Grisette (Frau)

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Zeichnung von Paul Gavarni in Louis Adrien Huart, Physiologie de la grisette, Paris 1841

Der Begriff Grisette bezeichnete in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts eine junge, unverheiratete Frau niederen Standes, meist aus dem oberen Bereich der Unterschicht, die sich selbständig als Putzmacherin, aber auch als Näherin (Midinette), Wäscherin oder Fabrikarbeiterin ihren Lebensunterhalt verdiente. Sie wohnte alleine, ohne Aufsicht ihrer Eltern, was in dieser Epoche als unkonventionell galt. Der Name leitet sich ab von einem grauen, günstigen und strapazierfähigen Wollstoff namens Grisette,[1] den sie häufig als Kleid trugen und den sie sich auch von ihrem geringen Verdienst leisten konnten.

Mit dem Ausdruck wurde in Paris ein nicht ganz ehrbarer Lebenswandel verbunden. Manche Frauen, die als Geliebte von Studenten, Künstlern usw. im Quartier Latin mit ihren Liebhabern einige Zeit unverheiratet zusammenlebten, wurden als grisettes du Quartier latin bezeichnet. Die Grisette bildet literarisch das Gegenstück zum männlichen Bohémien, steht aber im Gegensatz zur Kokotte, der berufsmäßigen Prostituierten.

Zu den bekanntesten literarischen Grisette-Figuren gehören die Freundinnen Mimì und Musetta, Hauptfiguren in Puccinis Oper La Bohème. In der Operette Die lustige Witwe von Franz Lehár werden die abendlichen Vergnügungen der jungen Grisetten im „Maxim’s“ beschrieben. Eine weitere typische Beschreibung der Pariser Grisette findet sich in der Darstellung der Rigolette in Eugène Sues Roman Geheimnisse von Paris oder in Victor Hugos Les Misérables. Grisetten spielen auch eine Rolle in Georg Büchners Schauspiel Dantons Tod als Rosalie, Adelaide und Marion.

In seinem Buch Der Einzige und sein Eigentum (1844) beklagt Max Stirner das Schicksal sexuell frustrierter junger Frauen und schließt den Absatz mit dem Ausruf „Eine freie Grisette gegen tausend in der Tugend grau gewordene Jungfern!“[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Grisette – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ursula Hermann: Herkunftwörterbuch: Etymologie und Geschichte von 10000 interessanten Wörtern. Orbis Verlag, 1983, ISBN 3-572-00636-8, S. 184.
  2. LSR-Projekt von Bernd A. Laska