Großen-Buseck

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Großen-Buseck
Gemeinde Buseck
Wappen von Großen-Buseck
Koordinaten: 50° 36′ 28″ N, 8° 47′ 11″ O
Höhe: 189 m ü. NHN
Fläche: 15,97 km²[1]
Einwohner: 5403 (2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 338 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 35418
Vorwahl: 06408

Großen-Buseck ist mit rund 5400 Einwohnern und einer Gemarkung von 16 Quadratkilometer der größte Ortsteil der Gemeinde Buseck im mittelhessischen Landkreis Gießen und zugleich Sitz der Gemeindeverwaltung. Bekannt ist Großen-Buseck durch sein Schloss, das seit 1981 als Rathaus genutzt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bestehen der Ortschaft Puchsekke lässt sich urkundlich bis in die Zeit um 1218 zurückverfolgen. Die Siedlung existierte aber schon früher, da der Kirchenbau nach den Grundmauern um 1200 datiert ist. Vom Ort sind vier Adelssitze bekannt. Zuerst wohl die Wasserburg, "Perch" in alten Urkunden benannt (erstmals 1355), der von Trohe, die auch Ganerben der Gerichtsbarkeit des Busecker Tals waren. Es war der Vorgängerbau des Busecker Schlosses. Den ersten Schlossbau errichten die von Trohe 1580. Über die Familie von Zwierlein (verwandt mit der Adelsfamilie von Buseck) kam das Schloss durch Heirat an die von Nordeck zur Rabenau und besitzt seit ca. 1860 seine heutige Gestalt als neugotischer Bau. Anfang der 1970er konnte der Abriss des Schlosses mehrfach verhindert werden, doch erst mit Übernahme durch die Gemeinde und bedingt durch die Gebietsreform in Hessen und Gründung der Gemeinde Buseck wurde der geschichtsträchtige Bau restauriert und ist seit 1981 Sitz der Gemeindeverwaltung. Parallel dazu bestand von etwa 1400 bis ins 18. Jahrhundert eine südlich gelegene Wasserburg der von Buseck, wohl als Ausgleich der Ganerbenschaft des Busecker Tals. Daneben gab es wohl noch weitere Adelssitze.[2]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1977 wurde die Gemeinde Buseck durch den Zusammenschluss der bisherigen Gemeinden Alten-Buseck, Beuern und Großen-Buseck (mit den am 1. Oktober 1971 eingegliederten Orten Oppenrod und Trohe) neu gebildet.[3]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Großen-Buseck unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[4]

  • Puchsekke (um 1218) [MGH Dt. Chron. III,2, S. 722]
  • Bucheseke, de (1238) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 27]
  • Buseck, de (1245) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 43]
  • Bussecken (um 1300) [Würdtwein, Dioecesis Moguntina 3, S. 286]
  • Grozinbucheseke, zu (1326) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2, Nr. 489]
  • Buchesecke maiori (1349) [Doepner, Altenberg, S. 416]
  • Grozen Buchesecke (1367) [Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1, Nr. 1081]
  • Großen-Buseck

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Großen-Buseck unterstand im Überblick:[4][5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Großen-Buseck das „Patrimonialgericht der Freiherren zu Buseck“ in Großen-Buseck zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Aber erst ab 1827 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit durch das „Landgericht Gießen“ im Namen der Freiherren ausgeübt. Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[9]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört.[10] Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen des Amtsgerichts Gießen, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[4]

  • 1577: 102 Hausgesesse
  • 1630: 3 dreispännige, 31 zweispännige, 11 einspännige Ackerleute, 12 Witwen, 16 Vormundschaften
  • 1669: 463 Seelen.
  • 1742: 5 Geistlicher/ Beamte, 168 Untertanen, 22 Junge Mannschaften, 14 Beisassen/Juden.
  • 1804: 1173 Einwohner
Großen-Buseck: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
1.499
1840
  
1.571
1846
  
1.612
1852
  
1.684
1858
  
1.473
1864
  
1.509
1871
  
1.518
1875
  
1.554
1885
  
1.684
1895
  
1.663
1905
  
1.697
1910
  
1.843
1925
  
1.993
1939
  
2.222
1946
  
3.218
1950
  
3.354
1956
  
3.348
1961
  
3.472
1967
  
3.592
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Bevölkerung ist evangelisch. Ihnen steht inmitten des Ortes die Evangelische Kirche Großen-Buseck als Gotteshaus zur Verfügung, deren bauliche Anfänge in die Zeit um 1200 n. Chr. zurückreichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand für die zahlreichen schlesischen und ostpreußischen katholischen Vertriebenen in Großen-Buseck die Pfarrei St. Marien, die allen Katholiken der Gemeinden Buseck, Reiskirchen, Fernwald und Allendorf (Lumda) als Gotteshaus zur Verfügung steht.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. November 1966 wurde der Gemeinde Großen-Buseck im Landkreis Gießen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Schild oben von Gold und Schwarz gespalten, unten eine geschweifte schwarz-silberne Spitze, belegt mit einem Herzdreipaß in verwechselter Tinktur, die Spitze besteckt mit je einem Widderhorn in Schwarz bzw. Gold.[11] Das Wappen wurde nach der Gebietsreform von der Gemeinde Buseck übernommen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugkreuzung in Großen Buseck

Südlich der Ortslage Großen-Buseck verläuft die B 49 Alsfeld–Limburg. Östlich besteht Anschluss an die A 5 Frankfurt–Kassel über den Anschluss Reiskirchen an der B 49. Großen-Buseck wird von mehreren Buslinien angefahren. Es verkehren die Linien 25, 26, 27 und 28 des örtlichen Verkehrsbetriebs Dieter Schwalb.

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Großen Buseck liegt an der Bahnstrecke Gießen–Fulda, die in der Hauptverkehrszeit zwei Mal pro Stunde, sonst stündlich von Regionalbahnen der Hessischen Landesbahn bedient wird.

Radwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Großen-Buseck verläuft der hessische Radfernweg R7 Limburg–Philippsthal.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6. S. 303.
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0. S. 68 f.
  • Noppes, Elke, Reinholz-Hein, Ilse, Kaul, Albrecht, Kreuter, Peter, Lied, Herbert: Das Schloß in Großen-Buseck. Geschichte eines adligen Burgsitzes, Hrsg. Gemeinde Buseck, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-930612-15-1.
  • Literatur über Großen-Buseck in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großen-Buseck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Buseck in Zahlen“ im Internetauftritt der Gemeinde Buseck, abgerufen im November 2016.
  2. vgl. bei Ortsteil Großen-Buseck auf www.buseck.de, jedoch nicht ganz mit der Literatur (Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6. S. 303 und Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0. S. 68 f.) konsistent
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 364 und 365.
  4. a b c Großen-Buseck, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 4. November 2016)
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 172, 268 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  8. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 414 (online bei Google Books).
  9. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  10. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197–211)
  11. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 28. November 1966 (StAnz. S. 1570) Seite 2 der pdf-Datei 4,4 MB