreiks: Merkel sieht Russland am Werk. In: Telepolis. 17. Februar 2019, abgerufen am 21. Februar 2019.
  32. Claus Hecking, Helene Flachsenberg: Das hat Greta Thunberg Angela Merkel zu sagen. bento.de. 18. Februar 2019, abgerufen am 21. Februar 2019.
  33. Greta Thunberg speaks in Katowice: “Our leaders behave like children”, in Dagens Nyheter, 3. Dezember 2018 (in englischer Sprache), abgerufen 1. Januar 2019.
  34. Sie bringt Klimaleugner zum Schäumen. In: Tages-Anzeiger, 18. Dezember 2018, abgerufen 19. Dezember 2018.
  35. Rechte Politiker greifen 15-jährige Klimaaktivistin an – Shitstorm in 3 … 2 … 1 …. In: Watson, 18. Dezember 2018, abgerufen 19. Dezember 2018.
  36. Schwedens junge Klimaaktivistin: Per Zug zum Weltwirtschaftsforum, orf.at, 23. Januar 2019, abgerufen 23. Januar 2019.
  37. Ungewöhnliche Galionsfigur
  38. Proteste gegen die Mächtigen, sueddeutsche.de, 24. Januar 2019, abgerufen 25. Januar 2019.
  39. a b In Davos stößt das Greta-Prinzip an seine Grenzen, welt.de, 25. Januar 2019, abgerufen 28. Januar 2019.
  40. Klimaaktivistin Thunberg in Davos „Alle sollen die Angst spüren, die ich selbst jeden Tag spüre“ in Spiegel online vom 25. Januar 2019, aufgerufen am 27. Januar 2019
  41. 16-jährige Aktivistin: „Davos kein Erfolg fürs Klima“, orf.at, 26. Jänner 2019, abgerufen 26. Jänner 2019.
  42. Till Eckert: Mit ihren Beleidigungen gegenüber Greta Thunberg entlarven sich ihre Gegner nur selbst in ze.tt vom 28. Januar 2019, aufgerufen am 28. Januar 2019
  43. Noura Maan: Angriffe auf Greta Thunberg: Häme als Strategie, in DerStandard vom 28. Januar 2019, aufgerufen am 28. Januar 2019,
  44. Susan Barth: Warum die meisten Kommentare gegen Greta Thunberg eigentlich nur beweisen, dass sie recht hat in Bento vom 27. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019
  45. Anna Sophia Merwald: Junger Protest ist weiblich bei Jetzt vom 11. März 2019, aufgerufen am 13. März 2019
  46. Michael Blume: Wem gehört die Angst? Zur Verhöhnung von Greta Thunberg. In: SciLogs – Natur des Glaubens. 27. Januar 2019
  47. Thunberg fordert mehr CO2-Reduktion in taz vom 21. Februar 2019, abgerufen am 12. März 2019
  48. Markus Becker: Klima-Aktivistin Thunberg in Brüssel – Greta redet, Juncker antwortet nicht. In: Spiegel Online. 21. Februar 2019, abgerufen am 23. Februar 2019.
  49. a b c Greta Thunberg kommerziell ausgenutzt: Aktivistin als Werbefigur, taz.de, 10. Februar 2019
  50. ZDF-Auslandsjournal vom 6. Februar 2019 (ab Minute 7:33)
  51. In English: Swedish start-up used Greta Thunberg to bring in millions, Svenska Dagbladet, 9. Februar 2019
  52. TheLocal.se, Start-up used teen climate activist to raise millions: Swedish paper, 9. Februar 2019
  53. C. Hecking, Is Greta Thunberg a PR Puppet – of Ingmar Rentzhog and „We Don’t Have Time“? (No, she is not.), 10. Februar 2019
  54. docs.wedonthavetime.org, Pressemitteilung der Gesellschaft vom 10. Februar 2019
  55. Albrecht von Lucke: Fridays for Future: Der Kampf um die Empörungshoheit in Blätter für deutsche und internationale Politik, März 2019
  56. Junge Klimaschützer setzen auf Aufwind durch Greta Thunberg bei BR24 vom 18. März 2019, aufgerufen am 20. März 2019
  57. Claus Hecking / Max Polonyi / Cathrin Schmiegel / Barbara Supp: Kreuzzug der Kinder. In: „Der Spiegel“. Ausgabe 12/2019. 16. März 2019, S. 54 – 58.
  58. Isabel Gebhardt: Grünen-Politikerin schlägt Greta Thunberg für Friedensnobelpreis vor | SWR3. In: SWR3.de. 6. März 2019. Abgerufen am 12. März 2019.
  59. Klimaschutz-Bewegung: Norwegische Abgeordnete schlagen Greta Thunberg für Friedensnobelpreis vor, rp-online.de, 14. März 2019
  60. Greta Thunberg für Friedensnobelpreis nominiert, Die Welt, 14. März 2019
  61. Umweltaktivistin Greta Thunberg ist für den Friedensnobelpreis nominiert, Die Presse, 14. März 2019
  62. „Norwegische Medien berichten: Greta Thunberg für Friedensnobelpreis vorgeschlagen“, FAZ, 14. März 2019
  63. Bettina Gaus: Nehmt Greta Thunberg ernst. taz-online. 16. März 2019, abgerufen am 16. März 2019.
  64. „Kohleausstieg erst 2038? Greta Thunberg findet das ‚absurd‘“ Welt vom 7. Februar 2019
  65. „Shitstorm mit Ansage: CDU-Generalsekretär zieht über Klimaaktivistin Greta Thunberg her“, Stern vom 9. Februar 2019
  66. Greta Thunberg blir Årets unga förebild in Aktuell hallbarhet vom 22. November 2018, aufgerufen am 11. März 2019
  67. TIME’s 25 Most Influential Teens of 2018. In: Time, 10. Dezember 2018, abgerufen 1. Januar 2019.
  68. Klimaaktivistin Greta Thunberg in Schweden „Frau des Jahres“, in Zeit online vom 8. März 2019, aufgerufen am 8. März 2019
  69. Greta Thunberg wird mit der Goldenen Kamera 2019 ausgezeichnet. goldenekamera.de. 18. März 2019, abgerufen am 19. März 2019.