Grindelwald

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Dieser Artikel erläutert den Ort in der Schweiz; zu anderen Bedeutungen siehe Grindelwald (Begriffsklärung).
Grindelwald
Wappen von Grindelwald
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Interlaken-Oberhasli
BFS-Nr.: 0576i1f3f4
Postleitzahl: 3818
UN/LOCODE: CH GRI
Koordinaten: 645546 / 164014Koordinaten: 46° 37′ 33″ N, 8° 2′ 0″ O; CH1903: 645546 / 164014
Höhe: 1'034 m ü. M.
Fläche: 171,1 km²
Einwohner: 3740 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 22 Einw. pro km²
Website: www.gemeinde-grindelwald.ch
Kirche

Kirche

Karte
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Grindelwald ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli des Kantons Bern in der Schweiz.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Grindelwald ist ein ursprünglicher Flurname und setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern grintil (Riegel, Sperre) und walt (Wald) zusammen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bachalp oberhalb Grindelwald, Aquatinta nach Caspar Wolf (1784)

Der Burgbühl in Grindelwald ist eine hochmittelalterliche Burgstelle. Die Augustinerpropstei Interlaken erhielt 1146 von König Konrad III. mehrere Reichsgüter. Interlaken vermehrte diesen Besitz durch zahlreiche Zukäufe, verdrängte die Adelsgeschlechter von Rotenfluh, von Ringgenberg, von Eschenbach und von Habsburg-Österreich und wurde mit sechzehn Lehen zur bedeutendsten Grundherrin im Tal.[2] Der Reichsvogt Berchtold V. von Zähringen besiegte 1191 in Grindelwald den oberländischen Adel. Die Grindelwaldner kämpften als Interlakner Gotteshausleute 1315 und 1332 gegen Unterwalden und litten schliesslich 1342 beim Einfall der Unterwaldner. In den Jahren 1348 und 1349 lehnten sie sich gegen das Kloster Interlaken auf. Erfolglos wehrten sich die Grindelwaldner 1528 mit Waffengewalt gegen die Einführung der Reformation durch Bern. An die Stelle des Klosters Interlaken als Grundherrin trat nun die Stadt Bern.

Grindelwald organisierte sich nutzungsrechtlich in den Alpen (Bergschaften). In den Einunge und Satzunge ze Grunde und an den Alpen Bach, Grindel, Holzmatten, Scheidegge, Wergistal, Intremen und zu Gletscher ordnete Propst Niklaus 1404 erstmals schriftlich die Alp-Weideverhältnisse.[3] Die Alp Bussalp war hiervon ausgenommen, da sie sich in habsburgischem Besitz befand.[4] 1538 fassten die Talleute bestehende Regelungen in der Taleinung zusammen. Die Bergrechte (Sömmerungsrechte) waren von da an (bis heute) an den Grundbesitz im Tal gebunden und durften nicht an Ortsfremde veräussert werden. Die bestehenden sieben Bergschaften Itramen, Wärgistal, Scheidegg, Grindel, Bach, Holzmatten und Bussalp erhielten in der frühen Neuzeit kommunalen Charakter und existieren heute als öffentlich-rechtliche Körperschaften nach dem Gesetz betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 28. Mai 1911 (Art. 20).[5]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaften, Weiler und Höfe der Gemeinde Grindelwald liegen verstreut im Talkessel der Schwarzen Lütschine im Berner Oberland zwischen Eiger, Wetterhorn, Fiescherwand und Faulhorn. Mit einer Fläche von 171.1 km² ist Grindelwald die fünfundzwanziggrösste Gemeinde der Schweiz und die drittgrösste des Kantons Bern. Höchster Punkt bildet mit 4'107 m ü. M. der Mönch, der tiefste Punkt liegt auf 720 m ü. M.

Auf dem Gebiet von Grindelwald liegen der Untere Grindelwaldgletscher und der Obere Grindelwaldgletscher. Beide sind Touristenattraktionen und reichten in der Zeit von ungefähr 1590 bis 1880 bis vor das Dorf. Sie speisen die Schwarze Lütschine, die das Tal entwässert. Ein rechter Zufluss der Schwarzen Lütschine ist der für den Bachlägerwasserfall bekannte Milibach.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1764 1850 1880 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1816 2924 3081 3346 3021 3053 3244 3511 3555 3733 4069 3809

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde lebt hauptsächlich vom Tourismus. Die Beschäftigung verteilt sich wie folgt auf die drei Wirtschaftssektoren: 5,4 Prozent Landwirtschaft, 19,5 Prozent Industrie und Gewerbe, 75,1 Prozent Dienstleistungen (Stand: 2000). Im Jahr 2007 wurden noch 126 Landwirtschaftsbetriebe gezählt.

Im Winter kommen vor allem alpine Wintersportler, im Sommer Wanderer und Touristen, die wegen der Bergkulisse anreisen. Der Fremdenverkehr hat eine lange Tradition. Schon früh versuchte man, die Berge den Gästen zugänglicher zu machen. Der Wetterhorn-Aufzug gilt als eine der ältesten personentransportierenden Seilbahnen der Welt. In Grindelwald befinden sich Hotels, Ferienwohnungen und -chalets, eine Jugendherberge, ein Jugendferienlager für behinderte Kinder und zwei Campingplätze.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wengernalpbahn in Grindelwald (2011)

Über die Berner Oberland-Bahnen besteht Anschluss nach Interlaken. Die Wengernalpbahn führt über die Kleine Scheidegg nach Wengen und Lauterbrunnen. Von der Kleinen Scheidegg besteht Anschluss mit der Jungfraubahn durch den Eiger auf das Jungfraujoch. Das Skigebiet Kleine Scheidegg/Männlichen wird durch eine Gondelbahn auf den Männlichen erschlossen; von dort aus führt eine Luftseilbahn ebenfalls nach Wengen. Eine weitere Gondelbahn führt ins Skigebiet First. Fahrten über die Grosse Scheidegg ins Haslital sind nur mit dem Postauto und mit dem Velo möglich. Im Sommer führt eine Luftseilbahn auf die Privatalp Pfingstegg am Mättenberg, Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Grindelwalder Gletschern, zur Schreckhornhütte und zum Chalet Milchbach, das durch einen Wanderwegtunnel erreicht werden kann. Auf dem Weg liegt das Gesteinsparadies Breitlouwina.

Bergbahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Busverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grindelwald – Bussalp
  • Grindelwald – Waldspitz
  • Grindelwald – Grosse Scheidegg – (SchwarzwaldalpMeiringen)
  • Grindelwald – Wärgistal / Itramen
  • Grindelwald – Pfingsteggbahn – Gletscherschlucht
  • Grindelwald – Terrassenweg (– Ob. Gletscher)

Pisten-Funi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1930er Jahren verfügte Grindelwald am zentrumsnahen Skischulhang Bodmi über ein spezielles Transportmittel für Wintersportler: die als Funi (Kurzform von «Funiculaire») bezeichnete Schlittenseilbahn, die 1995 als letzte ihrer Art eingestellt wurde.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Curling in Grindelwald (1965)

Grindelwald war der erste Kurort im Berner Oberland, der ab 1888 auch im Winter von Touristen besucht wurde. Die Gäste konnten Wintersportaktivitäten ausüben: anfangs Schlittenfahrten, Curling und Schlittschuhlaufen, ab 1891 Skifahren; später wurde eine Bobbahn errichtet.[6] Ab 1947 wurde der First als Skigebiet erschlossen, 1978 der Männlichen.[6] Ab 1932 wurden in Grindelwald die vom Schweizerischen Damen-Skiclub organisierten SDS-Rennen ausgetragen, die lange Zeit zu den wichtigsten alpinen Skirennen der Damen zählten und 1967 in den Weltcup integriert wurden. Die bislang letzten alpinen Weltcuprennen fanden 1992 statt.

Eine Grindelwalder Erfindung ist der Velogemel, ein einspuriger, lenkbarer Sportschlitten – vergleichbar mit einem Fahrrad aus Holz, das Kufen anstelle von Rädern besitzt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatmuseum

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die Naturschönheiten, insbesondere die Bergkulisse mit dem Fünfgespann Wetterhorn, Schreckhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Weitere Sehenswürdigkeiten sind alte Bauwerke wie die Kirche und das Pfarrhaus, die beide aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen in Grindelwald sind unter anderem das World Snow Festival, das internationale Landart Festival, die Eiger-Bike-Challenge, der Eiger-Ultra-Trail, Ski-Events und die Velogemel-Weltmeisterschaft.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grindelwald hat seit 1972 eine Partnerschaft mit dem Bergdorf Azumi Mura (2005 fusioniert mit Matsumoto) in Japan. Die Gemeinden organisieren regelmässig Austauschreisen mit grossen Events, um die Freundschaft zu pflegen.

Drehort für Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Almer (1907)

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Der Talkessel von Grindelwald vom Fuss der Eigernordwand bei Alpiglen gesehen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Balmer: 850 Jahre Grindelwald. Bilder und Notizen zum Jubiläumsjahr, Grindelwald 1997.
  • Anne-Marie Dubler: Grindelwald im Historischen Lexikon der Schweiz
  • Toni P. Labhart: Die Marmore von Grindelwald und Rosenlaui, Grindelwald 2005.
  • Toni P. Labhart, Manuel Kehrli: Kamine aus bernischen Marmoren, Stiftung Schloss Jegenstorf 2003.
  • Michael Matile: Kirche und Pfarrhaus von Grindelwald BE, Schweizerische Kunstführer, Serie 48, Nr. 475, Bern 1990.
  • Christian Rubi: Die alten Zeiten bis um 1850. Rechtliche, wirtschaftliche, politische, kirchliche und kulturelle Zustände, Grindelwald 1985.
  • Marianne Tiefenbach: Bergschaften in Grindelwald. Alppflege zwischen Tradition und Moderne, Grindelwald 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grindelwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Staatsarchiv Bern, C I a (Urkunden), Fach Interlaken, 23.08.1473
  3. Staatsarchiv Bern, C I a (Urkunden), Fach Interlaken, 16.03.1404, Rubi 1985, S. 19.
  4. Rubi 1985, S. 21.
  5. Taleinungsbrief (2002). (PDF, 86.92 KB)
  6. a b Anne-Marie Dubler: Grindelwald im Historischen Lexikon der Schweiz
  7. Michael Matile: Kirche und Pfarrhaus von Grindelwald BE. (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 475). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1990, ISBN 3-85782-475-1.