Groß Förste

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Groß Förste
Gemeinde Giesen
Koordinaten: 52° 12′ 6″ N, 9° 54′ 56″ O
Fläche: 811 km²
Einwohner: 808 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 1 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31180
Vorwahl: 05066
Kath. Kirche St. Pankratius
Kath. Kirche St. Pankratius

Groß Förste ist ein Ortsteil der Gemeinde Giesen und liegt direkt an der Bundesstraße 6 (Messeschnellweg) zwischen Hildesheim und Hannover.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1068 übertrug Bischof Hezilo von Hildesheim dem Moritzstift umfangreichen Grundbesitz in Förste. Die Urkunde nennt den Anbau von landwirtschaftlichen Produkten wie Mohn und Flachs. Die ertragreiche Landwirtschaft und die Nutztierhaltung (u. a. Fisch) waren wahrscheinlich der Anlass zum erneuten Erwerb des Förster „Meierdings“ durch Bischof Hartbert (Bischof von Hildesheim 1199–1216) im Jahre 1201 und zur späteren Errichtung einer bischöflichen Mühle vor Ort.

Wirtschaftlich und kirchlich hatte Groß Förste besondere Bedeutung. Eine Urkunde Bischof Konrads II. schließt im Jahre 1240 mit den Worten: „Acta sunt hec in Caminata nostra aput Vorsatum.“ Demnach hielt sich der Hildesheimer Bischof des Öfteren in seinem „festen Haus“ in Förste auf.

Der Ort Groß Förste, der auch häufig in Urkunden als Vörste oder Vorsite überliefert ist, wird seit 1360 als Archidiakonatssitz urkundlich nachweisbar. Ende des 12. Jahrhunderts war bereits das Archidiakonat Hildesheim St. Andreas vorübergehend durch die Eingliederung des Bannes Förste erweitert worden; dies ist Hinweis darauf, dass später der Hildesheimer Archidiakon zeitweilig Patron der Pfarrei in Förste war. An der Archidiakonatskirche St. Pankratius, deren Bestehen bereits um 1000 vermutet wird, lässt sich für die Jahre 1236, 1240 und 1241 ein Pfarrer nachweisen.

Während Klein Förste seit dem Mittelalter zur Pfarrei St. Pankratius gehört, wurde die Filialgemeinde Hasede 1892 selbständige Pfarrei. Die Katholiken aus der Gemeinde Klein Giesen wurden jedoch erst nach dem 1. September 1940 aus der Pfarrei Groß Förste ausgegliedert, und die Kirchengemeinde St. Martin gebildet. Die St. Pankratius-Gemeinde, deren Patrozinium erstmals um 1360 genannt wird, befand sich im Hochmittelalter im Amt Steuerwald. Das Amt hatte besonders durch seinen evangelischen Inhaber Adolf von Holstein entscheidenden Einfluss auf die Einführung der Reformation in das Bistum Hildesheim.

Bereits während der Regierungszeit des Bischofs Friedrich von Holstein (1521–1556), einem Bruder des Herzogs, wurde unter dem Einfluss der welfischen Herzöge im Pfarrgebiet von Groß Förste die Reformation eingeführt (siehe auch Hildesheimer Stiftsfehde). Erst nach der Restitution des Hildesheimer Stiftgebietes 1643 – bzw. der „Normaljahrsbestimmung“ von 1624 im Westfälischen Frieden von 1648 – konnten die kath. Religionsverhältnisse in Groß Förste wieder gefestigt werden. Zuvor hatten sich über 70 Jahre lang abwechselnd kath. und ev. Geistliche um die Pfarrstelle in Groß Förste gestritten. Die konfessionellen Streitigkeiten resultierten häufig auch aus der voreingenommenen Arbeit des Leiters des Amtes Steuerwald, der häufig an sich bischöfliche Amtsangelegenheiten nur nach seiner konfessionellen Zugehörigkeit zugunsten der kath. oder ev. Kirche entschied. Als Ende des 16. Jahrhunderts der ev. Amtmann Borgentreich im Hause Steuerwald angestellt war, wurden die bischöflichen Erlasse zum Schutz der kath. Religion in Förste nicht ausgeführt. Nachdem die bischöfliche Regierung den Amtsinhaber zur Ausführung seiner Pflicht gemahnt hatte und sie gemäß dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 die Lutheraner aufgefordert hatte, die Gemeinde zu verlassen, wurden damit die konfessionellen Streitigkeiten zunächst bereinigt.

Der letzte lutherische Prädikant musste 1643 Groß Förste verlassen. Ihm folgte bei der Besetzung der Pfarrstelle der Jesuitenorden, diesem nach zweijähriger Tätigkeit Pfarrer Arnold Spiegel, der besonders den baulichen Zustand der ehemaligen Archidiakonatskirche St. Pankratius beklagte. Die Bausubstanz des Gotteshauses war so beschädigt, dass von 1688 bis 1696 die barocke Pankratiuskirche erbaut werden musste. Am 26. November 1661 ernannte das Hildesheimer Domkapitel Martin Bever zum Pfarrer in Groß Förste. Die Beverinische Stipendienstiftung und die gleichnamige Bibliothek, heute ein wichtiger Teil der Hildesheimer Dombibliothek, gehen auf die Gründung des Geistlichen aus Förste zurück.

Neben der politischen Veränderung infolge der Säkularisation trat auch durch die technischen Neuerungen in der Landwirtschaft ein Strukturwandel im Wirtschaftsleben ein. Die Ernteerträge von Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide sicherten den Förster Bauern ihren Lebensunterhalt. Das mit der Technisierung der Landwirtschaft einhergehende Wachstum der Bevölkerung wirkte sich in Groß Förste nur bedingt aus. Da aber eine geeignete Infrastruktur fehlte, konnten die im Ort hergestellten Produkte nur umständlich zum Verbraucher gelangen. Dementsprechend blieb auch dort die Gründung von Industriebetrieben aus. Nur die ortsansässigen Handwerksbetriebe, die für die Landwirtschaft notwendig waren, konnten in Groß Förste verbleiben.

1899 wurde der Neubau des Schulhauses und 1902 die Errichtung einer Sozialstation durch den Orden der Vinzentinerinnen notwendig. Seit der Entwicklung der Kaliindustrie Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich die bäuerliche Sozialstruktur des Dorfes verändert. Neben Bauern und Handwerkern ließen sich jetzt Arbeiterfamilien in Groß Förste nieder. Einen Arbeitsplatz fanden sie vor allem im Kalischacht „Siegfried“ in Giesen. Durch den Bau der Straßenbahnlinie Hannover-Hildesheim im Jahre 1898 war für Pendler eine Verkehrsverbindung zu Arbeitsplätzen in Hannover und Hildesheim geschaffen worden.

Die Gemeinde St. Pankratius war seit dem Mittelalter selbständige Pfarrei bzw. Archidiakonatssitz. Dies wurde 1760 bei der Zirkelordnung und 1838 bei der Dekanatsordnung berücksichtigt. Seit 1978 gehörte Förste in das neu gegründete Dekanat Förste-Sarstedt. Hasede wurde 1892 selbständige Pfarrei. Klein Giesen verließ 1940 den Pfarrsprengel Groß Förste, während seit dem Mittelalter die Filialgemeinde Klein Förste von der Pfarrei St. Pankratius betreut wurde. Im Vergleich zu anderen Pfarreien im Bistum wurden nach 1945 nur wenige Heimatvertriebene in der seit dem 17. Jahrhundert fast ausnahmslos kath. Gemeinde ansässig. Seit dem 1. November 2014 gehört die St.-Pankratius-Kirche zur Pfarrei St. Vitus mit Sitz in Groß Giesen.

Nach Ausbau der B 6 (Zubringerstraße zum Messeschnellweg), wurde Groß Förste bald zu einem wichtigen Ort zwischen den Wirtschaftsräumen Hannover und Hildesheim, so dass die Gemeinde gegenwärtig auch als Wohngemeinde verstärkt genutzt wird. Im Gegensatz zur Pfarrei Groß Förste St. Pankratius in der politischen Einheitsgemeinde Giesen gehört die kath. Filiale Klein Förste zur politischen Einheitsgemeinde Harsum.

Am 1. März 1974 bildete Groß Förste mit fünf weiteren Gemeinden die neue Gemeinde Giesen.[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Heinrich Helms (CDU).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche St. Pankratius an der Beverinstraße wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts aus Bruchsteinen erbaut und 1698 geweiht. In ihrem Innern ist u. a. ein Taufstein von 1577 mit Reliefdarstellungen bemerkenswert, der Deckel des Taufsteins wurde um 1700 angefertigt. Die Kanzel der Kirche wurde in einen der Seitenaltäre eingebaut, was für eine katholische Kirche sehr ungewöhnlich ist. Über dem Westportal befindet sich in einer Nische eine Figurengruppe, die Maria und Johannes darstellt und bereits 1517 angefertigt wurde.[2] Heute gehört die Pfarrgemeinde St. Pankratius zum Dekanat Borsum-Sarstedt.

Im Süden des Ortes ist an der Ecke Pankratiusstraße/Alte Heerstraße ein 5,50 m hohes Wegekreuz aus der Zeit des Barocks mit einem Corpus von 1755 beachtenswert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 209.
  2. Kurt Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, S. 568, München 1992.