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Grimselpass

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Grimselpass
Blick auf die Passhöhe und den Totesee gegen Süden.
Blick auf die Passhöhe und den Totesee gegen Süden.
Himmels­richtung Nord Süd
Passhöhe 2163 m ü. M. [1]
Kantone Kanton Bern Bern Kanton Wallis Wallis
Wasser­scheide Aare > Rhein Rhone
Talorte Innertkirchen, Guttannen Gletsch
Ausbau Strasse
Erbaut 1894
Winter­sperre Oktober – Mai
Gebirge Berner Alpen (West)
Urner Alpen (Ost)
Profil
Länge 26 km 6 km
Anstieg 1540 m 408 m
Ø-Steigung 5,9 % 6,8 %
Max. Steigung 11 % 9 %
Karte (Bern)
Grimselpass (Kanton Bern)
Grimselpass (Kanton Bern)
Koordinaten 668858 / 157041Koordinaten: 46° 33′ 40″ N, 8° 20′ 12″ O; CH1903: 668858 / 157041

Der Grimselpass ist ein Schweizer Gebirgspass, der das Berner Oberland mit dem Oberwallis verbindet und die Berner von den Urner Alpen trennt. Innerhalb der Schweiz wird er oft in Kurzform als (die) Grimsel bezeichnet, seltener in männlicher Form (der Grimsel). Die Passhöhe (Kantonsgrenze) liegt auf 2163 m ü. M.[1] an der europäischen Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Nordsee. Der historische Säumerpfad wurde im 19. Jahrhundert zu einer modernen Hochalpenstrasse ausgebaut, die im Sommer offen ist; ihr Scheitelpunkt liegt nur wenig nordöstlich auf Walliser Seite (2164 m ü. M.).[1]

Die erste sicher belegte Nutzung des Grimselpasses für den Saumverkehr datiert aus dem 14. Jahrhundert. Die Benutzung während der Römerzeit und eine Überquerung im Jahr 1211 durch Truppen des Herzogs von Zähringen sind nicht gesichert. 1397 schlossen die Landschaften Pomatt, Goms und Hasli sowie die Städte Unterseen, Thun und Bern ein Abkommen, in dem sie vereinbarten, für den freien und sicheren Handelsverkehr zu sorgen und den Saumpfad über die Grimsel zu unterhalten (Säumerordnung). Der Pass diente zusammen mit dem Griespass als Verbindung vom Kanton Bern und von der Innerschweiz (über den Brünigpass) nach dem italienischen Val d’Ossola und weiter nach Oberitalien. Von Norden nach Süden wurden Käse und Vieh transportiert, von Süden gelangte Wein, Reis, Mais, Salz, Öl und kleine Gerätschaften nach Norden. Der Saumverkehr kam mit der Eröffnung der Gotthardbahn im Jahre 1882 zum Erliegen; der Pass gewann aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts an touristischer Bedeutung.[2] Vom historischen Saumpfad entlang der Aare und von der Passhöhe ins Goms sind noch viele Spuren erhalten.

Am 12. Dezember 1889 genehmigte die Bundesversammlung den Beschlussentwurf des Bundesrates für einen Beitrag des Bundes für den Bau einer Fahrstrasse über den Grimselpass. Der Bund übernahm zwei Drittel der Kosten von 1,6 Millionen Franken; der Rest und die Kosten des späteren Unterhaltes oblagen den Kantonen Bern und Wallis. Begründet wurde dies in erster Linie mit der Bedeutung der Strasse für die Landesverteidigung, in zweiter Linie auch für den Tourismus. Die minimale Breite der Strasse sollte 4,2 m, die maximale Steigung 8,6 Prozent betragen.[3][4] Am 29. September 1894 fand im Schneetreiben die Eröffnungsfahrt mit Bundesrat Karl Schenk und sieben Mitgliedern der Kantonsregierungen von Bern und Wallis statt.[5]

Ab dem 15. Juni 1895 fuhren während des Sommers täglich zwei Postkurse der eidgenössischen Postverwaltung über den Pass. Die Fahrtzeit von Meiringen nach Gletsch betrug sieben Stunden, in umgekehrter Richtung fünfeinhalb Stunden. Mit jedem der vier Postkurse konnten 20 Reisende über die Grimsel befördert werden.[6] Die Pferdepost beförderte im Jahr 1895 in den Sommermonaten 4765 Reisende; im Jahr 1911 wurde mit 6048 Fahrgäste die höchste Zahl registriert. Mit den erstmals im Sommer 1921 eingesetzten Postautos reisten im ersten Jahr 7649, 1929 bereits 39'144 Passagiere.[7]

Als Folge des Baus der Wasserkraftwerke der Kraftwerke Oberhasli AG in diesem Gebiet wurde die Strasse zwischen 1920 und 1950 ausgebaut und teilweise neu angelegt.

Während mehrerer Jahrzehnte kam es an der Grimselpassstrasse zwischen Innertkirchen und Guttannen immer wieder zu Felsstürzen. Zeitweise galt in diesem Bereich der Passstrasse das Nachtfahrverbot, und der Grimselverkehr wurde über Understock umgeleitet. Weil eine Felsnase namens Chapf 900 Meter oberhalb der Strasse in eine unstabile Lage geriet, entschlossen sich die Bundesbehörden zur kontrollierten Sprengung der Fluh. Am 4. Oktober 2001 wurde der Chapf nach monatelangen Bohrungen weggesprengt. Mit 150'000 Kubikmeter gelöstem Gestein war dies bisher die grösste Sprengung in der Schweiz.[8]

Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 2,3 °C, wobei im Februar mit −4,5 °C die kältesten und im August mit 10,3 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 188 Frosttage und 92 Eistage zu erwarten. Sommer- und Hitzetage werden keine verzeichnet. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von 1980 m ü. M.

Grimsel Hospiz
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
190
 
-2
-7
 
 
163
 
-2
-8
 
 
169
 
0
-6
 
 
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3
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5
 
 
126
 
13
7
 
 
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13
7
 
 
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10
4
 
 
129
 
7
1
 
 
168
 
2
-3
 
 
184
 
-1
-6
_ Temperatur (°C)   _ Niederschlag (mm)
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[9]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Grimsel Hospiz
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) −4,5 −4,9 −2,6 0,2 4,3 8,2 10,2 10,3 6,9 4,0 −0,7 −3,5 2,4
Mittl. Tagesmax. (°C) −1,8 −2,0 0,3 3,0 7,3 11,4 13,2 13,3 9,7 6,8 1,7 −0,9 5,2
Mittl. Tagesmin. (°C) −7,4 −7,9 −5,5 −2,7 1,4 4,9 7,0 7,3 4,2 1,4 −3,1 −6,2 −0,5
Niederschlag (mm) 190 163 169 150 159 127 126 139 129 129 168 184 Σ 1833
Sonnenstunden (h/d) 2,3 3,4 4,2 4,1 4,4 5,3 5,7 5,5 4,7 3,7 2,1 1,8 3,9
Regentage (d) 12,1 11,8 13,2 12,5 13,9 14,6 13,4 13,8 11,3 10,8 11,6 12,7 Σ 151,7
Luftfeuchtigkeit (%) 65 67 72 74 76 77 77 76 77 71 71 67 72,5
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[9]

Der Höchstwert bei der Durchschnittstemperatur des Monats Januar wurde 2020 mit −1,4 °C erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord von 1989 (−1,7 °C) gebrochen.[10]

Hotel Grimsel Hospiz, 2023
Blick von der Passhöhe nach Norden auf Grimselsee, Grimsel Hospiz und Räterichsbodensee

Auf der Nordseite liegen drei mit Stollen verbundene Stauseen. Aufsteigend nach ihrer Meereshöhe sind dies der Räterichsbodensee, der Grimselsee und der Oberaarsee. Der Räterichsbodensee und der Grimselsee liegen unmittelbar an der Passstrasse. Ebenfalls im nördlichen Grimselgebiet befindet sich der Stausee Gelmersee. Die Stauseen werden durch die Kraftwerke Oberhasli betrieben. Auf der Passhöhe liegt der Totesee.

Auf der Talseite der Staumauer des Räterichsbodensee wurde im September 2007 das grossformatige Bild der Wasserjungfrau Mélisande des Künstlers Pierre Mettraux vollendet. Auf einer Halbinsel im Grimselsee unterhalb der Passhöhe befindet sich das Hotel Grimselhospiz.

Südrampe, links unten Gletsch

Auf der Nordseite beginnt die Passstrasse als Teil der vom Jura kommenden Hauptstrasse 6 im Haslital etwa zwei Kilometer nach dem Dorfausgang im Süden von Innertkirchen. An dieser Stelle ist die Strasse nicht sehr steil, steigt aber stetig an. 9 km nach Innertkirchen erreicht man Guttannen, das auf 1060 m liegt (Innertkirchen 625 m). Nach Guttannen steigt die Strasse wiederum mit ungefähr gleicher Steigung an, bis man nach sechs Kilometer Handegg erreicht.

Von dort kann man mit einer der steilsten Standseilbahnen der Welt, der Gelmerbahn, den Gelmersee erreichen. Nach der Handegg verläuft die Strasse in einer vergleichsweise steilen S-Kurve und in einem der zahlreichen Tunnel. Danach ist man über der Baumgrenze, und nach einigen Serpentinen erreicht man den Räterichsbodensee.

Eine Zeit lang verläuft die Strasse hier am See, bis sie wiederum in Serpentinen mit grosser Steigung zum Grimselsee ansteigt. Hier befindet sich das Hospiz. Die Strasse steigt wieder ziemlich steil an, es sind noch sechs Serpentinen (150 Höhenmeter) bis zur Passhöhe. An der Passhöhe gibt es drei Hotels und einen kleineren See, den Totesee.

Auf der Südseite steigt die Strasse von Oberwald her steil an und verläuft durch Fichtenwald bis nach Gletsch an der Baumgrenze. Dort zweigt die Strasse von der Hauptstrasse 19 ab, die weiter auf den Furkapass führt. Die Grimselpassstrasse verläuft nun in gleichmässigen Serpentinen steil bis zur Passhöhe. In umgekehrter Fahrtrichtung hat man Aussicht auf das Goms, den etwas höher gelegenen Furkapass und in der Ferne die Walliser Alpen.

Die Grimselpassstrasse ist Teil der Aare-Route, der nationalen Veloroute 8 der Schweiz. Die Passstrasse steigt auf der Südseite kurz aber steil an, während sie auf der Nordseite mit maximal 9 % ansteigt und eine Länge von 26 km hat.

Der Grimselpass stand bislang zehn Mal auf dem Programm der Tour de Suisse: 1937, 1953, 1956, 1962, 1973, 1986, 1996, 2002, 2007 und 2011. Dabei war er bei der siebten Etappe des Jahres 2007 Ankunftsort. Die Grimsel rangiert als achthöchster Pass, den die Rundfahrt überquerte (Stand November 2011, Höhenwertung bis 2010).

Felslabor Grimsel

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Im Bereich des Passes und der Kraftwerksanlagen liegt unter dem Juchlistock das Felslabor Grimsel der Nagra, in dem Experimente in kristallinem Gestein zur Erforschung der Endlagerung von radioaktiven Abfällen durchgeführt werden.[11]

Commons: Grimselpass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c Lage und Höhe bei «geo.admin.ch».
  2. Strecke BE 17. Meiringen–Obergesteln; Grimselpass. In: Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS). Juli 1990, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  3. Botschaft des Bundesrathes an die Bundesversammlung, betreffend Bewilligung eines Beitrages an den Bau der Grimselstrasse von Hof (Innertkirchen) bis Gletsch. In: Bundesblatt. 30. August 1889, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  4. 18. Grimselpass. In: Uebersicht der Verhandlungen der Schweizerischen Bundesversammlung. Wintersession 1889. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  5. Die Grimselstrasse. In: Der Bund. 1. Oktober 1894, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  6. Postkurse über den Grimselpass. In: Der Bund. 25. Januar 1895, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  7. Historische Alpenpostkutschen. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. Mai 1935, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  8. Beitrag des Schweizer Fernsehens zur Sprengung (Memento vom 10. November 2013 im Internet Archive) (abgerufen am 23. August 2013)
  9. Grimsel Hospiz. Normperiode 1991–2020. (PDF) In: meteoschweiz.admin.ch. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 31. März 2022; abgerufen am 30. März 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.meteoschweiz.admin.ch
  10. Felix Blumer: Rekorde im Januar - Rekorde bei Temperatur und Sonnenscheindauer. In: srf.ch. 1. Februar 2020, abgerufen am 4. Februar 2020.
  11. Felslabor Grimsel
  12. Schweizerische Eidgenossenschaft: Geoportal der Schweiz. Abgerufen am 7. Juni 2022.