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Große Wanderspinne

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Große Wanderspinne
Große Wanderspinne (Cupiennius salei), Weibchen

Große Wanderspinne (Cupiennius salei), Weibchen

Systematik
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Fischerspinnen (Trechaleidae)
Gattung: Cupiennius
Art: Große Wanderspinne
Wissenschaftlicher Name
Cupiennius salei
(Keyserling, 1877)

Die Große Wanderspinne oder Wandernde Tigerspinne (Cupiennius salei) ist eine Spinne aus der Familie der Fischerspinnen (Trechaleidae). Sie kommt im Süden Nordamerikas und vorwiegend in Mittelamerika vor und ist außerdem eine der bekanntesten Arten der Familie. Die Große Wanderspinne erhält insbesondere eine gewisse Bedeutung dadurch, dass sie nicht selten als Forschungsobjekt wissenschaftlicher Untersuchungen Verwendung findet und gelegentlich auch als Heimtier in der Terraristik gehalten wird.

Die nachtaktive Große Wanderspinne legt entsprechend ihrer Trivialbezeichnung in der Nacht weite Wanderungen zurück und legt kein Spinnennetz an, sondern erlegt Beutetiere freilaufend als Lauerjäger. In das Beuteschema der vergleichsweise großen Spinne fallen dabei neben anderen Gliederfüßern auch kleinere Wirbeltiere. Die Große Wanderspinne verbringt den Großteil des Tages in selbst geschaffenen Zufluchtsorten an von der Art bevorzugten Pflanzen, etwa einigen Bromeliengewächsen oder auch in Plantagen angebauten Pflanzen der Dessertbanane (Musa × paradisiaca). Das Paarungsverhalten verläuft wie bei anderen Mitgliedern der Überfamilie der Lycosoidea und schließt somit auch ein Balzverhalten, jedoch wie bei der Gattung üblich auch eine Kommunikation über Vibrationen und Pheromone (Botenstoffe) mit ein. Das begattete Weibchen fertigt nacheinander mehrere Eikokons und bewacht diese zumeist bis zum Schlupf der Nachkommen in seinem Wohngespinst. Sollte die Möglichkeit gegeben sein, taucht die Spinne in den dann mit Wasser gefüllten Zufluchtsorten (dabei insbesondere in den Blattrichtern von Bromeliengewächsen) unter und verbleibt dort für einige Zeit. Die geschlüpften Jungtiere wachsen selbstständig heran.

Die Große Wanderspinne wird wie einige andere Arten der Gattung Cupiennius gelegentlich auch als Bananenspinne bezeichnet, was daher rührt, dass einzelne Exemplare der Art gelegentlich an Bananenstauden befindlich von Mittelamerika aus in andere Kontinente exportiert werden. Aus dem gleichen Grund erhalten auch die optisch ähnlichen teilweise deutlich gefährlicheren Vertreter der Gattung Phoneutria aus der Familie der Kammspinnen (Ctenidae) diese Bezeichnung. Der englische Trivialname der Großen Wanderspinne lautet Tiger wandering spider, deren Bedeutung in etwa mit der deutschen Trivialbezeichnung „Wandernde Tigerspinne“ identisch ist. Die englische Trivialbezeichnung Banana spider wird genau wie das deutschsprachige Pendant auch für die Arten der Gattung Phoneutria und hier zusätzlich für die Warmhaus-Riesenkrabbenspinne (Heteropoda venatoria) innerhalb der Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) verwendet. Wie diese ist auch die Große Wanderspinne anders als einige Vertreter der Gattung Phoneutria, etwa der Brasilianischen Wanderspinne (P. nigriventer) für den Menschen weitestgehend harmlos.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafik zur Veranschaulichung der Sehfähigkeit der Großen Wanderspinne.

Mit einer Körperlänge von 27[1] bis 45[2] Millimetern als Weibchen und 22[1] bis 30[2] Millimetern als Männchen ist die Große Wanderspinne die größte Art der Gattung Cupiennius.[2] Der grundsätzliche Körperbau entspricht dem anderer Arten der Gattung, womit auch die Große Wanderspinne ein langbeiniges Erscheinungsbild besitzt. Die Beinspannweite beider Geschlechter kann über 100 Millimeter betragen.[3] Die Beine ermöglichen der Spinne eine agile und schnelle Fortbewegung.[4] Wie alle Arten der Fischerspinnen (Trechaleidae) kann auch die Große Wanderspinne überdies erfolgreich schwimmen und sich unter Wasser fortbewegen. Der Sauerstoffvorrat wird dabei mithilfe der Setae (Behaarung) gespeichert, was der Spinne maximal ein 90-minütiges Aufhalten unter Wasser ermöglicht.[5]

Die Große Wanderspinne verfügt wie viele Arten der Überfamilie Lycosoidea über sehr leistungsfähige Augen. Die beiden etwas größeren und nach vorne gerichteten Hauptaugen dienen zur Wahrnehmung von Formen, die seitlichen Nebenaugen zur Wahrnehmung von Bewegungen. Ebenso ermöglicht der Sehsinn der Spinne das Abschätzen von Entfernungen und auch Formen. Auch die Sensillen (Sinneshaare) der Großen Wanderspinne sind gut ausgebildet und ermöglichen ihr das Wahrnehmen von sehr leichten Vibrationen und anderen Luftbewegungen.[6][4] Die dichte Behaarung an den Beinen einschließlich der Tarsen (Fußglieder) der Großen Wanderspinne ermöglicht ihr auch die Fortbewegung auf glatten Oberflächen, etwa Glasscheiben.[4]

Sexualdimorphismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Großen Wanderspinne ist ebenso wie bei anderen Spinnen ein stark ausgeprägter Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) vorhanden, der sich in unterschiedlicher Größe, Färbung und Gestalt beider Geschlechter auszeichnet.

Weibchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ventralansicht eines Weibchens

Ein prägnantes Merkmal des Weibchens gegenüber dem Männchen ist sein kräftigerer Körperbau und seine schokoladenbraune Grundfärbung einschließlich seiner generell kontrastreicheren Farbgebung.[4]

Der Carapax (Rückenschild des Prosomas, bzw. Vorderkörpers) weist ein an den Seiten angelegtes und hellgrau-braunes Muster aus Längsstreifen[2][4] und ein dazu im Kontrast stehendes dunkleres Medianband auf.[3] Das Sternum (Brustschild des Prosomas) ist rot gefärbt[4] und auch die Coxen (Hüftglieder) sind ventral dicht mit terrakottaroten Haaren und die Femora (Beinschienen) aller vier Beinpaare mit schwarzen Ringelungen bedeckt.[2]

Dorsal verfügt das Opisthosomas (Hinterleib) ebenfalls über dunklere Längsstreifen[4] und bei einigen Individuen gelbliche bis weißliche Punktpaare je beidseitig im Bereich der Herzregion.[2] Die Ventralseite des Opisthosomas ist wie das Sternum ebenfalls rot[4] und wird durch ein breites schwarzes Medianband gekennzeichnet.[2]

Männchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männchen

Das weniger kräftig gebaute Männchen verfügt über schmaler ausfallende Beine, wodurch es langbeiniger als das Weibchen erscheint.[4] Es ist wesentlich kontrastarmer gezeichnet[4] und verfügt über eine gräuliche Grundfärbung.[2]

Der Carapax des Männchens ist mit einem Medianband versehen, das aus zwei dunkleren Streifen gebildet wird. Dieses Medianband verläuft auf dem Opisthosoma weiter und wird dabei im Bereich der Herzregion breiter.[2]

Genitalmorphologische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bulbi (männliche Geschlechtsorgane) ähneln denen der nah verwandten Art Cupiennius coccineus. Ein einzelner Bulbus hat eine für die Gattung Cupiennius typische Apophyse (chitinisierter Fortsatz) am Embolus (letztes Sklerit, bzw. Hartteil und Einfuhrorgan des Bulbus), der bei der Großen Wanderspinne robust, weit geschwungen und hakenförmig in Erscheinung tritt. Die für die Gattung ebenfalls typische Abophyse auf der Terminalseite (an der Grenze befindliche Seitenfläche) des Bulbus ist ähnlich geformt, wodurch sie dachartig hervorspringt.[7]

Die Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) der Großen Wanderspinne weist eine annähernd quadratische Grundfläche auf und wirkt verglichen mit der der drei anderen ähnlichen großen Arten der Gattung robust. Die Mittellamelle ist hier sehr schmal und weist im Gegensatz zu denen der anderen Vertretern der Gattung keine Einbuchtungen auf. Diese sind bei der Großen Wanderspinne auf den zu beiden Seiten gelegenen Seitenplatten der Mittellamelle zu finden. Von allen Arten der Gattung Cupiennius tritt die Epigyne der Großen Wanderspinne in der größten Variabilität auf. Bemerkenswert ist außerdem, dass im Falle einer vorzeitigen Reifehäutung, die bei der Großen Wanderspinne eintreten kann, die Form der Epigyne noch der der unentwickelten aus dem Juvenilstadiums der Spinne ähnelt, aber bereits funktionsfähig ist.[7]

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Wanderspinne wird gelegentlich mit anderen Vertretern der Gattung Cupiennius als auch mit welchen der Gattung Phoneutria aus der Familie der Kammspinnen (Ctenidae) verwechselt.

Ähnlichkeiten mit anderen Arten der Gattung Cupiennius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Gattung Cupiennius bestehen Verwechslungsgefahren lediglich mit den drei anderen ähnlich großen Arten der Gattung. Diese sind Cupiennius chiapanensis, Cupiennius coccineus und Cupiennius getazi. Alle vier Arten können jedoch leicht durch ihre Farbmuster unterschieden werden.[1]

C. chiapanensis hat als einzige Art der Gattung mit rötlichen Setae versehene Cheliceren (ähnlich einigen Phoneutria-Arten) und kann somit bereits anhand dieser Eigenschaft leicht von der Großen Wanderspinne unterschieden werden. Beim Weibchen von C. coccineus sind auf der Ventralseite der Femora des ersten und zweiten Beinpaares rote Setae vorhanden, nicht bei dem der Großen Wanderspinne.[1] Das Männchen der Art, dessen Grundfärbung dorsal hellgrau, hellbraun bis mittelbraun oder leuchtend orange ist, ähnelt stärker dem der Großen Wanderspinne. Es weist aber keine Zeichnungselemente an den Beinen und an der Ventralseite auf, besitzt dafür aber im Gegensatz zum Männchen der Großen Wanderspinne auf der Dorsalseite über ein Herzmal.[2]

Weibchen von Cupiennius getazi

Sowohl Weibchen als auch Männchen von C. getazi unterscheiden sich bereits durch ihre orange bis graue (beim Weibchen gelegentlich auch hellbraune) Grundfärbung von denen der Großen Wanderspinne. Darüber hinaus weist C. getazi am Carapax ein dunkles Medianband und ein dunkelbraun gefärbtes Sternum sowie bei einigen Individuen auch dunkelbraune Coxae auf. Ein weiteres Eigenmerkmal von C. getazi sind die schwarzen Punkte auf der weißlichen Ventralseite der Femora aller Beinpaare. Auf der Dorsalseite des Opisthosomas befinden sich bei C. getazi außerdem ein dunkles Herzmal und invers verlaufende und v-förmige Streifungen, die an das Herzmal anschließen. Sowohl die Flanken des Carapaxes als auch des Opisthosomas sind bei C. getazi heller gefärbt.[2]

Ähnlichkeiten mit Arten der Gattung Phoneutria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weibchen der Brasilianischen Wanderspinne (Phoneutria nigriventer) aus der Familie der Kammspinnen (Ctenidae)

Es kam besonders früher zu Verwechslungen mit Arten aus der Gattung Phoneutria, die zur Familie der Kammspinnen (Ctenidae) zählen. Da diese Gattung auch für den Menschen potentiell gefährliche Arten, etwa die Brasilianische Wanderspinne (P. nigriventer) enthält, können solche Verwechslungen schwerwiegende Folgen haben, was besonders bei an exportierten Bananenstauden befindlichen Spinnen dieser Gattungen berücksichtigt werden soll.[1]

Prägende Unterscheidungsmerkmale der Vertreter beider Gattungen sind mitunter die Größe und die Farbgebungen. Die Arten der Gattung Phoneutria sind meist größer und überdies weniger kontrastreich gefärbt. Außerdem hat die Große Wanderspinne wie fast alle Arten der Gattung Cupiennius anders als die der Gattung Phoneutria keine mit rötlichen Setae versehene Cheliceren. Ein weiterer Unterschied ist der Verbreitungsschwerpunkt, der bei der Gattung Phoneutria in Süd- und bei der Gattung Cupiennius einschließlich der Großen Wanderspinne in Mittelamerika liegt.[1]

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Toxikologie befasst sich mit der Lehre von Giftstoffen und somit auch dem Gift der Großen Wanderspinne. Dieses besteht aus verschiedenen Spinnentoxinen, darunter neun neurotoxisch wirkenden Peptiden. Bei diesen handelt es sich um sogenannte „CSTX“ (Cupiennius salei toxins), die lediglich im Gift der Großen Wanderspinne zu finden sind. Ebenso finden sich acht weitere neurotoxologisch und zytolytisch wirkende Peptide, die bei allen Spinnen der Gattung Cupiennius vorkommen. Daneben enthält das Gift eine sehr wirksame Hyaluronidase und einige bisher unbeschriebene Proteine.[8]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweiskarte der Großen Wanderspinne

Die Große Wanderspinne ist im Süden Mexikos und vorwiegend in Mittelamerika einschließlich Haiti vertreten. Nördlich reicht das Verbreitungsgebiet bis zum mexikanischen Bundesstaat Veracruz, während es nach Süden hin in Honduras endet. Nachgewiesen ist die Art in Höhen zwischen 500 und 1.250 Metern über dem Meeresspiegel.[9]

1904 wurde ein Exemplar der Großen Wanderspinne in der im US-Staat Florida gelegenen Stadt Lake Worth gefunden. Dieser Fund blieb allerdings ein Einzelfall und auch von anderen Arten der Gattung Cupiennius wurden danach keine weiteren Exemplare in Florida gesichtet, weshalb vermutet wird, dass auch dieses Tier vermutlich durch Bananenexporte nach Lake Worth gelangte.[9]

Lebensräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regenwald im Nationalpark Celaque in Honduras, einem der Lebensräume der Großen Wanderspinne.

Das Habitat der Großen Wanderspinne sind die Regenwälder ihres Verbreitungsgebiets. Dort bewohnt sie verschiedene Bäume, die mit Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen), Zweigen und Moos bedeckt sind und somit Schutz vor der Witterung bieten.[4]

Auftreten in Bananenplantagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plantage der Dessertbanane (Musa × paradisiaca) in Costa Rica

Die Große Wanderspinne wird nicht selten in Plantagen der Dessertbanane (Musa × paradisiaca) vorgefunden, da diese zu den von der Art bevorzugten Pflanzen zählt, die als Rückzugsort angenommen werden (s. Abschnitt „Bevorzugte Pflanzen als Rückzugsort“).[9] Sie wird deswegen wie die Arten der Gattung, bei denen dies bekannt ist, als auch den teilweise wesentlich giftigeren Arten der Gattung Phoneutria aus der Familie der Kammspinnen (Ctenidae) als „Bananenspinne“ bezeichnet. Aufgrund dessen kann es zu Exporten von in den Stauden versteckten Spinnen in andere Kontinente kommen (s. Abschnitt „Einfuhr durch Bananenfrüchte und Reaktionen“).[10]

Da die Dessertbanane im Verbreitungsgebiet der Großen Wanderspinne eigentlich nicht heimisch ist, sondern dort nur auf Plantagen angebaut wird und somit in diesem Gebiet anderweitig nicht zu finden ist, existiert hier bedingt durch das gehäufte Auftreten der Spinne an angebauten Pflanzen der Dessertbanane Forschungsbedarf. Es wird vermutet, dass die Große Wanderspinne aufgrund von Bromeliengewächsen, die auch an den Bananenpflanzen befindlich sein können, sich auch auf die Dessertbanane als Mikrohabitat angepasst hat. Bei den dort nachgewiesenen Bromeliengewächsen handelt es sich um epiphytische im Blattwerk der Dessertbanane vorkommende Arten, die als vermuteter und somit noch nicht als bestätigter Rückzugsort der Großen Wanderspinne dienen können. Ein ähnliches Phänomen konnte auch bei im Vorkommensgebiet der Spinne angelegten Kaffeepflanzen beobachtet werden.[9]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie alle Arten der Gattung Cupiennius und überdies wie viele Spinnen aus der Überfamilie der Lycosoidea ist auch die Große Wanderspinne nachtaktiv und lebt am Tag zurückgezogen. Wie die anderen Arten der Gattung zeigt auch die Große Wanderspinne eine Vorliebe für Pflanzen als Nutzung für Verstecke, die in den Blattwerken und Blütenständen dieser Pflanzen angelegt werden. Zum Finden eines geeigneten Unterschlupfes wird die Sehfähigkeit genutzt.[4]

Ab der Abenddämmerung wird die Große Wanderspinne dann aktiv und unternimmt auch entsprechend ihrem Trivialnamen gelegentlich weitläufige Wanderungen,[4] ist dabei durch die Gebundenheit an die oben genannten Pflanzen allerdings nur auf diesen anzutreffen.[9] Während der Wanderung spannt die Spinne hinter sich einen Sicherheitsfaden.[4]

Bevorzugte Pflanzen als Rückzugsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spatha, bzw. Blütenscheide der Tannia (Xanthosoma sagittifolium) zählt zu den bevorzugten Rückzugsorten der Großen Wanderspinne.

Wie andere Arten der Gattung Cupiennius zeigt dabei auch die Große Wanderspinne eine große Gebundenheit an verschiedene Pflanzenarten, die als Versteckmöglichkeit in Frage kommen. Dazu zählen bei dieser Art das Amaryllisgewächs Furcraea guatemalensis, die Tannia (Xanthosoma sagittifolium), verschiedene Arten der Gattung Bogenhanf (Sansevieria), die Arten Aechmea bracteata, Aechmea lueddemanniana und Aechmea mexicana aus der Familie der Bromeliengewächse und die im Verbreitungsgebiet der Art lediglich in Plantagen angebaute Dessertbanane (Musa × paradisiaca).[9]

Das kräftige Blattwerk oder die Blütenstände dieser Pflanzen bietet gute Möglichkeiten für das Anlegen von Verstecken, obgleich die Kreierung eines solchen Verstecks vom Habitus der jeweiligen Pflanze abhängt. Nicht selten werden aber einfach die kelchartigen Blütenstände oder das Blattwerk dieser Pflanzen, die lediglich nach oben hin geöffnet sind, ohne große Bearbeitungen seitens der Spinne als Rückzugsort angenommen. Bei den drei von der Großen Wanderspinne als Versteckmöglichkeiten angenommenen Bromeliengewächsen der Gattung Aechmea konnte zusätzlich beobachtet werden, dass diese Spinnen dort befindliche offene Räume zwischen Pflanzenteilen, etwa solche zwischen zwei oder drei benachbarten Blättern, mithilfe von Spinnenseide verschlossen oder die Blätter dieser Pflanzen an ihren Rändern gebogen und somit zu einer Röhre umgestalteten. Der Halt dieser Röhren sicherten sie ebenfalls mit Spinnenseide. Am Tag sind versteckte Individuen der Großen Wanderspinne an diesen Pflanzen oftmals in großer Zahl anzutreffen.[9]

Der Großen Wanderspinne nutzt es, sich in diesen Pflanzen zu verstecken, in mehrfacher Hinsicht. So verbirgt sie sich vor möglichen Prädatoren (Fressfeinden). Ferner schützt sie sich dort vor direkter Sonneneinstrahlung und Austrocknung, da die Luftfeuchtigkeit in den Blattwerken und Blütenständen dieser Pflanzen tagsüber deutlich weniger zurückgeht, als im direkten Umfeld der Pflanzen. Bei Aufenhaltsbereichen von Individuen der Großen Wanderspinne an Pflanzen der Dessertbanane wurde am Tagesbeginn eine Luftfeuchtigkeit von über 90 % ermittelt, die mittags auf gut 67 % herabgesunken ist. Man spricht hierbei aufgrund der Abwandlungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit von einem Mikroklima innerhalb dieser Pflanzenwerke. Außerdem nutzt die Spinne die Pflanzen als Übertragungskanäle für Schwingungssignale, so empfängt sie Vibrationen, die von potentiellen und auf der Pflanze befindlichen Beutetieren stammen und kann diese damit leichter orten. Außerdem spielen die übertragenen Vibrationen auch bei der Balz eine wichtige Rolle.[9]

Jagdverhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Wanderspinne lebt wie fast alle Spinnen räuberisch und jagt wie die meisten Vertreter der Überfamilie freilaufend und somit ohne Spinnennetz. Obgleich die bevorzugte Fangmethodik der des Lauerjägers entspricht, wartet die Große Wanderspinne wie andere Arten der Gattung Cupienius mit einem großen Spektrum an Jagdstrategien auf.

Ablauf des Beutefangs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beutefang gliedert sich in mehrere Abschnitte, die allerdings je nach Jagdtaktik variieren können. Als Lauerjäger verweilt die Spinne bevorzugt an einer Sitzwarze und lauert dort Beutetieren auf. Beobachtungen, dass die Spinne sich an ausgemachte Beutetiere anschleicht, existieren jedoch auch.[11] Entsprechend ihrem Trivialnamen unternimmt die Große Wanderspinne in ihrer Aktivitätszeit nicht selten weitläufige Wanderungen und ändert die Position für die Lauerwarte jede Nacht.[9]

Der erste Schritt für eine erfolgreiche Jagd seitens der Spinne setzt die erstmalige Registrierung und Ortung eines Beutetieres voraus, für die bevorzugt der Vibrationssinn der Spinne Einsatz kommt. Obgleich die Große Wanderspinne über einen gut entwickelten Sehsinn verfügt, nutzt sie diesen für die Jagd weniger bis gar nicht.[4] Insbesondere die Schwingunssignale, die die Spinne von Beutetieren empfängt, die sich auf den von der Großen Wanderspinne bevorzugten Pflanzen aufhalten, spielen für das Orten dieser eine wichtige Rolle.[9]

Gelangt ein Beutetier in unmittelbare Nähe oder berührt es die Spinne, stürzt sie innerhalb von 200 bis 700 Millisekunden sich auf das Beutetier. Dafür zieht die Spinne zuerst das vorderste Beinpaar dicht an den Körper und beginnt zeitgleich vorwärts zu springen. Mit dem gleichen Beinpaar wird das Beutetier auch gegriffen und anschließend zumeist mit den zwei vorderen Beinpaaren festgehalten. Bei kleineren Beutetieren genügt außerdem ein Griff durch die Tarsi. Lediglich größere oder wehrbehaftete Beutetieren werden von der Spinne mit allen vier Beinpaaren gehalten und mithilfe der Beine gänzlich umklammert. Die Beine einer Körperseite können sich je in eine Richtung bewegen. Es ist auch möglich, dass zum Beispiel der Tarsus des jeweils ersten Beinpaares mediad (zur Innenseite) bewegt wird, während sich der des zweiten der gleichen Körperseite in die entgegengesetzte Richtung bewegt und dann sofort zurückspringt. Sehr oft wird jeweils nur ein Bein beschleunigt. Es ist jedoch auch möglich, dass sich mehrere Beine gleichzeitig schnell bewegen, um beispielsweise ein Beutetier im Gleichgewicht zu halten oder es an der Flucht zu hindern. Die Spinne nutzt vermutlich die Pedipalpen für die Positionierung von Beutetieren. Die Beine der Großen Wanderspinne können in beachtlicher Geschwindigkeit bewegt werden. Dabei insbesondere die Tarsalklauen, die vorzugsweise beim Ergreifen von Beutetieren zum Einsatz kommen. Bei Dokumentierungen mittels Filmen, die je 1000 Bildern pro Sekunde enthielten, wurden Bewegungsgeschwindigkeiten der Beine von drei bis vier Millimetern pro Millisekunden erwiesen. Während einer einzelnen Bewegung steigt die Geschwindigkeit zuerst langsam an und erreicht dann ein konstantes Niveau, bis die Bewegung schließlich abnimmt und gänzlich aufhört.[11]

Kurz vor dem Biss werden die beweglichen Stacheln an den Extremitäten aufgerichtet. Konnte das Beutetier in eine dafür günstigen Position gerückt werden, wird die Spinne diesem anschließend mithilfe der Cheliceren einen Giftbiss versetzen und es somit flucht- und kampfunfähig zu machen. Bis der Biss eintritt, können 20 bis 400 Millisekunden (je nach Positionierung und Gegenwehr des Beutetiers) nach dem Zupacken vergehen. Dann werden auch die Beine der Spinne vom Beutetier gelöst, die dieses dann lediglich mit den Cheliceren festhält.[11]

Der gespannte Sicherheitsfaden verhindert, dass die Spinne während des Beutefangs weitestgehend vor Stürzen bewahrt wird oder bei einem Fall keine Verletzungen davonträgt. Dies liegt daran, dass dabei das weiche Opisthosoma durch den Faden bei einem Fall oben gehalten wird und die Spinne mit den Beinen oder dem Prosoma, die besser geschützt sind, auflandet. Muss sich die Spinne fortbewegen, wird der Sicherheitsfaden verlängert.[11]

Die Beute wird kurz vor dem Verzehr eingesponnen, was vermutlich dazu dient, dass keine empfindlichen Bestandteile der Beute, etwa Extremitäten abbrechen. Zum Schluss klettert die Spinne mit dem Beutetier in eine erhöhte Position und verzehrt dieses dort.[11]

Beutespektrum und Präventionsmaßnahmen von Schwärmern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinere kletterfreudige Froschlurche wie Leptodactylus melanonotus zählen zu den häufigen Beutetieren der Großen Wanderspinne.

Bedingt durch ihre effektive Jagdmethode weist die Große Wanderspinne ein breites Beutespektrum auf, das u. A. eine große Anzahl an Gliederfüßern umfasst.[8] In das Beuteschema der vergleichsweise großen Spinne fallen neben anderen Arthropoden auch kleine Wirbeltiere, etwa kleinere Reptilien oder Frösche.[4] Es existieren auch berichte von Kaulquappen, die sich in wassergefüllten Trichtern von Bromeliengewächsen befanden und von der Großen Wanderspinne sowie auch anderen Arten der Gattung Cupiennius erbeutet wurden.[12]

Einige Schwärmer wie Agrius cingulata sind durch den sog. „Pendelflug“ vor der Großen Wanderspinne weitestgehend sicher.

Aufgrund des hohen Jagderfolges der Großen Wanderspinne und anderer Arten der Gattung Cupiennius haben einige Arten der Schwärmer unterschiedliche Methoden entwickelt, den Beutezügen der Spinnen der Gattung Cupiennius mitsamt der Großen Wanderspinne zu entgehen. Einige üben das sog. „Blütenspringen“ aus und verweilen somit nur sehr kurz an einer Blüte, was einer dort lauernden Spinne den Zugriff deutlich erschwert. Andere können durch ihren langen Saugrüssel den Nektar der Pflanze auf die Distanz aufnehmen und somit einen Zugriff der Spinne dadurch verhindern. Wieder andere, etwa Agrius cingulata oder Neococytius cluentius erweitern das Besitzen eines langen Rüssels mithilfe des „Pendelflugs“ um eine weitere effektive Präventionsmaßnahme gegen die Spinnen, indem sie während der Nahrungsaufnahme die Blüten umschwirren, womit diese Arten die effektivsten Präventivmaßnahmen um nicht von den Spinnen erbeutet zu werden, aufweisen.[12]

Lebenszyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vielfältige Lebenszyklus der Großen Wanderspinne ist wie bei anderen Spinnen in mehrere Etappen gegliedert. Eine unterbrochene Phänologie (Aktivitätszeit) existiert dabei wie bei anderen Regenwaldbewohnern nicht, womit auch die Große Wanderspinne ganzjährig aktiv ist.

Anlegen des Spermanetzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein geschlechtsreifes Männchen der Großen Wanderspinne legt wie bei anderen Spinnen ein sog. Spermanetz an, das der Aufnahme des Spermas dient und je nach Größe des Männchens auch hinsichtlich seiner Dimensionen variieren kann. Dieses wird bei der Art in der Vegetation angelegt. Ein Männchen fertigt sein erstes Spermanetz acht bis zehn Tage nach der Reifehäutung und, sofern solche stattgefunden haben, ein bis zwei Tage nach jeder Paarung. Dabei betupft das Männchen das Spermanetz mit Sperma und positioniert sich anschließend über das Spermanetz, wobei dessen Sternum sich genau über dem Sperma befindet. Dann greift es mit seinen Pedipalpen unter das Spermanetz und nimmt abwechselnd über beide Bulbi das Spermasekret auf. Bei diesem Prozess handelt es sich um eine indirekte Spermaaufnahme.[12]

Annäherung und erste Kontaktaufnahme durch Vibrationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Spermaaufnahme begibt sich das Männchen auf der Suche nach einem Weibchen. Um Männchen anzulocken, versieht ein geschlechtsreifes Weibchen seine Sicherheitsfäden mit arteigenen Pheromonen, mithilfe derer ein Männchen schließlich zu einem Weibchen geleitet werden kann.[12] Der Bestandteil der Pheromone wurden als schwefelhaltiges Dimethylcitrat mit einer glycosidischen Bindung von 1,1' identifiziert. Das Männchen nimmt diese Pheromone mittels von dafür empfängliche Sinneszellen auf, die sich an den Porenspitzen der Sensillen befinden und Berührungen mit den Pheromonen registrieren.[13]

Eine erste Kontaktaufnahme zwischen Männchen und Weibchen findet bereits schon aus einiger Distanz statt. Die vom Weibchen abgesonderten Pheromone lösen beim Männchen Vibrationen aus, deren Schwingungen auf den Untergrund übertragen wird.[14] Hierbei spielen die von der Großen Wanderspinne bewohnten Pflanzen eine wichtige Rolle, da diese Vibrationen sich nur auf diese bedingt durch deren Aufbau und die Anpassung seitens der Großen Wanderspinne auf diese Pflanzen übertragen lassen.[9] Das Weibchen antwortet mit einer kurzen Vibration, die dennoch vom Männchen aus Entfernungen von über einem Meter wahrgenommen werden können. Mithilfe dieser Vibrationen kann ein Männchen also zusätzlich zu den vom Weibchen abgegebenen Pheromonen zu diesem geleitet werden.[14]

Die Frequenz der übertragenen Vibrationen beträgt durchschnittlich 76 Hertz. Diese Methode der Kommunikation wird auch bei Störgeräuschen oder -bewegungen an der Pflanze nicht unterbrochen und eine Kommunikation sowie eine Zusammenfindung beider Geschlechtspartner ist auch unter solchen Umständen möglich.[14]

Balz und Paarung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hat ein paarungsbereites Männchen ein Weibchen aufgefunden, beginnt es mit einem Balzverhalten, wobei es auf die Oberfläche trommelt und sein Opisthosoma wippt. Ist das Männchen dafür nah genug an das Weibchen gelangt, streicht es seine Partnerin mit den Beinen. Das Balzverhalten kann mehrere Stunden dauern. Ein paarungswilliges Weibchen antwortet ebenfalls durch das Wippen seines Opisthosomas und einer Annäherung an das Männchen.[4]

Erwidert das Weibchen die Paarungsbereitschaft, erfolgt dies Paarung. Bei dieser steigt das Männchen frontal auf das Weibchen, womit beide übereinnander befindliche Geschlechtspartner jeweils in die entgegengesetzte Richtung blicken.[4][12] Diese Paarungsstellung ist bei Spinnen der Überfamilie der Lycosoidea üblich.[12] Für die Übertragung des Spermas führt das Männchen abwechselnd seine Bulbi in die Epigyne des Weibchens.[4]

Kokonbau und Eiablabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Zeit nach der Paarung wird ein begattetes Weibchen bedingt durch den erhöhten Bedarf an Nährwerten gefräßiger und sein Opisthosoma schwillt infolge der darin heranreifenden Eier an.[4] Darüber hinaus beginnt das Weibchen zwei bis drei Tage vor der Herstellung des ersten Eikokons ein Gespinst anzulegen, das als Versteck für den Kokon dient. Dieses ähnelt den Wohngespinsten von Vogelspinnen der Gattung Avicularia mit dem Unterschied, dass es nicht röhrenförmig, sondern von der Form her dem Ausschnitt einer Kugel ähnelt. Dabei kann die Form allerdings je nach Pflanze, an der das Gespinst gefertigt wird, variieren. Ein Bromelientrichter etwa wird ebenfalls wie bei der Gattung Avicularia bearbeitet. Dieses Verhalten kann aber auch aussetzen, sodass das Weibchen kein Gespinst für diesen Zweck anlegt.[12]

Das Weibchen nimmt während dieser Zeit keine Nahrung mehr zu sich und beginnt dann für den Kokonbau eine vertikal gesponnene Unterlage mit einem Durchmesser von gut 12 Zentimetern zu anzulegen. In dessen Mitte fertigt das Weibchen dann die Basalfläche (Grundfläche) des Kokons, die einen Durchmesser von 2,2 bis 3,4 Millimetern aufweist. Daraufhin folgt der Aufbau der Seitenflächen des halbkugelförmigen Eikokons, bei dem oben noch eine Öffnung verbleibt. Durch diese legt die Spinne nun etwa 1.500 bis 2.500 Eier innerhalb von neun Minuten hinein. Die Öffnung wird dann verschlossen und die Fäden des Kokons in kleinen Schlingen angebracht, womit sich eine polsternde sowie isolierende Gespinstschicht ergibt. Der noch immer im Aufbau befindliche Eikokon wird anschließend von der Spinne mithilfe ihrer Chleliceren und Pedipalpen von der Unterlage getrennt und umsponnen und erhält dabei eine kugelige Gestalt. Der gesamte Aufbau des Kokons dauert gut 180 Minuten. Der Kokon erscheint anfangs noch weißlich und nimmt nach einiger Zeit einen bläulichgrauen Farbton an.[12]

Bewachung des Eikokons[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vollendete Eikokon wird ähnlich wie bei Wolfsspinnen (Lycosidae) von der Spinne an den Spinnwarzen angeheftet mit sich getragen.[4][12] Dabei verbleibt die werdende Mutterspinne allerdings in dem Gespinst und nimmt weiterhin keine Nahrung zu sich.[12] Im Falle einer Bedrohung nimmt ein Weibchen mit einem Eikokon zuerst eine der diverser Vogelspinnenartiger oder manchen Spinnen der Überfamilie der Lycosoidea (z. B. der Brasilianischen Wanderspinne (Phoneutria nigriventer)) ähnelnde Drohgebärde ein, bei der das erste Beinpaar und die Pedipalpen erhoben werden und somit die Warnfarben auf der Ventralseite des Körpers als auch die an den Beinen der Spinne zur Geltung kommen. Dieses Verhalten wird lediglich von Weibchen angewandt, die einen Eikokon bewachen. Andernfalls versuchen Individuen der Großen Wanderspinne sich hinter Pflanzenteilen zu verstecken. Bei Wirkungslosigkeit der Drohgebärde konnte anhand von Weibchen, die den Kokon in den Blattrichtern der Bromelienart Aechmea bracteata, in denen sich 110 bis 250 Milliliter Wasser ansammeln können, beobachtet werden, dass diese dann mitsamt den Eikokons unter Wasser tauchen und dort meist 30 bis zu maximal 90 Minuten verblieben. Den in einem Eikokon befindlichen Eiern schaden derartige Tauchgänge nicht, was vermutlich dadurch ermöglicht wird, dass in dem Kokon große Mengen an Luft gespeichert sind, die das Erhalten der Eier unter Wasser für diesen Zeitraum ermöglichen.[5]

Ein begattetes Weibchen stellt nacheinander mehrere Eikokons her. Dabei handelt es sich zumeist um drei.[4][12] Die höchste Anzahl von Eikokons, die von einem Weibchen der Großen Wanderspinne hergestellt wurden, beträgt fünf. Die Zeitabstände zwischen den Kokonherstellungen sind von der Menge der vom Weibchen aufgenommenen Nahrung abhängig.[12]

Inkubation und Schlupf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Embryonalentwicklung der Großen Wanderspinne
Dito, Fortführung

Der Kokon wird von dem Weibchen, das diese geschaffen hat, mit der Zeit vermehrt gelockert und kurz vor dem Schlupf vom Weibchen mittels seiner Cheliceren mehrfach mit Löchern versehen, die als Austrittsstelle für die Jungtiere dienen. Es wird vermutet, dass endogene (aus inneren Ursachen entstehende) Ursachen das Weibchen dazu zum notwendigen Zeitpunkt veranlassen. Der durchlöcherte Kokon wird anschließend zwischen verschiedenen Pflanzenteilen und zumeist außerhalb des Nest an einigen Fäden vom Weibchen aufgehängt. Der Zeitpunkt des Schlupfes der Jungtiere hängt von der Temperatur ab. Bei einer konstanten Temperatur von 25 °C konnte bei den von einem in Gefangenschaft untersuchten Weibchen geschaffenen Eikokons bereits 25 bis 28 Tage nach der Fertigung des jeweiligen Kokons der Schlupf erfolgen, bei konstanten 20 °C hingegen erst nach 45 Tagen. Anders als bei einigen andere Spinnen scheinen Weibchen der Großen Wanderspinne ihre Eikokons wohl unter keinen Umständen zu verzehren.[12]

Jungtier in der zweiten Fresshaut, noch in der Nähe des Eikokons befindlich.

Die Jungtiere verlassen nun den Kokon, sobald die sich im Nymphenstadium befinden und bilden eine traubenförmige Formation um diesen herum. Außerdem häuten sie sich dort einmalig. Da auch die Jungtiere beim Fortlaufen bereits Sicherheitsfäden anlegen, weitet sich die Traube aus den Jungtieren mit der Zeit. Sobald nach etwa neun Tagen der am nun leeren Kokon befindliche Dottervorrat aufgebraucht ist, beginnen die Jungtiere sich zu verstreuen.[12] Ab dann ist auch eine vermehrte Bereitschaft zum Kannibalismus unter den Jungtieren zu vermerken.[4][12] Dazu lassen sich diese an einem Spinnfaden bis zu 70 Zentimeter abseilen und besiedeln dadurch benachbarte Pflanzen oder Blätter. Dieses Phänomen wird als »Drop and swing dispersal behaviour« (abgekürzt DASDB) bezeichnet. Durch Winde kann die Reichweite aufgrund der dadurch ausgelösten seitlichen Bewegungen erhöht werden. Durch das DASDB können von den Jungtieren nur nah gelegene Habitate besiedelt werden, was allerdings die stabilen Populationen der Großen Wanderspinne als auch von Cupiennius coccineus sowie Cupiennius getazi in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten erklären könnte.[12]

Heranwachsen der Jungtiere und Lebenserwartung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juveniles Exemplar

Die Jungtiere wachsen innerhalb von acht bis zehn Monaten heran.[4] Dabei durchlaufen sie bei beiden Geschlechtern für gewöhnlich insgesamt zehn Fresshäute (Häutungsstadien bei Spinnen) sowie Häutungen, da die erste schon wie bei Spinnen üblich unmittelbar nach dem Schlupf geschieht. Bei mangelnder Ernährung kann die Spinne auch schon in neunten oder zehnten Fresshaut geschlechtsreif werden. Mit der elften Fresshaut und somit nach der Reifehäutung ist die Spinne dann ausgewachsen. Die Häutung findet wie bei den anderen Arten der Gattung statt. Demzufolge webt die Spinne kurz vor diesem Prozess einen kleinen Netzteppich an der Unterseite eines Astes, hält sich anschließend mit allen Beinpaaren an deren Position fest und legt einen weiteren Faden an. An diesem hängt die Spinne nun mit der Körperfront nach unten und kann mittels des erhöhten Hämolymphendrucks das alte Exoskelett am Rand des Carapaxes aufplatzen lassen. Dann zwängt sich die Spinne aus dem alten Exoskelett auf und streckt immer noch kopfüber am Faden hängend die Beine nach erfolgreicher Häutung aus und verbleibt in dieser Position, bis das neue Exoskelett ausgehärtet ist.[12]

Die maximale Lebensdauer der Großen Wanderspinne beträgt bei Weibchen über 600 und bei Männchen 480 Tage mit der Entwicklung innerhalb der Eier eingeschlossen.[12] Damit teilt auch diese Art mit anderen Spinnen die Eigenschaft, langlebigere Weibchen aufzuweisen.[4] Zumindest bei Weibchen ist wie bei den anderen Arten der Gattung Cupiennius bekannt, dass diese kurz vor dem Ableben ihr Opisthosoma seitlich oder über den Carapax hängen lässt, sollte es sich in einer dafür günstigen Position befinden. Der Bedarf an Nahrung erlischt ebenfalls, womit auch die Spinne die Jagd vermehrt einstellt, ehe sie diese gar nicht mehr betreibt. Sehr altersschwache Individuen der Großen Wanderspinne als auch von anderen Arten der Gattung verbleiben nur noch mithilfe ihrer Tarsalklauen an der Unterlage verankert und verenden zumeist auch in dieser Stellung.[12]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Systematik befasst sich im Bereich der Biologie sowohl mit der taxonomischen (systematischen) Einteilung als auch mit der Bestimmung (Biologie) und mit der Nomenklatur (Disziplin der wissenschaftlichen Benennung) von Lebewesen, dabei auch mit denen der Großen Wanderspinne.

Mit dem Artnamen salei soll der Zoologe John B. Sale geehrt werden.

Beschreibungsgeschichte und taxonomische Änderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Wanderspinne wurde vom Erstbeschreiber Eugen von Keyserling im Jahr 1877 zuerst als Ctenus salei beschrieben. und erfuhr danach vermehrt Umstellungen und Umbenennungen. Sie erhielt 1963 unter Mechthild Melchers ihre heutige noch gültige wissenschaftliche Bezeichnung Cupiennius salei, die ab dann allmählich die durchgehend angewandte Bezeichnung der Art wurde.[15] Die zuvor angenommene aber bereits seit 2015 von Daniele Polotow und Charles Edward Griswold angezweifelte Zugehörigkeit der Gattung Cupiennius mitsamt der Großen Wanderspinne zur Familie der Kammspinnen (Ctenidae) wurde 2019 von Luis Norberto Piacentini und Martín Javier Ramírez widerlegt, stattdessen zählt die Gattung fortan zur Familie der Fischerspinnen (Trechaleidae).[16]

Innere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Gattung Cupiennius ist die Große Wanderspinne sehr nah mit den ähnlich großen Arten Cupiennius coccineus und Cupiennius getazi verwandt, wobei C. coccineus die Schwesterart der Großen Wanderspinne und ist und beide Arten demzufolge die stärkste Verwandtschaft zueinander aufweisen. Diese drei Arten bilden eine von zwei Kladen innerhalb der Gattung. Die andere enthält die Arten Cupiennius folitalius, Cupiennius granadensis und Cupiennius panamensis. Cupiennius cubae und Cupiennius remedius sind keiner Klade zugehörig.[3] Welche phylogenetische Stellung Cupiennius chiapanensis, die vierte große Art der Gattung innerhalb dieser einnimmt, ist bislang unbekannt.

Die genauere verwandtschaftliche Stellung der Großen Wanderspinne und von C. coccineus sowie C. getazi innerhalb der Gattung wird durch folgendes Kladogramm veranschaulicht:[3]

  Cupiennius 

 C. Cubae


   

 C. remedius


  C. salei-Klade 


 Große Wanderspinne (C. salei)


   

 C. coccineus



   

 C. getazi



   

 C. folitalius-Klade


Vorlage:Klade/Wartung/3


Große Wanderspinne und Mensch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Wanderspinne zählt mitunter zu den bekanntesten Spinnenarten und erhält beim Menschen einen unterschiedlich ausfallenden Ruf.

Die Art als Forschungselement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Wissenschaft ist die Große Wanderspinne aufgrund ihrer Robustheit und Vielfältigkeit ein beliebtes Forschungselement. So wird sie u. A. für die Forschung in der Arachnologie (Spinnenkunde) als auch in anderen wissenschaftlichen Bereichen verwendet.[6]

Einfuhr durch Bananenfrüchte und Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich kommt es bedingt durch das verstärkte Vorkommen an Bananenplantagen (s. Abschnitt „Auftreten in Bananenplantagen“) wie bei den drei anderen größeren Arten der Gattung Cupiennius zu einer Einfuhr der Großen Wanderspinne nach Europa und Nordamerika durch dorthin exportierte Früchte der Dessertbanane (Musa × paradisiaca). Dieses Phänomen ist auch von weiteren Spinnen, darunter solchen der Gattung Phoneutria aus der Familie der Kammspinnen (Ctenidae) als auch von der Warmhaus-Riesenkrabbenspinne (Heteropoda venatoria) aus der Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) bekannt.[17]

Insgesamt sind Funde der Großen Wanderspinne an exportierten Bananenstauden wie bei den anderen Arten der Gattung Cupiennius häufiger als jene von Vertretern der Gattung Phoneutria, so konnten bei einer 80-jährigen Periode vor 2014 lediglich sieben Exemplare Arten der Gattung Phoneutria zugeordnet werden, hingegen fiel hier die Zahl gefundener Individuen von Arten der Gattung Cupiennius mit 39 deutlich höher aus.[18]

Durch die Ähnlichkeit zu den wegen ihrer potentiellen Gefährlichkeit gefürchteten Arten der Gattung Phoneutria, von denen dieses Phänomen auch bekannt ist, darunter insbesondere die Brasilianische Wanderspinne (P. nigriventer), haben sowohl Funde der Großen Wanderspinne als auch welche der anderen Arten der Gattung Cupiennius an exportierten Bananen insbesondere früher durch die teils fehlenden Möglichkeiten einer genauen Abgrenzung beider Gattungen zu nicht selten für Aufruhr gesorgt. Dies kann auch durch das verglichen mit anderen Spinnen imposante und damit auf einige Menschen gefährlich wirkende Erscheinungsbild der Großen Wanderspinne verstärkt werden.[1]

Bissunfälle und Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisse der Großen Wanderspinne sind überliefert.[1] Dabei gilt die Art aber zusammen mit den anderen der Gattung Cupiennius verglichen mit einigen der ihnen optisch ähnlichen Vertretern der Gattung Phoneutria, etwa der Brasilianischen Wanderspinne (Phoneutria nigriventer) als harmlos. Ferner ist die Große Wanderspinne genau wie andere Arten der Gattung Cupiennius und im Gegensatz zu denen der Gattung Phoneutria wenig aggressiv und ergreift bei Störungen oftmals eher die Flucht. Die Spinne kann sich mit einem Biss zur Wehr setzen, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlt.[4]

Die Wirkung des Bisses wird oft mit der Wirkung eines Bienenstiches verglichen, so können im Bereich der Bisswunde Symptome wie Schmerzen, lokale Schwellungen und ein Taubheitsgefühl auftreten, die nach 30 Minuten wieder abklingen.[3]

Terraristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Wanderspinne erfreut sich einer gewissen Beliebtheit als Heimtier in der Terraristik und wird als solches gelegentlich gehalten. Positiv ist für viele Interessenten die geringe Gefährlichkeit und ihr für Spinnen imposantes Erscheinungsbild. Allerdings sollte man vor dem Kauf eines oder mehrerer Exemplare der Art ihrer hohen Agilität einschließlich Laufgeschwindigkeit und ihrer nachtaktiven Lebensweise bewusst sein. Wie bei allen Regenwaldbewohnern sollten auch bei der Haltung von Exemplaren der Großen Wanderspinne die Temperatur und Luftfeuchtigkeit ihres natürlichen Habitats bestmöglich simuliert werden.[3]

Bedrohung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bestände der Großen Wanderspinne werden von der IUCN nicht erfasst, womit die keinem Schutzstatus unterliegt.[19] In ihrem Habitat ist die Art häufig anzutreffen und nicht gefährdet.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h R. S. Vetter & S. Hillebrecht: Distinguishing Two Often-Misidentified Genera (Cupiennius, Phoneutria) (Araneae: Ctenidae) of Large Spiders Found in Central and South American Cargo Shipments, American Entomologist, Volume 54, Issue 2, 2008, S. 88–93, abgerufen am 6. März 2020.
  2. a b c d e f g h i j k Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe: Key to the genus Cupiennius (Araneae, Ctenidae) von Friedrich G. Barth & Detlev Cordes, abgerufen am 24. September 2020.
  3. a b c d e f Friedrich G. Barth: Sinne und Verhalten: aus dem Leben einer Spinne, Springer-Verlag, 2002, S. 8–396.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z Francesco Tomasinelli: Cupiennius salei. The British Tarantula Society Journal, 15, 3, 2000, abgerufen am 18. April 2019.
  5. a b J. Czichos: Wanderspinnen: Tauchgang rettet die Brut auf Wissenschaft aktuell, abgerufen am 18. April 2019.
  6. a b Mit den Augen von Cupiennius salei, abgerufen am 18. April 2019.
  7. a b U. Lachmuth, M. Grasshoff & F. G. Barth: Taxonomische Revision der Gattung Cupiennius SIMON 1891, Senckenbergiana biologica, Band 85, Heft 3/6, 1984, S. 329–372.
  8. a b L. Kuhn-Nentwig, J. Schaller, W. Nentwig: Biochemistry, toxicology and ecology of the venom of the spider Cupiennius salei (Ctenidae).|mini Toxicon, 43, 5, S. 543–553, April 2004, abgerufen am 18. April 2019.
  9. a b c d e f g h i j k Friedrich G. Barth: Spiders of the genus Cupiennius Simon 1891 (Araneae, Ctenidae), Oecologia, Springer-Verlag, 1988, Ausgabe 77, S. 187–193, Doi: 10.1007/BF00379186.
  10. Bananenspinnen – und was dahinter steckt auf Portal Niedersachsen, abgerufen am 31. März 2020.
  11. a b c d e Methild Melchers: DER BEUTEFANG VON CUPIENNIUS SALEI KEYSERLING (CTENIDAE), Zeitschrift für Morphologie und Ökologie der Tiere, Heft 58, 1967, S. 321–346.
  12. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Witold Lapinski: Die Jagdspinnen der Gattung Cupiennius SIMON, 1891. Mitteilungen der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft, Heft 6, 2003, S. 9–30, abgerufen am 29. Sepbember 2020.
  13. H. Tichy, E. Gingl, R. Ehn, M. Papke & S. Schulz: Female sex pheromone of a wandering spider (Cupiennius salei): identification and sensory reception, Journal of Comparative Physiology, Ausgabe 187, Volumen 1, 2001, S. 75–78, doi:10.1007/s003590000175.
  14. a b c J. S. Rovner, F. G. Barth: Vibratory communication through living plants by a tropical wandering spider, Science, Volumen 214, Ausgabe 4519, 1981, S. 464–466, doi: 10.1126/science.214.4519.464.
  15. [1] im WSC World Spider Catalog, abgerufen am 24. November 2019.
  16. Cupiennius (Simon, 1890) im WSC World Spider Catalog, abgerufen am 24. November 2019.
  17. Arachnologische Gesellschaft e. V.: "BANANENSPINNEN", abgerufen am 25. September 2020.
  18. Phoneutria (Perty, 1833) bei der University of Florida, abgerufen am 23. September 2019.
  19. Cupiennius salei (Keyserling, 1877) auf Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 31. März 2020.
  20. L. Kuhn-Nentwig, N. Langenegger, M. Heller, D. Koua und W. Nentwig: The Dual Prey-Inactivation Strategy of Spiders—In-Depth Venomic Analysis of Cupiennius salei, Toxins 2019, 11(3), S. 167, abgerufen am 18. April 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Große Wanderspinne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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