Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf, vormals Große Kunstausstellung Düsseldorf bzw. Große Kunstausstellung NRW, heute kurz auch als Die Große bezeichnet (Eigenschreibweise Die Grosse), ist eine internationale Kunstausstellung und Kunstmesse, zu der professionelle Akteure aus einem breiten Spektrum der bildenden Kunst alljährlich in das Museum Kunstpalast nach Düsseldorf eingeladen werden. Sie gilt als die größte von Künstlern für Künstler organisierte Kunstausstellung Deutschlands.[1] Veranstalter ist der 1898 in Düsseldorf gegründete Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e.V.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alter Kunstpalast, um 1903
Kunstpalast, Ausstellungsraum „Düsseldorf“, 1902
Neuer Kunstpalast am Ehrenhof, 2011, in der Brunnenmitte die Skulptur Große Mannesmann von Norbert Kricke, 1960
Die Grosse, Straßenplakatierung 2018

Nach dem Vorbild des ab 1897 errichteten Petit Palais der Weltausstellung Paris 1900 ersehnten sich Protagonisten der Düsseldorfer Künstlerschaft im Verein der Düsseldorfer Künstler und um Fritz Roeber, damals Sekretär der Kunstakademie Düsseldorf, ab 1908 deren Direktor, ein Gebäude für repräsentative Kunstausstellungen in Düsseldorf. Hierzu riefen sie 1898 den Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e.V. ins Leben. Der Verein residierte im Malkasten-Haus. Sein bauliches Ziel erreichte der Verein, als 1902 der Ausstellungspalast der Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf nach Plänen von Albrecht Bender und Eugen Rückgauer eröffnet wurde, der bald den Namen Kunstpalast erhielt. Zunächst war der den Künstlern versprochene[3] Kunstpalast noch mit Schulden belastet, doch konnte durch die Große Kunst- und Gartenbauausstellung Düsseldorf 1904 bereits soviel Gewinn erwirtschaftet werden, dass den Anteilseignern ihre Einlagen ausbezahlt wurden und die Künstlerschaft der Stadt Düsseldorf dem Verein ein dauerhaftes Ausstellungsrecht einräumte. Die dann ab 1906 – meist im Abstand von zwei Jahren – veranstalteten Ausstellungen trugen den Namen Große Kunstausstellung Düsseldorf. 1913 vermerkte ein Kulturjournalist, dass die Kulturmetropole Düsseldorf durch die großen Kunstausstellungen, die in dem Kunstpalast seit 1902 stattgefunden hatten, einen „unverkennbaren Aufschwung“ erfahren habe, dass das „Märchen von der Rückständigkeit der Düsseldorfer Kunst, das draußen gewohnheitsmäßig aufgetischt wird“, nicht zutreffe und dass es in Düsseldorf wie in einem „Hexenkessel der künstlerischen Anschauungen“ brodele und gähre. Auch „Eigenbrödler“ wie der Sonderbund und ihre Leiter, August Deusser und Max Clarenbach, seien „friedlich in den Kunstpalast zurückgekehrt“ und benähmen sich „wie artige Düsseldorfer Kinder“.[4]

Durch Teilnahme an der Eröffnung der Ausstellung des Jahres 1920 bekundete der preußische Kultusminister Konrad Haenisch den hohen Stellenwert der Ausstellung für die Kulturpolitik des Freistaats Preußen.[5] Innerhalb des Vereins und seines Vorstandes gab es in den 1920er Jahren wegen der Ausstellungen mehrfach Streit zwischen den verschiedenen Flügeln, insbesondere zwischen den Vorstandsmitgliedern Bernhard Sopher und Adolf Uzarski einerseits, die Interessen der avantgardistischen, politisch links stehenden Künstlergruppe Das Junge Rheinland vertraten, und andererseits Fritz Roeber, dem Direktor der damals als konservativ geltenden Akademie.[6]

Zu der ambitionierten Ausstellung GeSoLei, die 1926 eröffnet wurde, sollte das Ausstellungsgebäude des Vereins einen neuen städtebaulichen Rahmen erhalten und in ein weitläufiges Messegelände einbezogen werden. Die Planer um Wilhelm Kreis integrierten den Kunstpalast hierbei in den Ausstellungskomplex Ehrenhof, indem sie dem alten Ausstellungsgebäude – entsprechend der erwünschten architektonischen Einheitlichkeit der Gesamtanlage – in den Jahren 1924/1925 eine neue Fassade in den Formen des Backsteinexpressionismus vorblendeten. In diesem neuen Rahmen wurde 1927 eine Große Kunstausstellung unter der Schirmherrschaft des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ausgerichtet[7] und 1932 vom Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen, damals geleitet von Erich von Perfall, die Ausstellung Düsseldorf-Münchener Kunst präsentiert, die das Kunstschaffen zweier Kunstmetropolen der Weimarer Republik gegenüberstellte.[8]

In der Zeit des Nationalsozialismus war der Kulturbetrieb „gleichgeschaltet“ und im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie staatlich gelenkt, so dass der Verein keine unabhängigen Ausstellungen mehr veranstalten konnte. Statt einer unabhängigen Ausstellung gab es beispielsweise die Ausstellung Entartete Kunst, die als Wanderausstellung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda 1938 auch in den Kunstpalast kam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der zu einer Unterbrechung der Ausstellungsfolge geführt hatte, begann der Verein ab 1951 wieder damit, Kunstausstellungen zu organisieren, zunächst unter der Bezeichnung Weihnachtsausstellung bzw. Winterausstellung der Bildenden Künstler von Rheinland und Westfalen,[9] ab 1978 wieder jährlich und unter der traditionellen Bezeichnung Große Kunstausstellung.[10] Später wurde noch das Nordrhein-Westfalen-Kürzel NRW dem Namen angefügt. Ende der 1990er Jahre wurde der hinter der Ehrenhof-Fassade erhaltene Ausstellungspalast durch ein neues Ausstellungsgebäude nach Plänen von Oswald Mathias Ungers ersetzt. In dieser Zeit mussten die Ausstellungen in Räume der Messe Düsseldorf ausweichen.

Bewerbung, Zulassung, Ausstellungsort, Kunsthandel, Kunstpreise, Begleitprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Teilnahme an der Ausstellung können sich professionelle Künstler des In- und Auslandes bei dem Verein bewerben. Eine „Vorjury“ entscheidet über die Zulassung zur Ausstellung. Nach eigener Darstellung versucht der Verein, außerhalb von marktorientierten Trends renommierte und junge Künstler zu fördern und ihnen im Rahmen einer Gastausstellung eine Plattform zu bieten.[11] Die Ausstellung zeigt Kunst aus folgenden Bereichen:

  • Malerei
  • Grafik, Foto, Video, Medienkunst
  • Plastik, Objekt, Installation

Die Ausstellung findet jährlich im Museum Kunstpalast statt. Sie gilt als günstige Gelegenheit, Bilder und Objekte außerhalb des Zwischenhandels der Galeristen zu erwerben. Zu den regelmäßigen Käufern gehören die Stadt Düsseldorf und das Land Nordrhein-Westfalen.[12]

Im Rahmen der Veranstaltung werden seit 1975 der Kunstpreis der Künstler und ein Förderpreis vergeben.[13]

Unter dem Titel Donnerhall wird die Ausstellung an Donnerstagabenden durch Performances ergänzt, ferner durch sonntägliche Matinée-Veranstaltungen und durch tägliche Führungen der Künstler.[14] Nachdem Die Grosse im Winter 2018 zum 116. Mal stattgefunden hat soll, laut Wunsch des neuen Generaldirektors des Museum Kunstpalast Felix Krämer, die Ausstellung ab 2019, unter Einbeziehung der Außenflächen des Ehrenhofs, im Sommer stattfinden und von drei auf sechs Wochen verlängert werden.

Förderpreis – Die Grosse Kunstausstellung NRW Düsseldorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Förderpreis – Die Grosse Kunstausstellung NRW Düsseldorf ist ein Kunstpreis, der jährlich im Rahmen der Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf vergeben wird.[15] Mit dem Preis werden junge bildende Künstler bis 35 Jahre ausgezeichnet, die durch besondere künstlerische Leistungen hervortreten und die durch z. B. Schaffensmittelpunkt oder Ausbildung mit dem Bundesland Nordrhein-Westfalen verbunden sind.[16] Der auszuzeichnende Künstler wird aus den Bewerbern der jährlich stattfindenden Ausstellung DIE Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf von einer Jury ermittelt.

Mit dem seit 1985 verliehenen Förderpreis wurden folgende Künstler geehrt:[17]

Förderpreisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1985: Ulrich Westerfrölke
  • 1986: Michael Heckert
  • 1987: Konrad Hummel
  • 1988: Heinz-Hermann Jurczek
  • 1989: Udo Dziersk
  • 1990: Peter Dittmer und Rainer Görß
  • 1991: Evangelos Koukouwitakis
  • 1992: Marzena Jagielo-Wasilewska
  • 1993: Oliver Fromm
  • 1994: E.P.J. Zwankman
  • 1995: Dagmar Rauwald
  • 1996: Judith Samen
  • 1997: Elisabeth Weckes
  • 1998: Thomas Wrede
  • 1999: Asta Rakauskaite
  • 2000: Christa von Seckendorff
  • 2001: Tobias Gereon Gerstner
  • 2002: Robin Merkisch
  • 2010: Flora Hitzing
  • 2011: Clemens Botho Goldbach
  • 2012: Nina Brauhauser
  • 2013: Sebastian Kalitzki
  • 2015: David Pollmann
  • 2016: Andrej Wilhelms
  • 2017: Daniel Kuge
  • 2018: Carmen Schaich

Kunstpreisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kunstpalast in Düsseldorf, 1902 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Irmgard Ruhs-Woitschützke: Avantgardistisch und etabliert. Artikel aus März 2012 im Portal rheinische-art.de, abgerufen am 3. Juni 2014; „Die Große Kunstausstellung NRW 2014“@1@2Vorlage:Toter Link/www.monopol-magazin.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Artikel vom 16. Februar 2014 im Portal monopol-magazin.de, abgerufen am 3. Juni 2014; Staatssekretär Prof. Klaus Schäfer eröffnet Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf: „Engagement der Künstler ist einzigartig“ (Memento des Originals vom 6. Juni 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mfkjks.nrw.de. Artikel vom 12. Februar 2011 im Portal mfkjks.nrw.de, abgerufen am 3. Juni 2014.
  2. Künstlerleben in Düsseldorf. Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf – Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e.V., Webseite im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 3. Juni 2014.
  3. Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch Verlag, Düsseldorf 1983, S. 136.
  4. Hermann Board: Aus der Großen Kunstausstellung Düsseldorf 1913. In: Die Kunst. Monatsheft für freie und angewandte Kunst. Band 37, 1913, S. 529 f. (Digitalisat).
  5. Kristina Kratz-Kessemeier: Kunst für die Republik. Die Kunstpolitik des preußischen Kultusministeriums 1918 bis 1932. Akademie Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004371-5, S. 152 (Google Books).
  6. Sandra Labs: Johanna Ey und die Avantgarde der Düsseldorfer Kunstszene. Diplomica Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8428-8121-1, S. 28 (Google Books).
  7. Düsseldorfer Stadtchronik 1927, Webseite im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 22. November 2014.
  8. Düsseldorf-Münchener Kunstausstellung, Kunstpalast Düsseldorf, 14. Mai – 31. August 1932, Webseite im Portal eifel-und-kunst.de, abgerufen am 29. August 2014;Vereinsgeschichte, Webseite im Portal diegrosse.de, abgerufen am 29. August 2014;Walter Cohen: Kunst in Düsseldorf 1932. In: Die Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. 47, 1931/32, S. 322 (Digitalisat).
  9. Verein der Düsseldorfer Künstler: 18. Winterausstellung der Bildenden Künstler von Rheinland und Westfalen. Selbstverlag, 1968, 53 S.
  10. Vereinsgeschichte, Webseite im Portal diegrosse.de, abgerufen am 3. Juni 2014.
  11. Verein, Webseite im Portal diegrosse.de, abgerufen am 3. Juni 2014.
  12. Bertram Müller: Phantasie im Kunstpalast. Artikel vom 25. Februar 2012 im Portal rp-online.de, abgerufen am 3. Juni 2014.
  13. Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf, Webseite im Portal kunstaspekte.de, abgerufen am 3. Juni 2014.
  14. Michael Kortländer: Die große Kunstausstellung. Artikel vom 20. Januar 2014 im Portal kunstimwesten.wordpress.com, abgerufen am 3. Juni 2014.
  15. Historischer Rückblick. In: DIE GROSSE. (diegrosse.de [abgerufen am 11. Oktober 2017]).
  16. Historischer Rückblick. In: DIE GROSSE. (diegrosse.de [abgerufen am 11. Oktober 2017]).
  17. Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen (Hrsg.): 100 Jahr Große Kunstausstellung. Düsseldorf 2002, ISBN 3-00-010507-7.