Griesstetten

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Koordinaten: 49° 1′ 34″ N, 11° 34′ 53″ O

Griesstetten
Höhe: 361 m
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 92345
Vorwahl: 08464
Griesstetten (Bayern)
Griesstetten

Lage von Griesstetten in Bayern

Griesstetten ist ein Weiler mit einer Wallfahrtskirche im unteren Altmühltal, nahe Dietfurt (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz), unmittelbar am Main-Donau-Kanal am Talrand gelegen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallfahrtskirche zu den „drei elenden Heiligen“ in Griesstetten im Altmühltal. Aquarell von Siegfried Schieweck-Mauk, Eichstätt (Nr. 1197)

Bei Griesstetten wurde ein Grabhügelfeld mit mindestens 40 Grabhügeln gefunden sowie Siedlungsfunde der Urnenfelderzeit gemacht. Bauern der Jungsteinzeit gründeten in der Nähe um 2500 v. Chr. ein großes Dorf, das beim Bau des neuen Kanals entdeckt und archäologisch ergraben wurde, begleitet von naturwissenschaftlichen Forschungen zum damaligen Klima und zur damaligen Vegetation.

Bereits im 12. Jahrhundert lässt sich hier die Verehrung der „drei elenden Heiligen“ nachweisen, „elend“ im Sinne von „ausländisch, aus der Fremde kommend“. Denn um 1140 kamen zwei irische Benediktiner, der Ordenspriester Zimius und der Laienbruder Vimius, vom Schottenkloster St. Jakob in Regensburg ins untere Altmühltal. Sie ließen sich im nahen Ansiedel (heute „Einsiedel“) nieder und erbauten dort ein Haus mit einem kleinen Oratorium (Gebetsstätte). Später kam als dritter Eremit der Prior von St. Jakob, Pater Marinus, hinzu. Zahlreiche Menschen kamen mit ihren unterschiedlichsten Anliegen zu ihnen und fanden Hilfe. 1153 starb Pater Marinus, seine Mitbrüder begruben ihn im Oratorium. Sein Grab entwickelte sich in Kürze zu einer Pilgerstätte für die Bewohner aus der Umgebung. Durch die vielen Besucher fühlten sich Zimius und Vimius in ihrem klösterlichen Leben arg gestört. Abt Christian III. ließ deshalb in Griesstetten zu Ehren des hl. Bischofs Martin eine eigene kleine Kapelle errichten, in welcher der Marinus eine neue Ruhestätte fand. Nach einer Volkslegende schwammen seine Gebeine flussaufwärts bis zum neu erbauten Gotteshaus. Als ein Jahr später Vimius und Zimius starben, wurden auch sie in der Kirche begraben.

In den folgenden Jahrhunderten blühte die Wallfahrt zu den „drei elenden Heiligen“. 1212 erwähnt ein Schutzbrief Kaiser Friedrichs II. Griesstetten mit der Kapelle und dem Einsiedelhof als Besitz der Schottenmönche von St. Jakob in Regensburg.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche 1633 von schwedischen Truppen geplündert, stark beschädigt und in der Folgezeit nur notdürftig vor dem gänzlichen Verfall bewahrt. Ende des 17. Jahrhunderts blühte die Wallfahrt erneut auf, angestoßen durch den Weihbischof von Regensburg, Albert Ernst von Wartenberg. Er ließ die Reliquien der drei Mönche erheben und in einem großen gemeinsamen Sarg hinter dem Hochaltar zur Verehrung neu bestatten.

Wallfahrtskirche zu den „drei elenden Heiligen“ in Griesstetten im Altmühltal. Tuschfederzeichnung von Siegfried Schieweck-Mauk, Eichstätt (Nr. 1148)
Wallfahrtskirche zu den drei elenden Heiligen

In der Barockzeit wurde 1740 bis 1747 eine größere Wallfahrtskirche in Form eines achtseitigen Zentralbaus, in der Außenfassade durch toskanische Pilaster gegliedert, errichtet. Den Stuck fertigte Johann Michael Berg, Bruder des Eichstätter Hofstuckators Johann Jakob Berg. Das Kuppelgemälde zeigt die drei Elenden Heiligen inmitten von Ordensbrüdern im Himmel, gemalt von Johannes Adam Fux Maller. 1750 musste der Turm aus statischen Gründen um die Hälfte erniedrigt werden. Um die gleiche Zeit wurde der Hochaltar aufgestellt. Im Turm befindet sich ein dreistimmiges Paternoster-Geläute (ca. d ' ' - e ' ' - fis ' '); die Glocken stammen von 1500, 1949 und 1971. 1783 übertrug man die Reliquien der drei Heiligen in eine Mauernische auf der Evangelienseite. Zahlreiche Votivbilder bezeugen die Beliebtheit der drei Heiligen.

Bald nach Vollendung des Baues zogen sich die Schottenmönche aus Griesstetten zurück. 1849 ließ die Gemeinde drei große Reliquienkästen mit schön gefassten Wachsfiguren der „drei elenden Heiligen“ anfertigen. Auf diese Weise sollten die Reliquien an den Seitenwänden oder an den drei Altären der Kirche zur Verehrung gezeigt werden. Das Vorhaben scheiterte jedoch, weil die Gemeinde einen eigenen Festtag für die drei Heiligen wünschte. Dazu hätte ein Heiligsprechungverfahren stattfinden müssen, das man aus Kostengründen nicht anstrengte. Erst 1858 gelang es, Bedenken gegen die öffentliche Verehrung zu zerstreuen und eine bischöfliche Genehmigung zu erwirken. Ein Dekret des Regensburger Bischofs Ignatius von Senestrey von 1861 erlaubte, die Reliquien neu zu fassen, sie öffentlich zu zeigen und ihnen die Verehrung zu erweisen, „der durch die älteste Tradition geheiligt ist“. Seitdem ruhen in der Brust jeder wächsernen Figur die Reliquien in einem Behältnis aus Zink. Am 2. Juli 1862 fand die feierliche Übertragung der neugefassten Reliquien vom Franziskanerkloster in Dietfurt an ihren heutigen Platz statt.

Der Weiler Griesstetten gehört politisch zu Dietfurt, kirchlich zur Pfarrei Altmühlmünster (Bistum Regensburg), wird aber seit 1832 von den Dietfurter Franziskanern betreut. Neben der Pfarrkirche steht eine Wegkapelle „Hl. Dreifaltigkeit“ aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Panorama von Griesstetten vom Kreuzberg in Dietfurt aus fotografiert. April 2015

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Kerschensteiner: Wallfahrtskirche Griesstetten (= Kleine Kunstführer. Nr. 743). 3., neubearbeitete Auflage. Schnell und Steiner, Regensburg 2001, ISBN 3-7954-4476-4 (dort weitere Literaturangaben).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Griesstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien