Grille (Schiff, 1934)

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Aviso Grille (II)
Aviso Grille
Schiffsdaten
Kiellegung: 1934
Stapellauf: 15. Dezember 1934
Bauwerft: Blohm & Voss, Hamburg
Technische Daten
Verdrängung: Standard: 2560 t
Maximal: 3430 t
Länge: KWL: 115 m
über alles: 135 m
mit Bugspriet: 143 m
Breite: 13,5 m
Tiefgang: 3,4 - 4,2 m
Maschinenanlage:
Leistung an den Wellen: Dauerlast: 22.000 shp
Probefahrt: 26.400 PS
Höchstgeschwindigkeit: 26 kn
Bewaffnung:
  • 3 x 12,7 cm L/45 C/34 (3x1)
  • 4 x 3,7 cm L/83 C/33 (2x2)
  • 4 x 2 cm L/65 C/30 (4x1)

Der Aviso Grille war ein deutsches Kriegsschiff und eine Staats-Yacht, die Adolf Hitler und seiner Führung für private und repräsentative Zwecke zur Verfügung stand. Der Name sollte die Kontinuität der preußischen königlichen Marine zu der deutschen Marine des Dritten Reiches betonen, denn die erste königlich-preußische Yacht von 1857 trug auch den Namen Grille .

Staatsyacht - Geschenk für Adolf Hitler[Bearbeiten]

Das Schiff wurde ursprünglich von der Marineführung als Flottentender C geordert. Es war ein leicht bewaffnetes Hilfsschiff, das Versuchszwecken für den Hochdruckturbinenantrieb dienen sollte. Doch dann beschloss die deutsche Industrie, das Schiff Adolf Hitler als Staatsyacht für seine Zwecke zu schenken. Der Stapellauf war am 15. Dezember 1934 bei der Bauwerft Blohm in Hamburg, die Indienststellung 1935. Das Schiff war insgesamt schlicht gestaltet.[1] Einige Räumlichkeiten des Schiffes wurden speziell für Adolf Hitler eingerichtet. So war der Maler Karl Ewald Olszewski beauftragt worden, die Ausstattung mehrerer Räume vorzunehmen.[2]

Auf dem Schiff traf sich häufig die nationalsozialistische Elite.[3] [4] Es wurde mehrfach bei offiziellen Anlässen eingesetzt, wie bei der Flottenparade anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum der Seeschlacht im Skagerrak am 30. Mai 1936, den Segelwettkämpfen bei den Olympischen Sommerspielen 1936, dem Staatsbesuch des ungarischen Reichsverwesers Admiral Miklós Horthy im Sommer 1938, dem Staatsbesuch des italienischen Königs Viktor Emanuel III. im August 1939 und dem Staatsbesuch Benito Mussolinis im Sommer 1942. Auch die deutsche Delegation unter Reichswehrminister und Generalfeldmarschall Werner von Blomberg konnte das Schiff anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten von König George VI. und der dazu stattfindenden Flottenparade vor Spithead vom 12. bis 13. Mai 1937 in Großbritannien nutzen.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Grille war mit drei 12,7-cm-Kanonen, vier 3,7-cm-Flak in zwei Doppellafetten und vier 2-cm-Flak C/30 ausgestattet und konnte mit ihrer Minenlegerausrüstung 280 Seeminen transportieren und verlegen. Bei Kriegsbeginn 1939 verlegte sie Minen vor Wilhelmshaven und wurde durch einen Minenlegeeinsatz in der Themsemündung eines der ersten in britischen Gewässern eingesetzten deutschen Kriegsschiffe. In der Nacht zum 14. Januar 1940 rammte die Grille vor Kiel den kleinen dänischen Frachter Axel, der kurz darauf versank. Die Besatzung des Frachters konnte von der Grille gerettet werden und auch die Grille hatte keine personellen Ausfälle, doch musste das Schiff für mehrere Monate zur Reparatur in die Werft.[5] Erst spät im Jahr 1942 in Marinegrau gestrichen, wurde die Grille als Stabsschiff und Hauptquartier des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder, im Nordmeer verwendet und in Narvik stationiert. Ab Frühjahr 1944 führte Fregattenkapitän Reinhard Suhren von der Grille aus den Befehl über die U-Boote im Nordmeer.

Kommandanten[Bearbeiten]

Die Grille hatte folgende Kommandanten:

Nachkriegsjahre[Bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde das Schiff im Lofjord bei Trondheim interniert. Es wurde Kriegsbeute Großbritanniens und wurde 1946 von einem kanadischen Reeder gekauft. Dieser gab es 1948 an den im Auftrag des ägyptischen Königs Faruk I. handelnden libanesischen Textilfabrikanten George Arida weiter. Der König verlor noch vor Übernahme des Schiffes das Interesse, und Arida versuchte daraufhin, in New York Interessenten für das Schiff zu finden, wo es zeitweilig gegen Eintritt als Touristenattraktion besichtigt werden konnte. Im April 1951 wurde das Schiff verkauft, zu einer Werft in Bordentown (Burlington County, New Jersey) am Delaware River geschleppt und dort abgewrackt.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Breyer: Spezial- und Sonderschiffe der Kriegsmarine (= Marine-Arsenal mit internationalen Flottennachrichten und Marinerundblick. Bd. 30). Band 1. Podzun-Pallas, Wölfersheim-Berstadt 1995, ISBN 3-7909-0523-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus, 5. Auflage, München 2007, S. 429.
  2. Mortimer G. Davidson: Kunst in Deutschland 1933-1945, Band II/1, Tübingen 1991, ISBN 3-87847-095-9, S. 12.
  3. Walter Kempowski: Haben Sie Hitler gesehen? Haben Sie davon gewußt? Mit einem Vorwort von Joachim Gauck, Band 6 von Die deutsche Chronik, Albrecht Knaus Verlag, München 2012, ISBN 3-641-07342-1, S. 102, Kaufmann 1917.
  4. Ralph Giordano: Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, ISBN 3-462-30940-4. Per google books [1] Einsicht 22.September 2015
  5. Köhlers Flottenkalender 1988, Köhlers Verlagsgesellschaft Herford, Seiten 148-149
  6. 2013 bot ein Werkstättenbesitzer einen Toilettensitz des Schiffes, der vom Abwracken stammt und seitdem in seiner Werkstatt Verwendung fand, zum Verkauf an. (Hitler's toilet from his private yacht finds a new home... in a New Jersey car repair shop, Daily Mail am 1. Februar 2013)