Großdubrau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großdubrau
Großdubrau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großdubrau hervorgehoben
Koordinaten: 51° 15′ N, 14° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 195 m ü. NHN
Fläche: 54,22 km2
Einwohner: 4239 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km2
Postleitzahl: 02694
Vorwahlen: 035932 (Commerau, Großdubrau, Klix), 035934 (Quatitz, Sdier)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 160
Gemeindegliederung: 20 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ernst-Thälmann-Straße 9
02694 Großdubrau
Webpräsenz: www.grossdubrau.de
Bürgermeister: Lutz Mörbe (parteilos)
Lage der Gemeinde Großdubrau im Landkreis Bautzen
Tschechien Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf Bischofswerda Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz Großröhrsdorf Malschwitz Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wilthen Wittichenau Brandenburg PolenKarte
Über dieses Bild

Großdubrau, obersorbisch Audio-Datei / Hörbeispiel Wulka Dubrawa?/i, ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde nördlich von Bautzen in Ostsachsen. Es zählt zur Oberlausitz und gehört zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben.[2]

Der Ortsname leitet sich vom sorbischen Wort dub für „Eiche“ ab. Dubrawa ist mit „Eichenwald“ zu übersetzen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Großdubrau befindet sich etwa zwölf Kilometer nördlich der Großen Kreisstadt Bautzen auf einer Erhebung westlich der Spreeniederung auf etwa 200 Metern ü. NN. Dabei handelt es sich um eine Schotterterrasse als Überbleibsel des pleistozänen Flusslaufes der Elbe. Alle benachbarten Orte liegen zwischen 20 und 40 Metern tiefer. Die direkte Umgebung ist wellig und überwiegend bewaldet. Wälder machen fast ein Drittel der Gemeindefläche aus. Weitere 7 % entfallen auf die zahlreichen Teiche und Seen. Große Teile der Gemeinde zählen zum Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Großdubrau selbst ist ein Straßenangerdorf mit Erweiterungen vor allem in nördlicher Richtung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung wurde erstmals 1343 als Dubra urkundlich erwähnt. Bis 1628 lag die Grundherrschaft beim Bautzener Domstift; um 1630 wird erstmals ein Großdubrauer Rittergut erwähnt.

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den 1880er Jahren eine Bevölkerungszahl von 227 Einwohnern; davon waren 185 Sorben (81 %) und 42 Deutsche[3]. Wie überall im evangelischen Teil des sorbischen Siedlungsgebiets ist der Anteil der Sorbisch-Sprecher seitdem stark zurückgegangen; in Großdubrau besonders durch die industrielle Entwicklung und den damit einhergehenden Zuzug von Arbeitern begünstigt.

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Gruben rund um den Ort vor allem Kohle und Ton bzw. Kaolin abgebaut. Ab etwa 1890 erlebte Großdubrau durch den Ausbau der Bergwerksstandorte in direkter Nähe (Margarethenhütte, Adolfshütte) und die 1906 erfolgte Anbindung an die Bahnstrecke Löbau–Radibor einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung und einen sprunghaften Bevölkerungszuwachs. Innerhalb von zwanzig Jahren vervierfachte sich die Bevölkerung von 248 im Jahre 1890 auf 978 im Jahre 1910. Aus dem kleinen, überwiegend sorbischen Angerdorf wurde eine von Deutschen dominierte Industriesiedlung. 1925 war der Ort mit 1200 Einwohnern – die Mehrheit evangelischer Konfession – eines der größten Dörfer der Oberlausitz. Die Margarethenhütte war zu dieser Zeit eines der weltweit führenden Unternehmen im elektro-keramischen Sektor.

1936 wurden die benachbarten Orte Brehmen und Kleindubrau eingemeindet.

Im Jahr 1972 wurde der Personenverkehr am Bahnhof Großdubrau eingestellt. 1998 wurden die Bahnstrecke und der Großdubrauer Bahnhof endgültig stillgelegt.

1991, ein Jahr nach der Wiedervereinigung endete die Produktion in der Margarethenhütte und damit die Geschichte Großdubraus als Industriestandort. Die Arbeiter wurden entlassen.[4]

In den Gemeindereformen der 1990er Jahre kamen die Gemeinden Commerau, Klix, Quatitz und Sdier sowie der Nachbarort Crosta zu Großdubrau.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhaus in Klix

20 Ortsteile mit den ehemals selbständigen Gemeinden (sorbische Bezeichnungen in Klammern):

  • Großdubrau mit den Orten:
    • Großdubrau (Wulka Dubrawa), 1.752 Einwohner
    • Kleindubrau (Mała Dubrawa), 136 Ew.
    • Brehmen (Brěmjo), 127 Ew.
    • Crosta (Chróst), 474 Ew.
  • Klix mit den Orten:
    • Klix (Klukš), 253 Ew.
    • Spreewiese, bis 1911: Leichnam (Lichań), 121 Ew.
    • Särchen (Zdźar), 70 Ew.
    • Salga (Załhow), 70 Ew.
    • Neusärchen (Nowe Zdźarki), 34 Ew.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[6]
Wahlbeteiligung: 58,8 % (2009: 54,8 %)
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
72,8 %
27,2 %
Gewinne/Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+4,5 %p
-4,5 %p

Die Wahlen der vergangenen Jahre ergaben folgende Sitzverteilungen:

Parteien und Wählergemeinschaften 2009 2004
 % Sitze  % Sitze
Unabhängige Wählervereinigung (UWV) 68,3 11 45,3 7
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 31,7 5 54,7 9
gesamt 100,0 16 100,0 16
Wahlbeteiligung 54,8 % 53,1 %

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Unabhängige Wählervereinigung (UWV): 12 Sitze
  • CDU: 4 Sitze

Die Gemeindeverwaltung strebte für das Jahr 2008 eine Fusion mit der Nachbargemeinde Radibor an. Am 2. März 2008 wurde aus diesem Grund ein durch eine Bürgerinitiative angestrebter Bürgerentscheid zur Gemeindefusion durchgeführt. Dabei entschied sich eine deutliche Mehrheit der Großdubrauer Wähler gegen den Zusammenschluss, während in Radibor eine knappe Mehrheit für den Schritt stimmte.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 156 (Weißwasser-Bautzen) durchquert Sdier und Commerau, während die Staatsstraße 107 (Niedergurig-Radibor) an der Talsperre Bautzen vorbei durch Jeschütz und Quatitz führt. Die restlichen Ortsteile sind durch Lokalstraßen miteinander verbunden. Die Anschlussstelle Bautzen-Ost der Bundesautobahn 4 (Dresden-Wrocław) befindet sich acht Kilometer südlich von Großdubrau.

Der Flugplatz Klix liegt östlich von Großdubrau nahe dem gleichnamigen Ortsteil und wird vorwiegend für den Segel- und Motorflug mit kleinen Maschinen genutzt.

Die Buslinie 104 (Regiobus) verbindet Großdubrau mit Bautzen.

Bildung und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Großdubrau verfügt über eine Grundschule, außerdem ist die Freie Oberschule „Johann Heinrich Pestalozzi“ im Ort ansässig. Die staatliche Mittelschule wurde 2006 geschlossen.

Der Sportverein „SV 1896 Großdubrau“ ist im Ort ansässig. Die Frauenmannschaft erreichte in der Saison 2005/2006 die erste Runde des DFB-Pokals.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Technisches Museum Margarethenhütte, Großdubrau
  • Naherholungsgebiet Blaue Adria in Crosta
  • Dorfkirche Klix mit Epitaph für Franz von Nostitz († 1576), das eine Kreuzigungsszene der Cranach-Schule zeigt
  • „Segelflugplatz Klix“ in Särchen
  • Schloss in Spreewiese
  • ehemaliges Rittergut in Kauppa
  • Wasserturm mit Granitsockel
  • Zweiachsige Handdruckspritze der Freiwilligen Feuerwehr Quatitz
  • Denkmal für Andreas Gärtner und Otto Lehmann in Quatitz
  • Steinkreuze im Ortsteil Dahlowitz und Göbeln

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Großdubrau am Heiderand. (= Das schöne Bautzener Land, Heft 6.) Rat des Kreises Bautzen, 1957.
  • Quatitzer Hefte, Zur Frühgeschichte bis zur ersten Erwähnung Anno 1327, Autorengemeinschaft, 1995 (Bodenfunde in Quatitz, Dahlowitz, Kronförstchen und Jeschütz)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großdubrau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Sächsisches Sorbengesetz, Anlage zu § 3 (2)
  3. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 53.
  4. Stefan Locke: Vom Ende der Sprachlosigkeit. Seit Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping über die harte Nachwendezeit spricht, kommen erschütternde Geschichten ans Licht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. August 2017, S. 3.
  5. Angaben der Gemeindeverwaltung; Stand: 31. Dezember 2016
  6. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
Dahlowitz, Quatitz und im Hintergrund Großdubrau, vom Stausee aus gesehen