Große Freiheit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Große Freiheit (Begriffsklärung) aufgeführt.
Große Freiheit 1968
Beginn der Großen Freiheit an der Reeperbahn/Nobistor
Altonaer Budenreihe am Grenzgang zu Hamburg, zwischen Große Freiheit und Talstraße

Die Große Freiheit ist eine Seitenstraße zur Reeperbahn/Nobistor, beginnend am Beatles-Platz, die heute zum Stadtteil Hamburg-St. Pauli gehört. Die Straße wurde 1610 in Altona angelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Pfarrhaus der Altonaer Mennoniten aus dem 18. Jahrhundert

Ihren bereits seit dem 17. Jahrhundert amtlichen Namen hat die Große Freiheit, wie die benachbarte Kleine Freiheit, von den Religions- und Gewerbefreiheiten, die dort ansässige, unzünftige Handwerker und Glaubensgemeinschaften in der Stadt Altona genossen. Sie geht auf ein 1601 von Graf Ernst von Schauenburg ausgestelltes Privileg an den mennonitischen Händler François Noë und andere zurück, das ihnen gestattete, in Altona eine besondere Wirtschaftszone einzurichten, die schließlich unter dem Namen Freiheit bekannt wurde.[1] An die dort ausgeübte Religions- und Gewerbefreiheiten erinnert noch heute die katholische St.-Joseph-Kirche mit ihrer repräsentativen, barocken Fassade (umgebaut 1721) und das denkmalgeschützte Gebäudeensemble Große Freiheit 73 (errichtet 1850) und 75 (errichtet 1772) als ehemalige Gemeindehäuser der Altonaer Mennoniten.[2] Die Große Freiheit 75 beherbergte das ehemalige Pastorat, die Große Freiheit 73 bestand in seiner ursprünglichen Form aus zwei Seitenflügeln, die den Eingang zu der 1943/44 zerbombten ehemaligen Mennonitenkirche markierten und erst später verbunden wurden.[3] Fundamente und Gebäudereste der zerstörten Kirche werden noch zwischen dem Gebäude und einem benachbarten Schulgebäude vermutet. [4] Nahe der Altonaer Reichenstraße und der (inzwischen kanalisierten) Pepermölenbek befand sich im 18. Jahrhundert zudem die Dompelaarkirche.[5] In der benachbarten Kleinen Freiheit befanden sich jeweils eine französische und deutsch-niederländische Reformierte Kirche.[6]

Zu St. Pauli und somit zu Hamburg gehört die Straße erst seit Dezember 1938, als die Nationalsozialisten infolge der Eingemeindung Altonas nach Hamburg durch das Groß-Hamburg-Gesetz die Stadtteilgrenzen analog den Grenzen der NSDAP-Parteibezirke veränderten.

Szene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünspan Große Freiheit 58

Einen guten Teil ihrer Bekanntheit verdankt sie den in früheren Jahren dort zahlreich anzutreffenden Nachtclubs, wie dem Salambo, Safari, Colibri, Regina und anderen, die sich dadurch auszeichneten, dass sie nicht nur Striptease boten, sondern darüber hinaus auch den Geschlechtsakt teilweise in Kostümen auf der Bühne zeigten. Die meisten dieser Clubs sind inzwischen geschlossen.

Heutzutage bietet die Straße einige bekannte Musikclubs und Discotheken wie Große Freiheit 36, Kaiserkeller und Grünspan und ist ein besonders stark frequentierter Teil des Nachtlebens der Reeperbahn. In der Großen Freiheit 64 ist bis heute der Indra-Musikclub zu finden, in dem die Beatles ihre ersten Auftritte hatten, bevor sie durch ihre Konzerte im Star-Club zu größerer Berühmtheit gelangten.

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Große Freiheit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fünfzig Meter Große Freiheit – Deutsches Vergnügen. Doku-Show, 45 Minuten, Buch und Regie: Rainer B. Jogschies, Produktion: Norddeutscher Rundfunk, Erstausstrahlung: 9. April 1996; mit Carsten Pape, Michael Batz, Jürgen Kumlehn, Clemens Maria Haas u. a.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael D. Driedger: Zuflucht und Koexistenz – 400 Jahre Mennoniten in Hamburg und Altona. Mennonitischer Geschichtsverein, Bolanden-Weierhof 2001, ISBN 3-921881-16-1, S. 26.
  2. Gebäude. Mennonitengemeinde Hamburg-Altona, abgerufen am 18. Mai 2013.
  3. Tag des offenen Denkmals – Stiftungen und Bürgerwille. Stiftung Denkmalpflege und Denkmalschutzamt der Stadt Hamburg, abgerufen am 18. Mai 2013.
  4. Begründung zum Bebauungsplan St. Pauli 26 (Pestalozzi-Quartier). Stadt Hamburg, abgerufen am 18. Mai 2013 (PDF; 301 kB).
  5. Michael D. Driedger: Zuflucht und Koexistenz – 400 Jahre Mennoniten in Hamburg und Altona. Mennonitischer Geschichtsverein, Bolanden-Weierhof 2001, ISBN 3-921881-16-1, S. 46 und 51.
  6. Wolfgang Vacano: 350 Jahre Altona. Sutton, Erfurt 2014, ISBN 978-3-95400-370-9, S. 181.
  7. http://german.imdb.com/title/tt0131669/

Koordinaten: 53° 33′ 2″ N, 9° 57′ 27″ O