Großeibstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großeibstadt
Großeibstadt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großeibstadt hervorgehoben
Koordinaten: 50° 18′ N, 10° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Rhön-Grabfeld
Verwaltungs­gemeinschaft: Saal an der Saale
Höhe: 286 m ü. NHN
Fläche: 16,64 km2
Einwohner: 1114 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97633
Vorwahl: 09761
Kfz-Kennzeichen: NES, KÖN, MET
Gemeindeschlüssel: 09 6 73 127
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Wiesenflecklein 4
97633 Saal a.d.Saale
Webpräsenz: [1]
Bürgermeister: Emil Sebald (Wählervereinigung Kleineibstadt)
Lage der Gemeinde Großeibstadt im Landkreis Rhön-Grabfeld
Fladungen Hausen (Rhön) Bundorfer Forst Burgwallbacher Forst Forst Schmalwasser-Nord Forst Schmalwasser-Süd Mellrichstadter Forst Steinacher Forst rechts der Saale Sulzfelder Forst Weigler Willmars Nordheim vor der Rhön Sondheim vor der Rhön Stockheim (Unterfranken) Mellrichstadt Mellrichstadt Ostheim vor der Rhön Oberelsbach Bischofsheim an der Rhön Bischofsheim an der Rhön Sandberg Schönau an der Brend Hohenroth Niederlauer Burglauer Strahlungen Salz (Unterfranken) Bastheim Oberstreu Unsleben Wollbach (Unterfranken) Bad Neustadt an der Saale Heustreu Hendungen Hollstadt Rödelmaier Wülfershausen an der Saale Höchheim Saal an der Saale Aubstadt Herbstadt Trappstadt Großeibstadt Großbardorf Sulzfeld (im Grabfeld) Bad Königshofen im Grabfeld Bad Königshofen im Grabfeld Sulzdorf an der Lederhecke Thüringen Landkreis Haßberge Landkreis Schweinfurt Hessen Landkreis Bad KissingenKarte
Über dieses Bild

Großeibstadt ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Saal an der Saale. Internationale archäologische Bedeutung erlangte die Gemeinde durch den Fund reich ausgestatteter neolithischer und hallstattzeitlicher Gräberfelder in den Jahren 1954/1955 sowie 1980.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großeibstadt befindet sich in der Region Main-Rhön, inmitten des fränkischen Grabfeldgaus. Die Gemeinde mit den Gemeindeteilen Großeibstadt und Kleineibstadt liegt an der Fränkischen Saale zu Füßen der Haßberge zwischen Saal a.d. Saale und Bad Königshofen im Grabfeld an der B 279. Sie ist umgeben von den Naturparks Rhön und Thüringer Wald.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großeibstadt gliedert sich in fünf Ortsteile[3]:

Es gibt die Gemarkungen Großeibstadt und Kleineibstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Ibinstadt wurde erstmals 786 urkundlich erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken. Ab 1317 war Großeibstadt Bestandteil des hennebergischen Amts Kissingen. Weitere Lehensträger im Ort sind in der Folgezeit u. a. die Klöster St. Stefan in Würzburg, Fulda und Wechterswinkel, die Dompropstei Würzburg, die von Heßberg und die Truchseß von Wetzhausen.[4] Der Ort kam im Rahmen des Schleusinger Vertrags 1586 vollständig zum Hochstift Würzburg, dem es bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts angehörte. Als Teil des Hochstifts gehörte der Ort dem um 1500 geschaffenen Fränkischen Reichskreis an. 1803 wurde Großeibstadt zusammen mit dem Amt Sulzfeld zugunsten Bayerns säkularisiert und im Frieden von Preßburg (1805) Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen. In Kleineibstadt hatten die Freiherren von Münster ein Rittergut, das 1806 ebenfalls an das Großherzogtum fiel. (s. Schloss Kleineibstadt).

Mit der endgültigen Auflösung des Rheinbundes im Jahr 1814 endete auch die Existenz des Großherzogtums Würzburg. Großeibstadt fiel damit an das Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die politischen Gemeinden Kleineibstadt und Großeibstadt.

Nekropolen von Großeibstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlungsgeschichte reicht sehr viel weiter zurück als die erste urkundliche Erwähnung, wie der aus archäologischer Sicht sensationelle Fund reich ausgestatteter neolithischer und hallstattzeitlicher Gräber („Hallstattwagen von Großeibstadt“) einschließlich einiger Tontrommeln aus der Zeit um 3.000 v. Chr. beweist. Das 1954/55 entdeckte Gräberfeld bestand aus Kammer-Wagengräbern, die in der Zeit zwischen 675 und 600 v. Chr. angelegt worden waren. In dem 1980 entdeckten, weitaus größeren Gräberfeld, fand man weitere sechs Kammer-Wagengräber, zwei kleine Kammergräber mit Körperbestattungen und etwa 40 Grubengräber mit Brandbestattungen. Ebenfalls in den 1980er Jahren wurden drei Totenhäuser der spätjungsteinzeitlichen Walternienburg-Bernburger Kultur ausgegraben. 1993 schließlich wurden in nur 250 m Abstand noch weitere Gräber gefunden, darunter erneut ein Kammer-Wagengrab.[5]

Die Nekropolen von Großeibstadt gelten bis heute als die Beispiele Ha C- bis Ha D1-zeitlicher Prunkgräber von Frauen und Männern einer Wagen fahrenden, international agierenden und in Form eines Kriegerbundes organisierten Elite, die unabhängig von ihren Familienverbänden extrem aufwendig bestattet wurden. Der in den Frauengräbern (Hügel 19/1981) gefundene, überaus reiche Schmuck zählt zu den reichsten der Zeit nördlich der Alpen.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleineibstadt wurde im Zuge der Gebietsreform am 1. Mai 1978 nach Großeibstadt eingemeindet.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 1259 Einwohner[7]
  • 1970: 1303 Einwohner[7]
  • 1987: 1172 Einwohner
  • 1991: 1189 Einwohner
  • 1995: 1252 Einwohner
  • 2000: 1254 Einwohner
  • 2005: 1190 Einwohner
  • 2010: 1161 Einwohner
  • 2015: 1114 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Emil Sebald (Wählervereinigung Kleineibstadt), sein Stellvertreter ist Udo Rost.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1990 neu eingeführte Wappen spaltet durch einen goldenen Kreuzstab Rot und Blau; links über drei gesenkten silbernen Spitzen ein silberner Schrägbalken auf rotem Grund, belegt mit drei blauen Ringen, rechts ein von Silber und Rot geteilter Flügel. [2]

Kommunale Allianz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Großeibstadt ist Mitglied in der Kommunalen Allianz Fränkischer Grabfeldgau.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 2005 nach der amtlichen Statistik 166 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 411. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 1999 42 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1241 ha, davon waren 1107 ha Ackerfläche und 132 ha Dauergrünfläche.

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt unter anderem folgende religiöse und kulturelle Einrichtungen:

  • die Pfarrei St. Johannes der Täufer sowie die Kuratie St. Bartholomäus – beide in der Pfarreiengemeinschaft Westliches Grabfeld, Sulzfeld (seit Sept. 2013 geleitet vom Großeibstädter Pfarrer Piotr Bruski, Pfarradministrator von Großeibstadt und Großbardorf, Sulzfeld und Kleinbardorf sowie Kuratus von Kleineibstadt).
  • den Katholischen Kindergarten St. Bartholomäus, mit Platz für 45 bis 55 Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren (Stand: 2014)
  • die Bücherei der Pfarrgemeinde (Öffnungszeiten) (Stand: 2013)

Sehenswürdigkeiten und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche und Schmiedstor in Großeibstadt; gez. von Rudi Breunig

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei Sportstätten, eine des DJK Kleineibstadt und eine des TSV Großeibstadt.[9]

Bekannte Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Braun: Landkreis Königshofen im Grabfeld. Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Unterfranken I, München 1963, S. 8–9.
  • Rudi Breunig, Ludmilla Ganß: Heimat Großeibstadt in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag Schunk, Großeibstadt 1981.
  • Petra Haller: Das Vorgeschichtsmuseum im Grabfeldgau. Ein neues Zweigmuseum der Prähistorischen Staatssammlung München, München 1991.
  • Julia Katharina Koch: Die drei neolithischen Kollektivgräber von Großeibstadt, Lkr. Rhön-Grabfeld. In: Archäologische Informationen Nr. 18,1/1995, S. 113–117, doi:10.11588/ai.1995.1.17498.
  • Georg Kossack: Gräberfelder der Hallstattzeit an Main und Fränkischer Saale, Kallmünz 1970 (= Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte Nr. 24).
  • Birgit Schmalz: Vorzeit. Spuren in Rhön-Grabfeld. hrsg. vom Verein für Heimatgeschichte e. V. Königshofen, Bad Königshofen 1998.
  • Hans Peter Uenze: Der Hallstattwagen von Großeibstadt. In: Vierrädrige Wagen der Hallstattzeit. Untersuchungen zu Geschichte und Technik, Mainz 1987, S. 69–75.
  • Johann W. Rost: Versuch einer historisch-statistischen Beschreibung der Stadt und ehemaligen Festung Königshofen und des königlichen Landgerichts-Bezirks Königshofen. Würzburg 1832, S. 108–112, 171–175.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großeibstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Vgl. u. a. Martin Trachsel: Kriegergräber? Schwertbeigabe und Praktiken ritueller Bannung in Gräbern der frühen Eisenzeit. In: Raimund Karl, Jutta Leskovar (Hrsg.): Interpretierte Eisenzeiten. Fallstudien, Methoden, Theorie, Linz 2005, S. 53–82; Anton Kern: Ein neues Schlachtmesser aus dem Hallstätter Gräberfeld. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Serie A für Mineralogie und Petrographie, Geologie und Paläontologie, Anthropologie und Prähistorie Nr. 101/1999, S. 57–67; Petra Haller: Das Vorgeschichtsmuseum im Grabfeldgau. Ein neues Zweigmuseum der Prähistorischen Staatssammlung München, München 1991.
  3. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111120/214425&attr=OBJ&val=1592
  4. Großeibstadt im Rhönlexikon
  5. Die gesamte 1. Etage des Archäologischen Museums Bad Königshofen (einem Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München) gilt der Darstellung der Hallstattzeit. Dabei nehmen die 1954/55 und 1980–1982 entdeckten Gräberfelder von Großeibstadt, mit ihren reich ausgestatteten Gräbern von Männern und Frauen, die z.T. mit hölzernen Grabkammern versehen worden waren, einen zentralen Platz ein. Als Statuszeichen eines Adeligen jener Zeit war dem Toten ein vierrädriger Wagen mit in das Grab gegeben worden. Dieser Wagen konnte 1986 rekonstruiert werden. Vgl. zur Erforschung und Bedeutung der Gräberfelder von Großeibstadt: Petra Haller: Das Vorgeschichtsmuseum im Grabfeldgau. Ein neues Zweigmuseum der Prähistorischen Staatssammlung München. In: Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte Nr. 50/1989; Hans Peter Uenze: Der Hallstattwagen von Großeibstadt. In: Vierrädrige Wagen der Hallstattzeit. Untersuchungen zu Geschichte und Technik, Mainz 1987, S. 69–75; Ludwig Wamser: Eine steinzeitliche Tontrommel aus Unterfranken, in: Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte Nr. 29/1983.
  6. Aus: Ludwig Wamser: Die Ausgrabungen 1981 in hallstattzeitlichen Nekropolen bei Großeibstadt, Landkreis Rhön-Grabfeld, Unterfranken. in: Arch. Jahr Bayern 1981, S. 40–41 sowie 104-105.
  7. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 741.
  8. Parteien und Ämter
  9. Sportstätten