Großer Höckerflohkrebs

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Großer Höckerflohkrebs
Dikerogammarus villosus (8740859563).jpg

Großer Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus)

Systematik
Überordnung: Ranzenkrebse (Peracarida)
Ordnung: Flohkrebse (Amphipoda)
Unterordnung: Gammaridea
Familie: Pontogammaridae
Gattung: Dikerogammarus
Art: Großer Höckerflohkrebs
Wissenschaftlicher Name
Dikerogammarus villosus
(Sowinsky, 1894)

Der Große Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus), ursprünglich als Gammarus marinus var. villosa beschrieben, aber später in die Familie der Pontogammaridae gestellt, ist ein bis zu 20 mm langer räuberischer Flohkrebs. Er erhielt seinen deutschen Namen erst, nachdem er als Neozoon in fast alle deutschen Gewässersysteme eingewandert war.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Große Höckerflohkrebs wird bis zu 2 cm lang und gehört damit zu den größeren Vertretern der in Mitteleuropa anzutreffenden Flohkrebse. Seine Färbung ist variabel, weiß-gelblich bis grünlich und oft mit einer deutlichen, dunklen Bänderung versehen. Die Antennen sind rötlichbraun, die Augen rot. Zwei auffällige, kegelförmige Höcker auf den Segmenten des Rückenendes (Urosom) waren ausschlaggebend für die deutschsprachige Benennung. Die Behaarung am Flagellum der zweiten Antennen ist wesentlich länger als die einzelnen Glieder des Flagellums, an der Antennenbasis ist die Behaarung locker. Diese Merkmale unterscheiden den Großen Höckerflohkrebs von seinen Verwandten Dikerogammarus haemobaphes und Dikerogammarus bispinosus.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich in den Unterläufen der ins Schwarze Meer mündenden Flüsse verbreitet, besiedelte er die Donau lange Zeit nur bis zum Mittellauf. Der Krebs trat zum ersten Mal 1992 in der deutschen Donau, 1993 im Main-Donau-Kanal, 1994 im Main und 1995 im Rhein auf, über den er 2002 den Bodensee erreicht hat. 2007 hatte er bereits den Hochrhein bis Stein am Rhein erobert.[2] 1998 wurde die Art in der Weser bei Minden, im Mittellandkanal, Elbe-Seitenkanal, in der Elbe und im Elbe-Havel-Kanal nachgewiesen, in vielen Kanalabschnitten dabei bereits dominant auftretend. Heute ist er auch in der Elbe weit verbreitet, weitere Vorkommen finden sich in Havel und Spree. Das Tier hat inzwischen die Oder erreicht, ist im Westen bereits bis in das Rhone-System vorgedrungen und im Süden im Gardasee nachgewiesen worden. Mittlerweile ist der Höckerflohkrebs auch in einigen Seen im Voralpengebiet, wie etwa dem Zürichsee in hohen Dichten verbreitet. Er wurde hier erst im Februar 2006 entdeckt und hat zuvor offenbar in wenigen Jahren unbemerkt den ganzen See besiedelt.[3] 2010 wurde die Art auch in Großbritannien nachgewiesen.

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Individuen findet man oft unter Steinen oder in Ritzen, wo sie sich mit ihren abgespreizten Peraeopoden (Brustbeinen) III-V verkeilen. Er ist häufig in Kolonien der Wandermuschel. Kleinere Individuen besiedeln auch den oberflächennahen Algenfilz von Steinen und Spundwänden.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Große Höckerflohkrebs ist ein Allesfresser. Er ernährt sich räuberisch als Fressfeind von Gammarus tigrinus (wie er selbst ein Flohkrebs der Unterordnung Gammaridea) und vermutlich wichtiger Räuber von Chelicorophium curvispinum. Seine rasche Ausbreitung ist auf seine große Aggressivität im Biotop zurückzuführen, die bereits zu einer Verminderung der Artenvielfalt und zu lokalem Aussterben bestimmter Spezies geführt hat. Neben der räuberisch erbeuteten Nahrung kann der Große Höckerflohkrebs auch von abgestorbenen Pflanzenresten leben.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weibchen trägt das stets größere Männchen schon vor der Eiablage auf dem Rücken mit sich herum (Prekopula). Das Weibchen legt die Eier dann in einen Brutraum an der vorderen Bauchseite ab. Nach der Befruchtung durch das Männchen verbleiben die Eier bis zum Ausschlüpfen der fertigen Jungkrebse in diesem Brutraum. Wie alle Flohkrebse betreibt also auch der Große Höckerflohkrebs Brutpflege.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Uta Mürle, Andreas Becker und Peter Rey: Ein neuer Flohkrebs im Bodensee. Dikerogammarus villosus (Grosser Höckerflohkrebs). 2003 PDF
  2. Krebse müssen zum „Vaterschaftstest“. ORF Vorarlberg, 15. Juni 2007, abgerufen am 26. Dezember 2020.
  3. Großer Höckerflohkrebs: Verbreitung in der Schweiz und im Rhonegebiet

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Große Höckerflohkrebs. In: Fauna Europaea Database. European Commission under the Fifth Framework Programme, abgerufen am 27. Februar 2010 (englisch).