Grigori Lipmanowitsch Sokolow

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Grigori Sokolow (2015)
Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben[1]
The Salzburg Recital
  DE 32 30.01.2015 (5 Wo.)
  AT 25 30.01.2015 (3 Wo.)
Schubert//Beethoven
  DE 36 22.01.2016 (… Wo.)
  AT 39 29.01.2016 (1 Wo.)
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Grigori Lipmanowitsch Sokolow (russisch Григорий Липманович Соколов, wiss. Transliteration Grigorij Lipmanovič Sokolov; * 18. April 1950 in Leningrad) ist ein russischer Pianist. Er gilt als einer der bedeutendsten Pianisten der Gegenwart.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grigori Sokolow während eines Konzerts im Kongresshaus Stadthalle Heidelberg (2015)

Bekanntheit erlangte der Absolvent des Konservatoriums von Leningrad durch den Sieg beim 3. Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb 1966. Sokolow wurde neben dem 1. Preis in der Kategorie Klavier, nach einer Intervention des Jury-Vorsitzenden Emil Gilels,[3] auch der Gesamtsieg, die Goldmedaille des Tschaikowsky-Wettbewerb unter großem Protest des Publikums zugesprochen.[4]

Obwohl Sokolow in den 1970er und 1980er Jahren in der damaligen Sowjetunion eine beeindruckende Karriere machte, durfte er nur selten zu Konzertauftritten ins Ausland reisen, was ihn im Westen nur langsam bekannt werden ließ. Er gibt zudem ungern Interviews, verweigert Studioaufnahmen und tritt nicht mit Orchester auf, da ihm die Probenzeiten für Orchesterkonzerte zu kurz erscheinen.[5]

Inzwischen hat Sokolow über 1000 Konzerte gegeben, die oftmals begeisterte Kritiken erhielten, darunter in der Carnegie Hall in New York und im Wiener Musikvereinssaal. Der zurückhaltend auftretende Künstler veröffentlichte Platteneinspielungen bei dem kleinen französischen Label Opus 111, das zu dem Independent-Label Naïve Records gehört. Darunter sind Werke von Bach, Beethoven, Brahms und Chopin.

Seine Programmzusammenstellungen erinnern an die große Zeit der russischen Virtuosenschule, die u. a. auf Anton Rubinstein zurückgeht. So scheut sich Sokolow keineswegs, einen Abend mit Froberger zu beginnen und bei Skrjabin zu enden.

Die Deutsche Grammophon veröffentlichte im Januar 2015 einen Live-Mitschnitt von Sokolows Salzburger Festspielkonzert aus dem Sommer 2008 unter dem Namen The Salzburg Recital. Die Veröffentlichung wurde in der Presse überaus positiv besprochen[6] und wurde im Oktober 2015 mit dem ECHO Klassik in der Kategorie Solistische Einspielung des Jahres ausgezeichnet. Im September 2015 sorgte Sokolow für Aufsehen, als er den italienischen Musikpreis Cremona Music Award vor dessen Verleihung zurückwies und seine Beweggründe in Form einer handschriftlichen Notiz auf seiner Webseite veröffentlichte.[7]

Sokolow ist für seine „makellose, brillant virtuose Technik“ anerkannt, die „den Klang voll und satt […], ohne je massiv“ wirken lässt und dadurch eine „Freilegung höchster Musikalität“ erzeugt.[8]

Sokolow ist verwitwet und lebt in Sankt Petersburg[9] und Verona.[10][11]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1966: 1. Preis beim Tschaikowski-Wettbewerb (jüngster Preisträger aller Zeiten)[12]
  • 2010: Klavier-Festival Ruhr – Ehrenpreis für seine außerordentlichen Leistungen
  • 2015: DaCapo KlassiK Award - Pianist of the Year
  • 2016: ECHO Klassik in der Kategorie Instrumentalist des Jahres (Klavier) für die Einspielung Schubert/Beethoven[13]

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DVD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chartquellen: Deutschland - Österreich
  2. Für Christine Lemke-Matwey ist er gar „der bedeutendste Pianist der Welt“; vgl. ihren Beitrag Grigory Sokolov. „Die Musik hört niemals auf“, in: Die Zeit, 30. April 2015 (online)
  3. Tom Service: The drama continues at the Tchaikovsky Competition in Moscow. The Guardian, 29. Juni 2011, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  4. Alessandra Stanley: Musical Tradition of Acrimony. The New York Times, 2. Juni 1994, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  5. James Rhodes: The greatest living pianist. The Spectator, März 2011, abgerufen am 10. Januar 2016 (englisch).
  6. Pressestimmen German. Deutsche Grammophon, abgerufen am 27. Oktober 2015.
  7. Grigory Sokolow lehnt Preis ab. Klassik Radio, 29. September 2015, abgerufen am 27. Oktober 2015.
  8. Die fabelhafte, eigenwillige, wundersame Welt des Grigory Sokolov. Crescendo, 27. Januar 2015, abgerufen am 12. November 2015.
  9. Andreas Kunz, Mario-Felix Vogt: Der Zauberer. Fono Forum, Februar 2015, abgerufen am 10. Januar 2016.
  10. Managing Migration: Point-Based System, Thirteenth Report of Session 2008-09, Volume II. House of Commons, 2009 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  11. Harriet Smith: Icons – Grigory Sokolov. Gramophone, 22. März 2016, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch).
  12. Stephen Wigler: Pianist mistakes his slow style for profundity. The Baltimore Sun, 14. Juli 1992, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  13. ECHO Klassik. Preisträger 2016. ECHO Klassik, abgerufen am 20. Juli 2016.
  14. Werner Theurich: Ausnahmepianist Sokolov: Nix für Feiglinge. Spiegel Online, 9. Februar 2014, abgerufen am 13. Januar 2016.
  15. Werner Theurich: Ausnahmepianist Sokolov: Grundsanierter Schubert, aberwitziger Beethoven. Spiegel Online, 10. Januar 2016, abgerufen am 13. Januar 2016.
  16. Meret Forster: Klavierkonzert Nr. 1 von Frédéric Chopin. BR-Klassik, 2. April 2016, abgerufen am 1. Juni 2016.
  17. Grigory Sokolov - Live in Paris. In: YouTube. EuroArts Music International, 13. Mai 2011, abgerufen am 15. Januar 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grigori Lipmanowitsch Sokolow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien