Grevenstein

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Dieser Artikel beschreibt den Ortsteil der Stadt Meschede in Nordrhein-Westfalen. Ein Ortsteil der Gemeinde Roggenstorf in Mecklenburg-Vorpommern trägt ebenfalls den Namen Grevenstein. Zum Offizial und Generalvikar des Erzbistums Köln siehe Adam Grevenstein.

Koordinaten: 51° 18′ 8″ N, 8° 7′ 46″ O

Grevenstein
Stadt Meschede
Wappen von Grevenstein
Höhe: 395 m
Einwohner: 941 (30. Jun. 2014)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 59872
Vorwahl: 02934
Blick auf Grevenstein

Blick auf Grevenstein

Der sauerländische Erholungsort Grevenstein ist eine Titularstadt in Nordrhein-Westfalen. Am 30. Juni 2014 hatte Grevenstein 941 Einwohner.[1] Seit der kommunalen Neugliederung von 1975 gehört der Ort zur Stadt Meschede im Hochsauerlandkreis. Zuvor gehörte er dem Kreis Arnsberg an. Grevenstein ist Sitz der Veltins-Brauerei.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grevenstein liegt in einer Höhenlage von 400 bis 630 Meter über NN im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge am Oberlauf der Arpe unmittelbar östlich des Großen Sonnenstücks.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Februar 1324 wurde Grevenstein erstmals in einer Urkunde des Ritters Dietrich von Helden erwähnt[2] und besaß offenbar bereits eine städtische Selbstverwaltung. Als Stadtgründung der Grafen zu Arnsberg siedelte der befestigte Ort um eine Burg auf einer Bergkuppe oberhalb des Arpetals. Reste des ursprünglichen Burgturms bilden heute den Kirchturm der Pfarrkirche. Die Stadt gehörte dem Hansebund an und soll Handelsbeziehungen in die baltischen Länder gehabt haben.

Im Dreißigjährigen Krieg fielen verschiedentlich schwedische und kaiserliche Truppen in die Stadt ein. Die Grevensteiner Schützenbruderschaft St. Michael führt ihre Entstehung auf das Jahr 1664 zurück.

Michael Stappert Haus, Antoniusstrasse 8, 59872 Meschede (Grevenstein)

In Grevenstein wirkte Pfarrer Michael Stappert, auch Michael Stapirius, ein Gegner der Hexenverfolgung. Er verfasste den Brillen-Traktat, der erst 1676 durch den Amsterdamer Bürger Hermann Löher in dessen Buch Hochnötige Unterthanige Wemütige Klage Der Frommen Unschültigen veröffentlicht wurde. Er war bis 1621 Pfarrer in der sauerländischen Stadt Hirschberg (Warstein). An sein Wirken erinnert das Michael-Stappert-Haus und ein Bronzerelief am Hexenturm in Rüthen.

Die Pest im 17. Jahrhundert und Stadtbrände in den Jahren 1746 und 1843 brachten wiederholt Rückschläge in der Stadtentwicklung. Seit dem 18. Jahrhundert zog sich der Ort stärker in das Tal (Bachstraße) hinunter. Die Einwohnerzahl sank bis 1871 auf 524, stieg bis 1939 auf 598 und dann erst nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich an.

Der Ausbau des Wegenetzes und eine öffentliche Wasserversorgung, die 1893 von dem nach Pennsylvania ausgewanderten Grevensteiner Peter Conrad Nagel gestiftet wurde, verbesserten die Lebensbedingungen. So wurde 1893 auch eine Schützenhalle errichtet. Aus einer kleinen Gasthausbrauerei entwickelt sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Veltinsbrauerei, welche heute den Ort prägt.

Grevenstein um 1900

1891 wurde ein neuer Friedhof auf dem Ostfeld angelegt. Sechs Grabstellen (siehe Jüdischer Friedhof (Grevenstein)) zeugen hier auch von zwei jüdischen Familien, die seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Grevenstein nachweisbar sind. Ihr Haus in der Burgstraße wurde 1938 Zielscheibe des Novemberpogroms.[3] Die Spuren der zu dieser Zeit letzten jüdischen Grevensteinerin Lilli Lilienfeld verlieren sich mit der Deportation in das Ghetto Litzmannstadt in den folgenden Jahren.

Bei Kriegsende beherbergte der Ort hunderte Flüchtlinge und Evakuierte sowie osteuropäische Zwangsarbeiter. Im Rahmen der Ruhrkesselkämpfe nahmen am 11. April 1945 Soldaten der 5. US-Infanteriedivision Grevenstein nach kurzem Beschuss vom Ostfeld kommend ein und beendeten so die nationalsozialistische Herrschaft.[4]

Nach dem Weltkrieg entwickelte sich die touristische Infrastruktur mit Hotels, Pensionen, Wanderwegen, Skilift und Freibad. Das Freibad wird seit 2006 von einem gemeinnützigen Verein betrieben.

Am 1. Januar 1975 wurde Grevenstein in die Kreisstadt Meschede eingegliedert.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der ehemaligen Gemeinde Grevenstein Blasonierung:

In Silber ein goldbewehrter, rotgezungter blauer Adler.

Beschreibung:

Der älteste Siegelabdruck von 1348 bildet den landesherrlichen Adler der Grafen von Arnsberg ab. Die Arnsberger Wappensammlung von 1700 zeigt dieses Siegelbild in den Farben Schwarz in Silber, gemäß den Farben des Kurfürstentum Köln. 1911 wurden die Farben der Grafen von Arnsberg angenommen. Dabei wurden die Farben verwechselt, so dass jetzt „Blau in Silber“ genommen wurde. Die amtliche Genehmigung erfolgte am 24. Juni 1911.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veltins

Das größte Unternehmen im Ort ist die Brauerei Veltins.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgmannshof
Nothelferkapelle

Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes gehört die Pfarrkirche St. Antonius Einsiedler auf der höchsten Erhebung des Ortes und die Nothelferkapelle auf dem Ostfeld sowie das Burgnebengebäude; der ehemalige Wohnsitz der Burgmannenfamilie von Schade aus dem 16. Jahrhundert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemens Liedhegener: Grevenstein im Wandel der Zeit. Bigge 1965.
  • Reinhard Köhne: 350 Millionen Jahre alte Naturplastik bei Grevenstein. In: Sauerland, 37 (2004), 4, S. 185.
  • Detlev Arens: Sauerland mit Siegerland und Wittgensteiner Land: Kultur u. Landschaft im gebirgigen Süden Westfalens. Köln 1985, ISBN 3-7701-1534-1.
  • Wilfried Ehbrecht: Grevenstein (Historischer Atlas westfälischer Städte, Band 2). Münster 2014, ISBN 978-3-87023-368-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grevenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Meschede: Die Einwohnerstatistik von Meschede (PDF; 59 kB), abgerufen am 25. Dezember 2014
  2. Reinhard Köhne: in Jahrbuch Hochsauerlandkreis 2000, Hrsg. Der Landrat des HSK, Podszun Verlag Brilon, ISBN 3-86133-230-2, S. 88
  3. Michael Senger: Spurensuche. In: Jüdisches Leben im Hochsauerlandkreis (= Hochsauerlandkreis Schriftenreihe Bd.III), hg. von Rudolf Brüschke, Norbert Föckeler. Fredeburg 1994, ISBN 3-930271-18-4, S. 326ff.
  4. http://www.737thtankbattalion.org/archives/archives05.htm Fotos vom Einmarsch der US-Truppen 1945
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 335.
  6. Eduard Belke, Alfred Bruns, Helmut Müller: Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen. Arnsberg 1986, ISBN 3-87793-017-4, S. 150