Groß Behnitz

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Groß Behnitz
Stadt Nauen
Koordinaten: 52° 34′ 46″ N, 12° 43′ 55″ O
Höhe: 37 m
Einwohner: 563 (31. Dez. 2002)
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 14641
Vorwahl: 033239
Landgut der Stobers, ehemals Landgut der Borsigs

Groß Behnitz ist ein Ortsteil der Stadt Nauen im Landkreis Havelland des Landes Brandenburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Groß Behnitz liegt südwestlich von Nauen am Ostufer des in der eiszeitlichen Beetzseerinne gebildeten Groß Behnitzer Sees.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Behnitz wurde 1173 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort befand sich im wechselnden Besitz verschiedener Adliger und wurde schließlich unter den Grafen von Itzenplitz umfangreich landwirtschaftlich genutzt.

Gut Groß Behnitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Groß Behnitz um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Ehemalige Brennerei auf dem Gut Groß Behnitz
Logierhaus

Peter Alexander von Itzenplitz (1768–1834), Landrat des havelländischen Kreises, ließ um 1800 ein Herrenhaus oberhalb des Groß Behnitzer Sees errichten. Im Jahr 1866 wurde der Gutshof nach Misswirtschaft und Verschuldung an Albert Borsig (1829–1878), den Sohn von August Borsig (1804–1854), verkauft. Unter seiner Leitung entstand ein umfangreiches Ensemble von Ziegelbauwerken und ein agrarischer Musterbetrieb mit modernsten Technologien, der 1923 eine Größe von 2.700 ha erreichte.

Zu dem barocken Gutshof (Dorfstraße 24) gehörten zwei als Wirtschaftsgebäude genutzte Turmhäuser im italianisierenden Villenstil der 1870er Jahre, die aus zwei Gebäuden und Schornstein bestehende Brennerei (mit Eisensprossenfenstern und Säulchen), die Schmiede mit Wohnhaus und Werkstatt sowie Stallungen mit Arbeiterwohnhaus. Den Zugang bildet ein zweiflügeliges, schmiedeeisernes Tor, dessen rote Ziegelpfeiler frühklassizistische Embleme des ehemaligen Oranienburger Tores von Carl von Gontard tragen. Albert Borsig ließ diese 1867/1868 nach dem Abriss des Tores der Berliner Zollmauer von Berlin nach Groß Behnitz bringen.

Sowohl Albert Borsig als auch sein Enkel Ernst Borsig (1869–1933) interessierten sich als Mitglieder der Dendrologischen Gesellschaft für Botanik und bereicherten die Parkanlage mit wertvollen und seltenen Bäumen und Pflanzen.

Ernst von Borsig junior (1906–1945) übernahm 1933 das Gut von seinem Vater und führte es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Er schloss sich dem Kreisauer Kreis an, der sich während des Krieges mehrmals auf dem Gut traf.

Das Herrenhaus Groß Behnitz wurde 1946/1947 nach einem Dachstuhlbrand abgerissen. Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) nutzte das restliche Landgut bis 1990, das danach endgültig verwahrloste. Seitdem bemüht sich die Denkmalpflege um den Erhalt der Gebäude.

Im Jahr 2000 erwarb ein Investor einen Teil des ehemaligen Guts der Familie von Borsig und etablierte eine wirtschaftliche Nutzung in Form eines auf Kulturtourismus abzielenden Hotelbetriebes.[1]

Militärgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Groß Behnitz befand sich vom 07. Oktober 1969 bis zum 07. Oktober 1986 die NVA-Kaserne der Raketenabteilung 1 (Abk.: RA-1).[2] Diese Kaserne trug den Ehrennamen Rudi Arndt und den Tarnnamen Ogarok (deutsche Schreibweise des russischen Wortes Огарок = „Kerzenstummel“).[2] Die Raketenabteilung 1 unterstand der 1. Mot.-Schützendivision (Abk.: 1. MSD) in Potsdam-Eiche, welche den Tarnnamen Morena (deutsche Schreibweise des russischen Wortes Морена = „Moräne“) trug.[3]

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Oktober 2003 wurde Groß Behnitz nach Nauen eingemeindet.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Ortsvorsteher und Mitglied der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Nauen ist Wolfgang Jung (LWN).
(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grablege der Industriellenfamilie Borsig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche mit Grablege der Borsigs

Hinter der Dorfkirche befindet sich eine ab 1866 für die Familie errichtete Grabanlage (mit den Gräbern des Albert Borsig, und des 1909 geadelten Ernst von Borsig, 1869–1933). 2003/04 wurde die 1922 errichtete Leichenhalle restauriert, nachdem ein Sturm eine alte Eiche auf selbige hatte stürzen lassen. Zur Finanzierung dienten u. a. eine Spende eines in München ansässigen Angehörigen der Familie von Borsig sowie Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Bahnhof mit klassizistischem Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in den 1870er Jahren erbaute Bahnhof mit klassizistischem Empfangsgebäude, Güterschuppen, Wasserturm, Streckenwärterhaus und Stellwerk. Der Bahnhof lag an der in den 1860er Jahren geplanten Eisenbahnverbindung von Hannover nach Berlin, die auf Grund einer Spende der Familie Borsig (15,5 ha Land und 10.000 Taler) über Groß Behnitz geführt wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortsteils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Borsig (* 13. September 1869 auf Gut Groß Behnitz; † 1933), deutscher Großindustrieller (Borsigwerke)

Mit Groß Behnitz verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Gotthilf Frosch (1776–1834), von 1814 bis 1825 Prediger und Landschulreformer in Groß Behnitz
  • Ernst von Borsig junior (1906–1945), von 1933 bis 1945 Gutsherr auf Gut Groß Behnitz, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Mitglied im Kreisauer Kreis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Groß Behnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jens Wegener: Landgut in Groß Behnitz heißt nun Stober. Erschienen am 18. Dezember 2015 in Märkische Allgemeine. Eingesehen am 31. Dezember 2015.
  2. a b Martin Rink, Rüdiger Wenzke: Standortdatenbank der Nationalen Volksarmee, der Grenztruppen der DDR und der sowjetischen (russischen) Streitkräfte in der DDR. Militärgeschichtliches Forschungsamt, abgerufen am 17. Juni 2016 (online, Suchbegriffe → Bezirk: Potsdam, Ort: Groß Behnitz).
  3. Martin Rink, Rüdiger Wenzke: Standortdatenbank der Nationalen Volksarmee, der Grenztruppen der DDR und der sowjetischen (russischen) Streitkräfte in der DDR. Militärgeschichtliches Forschungsamt, abgerufen am 18. Juni 2016 (online, Suchbegriffe → Abkürzung: MSD, Bezirk: Potsdam).
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003