Gretchen Dutschke-Klotz

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Gretchen Dutschke stellte 2018 auf der Leipziger Buchmesse ihr Buch 1968: Worauf wir stolz sein dürfen vor.

Gretchen Dutschke-Klotz, geb. Klotz (* 3. März 1942 in Oak Park, Illinois) ist eine aus den USA stammende Autorin und ehemalige Studentenaktivistin. Sie wurde als Witwe des 1979 verstorbenen Aktivisten der deutschen 68er-Bewegung Rudi Dutschke bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gretchen Klotz ist die Tochter eines Apothekers und einer Hausfrau. Sie begann ein Theologiestudium am Wheaton College in Illinois. Als Passagier eines Frachtschiffs kam sie nach Antwerpen und begann einen Kurs am Goethe-Institut in München. Bei einem Besuch in West-Berlin lernte sie im Sommer 1964 Rudi Dutschke kennen. Nach ihrer vorübergehenden Rückkehr in die USA bot sie ihm brieflich eine freie Partnerschaft an, da sie ihn in seiner politischen Arbeit unterstützen und nicht einengen wolle. Im März 1965 willigte Dutschke ein, worauf Klotz nach Deutschland zog und ein Theologiestudium in Hamburg begann.

Doch bald wollte das Paar zusammenleben, was in Dutschkes Freundeskreis abgelehnt wurde:

„Feste Bindungen, Ehen gar, waren unter Rudis Bekannten verpönt. Frauen galten als Zubehör, das nach Belieben weggelegt werden konnte.“[1]

Dennoch bezogen sie im Dezember 1965 in Berlin eine gemeinsame Wohnung und planten auch zu heiraten:

„Das beendete den Erklärungsnotstand gegenüber unseren Eltern. Und das brachte Geld, denn der Senat zahlte damals jedem Paar, das in West-Berlin heiratete, 3000 Mark.“[2]

An der FU Berlin setzte Klotz ihr Theologiestudium bei Helmut Gollwitzer fort, das sie dort, nach Unterbrechungen, 1971 mit dem Magisterexamen abschloss. Thema ihrer Abschlussarbeit waren „revolutionäre Bewegungen zur Zeit Christi“.[3] Gollwitzer gehörte mit seiner Frau bald zu ihrem engeren Freundeskreis; er ließ die Familie Dutschke zeitweilig in seiner Villa in Berlin-Dahlem wohnen und kümmerte sich später nach dem Ableben Rudi Dutschkes um dessen Beerdigung.

Gretchen Klotz versuchte, in ihrer Partnerschaft die Gleichberechtigung von Mann und Frau umzusetzen. Am 23. März 1966 heiratete[4] sie Dutschke und hatte mit ihm im Verlauf ihrer Ehe drei Kinder (Hosea-Che, Polly-Nicole und Rudi-Marek, der erst nach dem Tod seines Vaters zur Welt kam). Sie war eine der ersten Partnerinnen linker Studentenführer im damaligen Sozialistischen Deutschen Studentenbund, die sich für die Belange der Frauen einsetzte. Die Idee der Kommune I als einer kollektiven, nichtentfremdeten Arbeits- und Lebensgemeinschaft ging ursprünglich auf ihre Initiative zurück.

Auch als Mutter nahm Dutschke-Klotz regen Anteil an den politischen Aktivitäten der Westberliner Studentenbewegung. Nach dem Attentat auf ihren Mann half sie ihm in monatelanger intensiver Betreuung, sein Sprachzentrum wieder zu entwickeln und neu sprechen zu lernen. Nach Dutschkes Tod 1979 zog sie 1985 zurück in die USA, wo sie in Waltham, Massachusetts, lebte; seit 2010 ist sie wieder in Berlin wohnhaft.

Dutschke-Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gretchen Dutschke-Klotz ist die Autorin der bislang detailreichsten Biographie über Rudi Dutschke, die sowohl seine Herkunft und privaten Verhältnisse als auch seine politische Entwicklung ausführlich und persönlich, aber auch kritisch darstellt. Sie enthält viele Informationen, die bis dahin kaum oder gar nicht bekannt waren, etwa Dutschkes positives Verhältnis zur Deutschen Einheit oder seine Utopie einer Berliner Räterepublik analog zur Pariser Kommune.

Ferner veröffentlichte sie 2003 Dutschkes Tagebücher, die er von 1963 bis zu seinem Tod 1979 geführt hatte. Im Nachwort dazu setzt sie sich mit verschiedenen heutigen Deutungen der Politik ihres Mannes auseinander. Insbesondere dessen nationalistische Vereinnahmung durch ehemalige Mitstreiter wie Bernd Rabehl findet ihren energischen Widerspruch.

Ausgehend von unter anderem Dutschkes Tagebüchern und den Büchern von Gretchen Dutschke-Klotz entstand 2009 der kombinierte Dokumentar- und Spielfilm Dutschke, in dem sie auch auftrat beziehungsweise von Emily Cox dargestellt wurde.

2018 – 50 Jahre nach der 68er-Bewegung – blickt Gretchen Dutschke in einem neuen Buch auf ihr Leben und die Erfolge der Bewegung zurück.[5]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, ISBN 978-3-462-02573-6.
  • als Hrsg.: Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die Tagebücher 1963–1979. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2003, ISBN 978-3-442-73202-9.
  • 1968. Worauf wir stolz sein dürfen. Sven Murmann Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2018, ISBN 978-3-961-96006-4.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gretchen Dutschke-Klotz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biographie, S. 81.
  2. Biographie, S. 81.
  3. Gretchen Dutschke Ein revolutionäres Studium. In: Freie Universität Berlin, hrsg. von der Presse- und Informationsstelle der FU Berlin, Berlin 1998, ISBN 3-87584-719-9, Seite 87.
  4. Gerhard Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre. Pahl-Rugenstein, Köln 1977, S. 183.
  5. 1968 - Das neue Buch von Gretchen Dutschke | Offizielle Website. Abgerufen am 14. Februar 2018 (englisch).
  6. sueddeutsche.de: Rezension